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Ich bin etwas Besseres, weil …

Hierarchien gibt es überall, mal über die Geburt, mal über das Einkommen, mal über die Bildung. Noch meine Großmutter glaubte fest an die Standessgesellschaft: Sie wusste genau, dass die Arbeitertochter den Arbeiter heiratet, die Beamtentochter den Beamten, die Angestelltentochter den Angestellten und die Bürgertochter den Bürger. Falls Sie sich wundern sollten, dass der Adel nicht vorkam: „Adel“ ist in meiner Geburtsstadt verpönt. Ich lernte, herabzusehen auf die Plebs und hinaufzusehen auf dien reichen Bürger.

Neben der Plebs bestand ihr Feindbild hauptsächlich aus Kultur schaffenden, hinter denen sie ein Lotterleben vermutete. Jedenfalls war sie in heller Aufregung, als sie hörte, dass ich mit Künstlern, Lebenskünstlern und Journalisten in Kontakt kam. Die waren ja nun wirklich „nichts Besseres“.

Woher nehmen wir nur die Idee, „etwas Besseres“ zu sein? Wir können dem Bauern das Säen und Ernten abschauen, dem Maurer das Mauern und Verfugen, dem Künstler das Erschaffen und Reproduzieren. Das Besondere zeigt sich in uns aber erst, wenn wir alle Fähigkeiten und alle Erfahrungen bündeln, um sie dann dem harten Wind der Öffentlichkeit auszusetzen. Ob Sie Maurer oder Professor sind: Wenn das Gebäude hält, was Sie errichten, dann haben Sie ihr Ziel erreicht.

Nein, ich bin nichts Besseres, weil … bestenfalls bin ich „anders als“. Und ich bin so geworden, weil ich nicht auf diejenigen gehört habe, dich mich mal an die eine, mal in die andere Richtung drängen wollten. Ich habe auf mich gehört, bin auf die Nase gefallen und wieder aufgestanden und habe damit mehr erreicht, als wäre ich meines Lehrherrn untertänigster Diener gewesen.

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