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Die Krone beschimpft die Jugend – und wirft ein Unwort in den Ring

„Wie es scheint“, ist die einzige Anmerkung, dass es sich um eine Möglichkeit handeln könnte. Ansonsten ist die Art, wie eine Journalistin der Wiener Boulevardzeitung "Krone" in einem namentlich gezeichneten Beitrag die Jugend diffamiert, kaum erträglich.

Da wird „das Verhalten der nicht-beziehungsfähigen Generation immer schlimmer“. Das ist an sich schon eine böswillige Unterstellung über Menschen, die einmal unsere Zukunft sichern sollen. Und in Österreich ja wohl auch die Zukunft der Österreicher.

Und so geht es gerade weiter: Die Generation „Y oder Z von 2019“ (1) sei „zu feige zu sein, um jemandem die Meinung zu sagen?“ Die Autorin geht noch weiter und rotzt die Jugendlichen noch einmal an:

In der Blüte des Lebens stehend, haben sie ja offenbar nichts zu verlieren und Anstand findet man in Sachen Ehrlichkeit und Zwischenmenschlichkeit beim Dating selten.


Ich habe keine Ahnung, wie alt die Autorin Vanessa Licht ist und woher sie ihre „wertvollen Informationen“ bezieht. Sie selbst meint, so etwas höre sie „in der U-Bahn“.

Worum geht es? Heiße Luft, der für Wirbel sorgen soll

Es geht übrigens um fast gar nichts. Der Begriff, den Frau Licht „erläutert“, heißt „Soft Ghosting“ und er ist kein Trend, sondern einer der vielen Wortbegriffe, die heute erfunden werden, um in der Presse zu landen – mal von Bloggern, mal von anderen Journalisten.

In diesem Fall kommen (nach Pressemeinungen) möglicherweise ein Dating-App-Betreiber, Instagram (Overheard LA, Humormagazin, 23. Juli 2019) und für die weltweite Verbreitung die „Huffington Post“ infrage, die einen Artikel über das Thema etwa zeitgleich mit „Fox News“ veröffentlichte. Dem schloss sich alsbald das Frauenmagazin „Glamour“ an, sowohl die deutsche wie die englische Ausgabe. Die meisten Zeitungen veröffentlichen den vermeintlichen „Trend“ zwischen dem 13. und 20. September 2019, unter anderem auch bekannte österreichische Medien. Die älteste Quelle, die ich finden konnte, ist in der Tat „Instagram“.

Nach einer der Hauptquellen, die für die Verbreitung sorgten, wird allerdings behauptet:

Nach Aussagen von Louise Troen von Bumble, sei 'soft ghosting' die letzte Entwicklung in einer langen Reihe von Dating-Begriffen.


Hat die Dating-App Bumble nun den „Trend erfunden“ wie wie wir in der britische Boulevard-Zeitung „Metro“ lesen können? „Metro“, glaubt dies, wie es scheint, sagt aber zugleich, „Bumble“ sei nicht „verantwortlich für dieses schreckliche Handeln.“ Immerhin kam der Name „Bumble“ dadurch mal wieder in die Presse.

Dating-Trends - Behauptungen, um die Auflage zu steigern

„Das schreckliche Handeln“ indessen hat sehr viel Ähnlichkeit mit anderen sogenannten "Informationen" über „Dating-Trends“, die am Schreibtisch erfunden werden, um sich dann ausführlich darüber auslassen zu können und die Auflagen zu steigern – und wie man sieht, funktioniert es auch. Nur die Beschimpfung der Jugend ist neu.

Weitere Quellen, Recherche und Fakten-Check:

(1) Generation Y – geboren 1981 bis 1996
Generation Z – geboren 1997 bis 2012

Beide Angaben lassen sich nicht ganz genau abgrenzen. Es betrifft also die Menschen, die heute zwischen sieben und 38 Jahre alt sind, und falls wirklich nur „ab Teenageralter“, dann die 13 – 38jährigen. Da wundert man sich schon, wenn eine Journalistin so etwas zusammenschreibt.


Artikel über Soft-Ghosting in Österreich:

Wienerin und Miss.at

Deutschland: Glamour.

Lexikon (global, englische Sprache): Urban Dictionary

Die Nicht-Arbeiter-Partei für niemanden mehr: SPD

Es gibt sie nicht mehr, die Arbeiterpartei. Die SPD hat hübsch verschlafen, dass es einen Wandel in der Bevölkerungsstruktur gab. Und wenn wir’s mal klar sagen wollen: Brandt und Schmidt waren wahrhaftig keine „Arbeiterführer“, sondern standen für Jugend und Ausgleich (Brandt) oder (Schmidt) für die Versöhnungen von Wirtschaft und Arbeiterschaft. Und der Herr Schröder? Er wurde gewählt, weil sehr viele Menschen in Deutschland die Nase voll von Kohls „Aussitzen“ der Probleme hatten.

Die SPD versucht zu punkten – bei dem, was sie „soziale Gerechtigkeit“ nennt und was außer ihr kaum jemand begreift. Hin und wieder lässt sie ein paar sozialistische Sternlein blitzen, weil sie meint, dass „links“ noch Blumentöpfe zu gewinnen wären. Dann wieder will sie absolut die „Robin-Hood-Partei“ sein und Mietern dort helfen, wo es mit ihr oder ohne sie keine Wohnungen gib. Ihr Vorstoß in der Rente war zwar richtig und wichtig, aber dann kam eben doch wieder der Sozialismus durch.

Über Personalien nur so viel: Es ist ein absoluter Unsinn, eine Frau an die Spitze zu setzen, nur weil der vermeintlichen Konkurrenz auch eine Frau die Zügel führt. Das Duell der schwächelnden Damen an der Spitze ist eher eine Farce. Alles, was ich derzeit höre, klingt nach „weiter so“, oder „wir sind ja so herrlich und hervorragend – wozu brauchen wir das Volk?“

Letzter Punkt: Links-Sozialismus, Verstaatlichung (oder „Vergesellschaftung“), Enteignung der Massen (nur eine Wohnung besitzen) oder andere sozialistische Wahnvorstellungen würden die Jugend ansprechen?

Wer es glaubt, mag es glauben. Ich nicht.

Union wiederholt Adenauers Versagen

Es waren nicht Erhard und nicht Kiesinger – es war bereits Adenauer, der falsche Signale setzte. Er hatte schlicht und einfach beschlossen, dass die Jugend keine Meinung haben durfte, und dass es Pflicht des Staates war, sie möglich „klein zu halten“.

Seit einiger Zeit sieht die CDU dies erneut so: Zwar kann sie die Jugend nicht mehr mundtot machen, aber sie hat das andere CDU-bewährte Rezept eingesetzt: Ignorieren. Also sucht sich die Jugend eine Partei, die ihre Anliegen ernst nimmt: Sie wählt Grün. Warum sie nicht SPD wählt, liegt auf der Hand: falsche Themen. Rente und soziale Gerechtigkeit sind nicht die Hauptthemen, die junge Menschen heute umtreiben. Und der junge Mann, der neulich sozusagen als „Ersatzsozialist“ dummes Zeug redete, spricht heute nicht einmal mehr Gewerkschaftler an, geschweige denn Jugendliche. Und „Links“ ist inzwischen völlig out: Warum bitte sollte jemand eine Partei wählen, die nochmals den Sozialismus in Deutschland versuchen will?

Die Jugend, mindesten die im Westen, hat der CDU gezeigt, dass sie so nicht weitermachen kann. Und ob eine stumpfe Rednerin ohne Charisma wie diese Frau AKK jemals irgendjemanden überzeugen kann, ist ebenfalls höchst fragwürdig.

Wenn die CDU sich nicht völlig ändert und endlich Ökologie und Ökonomie in einen für alle erträglichen Rahmen bringt, ist die weg vom Fenster. Und die Führung? Um Himmel willen, welche Führung? Und falls es sie dennoch gibt, mit welchem Ziel?

Der Klatsch der frühen Jahre

Und erinnerst du dich noch an „N“? Nein, denn erstens ist meine Erinnerung an Namen schwach, wenn ich sie nicht mit Gesichtern verbinden kann, und außerdem – ging mich dieser Name etwas an?

Nein, nicht wirklich.

Doch der ehemalige Schulkamerad will eine Geschichte erzählen – von N., der ihm einst seine Lockensammlung zeigte. Locken? Eine Locke von deinem Haar, wie im Kitschschlager? Ich hörte, dass sich die nämliche Lockensammlung auf einem Stücken Pappe in der Brieftasche des Besagten befand, und dass sie aus roten, blonden und dunklen Schamhaarlocken bestand. Solche Locken gab’s damals selbst bei höchster Aktivität nicht für Geld noch für gute Worte.

Die Sache sollte die Zuhörer – zwei Damen, zwei Herren und mich – offenbar faszinieren oder empören oder so etwas. Tat sie aber nicht. Zu lange her, zu fremd, zu befremdlich. Kein Interesse, keine Empörung – nicht einmal ein Erröten. Allenfalls ein leichtes Lächeln: Ach so etwas taten die Jungs damals? Wann eigentlich? Vor 50 Jahren? Rechnet bitte nicht nach, aber die Sache muss sich in den 1960ern abgespielt haben. Vielleicht gab’s die Locken doch für Geld?

Nicht nur die Wollust, auch das Leid und das Dahinsiechen klingen manchmal durch, wenn sich die älteren Herrschaften treffen. Die einst körperlich eher Schwachen trifft es wie die einstigen Sportskanonen. Es gibt keine Garantiescheine im Leben – auf gar nichts. Dieser erzählt von jenem, der Nächste weiß etwas über einen anderen. Natürlich will man gelegentlich wissen, was aus den „Mädchen und Jungs“ geworden ist. Aber manchmal denke ich, dass es nicht klug ist, Geschichten „über“ andere zu hören. Wir sollten sie von ihnen selbst hören, solange sie noch erzählen können, und von uns, wenn wir sie wirklich vermissen. Ich hoffe sehr, dass niemand über meine lustvollen Facetten spricht und ich würde jemanden dafür hassen, wenn er berichten würde, wie ich leide, falls dies eintreten sollte. Mir ist genau dies bewusst geworden: Mitleid mag hübsch klingen, aber eigentlich gehört das Private nicht in die Öffentlichkeit.

Linke Politik in 12 Thesen? Nein, danke …

Nun gibt es wieder mal gute Ratschläge an den Kandidaten der SPD. Sogar „12 Gebote sollen es sein, aufgestellt vom „klugen Soziologen Oliver Nachtwey“ und für den Spiegel umgesetzt von keinem geringeren als Jakob Augstein.

Egal, wer es sagt, ob er sich dann klug wähnt oder nicht: Ich persönlich hasse es, wenn irgendein Mensch dahertrabt und sagt: Hey Leute, ICH weiß genau, worum es geht. Und genau das lese ich jetzt (Zitat):

Es geht um: Hoffnung statt Angst, Solidarität statt Wettbewerb, Zukunft statt Vergangenheit, Gerechtigkeit statt immer mehr Ungleichheit.


Geht es wirklich darum? Wer sagt, dass es darum geht? Und welche Gründe findet jemand dafür, dass „es“ darum geht? Warum beispielsweise „Hoffnung statt Angst“? Zuversicht wäre besser als „Hoffnung.“ Oder wollen wir wirklich unter Menschen leben, die sich allesamt „Hoffnung“ als Lebensmotto erwählt haben? Genauso könnte man die nächsten Dualismen zerpflücken, besonders „Zukunft statt Vergangenheit.“ Die ewig Gestrigen, jene also, die sich vor der Zukunft fürchten und die Vergangenheit verherrlichen, gibt es in jeder der mir bekannten Parteien – auch in der SPD.

Natürlich kann man Nachtwey/Augstein zustimmen, wenn sie sagen: Die Jugend ist die Zukunft eines Landes (und Europas, nebenbei bemerkt). In der Folge heißt dies aber nichts mehr als: „Gute Politik ist Zukunftspolitik, und der Jugend gehört die Zukunft.“ Und ja – die Parteien haben nicht gerade die Jugend im Auge – auch die SPD nicht, die wohl eher den „hart arbeitenden Menschen“ in mittleren Jahren ansprach als einen nach Gemeinschaft, Genuss und Geld dürstenden Jugendlichen. Von anderen Parteien gar nicht erst zu reden.

Ich denke, dass man niemanden mit den 12 Thesen hinter dem Ofen hervorlocken kann – schon gar nicht, wenn man sie in Allgemeinplätzchen verbackt – dann werden sie wirklich ungenießbar. Ach so – natürlich brauchen wir den Sozialstaat – und genau den haben wir schon.

Übrigens habe ich die Thesen von Herrn Nachtwey auf Twitter nachgelesen. Braucht man wirklich Klugheit, um sie aufzustellen?