Skip to content

Nun wollen CDU-Größen Frau Kramp-Karrenbauer "retten"

Unter dem Deckmantel von Vernunft, Ethik und Gutmenschentum kommen nun willfährige Unterstützer von Frau AKK zu Wort. Das Lächerlichste, das ich überhaupt las: Man nimmt Frau Kramp-Karrenbauergegen Anfeindungen in Schutz“ und verlangt nach Altherrenmanier und konservativer Denke „einen Diskurs über Grenzfragen“.

Wohlan, Christlich Demokratische Union: Ihr schafft es wahrhaftig noch, das ganze Netz gegen euch aufzubringen.

Dabei verhehle ich gar nicht, dass die Kommunikationskultur im Netz bisweilen unter aller Sau ist und dass jeder von uns dagegen etwas tun kann. Aber diese Diskussion, Frau Anja Karliczek, Herr Carsten Meyer-Heder und wen es sonst noch betrifft, hat weder etwas mit der Pressefreiheit noch mit dem Versagen der CDU bei der Europawahl zu tun.

Und: Wer eine ehrliche Diskussion will, sollte sich auch einen ehrlichen Zeitpunkt dafür aussuchen.

Union wiederholt Adenauers Versagen

Es waren nicht Erhard und nicht Kiesinger – es war bereits Adenauer, der falsche Signale setzte. Er hatte schlicht und einfach beschlossen, dass die Jugend keine Meinung haben durfte, und dass es Pflicht des Staates war, sie möglich „klein zu halten“.

Seit einiger Zeit sieht die CDU dies erneut so: Zwar kann sie die Jugend nicht mehr mundtot machen, aber sie hat das andere CDU-bewährte Rezept eingesetzt: Ignorieren. Also sucht sich die Jugend eine Partei, die ihre Anliegen ernst nimmt: Sie wählt Grün. Warum sie nicht SPD wählt, liegt auf der Hand: falsche Themen. Rente und soziale Gerechtigkeit sind nicht die Hauptthemen, die junge Menschen heute umtreiben. Und der junge Mann, der neulich sozusagen als „Ersatzsozialist“ dummes Zeug redete, spricht heute nicht einmal mehr Gewerkschaftler an, geschweige denn Jugendliche. Und „Links“ ist inzwischen völlig out: Warum bitte sollte jemand eine Partei wählen, die nochmals den Sozialismus in Deutschland versuchen will?

Die Jugend, mindesten die im Westen, hat der CDU gezeigt, dass sie so nicht weitermachen kann. Und ob eine stumpfe Rednerin ohne Charisma wie diese Frau AKK jemals irgendjemanden überzeugen kann, ist ebenfalls höchst fragwürdig.

Wenn die CDU sich nicht völlig ändert und endlich Ökologie und Ökonomie in einen für alle erträglichen Rahmen bringt, ist die weg vom Fenster. Und die Führung? Um Himmel willen, welche Führung? Und falls es sie dennoch gibt, mit welchem Ziel?

Keiner weiß, wer wirklich zu DIR passt

Dieses Matching sollte immer funktionieren ...
Der Schlüssel zu einer dauerhaften Beziehung ist: Komptabilität, das heißt „exakte persönliche Übereinstimmung“ und nicht „andere Leute mit ähnlichen Interessen oder politischen Ansichten zu treffen".


Das meint Fernando Ardenghi, der für seine „reine Lehre von der Übereinstimmung“ überzeugt ist. Ich will euch in einem etwas längeren Beitrag schreiben, warum ich das für Unsinn halte.

Primitiv-Matching

Nun reichen ähnliche Interessen, örtliche Nähe und möglicherweise auch politische Einstellungen zwar dazu, jemanden kennenzulernen, aber nicht dazu, eine Beziehung einzugehen. Es wäre ja auch völlig unsinnig, dies anzunehmen. Insofern sind die Matching-Algorithmen, die aus den sozialen Netzwerken gefischt werden, absoluter Unsinn.

Kein Beweis für den Erfolg „persönlicher Übereinstimmungen“

Doch halt - es gibt ebenso wenig einen Beweis dafür, dass eine „exakte persönliche Übereinstimmung“ zu stabilen Beziehungen führt. Zumal es keine Kriterien für das Vermessen der Persönlichkeit gibt, die wirklich tragfähig sind. Die Anhänger des Fünffaktorenmodells (Big Five) bekämpfen die Freunde von Myers-Briggs, deren Verfahren sie als unprofessionell bezeichnen. Und beide werden von den Erfindern neuer Modelle bezichtigt, zu ungenau zu sein.

Was ist nun wahr? Ist „die“ Psychologie überhaupt kompetent?

Die Theorien zur „Einordnung“ von Persönlichkeiten stammen tatsächlich aus der Psychologie – nämlich von Carl Gustav Jung. Aber nun bitte nicht gleich vor Ehrfurcht Strammstehen - das Ganze war ein Versuch, um Persönlichkeiten zu „klassifizieren“ – und nicht mehr. Ob die Psychologie überhaupt erstens befugt und zweitens in der Lage ist, die Persönlichkeit zu klassifizieren, ist fragwürdig. Die Kriterien sind mehr oder weniger aus der Luft gegriffen, genau genommen sind sie nichts als Annahmen. Selbst, wenn sie keine Annahmen wären, müsste die Hierarchie der Merkmale überprüft werden, weil sie – mindestens in der Denkweise der Psychologie - vermeintlich vorrangige und nachrangige Eigenschaften in ein Wertesystem setzt.

Die Psychologie gibt sich aber nicht mit der Klassifikation zufrieden – sie behautet, auch Kriterien dafür zu haben, wer zu wem passen könnte. Diese Behauptung ist noch um einiges dreister als die Grundannahme, Persönlichkeiten zutreffend klassifizieren zu können.

Die drei Lieblingsbehauptungen zu „Passungen“ (Matching)

Die „Passung“, auch „Matching“ genannt, kann auf unterschiedlichen annahmen beruhen, die allesamt niemals von irgendjemandem bewiesen wurden, die aber einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit aufweisen:

1. Die gängigste Behauptung – Gleich und Gleich

Am gängigsten war lange Zeit die Behauptung, „Gleich und Gleich gesellt sich gerne“ – allerdings waren damit nicht überwiegend persönliche Eigenschaften gemeint, sondern zumeist soziale. Wenn das Thema wissenschaftlich exakt zu bewerten wäre, müsste die erste Frage sein: In was sollten die Eigenschaften gleich sein? Und vor allem: Was bringt das eigentlich?

2. Der Kompromiss - Ergänzungen

Ein gängiger Kompromiss könnet sein, dass gewisse Eigenschaften (auch durchaus psychologiefremde) gleich sein könnte, während sich ein Paar in anderen Eigenschaften ergänzen sollte. Das bringt Synergien für beide Partner und damit für das Paar.

3. Der Kompromiss (zweite Version) beziehungsrelevante Eigenschaften

Die Erfindung „beziehungsrelevanter Eigenschaften“ geht nach meinen Quellen auf Professor Manfred Hassebrauck zurück – es ist im Prinzip eine griffige Formulierung, denn fast jeder wird sich fragen: „ja, auf was denn sonst?“ Und doch bleiben Zweifel – denn es sind nicht allzu viele Kriterien, die der Professor isolierte. Zu den von ihm genannten Eigenschaften gehören etwa Grundbedürfnisse wie das Verhältnis von persönlicher Freiheit und Engagement für das, was ein „Paar sein“ bedeutet.

4. Die Anziehung durch unterschiedliche Eigenschaften

Im Bereich der Unternehmensgründer gilt: Die Eigenschaften eines Gründerpaares sollten möglich unterschiedlich sein. Gilt das auch für eine Beziehung? Auch hier behaupte die Psychologen schnell etwas, was dann in eine Verallgemeinerung übergeht: Die „fatale Attraktion“, im Volksmund auch „Gegensätze ziehen sich an.“ Sie soll gar nicht funktionieren. Hier soll nicht in Abrede gestellt werden, dass es so etwas gibt - aber wenn wir sagen: „Nö, also das geht nun gar nicht, wenn beide unterschiedlich sind“, müssen wir nachfragen: Ja, in was waren (oder sind) sie denn unterschiedlich?

Das Fazit: Sinnvoll ist, was uns voranbringt

Etwas sehr Einfaches: Extreme sind selten hilfreich, und fremde Definitionen noch weniger. Kaum jemand wird wirklich seinen „geistigen Zwilling“ heiraten –also fällt Nummer EINS schon mal aus. Und Nummer VIER auch – denn wenn die Eigenschaften zu unterschiedlich sind, gibt es nicht nur Ärger, sondern die Unterschiede öffnen auch Tür und Tor für die geistige, emotionale, sexuelle, soziale oder finanzielle Ausbeutung. Die Theorie Nummer DREI ist mittlerweile in Vergessenheit geraten – nur die Online-Partnervermitter waren zeitweilig ihrer Faszination erlegen, weil sie sehr eingängig war und sie sich leicht vermitteln ließ. Also werden wir uns wohl auf Theorie ZWEI festlegen müssen – sie ist die ökonomisch sinnvollste, weil sie Synergien produzieren kann – nicht nur im Wirtschaftlichen, sondern auch im sozialen und emotionalen Bereich. Das Prinzip heißt hier: Aneinander wachsen und für beide etwas zum Positiven verändern.

Na schön, ihr habt meine Meinung gelesen. Was sagt ihr dazu?

Die Sozialdemokratie: Labern ist kein Erfolgsrezept

Eigentlich wissen wir das schon – die Sozialdemokratie zerlabert sich schon seit Monaten. Doch nun versucht Juso Kevin Kühnert den Zwergenaufstand:

Angesichts des fragilen Zustands der Koalition haben wir keine Zeit zu verlieren, um unsere Programmatik gemeinsam mit den 600 Delegierten auf den aktuellen Stand zu bringen.


Mein lieber Herr Kühnert, die Leute hier in der Welt interessiert nicht, welche „Programmatik“ ihr derzeit auf den „aktuellen Stand“ bringen wollt. Und eure 600 Delegierten werden daran nichts ändern.

Und „keine Zeit verlieren“? „Zügig handeln“? Ein, ei … da wäre es natürlich ganz hübsch, begeisternde Ziele vorzustellen, die außer euren 600 Nasen auch noch andere interessieren.

Vielleicht hört der Juso-Mann ja mal auf altere und erfahrenere. Die gibt’s in der SPD natürlich auch. Und so sagt Thorsten Schäfer-Gümbel über diejenigen von uns, die SPD wählen könnten: „Sie brauchen nur mal einen guten Grund, und den gibt es eben nicht wirklich". Aber es gibt einen Grund, auf keinen Fall SPD zu wählen, und den kennt Hubertus Heil (SPD): „Eine Partei, die nur um sich selbst kreist, darf sich über mangelnden Zuspruch nicht wundern“. Und trifft auf den Kopf, warum es der SPD so schlecht geht. Es ist nicht die „Unkenntnis des Programms“, das die Wähler von der SPD fernhält – es ist die Partei als solche, die nicht überzeugt, und es sind die Figuren, die ständig an die Spitze geschoben werden und die kaum Charisma haben.

Das Versagen

Ja klar, da gibt es diese Typen (auch Typinnen), die immer siegen. Hochnäsig und rotznasig erklären sie jedem, der es (meist nicht) wissen will, warum Sie so hoch hinauskamen. Doch kein ausgesprochen erfolgreicher Mensch, den ich kenne, redet so. Das Glück wirkt nicht ausschließlich dem Tüchtigen, und das Unglück trifft nicht immer die Unfähigen. Der Kaufmann alter Schule weiß, dass er täglich gewinnen und verlieren kann – und jeder andere sollte es auch wissen.

Das Versagen gehört zum Leben wie der Erfolg. Der Kampf um die schönste und sinnlichste Frau ist zumeist aussichtslos, und der bestbezahlte Job in der Firma winkt nicht dem, der sich am intensivsten darum bemüht.

Wer versagt, ist kein Versager. Die Geschichte der „Sieben Faulen“ lehrt, dass Menschen durchaus versagen dürfen, wenn sie dies nicht „demotiviert“, wie man heute sagt. Und viele andere neuere Geschichten von „Stehaufmännchen“ (und „Stehauffrauchen“) lehren uns, dass wir uns durchaus einmal irren dürfen, versagen dürfen und aussetzen dürfen.

Heute wird viel über Rasensport geredet werden, und wie werden viele Geschichten darüber hören, wer, wie und wann versagt hat.

Das ganze Reden wird nichts nützen. Und obgleich „die Nation“ nun den Kopf hängen lässt: vielleicht könnte sich Deutschland auch mal über etwas Sinnreicheres definieren als über Fußball.