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Reden, um einander auszuhalten?

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Sicher, man kann reden, wenn man einander etwas mitzuteilen hat. Man kann auch reden, weil man zu neuen Erkenntnissen gelangen möchte. Heute hörte ich von einer weiteren Möglichkeit:

Es geht in Unterhaltungen nicht unbedingt darum, den anderen zu verstehen, sondern es miteinander auszuhalten.


Und nun denke ich: Aha, so denken die Leute hier. Und ich gestehe:

Ich halte es nicht aus, wenn es nur darum geht, einander auszuhalten.

Dann gehe ich, still, ohne die Tür zuzuschlagen. Sollen die anderen weiterreden, um einander auszuhalten.

Zitat aus dem Roman „Fallensteller“ von Saša Stanišić .

Tuten, Blasen – und wieso eigentlich Nachtwächter?

Sie haben „Keine Ahnung von Tuten und Blasen“? Ja, da sind die Internet-Sprachforscher schnell, zumal, wenn sie voneinander abschreiben, was eher die Regel als die Ausnahme sein dürfte. Denn schon haben sie den Nachtwächter in Verdacht, die Grundlage für den immer noch populären Spruch geliefert zu haben. Nach ihrer Meinung war der „Nachtwächter“ wirklich ein solcher, nämlich ein Mann, dem man kaum etwas anderes zutrauen konnte. Und weil man dann noch schnell hinzufügte, dass der Nachtwächter ja in manchen Städten ins Horn tutete, was gleichbedeutend mit „ins Horn blasen“ sei, so wurden dann diejenigen, die nicht einmal zum Nachtwächter taugten, abgewertet. Sie hätten, so die Meinung, „keine Ahnung von Tuten und Blasen

Gut, gut … aber warum der Nachtwächter, warum nicht der Kuhhirte? Immerhin steht der Spruch ohne Nachtwächter in der Sammlung „Proverbiorum copia, etlich viel Hundert lateinischer und teutscher Sprichwörter“ von 1601 – und das ist verflixt lange her. Es klang fast wie heute: „Er kan weder thuetten noch blasen.“ Und ja, der Begriff ist durch und durch norddeutsch geprägt: „He weet so veel van tuten, as van blasen“, und das gibt es in vielen Varianten, zum Beispiel auch in Ostfriesland, wo man schrieb: „he weet van geen tuten of blasen“ (Er versteht weder etwas vom Tuten noch vom Blasen).

Nun liegt zwar nahe, dass der Nachtwächter tutet, und er mag auch blasen (was letztlich kaum ein Unterschied ist). Doch ein „Gaslicht ausblasen“, und dies gar noch im Mittelalter? Nein, das macht der Nachtwächter nicht. Wenn er tutete oder blies, dann ließ er sein Horn ertönen – falls er eines hatte, denn nicht alle Nachtwächter führten Hörner mit sich. Die Zeiteinteilung stimmt in etwa – im 17. Jahrhundert gibt es einzelne Belege dafür, dass Nachtwächter nach dem Schließen der Stadttore für Ruhe und Ordnung sorgten, die Zeit ansagten oder bei Ausbruch eines Feuers ins Horn bliesen. Ob es zuvor tutende Nachtwächter gab und was sie sonst konkret taten, ist allerdings so unsicher wie der Ursprung des des Tutens und Blasens.

Werbung: Mehr angreifbare Erotik oder nur mehr weibliche Empörung?

Ein „Beschwerdewachstum“ (man beachte das Unwort) hab es bei der „Schmuddelwerbung“ (auch hübsch, nicht wahr?) gegeben. Ob es aber auch mehr Werbung gegeben hat, die absolut unlauter, diskriminierend oder gefährdend war, ist damit noch nicht gesagt. Und dazu wusste „Onlinehändller“ dies:

Übrigens ist „geschlechterdiskriminierende Werbung“ laut Handelsblatt aktuell der Hauptgrund für Beschwerden.


Das Handelsblatt, aus dem der „Onlinehändler“ zitiert, nennt zwei Gründe und redet eher Tacheles - und da lesen, wir dann:

Zum einen sieht er die Debatte über die Gleichstellung der Geschlechter und das von der SPD geforderte gesetzliche Verbot sexistischer Werbung als Auslöser vieler eingereichter Motive.


Zum anderen gehen derzeit die Jedermann-Petzen, seinen sie nun bigott, etepetete oder feministisch, mit dem Smartphone auf die Pirsch – das macht die Beschwerde offensichtlich leichter.

Über die SPD und ihre Absichten wird noch zu reden sein. Bekanntlich sind die Sozialdemokraten immer dafür, alles so weit zu regulieren, dass der liberale Geist dabei auf der Strecke bleibt. Mal beugt man sich damit den Forderungen der Gewerkschaften, mal denen des Feminismus. Mal sehen, was die Partei noch hervorbringt - aber Blumentöpfe gewinnt man mit dem "Verbot sexistischer Werbung" jedenfalls nicht.

Danke, Holland

Die Wähler in Holland sind nicht in die Falle des Populisten Geert Wilders gegangen – aus gutem Grund, denn die Niederlande profitiert von Europa wie auch Europa von den Niederlanden profitiert. Und wir alle profitieren vom liberalen Geist Europas.

Damit haben auch die übrigen Nationalpopulisten einen Dämpfer erhalten, und man darf hoffen, dass die Feinde des liberalen Staates, die sie letztlich sind, überall an Ansehen verlieren. Gerade hatte ein anderer Populist ja verkündet, dass der die freie internationale Presse, die Europäische Union und das internationale Kapital als Feind ansieht – und wie man einmal wieder sieht, vertragen sich wenigsten im letzten Punkt Rechtaußen und Linksaußen recht gut.

Man muss sich den Satz merken: Die „liberalen Weltmedien“ sind daran schuld, dass die Populisten nicht an die Macht kommen – und dass sie ebenfalls „Schuld“ daran sind, wenn die Machthaber (noch) kontrolliert werden.

Kein Wunder, dass es so beginnt: Man skandiert „Lügenpresse“ und meint damit gar nicht die Sensations- und Boulevardpresse. Sondern genau die Medien, die unsere Informationsfreiheit garantieren.