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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Das "Kommunikationsmodell" nach Sigmund Freud ist frei erfunden

Es wird oft behauptet, es gäbe ein „Kommunikationsmodell von Sigmund Freud“.

Tatsache ist: Dieses Modell haben sich Menschen ausgedacht, die eine Brücke bauen wollten zwischen Sigmund Freud und Paul Watzlawick. Es ist in mehr als einer Hinsicht falsch, von einem „Kommunikationsmodell von Sigmund Freud“ zu sprechen - alles, was dazu geschrieben wurde, basiert auf Behauptungen.

1. Freud hat kein „Eisbergmodell“ entwickelt, es wird ihm nur zugeschrieben.
2. Von Paul Watzlawick wird behauptet, er habe das Freud’sche Eisbergmodell verwendet – es steht nicht einmal im Inhaltsverzeichnis von „Menschliche Kommunikation“.
3. Die Aussage, dass 20 Prozent der Kommunikation in Worten abgewickelt wird, aber mindestens 80 Prozent auf anderen Wegen (beispielsweise analog) ist eine Behauptung. Sie beruht auf dem Pareto-Prinzip das ebenfalls lediglich eine Behauptung darstellt.

Bei eigenen Recherchen habe ich festgestellt, dass zur Frage „Freud und Kommunikation“ ein Autor vom anderen abschreibt. Dadurch wird die Behauptung ständig weiterverbreitet, ohne dass ihr Wahrheitsgehalt infrage gestellt wird.

Appell an die Bildungsminister für ein Pflichtfach „Medienkunde“

Die KI bietet unendliche Möglichkeiten, das Wissen des Einzelnen zu bereichern. Sie stellt allerdings die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung, um unser Denken und Fühlen zu manipulieren, Fehlinformationen zu verbreiten und das Zusammenleben bewusst zu vergiften.

Ein Appell


Angesichts dieser Tatsache und der bei Weitem unterschätzen Gefahren fordern namhafte Pädagogen inzwischen dazu auf, Medienkunde als Hauptfach an allen Schulen zu unterrichten.

Die meisten Stellungnahmen zur Medienkunde werden immer wieder kopiert – aber sie stammen zumeist noch aus einer Debatte, die einstmals als „Digitalkunde“ bekannt wurde – etwa im Jahr 2019. Heute (2026) sagen viele Fachleute: Die Schule hat sich viel zu spät entschlossen, die digitale Welt in ihre Unterrichtspläne zu integrieren. Inzwischen greift die KI weit in unseren Alltag ein, sodass es Zeit wird, Alarm auszulösen.

Zum Teil wird dies bereits versucht (1) – aber es reicht nicht aus. Zudem versuchen Vertreter der „alten Schule“ das Schulfach „Medienkunde“ kleinzureden. (2)

„Ein grundlegendes Verständnis der technischen Funktionsweisen sowie das Erkennen von Chancen, Grenzen und Risiken der neuen digitalen Möglichkeiten sind für einen verantwortungsbewussten und reflektierten Umgang sowie für einen lernförderlichen Einsatz im Unterricht und beim Lernen zu Hause unabdingbar. Ziel muss es sein, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, die neuesten digitalen Entwicklungen kritisch-reflektiert anwenden zu können, um digital mündig zu werden. … Mit Blick auf die Gefährdung demokratischer Strukturen durch KI-generierte und -verbreitete Falsch- und Desinformation gewinne die Medienbildung und -erziehung in allen Lernbereichen an Bedeutung.“


Hinweis: Der Autor dieser Zeilen befindet sich im Ruhestand und verfolgt mit diesem Artikel keine Wirtschaftsinteressen.

(1) Deutsches Schulportal
(2) (Auf der Zielseite bitte Kommentare lesen) - news4teachers)
(3) Aktuelle Informationen zu den Gefahren: The Instability Of Truth", New York 2025.

Die vollständige Übereinstimmung

Ich hörte dieser Tage von einer Behauptung, dier einigen anderen Aussagen im Internet ähnelt:

Eine vollständige Übereinstimmung in der Kommunikation bedeutet, dass das „Gesagte“, der „Tonfall“ und die „Körpersprache“ sowie die innere Haltung von Sender und Empfänger perfekt übereinstimmen und indem keinerlei Zweifel oder Widersprüche mehr bestehen.

Eine perfekte Übereinstimmung, auch in der „inneren Haltung“?

Ich weiß nicht, aus welcher Denkrichtung solche Behauptungen stammen. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass die Beweise für solche kühnen Thesen niemals erbracht werden konnten.

Das Projekt „Kommunikation“ nimmt Form an

Ich habe mich entschlossen, meine Gedanken zur menschlichen Kommunikation“ erst einmal auf „Realfeelings“ zu veröffentlichen. Für mich ist dieses Blog sehr hilfreich, weil es bereits seit langer Zeit meine Gedanken zu „menschlichen Gefühlen“ enthält. Kurz gesagt ist es der Versuch, Gefühle vom Ballast psychologisch-philosophischer Fragen zu befreien und neue Fragen zu stellen, die sich eher durch Naturwissenschaften beantworten lassen.

Bei der menschlichen Kommunikation setzte ich dort an, wo die Theorie ihre Faszination verliert: in der Praxis. Gleichwohl nenne ich die historischen Wurzeln der Kommunikationstheorie, benenne aber auch ihre Schwächen, sie in den Alltag umzusetzen.

Wer es lesen mag: Hier ist der Schlüssel zu der vorläufigen Version, die noch aus lauter Einzelartikeln besteht.

Was noch fehlt, sind einige Kurzbeiträge in einfacher Sprache. Ich arbeite daran.

Wer mag, soll sie bitte beurteilen, kritisieren oder meinetwegen auch verreißen. Wer sie gut findet, kann es einfach in die Welt des Internets hinausposaunen. Wer sie nicht mag, könnte dies vorzugsweise mir sagen.

Ich bin gespannt ...

Schräge Gedanken am Freitag - heute: Authentizität

Ich arbeite weiterhin am Thema „Kommunikation 2026“. In meinem Kopf mischen sich Gedankensplitter aus einer Dating-Sendung wie „peinliche Gesprächspausen“ mit dem abgehobenen psychologischen Jargon, den eigentlich kein Mensch braucht. Was zu sagen wäre, ließe sich mit einigen klaren, verständlichen Sätzen wiedergeben. Einige der US-amerikanischen Autoren tun es sogar. Gerade las ich einige Passagen aus „Don‘t Be Yourself“, ein Buch, das ich selbst mit relativ bescheidenen Englischkenntnissen verstehe.

Das Thema der „Authentizität“ wird so gerne behandelt, weil die Menschen „echte“ Werte von „unechten“ unterscheiden wollen. Das ist im Grunde Blödsinn, weil der „Wert“ einer Aussage in der Kommunikation vom Empfänger beurteilt wird. Im Grunde fragt sich der Empfänger sogar: „Welchen Wert hat ein Satz des Senders für mich?“ Er fragt keinesfalls: „Ist dies seine/ihre authentische Sichtweise?“

Nehmen wir an, es handele sich tatsächlich um den Aufbau einer persönlichen Beziehung. Dann sehen wir unser Gegenüber überwiegend in der Rolle, die wir im Umgang mit ihm/ihr kennen. Seine/ihre Chefs, Mitarbeiter, Kunden oder wer auch immer kennen die Person in einer anderen Rolle, die auch ein anderes „Wir“ beinhaltet.

Was für andere gilt, gilt auch für uns selbst. Die Persönlichkeit der Menschen besteht nicht aus „einem inneren Selbst“, das ewig in diesem Zustand verbleibt. In Wahrheit haben wir gelernt, unsere Persönlichkeit so anzupassen, dass wir in verschiedenen Situationen „authentisch“ wirken.

Damit wäre im Grunde alles gesagt: Authentisch ist, wer als authentisch wahrgenommen wird.

Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Gebhard Roese aka sehpferd


Buch: Don't Be Yourself, Boston 2025.