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Der Erfolg bei der Partnersuche – Matches, Dates oder Vorgehensweise?

3. Teil von drei Teilen: Zahlenspiel oder Erwartungen? Mehr desselben oder etwas anderes? Heißsporn sein oder „cool“ bleiben? (Die übrigen Teile im Anhang).

Prüfe alle Vorschläge, Empfehlungen und "Matches"

Wann immer du eine Person gefunden hast, von der behauptet wird, dass sie mit dir „matcht“, dann solltest du das noch einmal genau überprüfen. Das Profil eignet sich hervorragend, um weitere Informationen zu bekommen. Ist die Selbstdarstellung belanglos, dann wirst du kaum auf interessante Person treffen. Ist sie hingegen übertrieben, so ist zu erwarten, dass die Person beim Treffen einen deutlich schwächeren Eindruck hinterlässt. Was zählt, sind Fakten über Aussehen, eigene Vorstellungen, Lebensumstände, Berufstätigkeit und Wünsche an andere.

Warum „Matches“ unzuverlässig sind

Kein „Match“ muss zwangsläufig passen – die Messung der Merkmale ist immer ungenau, egal, wer die Fragen erstellt und die anschließende Programmierung der Algorithmen vorgenommen hat. Um es mit einem Satz zu sagen: „Wer wirklich zu dir passt, weißt du nur – und falls du es nicht weißt, kann es auch kein anderer „für dich wissen“.

Der ultimative Test, ob es passt – die Begegnung

Der „echte“ Matching-Test findet immer im „richtigen Leben“ statt. Beim ersten Date kannst du herausfinden, ob deine Ziele und die Ziele der anderen Person in etwa übereinstimmen – jedenfalls aus deiner Sicht. Die Erfahrung lehrt, dass beide Partner nicht immer gleicher Meinung sind. Nach dem gegenseitigen Überprüfen der Lebensziele folgt der Test um das Denken und Fühlen – also all der Werte, die in den üblichen Profilen nicht auftauchen.

In diesem Bereich spielen gute Fragen eine große Rolle. Es lohnt sich daher, einige Kenntnisse über Kommunikation zu besitzen. Gegen Ende eines „Dates“ sollte das Interesse an der anderen Person größer geworden sein. Falls es er anderen Person ebenso geht, steigt das Interesse aneinander, was letztlich zum sinnlichen Verlangen führen kann. Wenn es nun irgendwie weitergehen soll, steht am Ende des ersten Dates oder zeitnah danach die Verabredung zu einem zweiten Date.

Ist körperliche Anziehung für ein zweites Date nötig?

Nun fehlt nur noch die körperliche Anziehung. Sie wird oft schon beim ersten Date erwartet. Allerdings besteht ein Unterschied darin, ob du die andere Person vorerst nur sympathisch findest oder ob du sofort Lust auf Sex verspürst. Durchaus möglich ist, dass ein „zweites Date“ bessere Voraussetzungen für Intimität schafft als das erste Date.

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Das war eine lange Erklärung, nicht wahr? Aber es ist der wichtigste Teil dieser Betrachtungen.

Was passiert eigentlich, wenn du nicht den gewünschten Efolg hast?

Ja ... und nun ... kann es leider trotzdem sein, dass ihr beide doch nicht zusammenkommen wollt – aus „technischen Gründen“, wegen der Lebensentwürfe, aus dem emotionalen Gefüge heraus ... und ... und ...

Wenn du betroffen sein solltest, kannst du dir ja nach einmal überlegen, ob das alles so wichtig für dich ist, oder ob du einen Kompromiss mit dir schließen könntest.

Wenn ein Date erfolglos endet

Nehmen wir an, das Date mit der ersten Person, die du getroffen hast, endet ohne den gewünschten Erfolg.

Dann warte ein paar Tage und versuch es mit einer anderen Person, die dir vorgeschlagen wurde. Bleib "ccol", beovor due weiterliest. Denn nun reden wir übert Erfolgschancen in Zahlen.

Wie viele reale Dates brauchen Partersuchende zum Erfolg?

Ausnahmsweise gebe ich die Antwort vorab:

Zwischen DREI und 25 DATES.


Nun die Einzelheiten dazu:

- Bei bereits geklärten technischen Voraussetzungen (Alter, Wohnort und andere Grunddaten) kann jedes siebte Date zu Beziehung führen.
- Bei viel Erfahrung, bestem Abgleich und etwas Toleranz können bereits eins bis drei Dates zum Erfolg führen.
- Bei hohen Erwartungen (Stichwort: Ansprüche) oder schlechtem „Abgleich“ mit den Vorschlägen benötigst du deutlich mehr erste Dates – bis zu 25 sind jedoch noch akzeptabel.
- Falls du nach 25 Dates immer noch keinen Erfolg hattest, ist es an der Zeit, eine andere Kennenlern-Möglichkeit zu versuchen oder dich von einer neutralen Person beraten zu lassen.
- Es gibt im Internet durchaus Personen, die behaupten, mehr als 30 Dates zu benötigen – auffällig dabei ist, dass die Kriterien so gut wie nie genannt werden.


Die Bedeutung dieser Zahlen für dich persönlich

Obwohl im Internet viele abweichende Zahlen zu finden sind, liegen die bekanntesten Schätzungen zwischen „fünf und 25“ Dates liegen. Diese Werte wurden jedenfalls 2026 als relativ normal abgesehen. Die höheren Zahlen ergeben sich daraus, dass die Ansprüche einerseits immer höher werden, der Partnermarkt diese Ansprüche aber nicht erfüllen kann. Die geringeren Zahlen ergeben sich aus Erfahrung, sorgfältiger Selektion und etwas Toleranz. Ein Date pro Monat zu zelebrieren ist nicht sonderlich schwierig, während ein Date pro Woche auf Dauer zur Belastung wird. Ein Vorschlag wäre, bei einer einjährigen Laufzeit des Vertrags etwa alle 14 Tage ein Date einzuplanen – das ergibt maximal 24 Dates im Jahr. Soweit die „Zeitplanung“. Doch es gibt auch ökonomischere Wege. Bei ihnen ist eher die Frage, wie du weniger, aber dafür qualitativ bessere Dates bekommst.


Weniger ist oft mehr

Dazu habe ich eine ganz einfache Frage an dich:

Was ist einfacher – eine Auswahl aus fünf Möglichkeiten zu treffen oder eine Auswahl aus 50 Möglichkeiten?

Nun?

Ich hoffe, ihr habt „fünf mögliche Partner“ gewählt. Solltest du für „50“ votiert haben, dann bedenke bitte, wie hoch der Aufwand wäre, „den Einen“ oder „die Eine“ dabei herauszupicken.

Deshalb plädiere ich für eine kleine, aber gezielt ausgewählte Gruppe vom drei bis maximal acht Kandidaten oder Kandidatinnen, die du in bis zu drei Monaten locker treffen kannst. Übrigens ist es besser, sich schnell zu entscheiden, falls du glaubst, den „Richtigen“ oder „die Richtige“ schon beim zweiten oder dritten Date gefunden zu haben. Denn wenn der oder die anderen drei ganzen Monate warten soll, bis du „mit deiner Wahl durch“ bist, kann er oder sie sich längst anders orientiert haben.

Warum steigt die Anzahl der Dates bis zum Erfolg an?

Neuerdings wird berichtet, dass die Suchenden heute mehr „erste Dates“ benötigen als noch vor 20 Jahren. Der Hauptgrund dafür sind gestiegene Ansprüche an den Partner, aber auch völlig überzogene Vorstellungen von den eigenen Möglichkeiten. Zudem versuchen immer mehr Beziehungsanfänger, sich über die neuen Möglichkeiten problemlos einen Partner an Land zu ziehen. Es ist also immer günstig, die eigenen Möglichkeiten halbwegs realistisch einzuschätzen. Wenn du drei Mal bei einem Model oder eine Professorin abgeblitzt bist, dann ist vermutlich weder ein Model noch eine Professorin die richtige Wahl für dich. (Was umgekehrt natürlich auch gilt).

Nach so viel Informationen in diesem dritten Teil erkläre ich im Anhang noch, warum sich der Erfolg nicht „hochrechnen“ lässt und wo die „Stolpersteine“ liegen. Wer für sich selbst nach besseren Lösungen sucht, kann in einem weiteren Artikel Lösungen finden, der nicht zu dieser Artikelserie gehört.

Wenn du diese Artikelserie gemocht hast, sag es bitte weiter – wenn nicht, sag es dem Sehpferd-Team.
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Je mehr Vorschläge und "passende" Personen, umso erfolgreicher die Begegnungen?

Vom Vorschlag eines Partners bis zur Beziehung (ausführliche Betrachtung). Zum ersten Teil geht es hier.

2. Teil – Je mehr Vorschläge und "passende" Personen, umso erfolgreicher die Begegnungen?

Im Ersten Teil habe ich festgestellt, dass „Matches“ im Sinne der Dating-Anbieter keinerlei Garantie für eine „wirkliche“ Übereinstimmung bieten. Dennoch sind sie wichtig, weil einige Systeme sogenannte „Matches“ verwenden, um die Kontaktaufnahme zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Die erste Frage, die sich in diesem Zusammenhang ergibt, wäre: Wie viele Anfragen führen eigentlich zu einem Kontakt?

Eine Antwort aus dem Jahr 1985 - offline

Gegen 1985 (1) bekam ich folgende Information – es betrifft „Kontakte über Zeitungsanzeigen“ (Online-Dating gab es damals noch nicht):

„Eine eigene Anzeige ... (lohnt sich eher) für jüngere Frauen ... als für Männer. Hundert und mehr Zuschriften sind bei Frauen keine Seltenheit. Die meisten Männer zwischen 20 und 50 müssen sich hingegen mit etwa einem Dutzend Antworten zufriedengeben.“

Sieht man dies aus der Sicht der Männer, so liegt die Chance auf eine Antwort auf eine Anzeige statistisch bei einem Prozent. Das heißt, Männer mussten damals im Extremfall etwa 100 Briefe schreiben, um eine einzige Antwort zu bekommen. Sie konnten natürlich auch eine eigene Anzeige aufgeben („Er sucht Sie“) – doch der Erfolg wird schon von den Autoren als „mäßig“ angesehen.

Diese Werte konnten nach Region und Medium (Frauenzeitschrift, Wochenzeitung, Tageszeitung oder Werbeblatt) für Männer noch wesentlich dürftiger ausfallen. Teils beklagten Männer, weniger als fünf Zuschriften auf ihre Anzeigen zu bekommen.

40 Jahre später – und online

Vergleichbare Zahlen standen für 40 Jahre später wieder zur Verfügung – diesmal aus „Dating-Apps“ - zunächst nach einer KI-Übersicht, die sich ausdrücklich auf Rechts-Wische und die App Tinder bezog. Zuerst habe ich nach der allgemeinen Wahrscheinlichkeit gefragt und erhielt folgende Antwort:

Die allgemeine Erfolgsquote für Matches bei Tinder kann je nach Region variieren, aber viele Nutzer berichten von einer Wahrscheinlichkeit von etwa 10-20 %, basierend auf der Anzahl der Wischbewegungen.

Das überraschte mich, denn ich hatte von wesentlich schlechteren Ergebnissen erfahren. Im zweiten Anlauf habe ich nach den prozentualen Chancen für Frauen und Männer gefragt, und erhielt die Antwort (gekürzt) (Mit Duck-KI und ähnlich auch mit anderen Programmen):

Männer erhalten im Durchschnitt 1 Match bei 140 Swipes nach rechts. Das bedeutet, sie müssen ca. 140 Profile liken, um ein Match zu erzielen.
Frauen ... haben eine Match-Rate von 10 %, was bedeutet, dass sie in der Regel 1 Match bei 10 Swipes erhalten.

Die KI war so freundlich, mir noch die Gründe zu erklären – doch das könnt ihr auch selbst versuchen.

Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, ob ein Mann durch mehr Aktivität seine „Matches“ bei Tinder und ähnlich gelagerten Apps verbessen kann.

Die Antwort: Auf keinen Fall durch mehr Rechts-Wischen, denn um seine Chancen zu verdoppeln, müsste er 280 „Swipes“ (1) einsetzen. Täte er dies unter Anwendung einer etwas fragwürdigen Faustregel, so würden ihm erst 700 „Swipes“ knapp zum Erfolg führen.

Was sind Zahlen wirklich wert?

Wird dir gerade ganz schummerig vor Augen vor lauter Zahlen? Wenn dies noch nicht der Fall ist, lies bitte im Anhang nach, welche merkwürdigen „Chancen“ unterschiedliche Forscher, Kenner der Materie und Journalisten „ermittelt“ haben wollen.

Der falsche Weg

Mehr Angebote (Matches, Vorschläge) ergeben nur dann einen Sinn, wenn sie sich exponentiell steigern lassen, also beispielsweise von 2 auf 4, 4 auf 8, oder 8 auf 16 zu erweitern. Dies wäre im Beispiel für Frauen durchaus möglich, für Männer jedoch so gut wie gar nicht.

Für alle anderen gilt, das eigene Profil zu verändern, was normalerweise bedeutet, Profile zu verwenden, die mehr Aufmerksamkeit erregen. Auch die eigene Vorgehensweise lässt sich relativ leicht verändern.

Das gilt für alle Apps, nicht nur für Tinder. Jede Stellschraube am Profil zieht eine Veränderung der Popularität nach sich – in beiden Richtungen.

Dazu gibt es eine „goldene Regel“, die inzwischen jedem bekannt sein sollte:

Matches (oder auch Anfragen, je nach Plattform) in Dates zu verwandeln ist keine Frage der Anzahl ... sondern, der Art, wie du dabei vorgehst.

Sollte dies wirklich zutreffen? Kommt es im Wesentlichen auf uns selbst an? Und falls ja, was können wir dann tun? Was bleibt von all den „Matches“, den Testverfahren, den Persönlichkeitsmerkmalen und all den anderen „wissenschaftlichen“ Matching-Methoden?

Das behandle ich im dritten Teil dieser Betrachtung. Und ich verrate euch, wie die merkwürdige Zahl von „291 Matches“ und die anderen Annahmen zustande kommt, von der wir immer wieder in der Presse lesen.

Einige Zahlen für all jene, die sich gerne verwirren lassen, findest du im Anhang zu diesem Artikel.

(1) Aktive Partnersuche per Inserat , die übrigen Quellen im erweiterten Artikel.
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Überflüssiger Rat zur Partnersuche und zum "Verlieben"

Dieser Tage fiel mir ein Bericht in die Hände, der uns sagen soll, dass es „tatsächlich nur sieben Merkmale“ gibt, die darüber entscheiden, ob wir uns in eine Person verlieben.

Der Satz an sich müsste bereits kritisiert werden, denn die Frage, ob „wir uns verlieben“ hat nichts mit den ständig neu ins Rampenlicht gebrachten „Kriterien“ zu tun. Wenn du wissen willst, wie es kommt, dass du dich „verliebst“, dann frage einen Mediziner oder Biologen.

Der Rest entstammt tatsächlich einem Forschungsprojekt. Er hat damit zu tun, welche Kriterien Menschen anlegen, wenn sie Langzeitbeziehungen (z. B. Ehen) suchen.

Die sieben Regeln zum angeblichen „Verlieben“

Dabei wird nach recht einfachen Regeln vorgegangen (Kurzfassung):

1. Attraktiv?
2. Fit und gesund? (Ernährung, Fitness).
3. Status (Einkommen, Ansehen, Macht).
4. Persönlichkeitsmerkmale (Charakter, Eigenschaften)
5. Bindung und Freiheit. (Raum für eigene Interessen).
6. Exklusivität (sexuelle Treue).
7. Religion / Weltanschauung.

Wie man ohne psychologische Kenntnisse erkennen kann, ist Punkt (1.) die biologische Anziehung, die jeder Mensch individuell empfindet. Punkt (2.) und (3.) beziehen sich darauf, ob die Beziehung dauerhaft sein wird und ob es möglich ist, eine Familie zu gründen. Die „Persönlichkeitsmerkmale“ (4.), die jemand sucht, sind sehr variabel, die Ausschlüsse hingegen bekannt. Dazu zählen zum Beispiel „beziehungsfeindliche“ Eigenschaften, wie krankhafte Eifersucht. Während Punkt (5.) heute selbstverständlich geklärt werden muss (das war vor 100 Jahren noch anders) ist Punkt (6.) neu – er betrifft die Swingerszene, Triolen und Polyamorie.

Punkt sieben ist kulturabhängig. In meiner Jugend war noch wichtig, dass der Partner auf keinen Fall der „anderen“ christlichen Kirche angehört (in meiner Gegend waren das die Katholiken). Mittlerweile ist dies Thema erledigt – aber bei Menschen, die unterschiedlichen Weltreligionen, stark abweichenden Ethnien oder weltanschaulichen Sektierern angehören, ist dies nach wie vor ein Thema.

Hier soll nicht bestritten werden, dass einige dieser „sieben Regeln“ wichtig sind. Aber sie sind eine Mischung aus trivialen Betrachtungen, persönlichen Vorlieben, Naturphänomenen und den üblichen „Schnörkeln“, damit alles als „psychologisch“ durchgeht.

Die sieben Regeln: Riesenluftballon mit heißer Luft

Und das Fazit von alledem? Groß ist der Luftballon, aber am Ende ist nur Luft drin. Wer nach Inhalten oder Lösungen sucht, sollte sich selbst fragen, was er (sie) wünscht und selber in eine Beziehung einbringen kann. Und da hilft dir kaum jemand – schon gar keine Thesen, die in die Presse geblasen werden.

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Kritik an der Forschung an sich, sondern an den voreiligen und fragwürdigen Interpretation durch die Presse. Wer an weiteren Informationen interessiert ist, kann die "Liebeszeitung" lesen. Dort wurden auch die Quellen benannt.

Probleme lösen – mal ganz einfach erklärt

Eine der wenigen absolut zuverlässigen Methoden, Probleme einer Lösung nahezubringen, besteht darin, sich abweichende Fragen zu stellen.

Wir sind geneigt, bei Lösungen nach dem „Wie“ zu fragen. Beispielsweise fragen viele Partnersuchende: „Wie muss ich auftreten, um Eindruck zu machen?“

Viele Menschen erkennen an diesem Satz nicht einmal den Fehler, der erst durch eine Gegenfrage deutlich wird: „Mit welcher deiner Eigenschaften willst du denn beeindrucken?“

Nun kommt der/die Partnersuchende in Erklärungsnot: Meist stellt sich heraus, dass er/sie diese Eigenschaften weder kennt, noch einordnen kann. Das geht nicht nur Partnersuchenden so, sondern jedem, der seine Eigenschaften nicht kennt … neben viele anderen auch Bewerbern.

All diese Menschen wundern sich, dass sie nichts über ihr Potenzial, also die Sammlung von „Was“ wissen. Und das ist fatal, denn:

1. Wenn ich nicht weiß, was ich in mir trage …
2. … kann ich auch nicht sagen, wie ich es hervorbringe …
3. … und ich kann nicht ermessen, welche Bedeutung es für mein Gegenüber haben könnte.

Letztendlich versagen viele dieser „Potenzial-Analphabeten“. Sie mögen alle die passenden „Bewerber(innen)“ gewesen sein, aber sie verstanden das ABC der Realität nicht: Was ist es, wie wirkt es sich aus und welche Bedeutung hat es?

Ich habe kürzlich das Beispiel einer „negativen Dating-Karriere“ benutzt. Die Protagonistin gerät in einen Teufelskreis, weil sie die falschen Fragen stellt, beispielsweise: „Was kann ich an mir ändern, um …“ „was mache ich falsch, wenn“ oder „warum reagieren die anderen immer so und so auf mich?“

Fragen sind nie „falsch“. Aber sie klingen falsch, wenn jemand nicht weiß, wie er ist (bevor er etwas ändert) oder wie es wirkt, was jemand tut (statt zu fragen „was ist falsch?“).

Oder, mal ganz einfach: Es ist besser, zu wissen, welchen Gesichtsausdruck du hast statt zu fragen, wie du dein Gesicht vorteilhafter schminken kannst.

Der Familienmensch

Je mehr ein Wort inflationär verwendet wird, umso mehr sinkt sein Wert. So erging es dem Wort „Familienmensch“. Bis etwa 1985 war es so gut wie nie in Gebrauch, doch heute führen es viele Menschen im Munde.

Säuseln durch die Blume - der Familienmensch

Wer von sich behauptet, ein „Familienmensch“ zu sein, will herausstellen, dass er sich in einem kleinen sozialen Gefüge wohlfühlt. Der Single auf Partnersuche säuselt damit durch die Blume, dass er gerne eine Familie gründen würde.

Wir sind alle zunächst Menschen ... und erst dann Familie

Reden wir mal Tacheles. Wir sind Menschen, und ein ziemlich großer Teil von uns lebt in festen Beziehungen. Eine Untergruppe dieser festen Beziehungen wurde zur Familie erweitert. Das qualifiziert uns aber nicht, uns als Familienmenschen zu bezeichnen. Falls wir wirklich „Familienmenschen“ sein wollen, müssen wir eine Voraussetzung erfüllen. Die Bereitschaft, die ursprüngliche Familie zu verlassen, um eine neue Familie zu gründen. Mit anderen Worten: Wir belieben nicht ewig „Sohn“ oder „Tochter“, auch wenn wir uns gelegentlich daran erinnern, es zu sein.

Jargon der Nesthocker

Merkwürdigerweise benutzen die „Nesthocker“ das Wort „Familienmensch“ über Gebühr. Also Menschen, die sich in der Familie als „Kinder“ von 25, 30 oder noch mehr Jahren „eingenistet“ haben. Sie wissen, wie bequem so etwas sein kann. Ich las sogar, dass wir „Aus tiefstem Herzen“ von „Grund auf und unverrückbar“ Familienmenschen sein können.

Alles Romantik-Kitsch?

Ist das alles glaubwürdig? Oder könnten es in Wahrheit romantisierte Wunschvorstellungen sein? Ist der selbst ernannte „Familienmensch“ wirklich eine Person, die sich die emotionalen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Heirat und Familie vorstellen kann?

Wenn wir weiterhin solche windigen Ausdrücke wie „Familienmensch“ benutzen, dann ignorieren wir, dass wir Eigenschaften haben, die zusammen mit den Eigenschaften des anderen ein Ganzes bilden sollten.

Mein Fazit? Das Etikett "Familienmensch" ist lächerlich

Zu behaupten, ein „Familienmensch“ zu sein ist eine – zugegeben gut klingende - Form der Verdummung. Menschen sind Wesen mit einer großen Palette von Eigenschaften. Wer sich mit lächerlichen Etiketten wie „Familienmensch“ an den Partnermarkt begibt, riskiert, für plakativ gehalten zu werden.