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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Das Sehpferd-Team beendet die Liebeszeitung

Die Liebeszeitung schwamm zu ihren besten Zeiten auf den Wogen des Online-Datings. Gegründet habe ich sie im September 2009, nachdem ich mich von einigen anderen Projekten verabschiedet hatte.

Schon 2013 vor der App-Schwemme gewarnt

Schon 2011 witterte ich, dass die neu aufkommenden Apps, die damals speziell für Mobiltelefone „erfunden“ wurden, zu manchen Verwerfungen am Markt der Lust führen würde. Bereits 2013 habe ich vor der App-Schwemme gewarnt, die bald zu einer Art Überflutung führte – doch meine Warnung kam zu früh. Erst gegen die 2020 er Jahre. Im Juni 2020 war es dann soweit: Dating-Apps“ wurden immer fragwürdiger.

Klar, dass meine Beiträge der Branche nicht erfreut über meine Kritik war - aber nach und nach gefielen sie auch meinem Publikum nicht mehr. Damals, also 2020, war auch noch nicht klar, dass sogenannte Dating-Apps durchaus „Risiken und Nebenwirkungen“ haben könnten.

Meinungsbilder, Macht und Medien

Nach und nach verlagerte sich das Meinungsbild der Medien, während die Wahrheiten über die Grundlagen der Partnersuche immer mehr im Morast der Medienberichte verschwanden. Dabei ist nicht einmal sicher, aus welcher Quelle die fragwürdigen Informationen stammten. Die „Berichterstattung“ der Presse fußte immer häufiger auf Informationen der Dating-Branche, aber auch die Macher der sozialen Medien hatten Anteil daran. Sogar manche „Wissenschaft“, vor allem aus dem Bereich der Psychologie, traten als „Fachleute für Beziehungen“ ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Im Grunde genommen war dies eine Fehlentwicklung: Man vermied, das Thema „Partnersuche“ an den Wurzeln zu packen. Die suchenden Personen spielten gar keine Rolle mehr, sondern letztlich die Meinung, die Psychologen, Soziologen und Kaufleute über sie hatten. Das „Hier und Jetzt“ geriet in Vergessenheit – und auch, dass wir alle von den Themen betroffen sind. Neuerdings werden wir wieder aufgefordert, feste ethische Anker zu suchen, statt uns bewusst zu werden, dass wir uns alle voneinander unterscheiden udn die Gemeinsamkeiten erst selber entdecken müssen.

Die App-Krise und die überflüssigen Kommentare dazu

Die kürzlich lautstark ausgerufene „Krise“ der Apps oder des „Online Datings“ hat allerlei Kommentatoren hervorgespült, die in Wahrheit schlecht informiert waren. Das ist die mildeste Form, in der ich es ausdrücken kann. In Wahrheit hatten sie nicht die geringste Ahnung, worüber sie schrieben. In der Partnersuche springt uns das Leben selbst an – genau dort, wo wir jetzt sind.

Wer darüber noch einmal nachlesen will: In der Liebeszeitung spiegelt sich die gesamte Entwicklung wider – mit all den Warnungen seit 2013, also bereits seit über 12 Jahren.

Ich werde hier dann und wann über die wahren Hintergründe der Partnersuche schreiben, aber nicht so oft, dass ich euch, den meinen Leserinnen und Lesern des „Sehpferds“ auf den Geist gehe.

Du und deine Erwartungen zu Lust, Sex und Liebe

Das wacklige Gerüst unserer Alltagsauffassungen der Wirklichkeit (ist) im eigentlichen Sinne wahnhaft … (und wir sind) fortwährend mit einem flicken und abstützen beschäftigt.

Paul Watzlawick

Hast du dich mal gefragt, warum du erwartest, Lust zu empfinden, Sex zu haben und Liebe geschenkt zu bekommen?

Bemühen wir ruhig die Wissenschaft. Ich meine nicht denjenigen Teil, der die Psychologie vergangener Tage neu bebrütet – sondern den Teil, der versucht, das lebendige Dasein zu erklären.

Dann lesen wir zum Beispiel dies:

Kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse sind wie die Luft, die wir atmen – oft unsichtbar, aber sie beeinflussen unsere Erfahrungen tiefgreifend. Von religiösen Lehren bis hin zur Darstellung von Sexualität in den Medien prägen diese externen Faktoren unsere Überzeugungen und Erwartungen in Bezug auf Sex und Erregung.

Um es mal klar zu sagen: So etwas wie eine absolute Wahrheit über das Denken und Fühlen existiert nicht. Die Realität ist in uns, und durch uns wird sie erschaffen.

Das bedeutete: Wir können unseren Geist dadurch einfrieren, dass wir immer mit den gleichen Leuten reden, die ähnliche Meinungen vertreten. Dann ändert sich nichts, weil alles „bestätigt“ wird.

Gegen das Fassadendenken

Doch wollt ihr das wirklich? Euer Gehirn ist durchaus in der Lage, neue Szenarien aufzubauen, sie zu verwirklichen und zu eurem „eigen“ zu machen. Wenn du aufmerksam bist, wirst du erkennen, dass es sowohl in dir wie auch in anderen Menschen Wirklichkeiten gibt, die im Fassadendenken nicht vorkommen – und die dennoch überraschend real werden können.

Leute, die sehr klug sein wollen, nennen das „Konstruktivismus“ – aber es ist nichts anderes als eine Lebensform, die wählbar ist. Der Unterschied zu anderen Vorstellungen? Menschen, die sich aufgemacht haben, die Welt nicht passiv hinzunehmen, konstruieren sich eine erweiterte Realität, in der sie leben können. Diese „persönliche Wirklichkeit“ ergänzt das, was andere „die Realität“ nennen.

Jeder, der einmal in einer anderen Kultur gelebt hat, weiß um diese Tatsache – spätestens, wenn er oder sie dann zur „alten“ Kultur zurückkehrt.

Du bist nicht allein mit deiner Realität

Zurück zur Lust: Du lebst nicht auf einer einsamen Insel – da sind andere. Du kannst ganz sicher sein, dass es einige gibt, die mit dir gemeinsam eine eigene Realität aufbauen werden. Allerdings brauchst du den Mut, sie anzusprechen. Denn offene Kommunikation ist der Schlüssel zu all jenen Realitäten, die zwischen zwei Personen entstehen können - aber den anderen Menschen oft verborgen bleiben.

Unser Autor schrieb dies für alle, die Partner suchen und die eine gemeinsame Realität suchen. Erwartungen sind nach seiner Ansicht Gift für die Partnersuche.

Zitat Oben: Watzlawick, Paul, München 1976 in "Wie wirklich ist die Wirklichkeit"?

Zitat im Innentext: neurolaunch (englisch, verständlich geschrieben, humorvoll

Der Wert des Doktor-Grads und die Frage der KI

In einer Zeit, in der alles beforscht wurde und vieles davon öffentlich zur Verfügung steht, darf man sich getrost fragen, ob der Doktorgrad noch den gleichen Wert hat, wie vor 50 oder 100 Jahren. In meiner Jugend wurden nur Ärzte und Anwälte so angeredet, auch wenn es noch einige andere Menschen mit Doktortitel gab. Die Bedeutung des Titels war also vergleichsweise gering.

Plagiate und KI - das neue Thema

Wobei auch die Frage ist: Was ist ein Plagiat, wenn sich jeder beliebige Text durch KI so verändern lässt, dass die Quellen textlich nicht mehr erkennbar sind? Müsste dann nicht jede These auf den Sinngehalt untersucht werden?

Heute reicht es, ein paar Zeilen einer Doktorarbeit uns Internet einzugeben, um ein Plagiat zu finden. Aber was tun wir, wenn die KI an der Doktorarbeit fleißig mitgewirkt hat? Benötigen wir dann eine KI, um festzustellen, welche andere KI hinter dieser Arbeit stand?

Der Doktortitel kann zu Geld gemacht werden

Der Doktorgrad bringt ohne Zweifel Geld ein – für Informatiker soll es fast 18 Prozent sein (sagt übrigens eine KI, die ihre Quelle nicht nennt). Doch die gesellschaftliche Bedeutung des Doktortitels sinkt erkennbar.

Gerade wurde einem deutschen Ministerpräsidenten der Doktortitel aberkannt. Das ist auch anderen Politikern schon passiert, und die polternde Häme der Presse folgte solchen Ereignissen früher auf dem Fuß.

Und heute? Entscheidend für eine Person ist, was sie anderen bedeutet – und nicht, ob sie einen Doktortitel hat. Nur im engeren Kreis der Konservativen zählt der ideelle Wert des Titels.

Ich las und hörte, dass der „Doktor“ vor allem als Experte für Problemlösungen angesehen wird. Hoffentlich wissen dies alle, die den Titel tragen.

Shameless – ist das „schamlos“?

Schauen wir mal aufs Altenglische: Dann könnte das Wort so viel wie „frei von Schande, tadellos oder entschuldbar“ bedeuten. Aber wir leben ja nun mal nicht im Jahr 1200 und auch nicht in England.

In der Tat bedeutet es heute – im Vereinigten Königreich wie auch bei uns - „schamlos“. Und „schamlos“ steht im Delischen für jemandem, der etwas „über Gebühr“ versucht: ein schamloser Wüstling, ein solcher Ausbeuter oder Betrüger. Wenn man so will also ein ehrloser Mensch.

Was bedeutet "schamlos"?

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache kennt zwei aktuelle Bedeutungen:

1. Grob gegen Sitte und Anstand verstoßend, unsittlich, unanständig.
2. Ohne jede Scheu sich über die Grenzen des Taktes hinwegsetzend, unverschämt, dreist, unverfroren.

Es gibt eine andere Bedeutung, wenn jemand sagen will, dass er in einer Situation keine Scham empfindet, etwa dann, wenn er sich dort entkleiden soll, wo es angebracht ist. Dann würde man sagen, diese Person würde etwas „ohne Scham“ tun. Die Bedeutung wäre dann „ohne zu erröten“ oder etwa in einer ähnlichen Situation „frei von Scham“ zu sein. Das gilt insbesondere dann, wenn bekannt ist, dass viele Menschen solche Situation aus „falscher Scham“ meiden.

Schamlos als sogenannter "Datingtrend"?

Und nun lese ich, dass es einen „neuen Datingtrend“ gibt: „Shameless Dating“ genannt. Wie fast immer, steckt ein Dating-Unternehmen hinter dem angeblichen Trend – und Journalisten verbreiten solche „Trends“ in Windeseile.

Klar, das steckt auch etwas Sinn dahinter: „Du sollst deinen Partner beim Treffen nicht verkohlen“, heißt es salopp. Und im Text:

„'Shameless Dating' ... (sagt) ... der gespielten Harmonie den Kampf an.“

Bei so viel Unsinn gehen mir die Zehennägel hoch. Denn es war noch nie richtig, den zukünftigen Partner nach Strich und Faden zu belügen – so wenig, wie es empfehlenswert ist, gleich mit den Sexwünschen ins Haus zu fallen. Und abgesehen davon sagen Trends gar nicht an. Es sind nach wie vor Menschen, die etwas bewirken.

Trend gegen Trends - so herum und anders herum "wissenschaftlich"?

Umes ganz klar zu sagen: Der „neuste“ Dating-Trend ist ein Trend gegen so viele andere Trends, die ebenfalls niemals „Trends“ waren. Und „ehrlich“ lässt sich ebenso blumig inszenieren wie „hard to get“. Beide sind angebliche Trends und beider wurden angeblich „wissenschaftlich“ untersucht. Im Grunde versuchen Partnersuchende dabei, ihre vorgebliche Attraktivität dadurch zu vergrößern, dass sie nahezu unerreichbar sind. Auf Deutsch sagte man wohl auch „sich rarmachen“ oder man benutzt Sprüche wie „willst du was gelten, mach dich selten.“

Nun fehlen nur noch zwei Namen: Die Dating-App, die dahintersteckt und das Etikett „Gen Z“. Und ein Blick in Suchmaschinen: überall ähnliche Texte mit ähnlichen Folgerungen.

Ich vermute, dass sich weder die „Gen Z“ noch irgendjemand anders wirklich solchen Trends folgt. Denn noch sind wir Menschen und nicht Tanzbären der Dating-Branche.

Quellen, Zitate.

Hauptquelle: Esquire (deutsch)
Sprachvergleich (englisch): etymonline
Sprachbegriff (deutsch): dwds. (2 wörtliche Zitate)
Ursprüngliche Herkunft der Daten: Pressroom.
Gegensätzlich mit wissenschaftlichem Hintergrund: deutsche welle.

KI - verschwinde aus allem, was Liebe angeht

Es ist kaum zu erwarten, dass wir die KI durch Gesetze eindämmen können. Und wir müssen wirklich damit rechnen, dass KI von ideenreichen Softwareingenieuren offen oder verdeckt eingesetzt wird. Das gilt natürlich auch für die privaten Benutzer – denn der Traum, etwas mit der KI zu „verbessern“, treibt vor allem diejenigen an, die am wenigsten Erfolge haben.

Selbst der Papst hat sich nun dazu geäußert – und nicht aus religiösen Motiven, sondern aus der berechtigten Sorge, dass wir uns von der KI leiten lassen – also nicht von unseren eigenen Motiven. Ich zitiere hier mal:

Wir brauchen Gesichter und Stimmen, um wieder das Menschliche zum Ausdruck zu bringen. Wir müssen die Gabe der Kommunikation als tiefste Wahrheit des Menschseins bewahren und jede technologische Innovation darauf ausrichten. (auf X)

Klar – auch das sind nur Appelle, die ohnehin nur die erreichen wird, die selber in der Lage sind, nachzudenken. Teile der Branche sind längst überzeugt, dass sie mit KI mehr Geld scheffeln können als ohne.

Warnungen und Geschäfte mit Gefühlen

Es mag also durchaus inzwischen aussichtslos sein, Appelle zu verbreiten. Denn auf jeden Warner kommen zwölf Dutzend profitinteressierte Menschen, die KI für Liebes- und Kennenlernfragen nutzen werden.

Bestenfalls bei Privatleuten habe ich noch Hoffnung, dass sie nicht auf die KI mit all ihren Avataren, Chat-Bots und künstlich „veredelte“ Realmenschen hereinfallen.

„Seid vorsichtig!“ – da ist der harmloseste Appell, den ich an euch richten kann. Wenn ihr KI nutzt, um besser „rüberzukommen“, seid ihr Opfer und Täter zugleich. Opfer einer schamlosen Umbewertung von Personen in Objekte. Und Täter, weil ihr diese Tendenz mit eurem Einsatz fördert – ob ihr das nun wollt oder nicht.

KI ist sinnvoll - abe nicht in der Gefühlswelt

Um es noch mal klar zu machen: Ich bin kein KI-Gegner – kein vernünftiger Mensch wird sich gegen diese Entwicklung stellen, wenn es um eine größere, verlässlichere Wissensbasis geht. Aber wenn wir von Gefühlen sprechen, dann sprechen wie von unserem Inneren zu dem Inneren eines anderen Menschen. Und das muss so bleiben, sonst gerät unsere soziale Kultur aus den Fugen.

(1) Papst Leo XIV auf „X“:

We need faces and voices to once again speak the person. We need to safeguard the gift of communication as the deepest truth of the human being, and to orient every technological innovation toward it.