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Micro-Cheating – wie dumm kann man als Leser sein?

Seit es soziale Netzwerke gibt, versuchen sich die Volks-Verdummer gegenseitig zu übertreffen. Das neuste Produkt einer angeblich auf Twitter begonnen Diskussion ist „Micro-Cheating“. Der Begriff ist schon vorn vornherein Bullshit, weil es keinen Makro-Betrug gibt. Wer seinen Partner „betrügt“, muss dabei schon physisch und heimlich zu Werk gehen, dann ist es „Fremdgehen“.

Über neue Medien an alte Medien - und dann geht alles wie von selbst

Die Wurzel des Wortes lässt sich nachverfolgen: Ein Online-Medium spricht am 15. August 2017 mit der australischen Erfolgstrainerin (1) Mel Schilling. Da das Medium von vielen Zeitungsredakteurinnen gelesen wird, kommt es bald in Kommentarblogs, und landet schließlich im März 2018 über „The Lily“ sogar in der „Washington Post“.

Ab diesem Zeitpunkt geht es dann um die ganze Welt. „Micro Cheating“ wurde geboren, verfestigt und über soziale Netzwerke weiterverbreitet. Dort einmal angekommen, haben es die Redakteurinnen und Redakteure von Frauen- und Männermagazinen zwischen den Fingern gedreht.

Belanglosigkeiten mit Hilfe der Presse aufblasen - offenbar kein Problem

Es ist – etwas völlig Belangloses. Wenn eine verheiratete Frau flirtet, beispielsweise. Oder ein verheirateter Blogger häufig mit einer ledigen Bloggerin kommuniziert, deren Stil er liebt. Natürlich hat Frau Schilling noch mehr gesagt, aber nichts davon geht über den Satz hinaus: „Pass auf, wenn er (sie?) einen Flirt hat, dann kann daraus auch mehr werden.“

Und das reicht heutzutage, um Botschaften in den hintersten Winkel der Welt zu senden und einen Namen populär zu machen? Arme Menschen, die darauf hereinfallen. Und armselige Medien, die es verbreiten.

(1) Ihre Webseite weist aus, dass sie eine Show auf Channel Nine hat, doch bezeichnet sie sich in erster Linie als Psychologin, Organisationsberaterin und Trainerin für Führungskräfte in der Wirtschaft.

Ökonomische Partnersuche

In der Partnersuche gibt es keinen "Warencharakter" - nur in der Prostitution
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich (noch manchmal) als Berater für Partnersuchende tätig, vor allem im Bereich des Online-Datings.

Vielfach wir unter angeblichen Intellektuellen behauptet, die heutige Partnersuche sei ein Auswuchs des Kapitalismus, da die Personen, die gesucht würden, wie Waren gehandelt und gegebenenfalls auch behandelt würden.

Das ist logischer Unsinn, denn jeder Suchende ist zugleich auch Gesuchter. Eine Ware kann eine andere Ware aber nicht als Ware behandeln. Hingegen ist es möglich, einen Menschen zumindest warenähnlich zu behandeln: wenn der Freier eine Hure sucht.

Selbst, wenn man die Partnersuche aus der Sichtweise eines einzelnen Suchenden sieht, ist es falsch, dass Alleinstehende ihre potenziellen Partner als „beliebig verfügbare Ressourcen“ ansehen.

Vielmehr ist der oder die Gesuchte eine Rarität, also jemand, den es zwar in mehreren ähnlichen „Ausführungen“ gibt, die aber äußerst seltene sind. Ich vergleiche dies gerne mit dem Kauf von Antiquitäten: Kein Stück ist wirklich perfekt. Und falls es annähernd perfekt ist, dann ist es unerschwinglich teuer. Wenn Sie also etwas Spezielles suchen, müssen Sie sich schnell entscheiden, und dies sogar dann, wenn das gute Stück einzelne Mängel hat. Natürlich kauft man nicht das erstbeste Angebot, sondern sucht nach einem Kompromiss zwischen Preis und Zustand des Objekts. Wenn der Suchende nicht kauft, dann weiß er dennoch, was ihm entgangen ist und er trägt bewusst das Risiko, dieses Angebot später nicht mehr vorzufinden und auch kein besseres zu bekommen.

Nehmen wir nun die Partnersuche, und ersetzten wir ein paar Worte: Das Wort „Preis“ mit dem Wort „Aufwand“, das Wort „Zustand“ mit dem Wort „Eigenschaften“ und das Wort „Objekt“ mit „Person“, dann haben wir die Formel gefunden.

Wir suchen nach einem Kompromiss zwischen dem Aufwand der Suche und den verfügbaren Eigenschaften der Personen, die wir treffen. Lehnen wir eine Person ab, so sollten wir wissen: Dieses Angebot wird später kaum noch verfügbar sein, und ob es ein anderes, besseres Angebot gibt, ist fragwürdig.

Man könnte dies auch als „ökonomisch sinnvolle Suche“ bezeichnen.

Trump-Orakel überall

Im Moment haben die politischen Kartenschläger, Glaskugelgucker und Astrologen ihre Sternstunde: Jeder darf mal prognostizieren, was Mr. Trump will. Und da wird jedes Sandkörnchen an Mr. Trumps Schuhen zu einem Universum der Spekulationen.

Das wird auffällig, wie … und da sahen wir doch, dass … und er bedroht dies und er glaubt nicht an jenes. Und so weiter, und so weiter.

Liebe Journalisten, tut uns allen bitte einen Gefallen: Redet über etwas, wenn ihr etwas wisst, und haltet ansonsten euer selbstgefälliges Maul. Und hört auf, diesen unendlichen Bullshit zusammenzuschreiben und zusammenzustottern, wenn ihr nicht wisst. Ihr verängstigt mit eurem dümmlichen Geschrei die Menschheit. Trump wird Präsident der USA. Punkt. Und bevor er da nicht irgendetwas bewirkt hat: Gebt mal eure billigen Wahrsagekarten dahin zurück, wo ihr sie hergenommen habt.

Tatort aus Bremen: Der Computer ist das neue Monster

Der Tatort aus Bremen hieß diesmal „Echolot“ und ging wieder um das, was Hollywood einst für die Massen erfand: das Monster. Nur ist es diesmal keine Riesenameise und keine übergroßer Gorilla, kein aus dem Ei geschlüpfter Dino und auch nicht das Monster vom anderen Stern, sondern ein Computerprogramm. Und dann war da noch die Erinnerung an „HAL“ – ja, die Computer werden bald übernächtig, weil wir sie mit künstlicher Intelligenz ausstatten, und dann fressen sie ihre Geschöpfe. Nein, fressen können sie nicht, aber sie können Menschen ausschalten – mithilfe der Bordelektronik eines Automobils. Jedenfalls im Puschenkino.

Das war es zunächst, und Minuten später kam der beste Gag. Als die Kommissarin die Nachricht vom Tod überbringt, glaubt ihr die Mutter der Toten kein Wort, greift zum Handy und „spricht“ mit der Tochter über ein Bildtelefon. Nun ja, eben über die App, die ein Smartphone zum Bildtelefon macht. Sie merkt nicht, dass sie mit der Cyber-Kopie spricht, denn tatsächlich ist ihre Tochter mausetot.

Doofe Kommissare - oberschlaue IT-Experten

Dann kommt’s noch einmal zu einem Höhepunkt: als oberschlaue IT-Experten den dummen Kriminalisten mal zeigen, wo der Hammer hängt und sich darüber totlachen, dass sie die Cyber-Animation der ehemals Lebenden für echt hält.

Ist immer Mist, wenn glaubt, zu großartig zu sein. Und nun kommen wir denn auch zu dem, was an diesem Krimi wirklich nichts taugte. Und es kommt aus dem Munde der Co-Regisseurin Claudia Prietzel, die der Presse sagte:

Wie das Echolot die Tiefe des Meeres auslotet, loten wir die Tiefe der Verbindung zwischen Mensch und digitaler Welt aus.


Genau das tut sie nicht. Weder lotet sie aus noch geht sie in die Tiefe, sondern sie verarbeitet bekannte Klischees und kopiert ein bisschen aus ähnlichen Filmen, denn das Thema ist allgegenwärtig. Mal wird ein vergleichbares System („HAL“) gezeigt, und mal entwickelt ein Finanzberater und Nebenberufs-Callboy eine Maschine, die glücklich macht (1) – und ein paar dummdreiste Rotzlöffel sagen uns sogar, dass wir 2050 (endlich?) mit hautverträglichen Robotern Sex haben können. Einvernehmlich versteht sich.

Ei, ei. Und damit kommen wir natürlich zu der Frage, ob Computer Emotionen haben können, die auf ONE in die verständlichere Frage umgedreht wurde, ob Computer Emotionen LESEN können, was viel interessanter ist – jedenfalls für IT-Experten.

Die Frage, ob Computer Emotionen HABEN, hat eigentlich schon E.T.A Hoffmann beantwortet: Solange wir glauben, dass Maschinen Emotionen haben, haben sie welche – wenn wir es nicht glauben, haben sie keine.

Bleibt die Frage, ob die etwas dürftigen Themen „HAL“ oder „ECHOLOT“ die letzten Zuckungen des „Tatorts“ sind oder jetzt „Tatort für Nerds“. Denn eines weiß die ARD genau: Junge Leute können auf Opas Fernsehen im Prinzip verzichten. Und der „Tatort“ gehört zu Opas Fernsehen.

Die Frage wird wohl offenbleiben. Den meisten jungen Leuten ist künstliche Intelligenz so fremd wie Frankensteins Monster. Und die dauernde Überhöhung der künstlichen Intelligenz bis in die höchsten Sphären der Emotionen ist ganz einfach Bullshit. Oder Volksverarschung. Wie die „Bots“, die lüsterne Jünglinge auf Porno-Seiten locken. Man braucht ein beträchtliches Maß an Blödheit, um beides zu ertragen.
(1) In "Satisfaction", läuft derzeit auf ONE.

Wie wird am Heiratsmarkt entschieden?

Warum guckt uns kein Schwein an?
Am Heiratsmarkt wird zunächst nach Angebot und Nachfrage, dann nach ökonomischen Bedingungen und schließlich nach weiteren Gesichtspunkten entschieden, wobei die aufkommende Liebe eine entscheidende Rolle spielen kann.

Wenn Ihnen diese Worte nicht „in den Kram passen“ - bitte schön. Niemand wird gezwungen, zu heiraten.

Warum junge Frauen knapp sind und sich "teuer verkaufen" können

Schöne, wirtschaftlich „ordentlich“ gestellte junge Frauen mit einer passablen Persönlichkeit zwischen 25 und 34 sind besonders begehrt. Das heißt, dass alle Männer zwischen 18 und (sagen wir einmal) 68 versuchen, auf sie zuzugreifen. Dadurch entsteht ein Nachfragedruck: Die Frauen haben im Prinzip die freie Auswahl und können sich „so teuer verkaufen“, wie sie mögen.

Die Heiratschancen sinken bei Frauen ab 35 - mit jedem Jahr

Frauen zwischen 35 und 40 gelten m Heiratsmarkt als problematisch, solche über 40 sogar als als schwer „an den Mann zu bringen“. Mit jedem Jahr wird der Angebotsdruck größer: Ein Überangebot an Frauen dieser Altersstufen trifft auf eine vergleichsweise geringe Nachfrage.

Akademikerinnen leiden unter den eigenen Ansprüchen

Akademikerinnen sind im Prinzip nicht weniger „marktgerecht“ als durchschnittliche gebildete Frauen, sie haben aber andere „Ansprüche“ an Ehen. Vor allem diese Anspruchshaltung verhindert eine offene, eher pragmatische Vorgehensweise. Es ist auch eine Einstellungsfrage: Wer sich sagt: "Gut ist, was mir gut tut", ist im Vorteil.

Schlechte Zukunftsaussichten - schlechte Chancen

Frauen und Männer, die keine ausreichenden Zukunftschancen haben und bei denen deshalb keine wirtschaftlichen Grundlagen erkennbar sind, haben am Heiratsmarkt wenig Chancen. Das ist ganz selbstverständlich, denn die Ehe ist ein Vertrag. Normalerweise gehen Paare davon aus, dass beide Teile für den Unterhalt des Partners oder der Familie sorgen könnten. Ist absehbar, dass ein Teil kaum Einkünfte und auch kaum verwertbare Ressourcen für das emotionale Wohlbefinden hat, sind die Heiratschancen schlecht. Allerdings gib es Paare, die bewusst solche Risiken eingehen, etwa in der Ehe einer Beamtin mit einem Künstler. Dabei trifft ein sehr sicheres Einkommen auf ein zwar realisierbares, aber unsicheres Einkommen. Umgekehrt geht es natürlich auch – schließlich galt jahrzehntelang die Norm in deutschen Familien, dass der Mann überwiegend für das Einkommen verantwortlich war.

Warum ich dies schreibe?

Die Ehechancen beruhen zum größtenteils auf Fakten, die Chancen für Liebe, Lust und Leidenschaft (auch für Sex) können parallel gehen, müssen es aber nicht, weil Fakten dabei keine so große Rolle spielen. Dies zu wissen, heißt im Zweifel die besseren Entscheidungen zu treffen.

Es steht Ihnen frei, auch mit Illusionen zu leben.

Gebhard Roese schreibt Tacheles - unbequeme Wahrheiten, die oft angefeindet werden. Lieben oder kritisieren Sie ihn - aber bleiben Sie nicht gleichgültig.