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Das letzte Gefecht der Regierenden

Das Pulver der Regierenden ist restlos verschossen. „Lockdown Lite“ half nicht, Drohreden von der Regierungskanzel waren ebenso sinnlose wie die Appelle an den guten Willen. Der verschärfte Lockdown, erst vor kurzer Zeit angeleiert, bringt nicht die gewünschten Ergebnisse. Wie die Kaninchen auf die Schlangen stehen sie da, die Damen und Herren Politiker – und fordern „noch härtere Maßnahmen“.

Unterstützung bekommen sie fast nur noch von Virologen. Zwar halten sich vereinzelte Forscher noch zurück, weil sie nicht riskieren wollen, dass ihre Aussagen sich ebenso als falsch erweisen. Appelle an die Bürger, nicht sinnlos herumzureisen, sind verständlich – und möglicherweise gibt es noch zu wenige Arbeitgeber, die das „Homeoffice“ ermöglichen. Übrigens braucht man dazu ein Konzept, vielleicht gar neue Hard- und Software, und alles muss erst einmal erprobt werden, bevor es eingesetzt wird. Da reichen Appelle nicht.

Dickere Trümpfe will der Epidemiologe Dirk Brockmann im Ärmel haben. Er meint, dass die Lockdown-Maßnahmen „weiter verschärft“ werden müssten. Danke schön, Herr Brockmann – wie denn? Alle auf Hausarrest setzen? Nur noch fünf Kilometer im Umkreis stark eingeschränkte Freiheiten genießen? Oder gar nicht mehr?

Angeblich verfügt das RKI über „Modellrechnungen, dass die Maßnahmen „weiter verschärft werden müssen.“ Ich sage mal: Her mit den Zahlen, und zwar genau begründet, welche Maßnahmen zu welchen Reduktionen führen. Und dabei wäre höchst interessant, was denn eine der bisherigen Maßnahmen, der totale Lockdown der Gastronomie, gebracht hat.

Die Presse ist gegenwärtig mindestens teilweise vom Kuschelkurs mit der Regierung abgekommen. Journalisten fragen mit Recht, wie es weitergehen soll. Politiker, insbesondere Linke, dazu Beamte und sicher auch Wissenschaftler müssen sich solche Fragen gefallen lassen: Was sind die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des „letzten Gefechts“, zumal wenn es noch drei Monate anhalten soll? Monate, in denen wir als Bürger unter den Mängeln und Versäumnissen leiden müssen, die uns kurzsichtige Politiker und Beamte eingebracht haben.

Reden wir kurz über die Wirtschaft und was der totale Lockdown bedeuten würde.

Offenbar ist kaum jemandem aufgefallen, dass die Wirtschaft extrem „systemrelevant“ ist – ich kann den Begriff „systemrelevant“ für „ausgewählte“ Berufe schon nicht mehr hören. Denn wenn die Wirtschaft nicht „systemrelevant“ ist, dann ist der Rest des Systems ebenfalls im Eimer. Und die Apostel, Appell-Ausrufer und Fernsehbesserwisser werden später sagen: Ja, wir sind doch nicht schuld daran – ihr wart es doch, dass böse Volk, was so unartig war.

Quelle der Zitate: DW

Systemrelevanz und Frauen in der Krise

Theater im ersten Weltkrieg - auch systemrelevant?
Aus allen Kanälen der Frauenbewegung höre ich derzeit ein dumpfes Grummeln - nun, so heißt es vielfach, könne man ja erkennen, dass die Emanzipation stecken geblieben sei.

Begründet wird dies mit der Systemrelevanz der Frauen einerseits und der Dreifachbelastung durch Homeoffice, Haushalt und Kinder. Die Krise würde zeigen, dass die Emanzipation sozusagen ein „Schönwetterphänomen“ sei – in der Krise aber würde sie versagen.

Ethische Mängel treten hervor.

Was daran wahr ist: In der Krise zeigt jedes System genau die Mängel auf, die wir in guten Zeiten tolerieren, weil wir einen Gewinn daraus ziehen können. In schlechten Zeiten aber wird uns bewusst, wo wir Schwachstellen genutzt haben, obgleich wir wussten, dass sie nicht gängigen ethischen Standards entsprechen. So weit, so schlecht mag es sein.

Und dennoch gewinnen die meisten von uns am Mangel

Wenn ich nun „dennoch“ sage, dann, weil der Spargelstecher aus Osteuropa einen Gewinn daraus zieht, hier Spargel stechen zu dürfen. Freilich gewinnen auch der Landwirt und das Budget für Nahrungsmittel. Kurz: Alle gewinnen, obgleich das Verhältnis „schräg“ ist.

Frauen wertschätzen - immer nur in Krisen?

Die größten Krisen des vergangenen Jahrhunderts waren die beiden Weltkriege und die Nachkriegszeiten. In beiden Kriegen und der Zeit danach mussten Frauen „tüchtig“ sein. Das heißt, sie mussten die Arbeiten durchführen, die ansonsten ausschließlich die Männer ausführen.

Nach beiden Weltkriegen wurde die Rolle der Frau, die während der Kriege „hochgehalten“ wurde, weil sie „systemrelevant“ waren, wieder zurückgefahren auf die Rolle der Hausfrau und Mutter. (1)

Sich frei entscheiden können - und dazu stehen

Der Unterschied zu heute kann gar nicht oft genug betont werden: Heute haben Frauen alle Freiheiten, sie sich selbst alleine, in flexiblen Beziehungen oder in festen Beziehungen zu verwirklichen, ohne dass irgendjemand Druck auf sie ausübt. Niemand hält sie dazu an, zu heiraten oder ledig zu bleiben, einen anspruchsvollen Beruf auszuüben oder eine „Tätigkeit auf Zeit“.

Klartext: Frauen müssen nicht Busfahrer werden, weil kein Mann da ist, der einen Bus fahren kann – ja nicht einmal Spargelstecherin, weil kein deutscher Mann jemals mehr Spargel stechen wird. Und ja, Frauen werden weiterhin Altenpflegrinnen und Altenheim-Besitzerinnen, Krankenschwester oder Chefärztin – und manche werden eben Friseurinnen und Putzfrauen. Sie alle wurden frei und gleich geboren und hatten die Möglichkeit der freien Berufswahl – und niemand zwang sie jemals, einen Partner zu haben.

Und nun bitte nochmal die ganze Diskussion auf null – wo bitte, ist das Problem?

(1) Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eher in der BRD als in der DDR.
Bild: "Hick's Operettentheater.angeblich Ankündigung einer Show vor britischen Soldaten, WW 1.

Die Schutzmaske

Maske ... ganz hübsch, aber leider so gut wie unbrauchbar
Die bestellten, lieferbaren und bereits avisieren Schutzmasken kommen nicht. Die Post soll daran schuld sein - man hört ja von „Lieferverzögerungen in meiner Gegend“. Offenbar trampeln die „Systemelefanten“ gerade woanders herum. Allerdings erlaubt sich die Regierung nunmehr, ein Fass aufzumachen, wenn eine Antonow An-225 Schutzmasken einfliegt. Dann wird sogar die Verteidigungsministerin erwartet. Hauptsache, man kann eine Schau abziehen.

Die erste Maske

Die beim Schuhmacher gekaufte Maske behindert die Atmung, weil sie nahezu luftdicht ist. Fragt mich bitte nicht, warum vom Schuhmacher - war eine Schnapsidee für acht Euro. Die Ehefrau konnte immerhin eine funktionstüchtige Maske nähen, doch fehlt es nun an ausreichend Gummiband für weitere Masken. Das befindet sich - ihr ahnt es vermutlich - auf dem Gepäckträger eines Systemelefanten, der gerade mit dem Elektrorad unterwegs ist. Mittlerweile soll auch die örtliche Drogerie wieder über Masken verfügen. Wie tröstlich. Preisfrage: sie kommst du in eine Drogerie hinein, um eine Schutzmaske zu kaufen, wenn du keine Schutzmaske hast? (Keine Antworten bitte ...).

Falls die Nähmaschine ausfällt: Eine neue ist längst bestellt. Sie ist aber nicht systemrelevant und hat leider inzwischen eine lange Lieferzeit.

Systemrelefanten

Heute sind „Systemrelefanten“ (1) begehrt und angesehen, und man beklatscht sie aus sicherem Abstand. Einschlägige Firmen schalten jetzt ganzseitige Anzeigen: „Wir lassen euch nicht im Stich“. Na schön - aber es geht eigentlich um mehr als ein bisschen Applaus.

Niemand bezweifelt, dass die medizinischen und pflegerischen Berufe, aber auch viele andere, die nicht so oft genannt werden, gegenwärtig eine überaus große Rolle spielen.

Aber bitte: Das sind diejenigen. die man sieht und sicher auch diejenigen, die sich größten Gefahren aussetzen. Im Hintergrund sorgen auch die Menschen, die ernsthaft im Homeoffice arbeiten für „systemrelevante“ Prozesse.

Kürzlich bekam ich ein Video, in dem jemand sagte: Ohne Datenverarbeitung geht gar nichts. Kein Krankenhaus, keine Produktionsstätte, kein Supermarkt und keine Behörde.

Das stimmt ohne jeden Zweifel - wird aber nicht gerne gehört. Doch zurück zu jenen, die jetzt im Rampenlicht stehen und als Heldinnen und Helden verehrt werden. Was wird mit ihnen nach der Krise geschehen?

Es wird ein "Danach" geben - und das müssen wir im Augen behalten

Es mag ja derzeit schick sein, die „Systemrelefanten“ öffentlich zu beklatschen. Aber besser wäre es, wenn wir einmal die Krankenhausträger kritisch betrachten würden - nur um ein Beispiel zu nennen. Und wenn wir alle uns dafür einsetzen würden, dass sie besser bezahlt würden und weniger Stress erdulden müssten - zu normalen Zeiten.

Denn die Gefahr an der Situation heute ist, dass heute der großartige „Systemrelefant“ bejubelt wird, um ihn in vier oder acht Wochen schon wieder in das alte Schema einzuordnen. Dann ist er wieder grau und vergessen.

Wer glauben will, dass die Krise alles anderes ändern wird - na bitte schön. Ich glaube es nicht. Ich bin überzeugt, dass Menschen etwas verändern können. Und wenn wir uns nicht für Änderungen einsetzen, wird alles wieder so werden wie zuvor.

(1) Nein, es ist kein Deutschfehler - es ist Absicht,