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Corona - Neues Wort, neue Prozentzahl, neue Sprüche

Gerade ist ja jeder Viren-Experte. Und weil man von 35 auch noch abwärts zählen kann, haben sich einige Wissenschaftler drauf geeinigt, nunmehr ein neues Ziel festzulegen: 10 Prozent als Index-Wert.

Dabei geben sich die Wissenschaftler allerdings ebenso blauäugig wie Kanzlerin & Co., nur dass sie andere Strategien verfolgen Zitat T-Online:

(Frau... ) Brinkmann (... Virologin, 1 ...) warb beispielsweise für die "No Covid"-Strategie, zu der ihrer Meinung nach gehört: "Eine konsequent durchgesetzte Kontaktvermeidungsstrategie, um die Zahlen sehr schnell zu senken. Damit ließe sich die Sieben-Tage-Inzidenz zügig unter zehn drücken. Die Gesundheitsämter könnten wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen, und wir alle bekämen unser Leben zurück.

Das Blauäugige daran: „Die Kontaktvermeidungsstrategie“ ist schon da, von immer neuen Appellen der Virologen, Politiker und manchen Journalisten befeuert - aber sie ist weitgehend unwirksam. Und jede Zahl, mag sie nun aus diesem oder jedem Mund gequollen sein, verunsichert das Volk aus Neue.

Die neue Zahl heißt also: Sieben-Tages-Index unter 10

Wie schon gesagt, gehören einige wahrhaftige Wissenschaftler zu dieser 10-Prozent-Gruppe mit dem Motto "no-covid", die sich selber offensichtlich als Wissenschaftselite ansieht. Vor allem die Ökonomen unter ihnen stellen kühne Behauptungen über den Wirtschaftsstandort Deutschland auf - aus akademischer Sicht (Clemens Füst, Andreas Peichl). Solche Menschen denken immer „im Großen und Ganzen“, aber sicher nicht an die Existenzsorgen von Kleinunternehmern.

"Folgt der Wissenschaft" wird als Motto entwertet

Völlig unabhängig davon verunsichern wissenschaftliche Grabenkämpfe und Prestigediskussionen die Bevölkerung: Wenn der Index 50 ist, dann ist er fünfzig, wenn er 35 ist, dann ist er fünfunddreissig, und sei er nun 10, dann ist zehn. Ist er aber heute 50, morgen 35 und übermorgen 10 - dann fühlt sich das Volk von der Politik und der Wissenschaft buchstäblich verhöhnt. Und das völlig zu recht.

(1) Sie auch: NDR: "Mit diesem Kurs haben wir keine Chance". Worte der Virologin Brinkmann.

Das letzte Gefecht der Regierenden

Das Pulver der Regierenden ist restlos verschossen. „Lockdown Lite“ half nicht, Drohreden von der Regierungskanzel waren ebenso sinnlose wie die Appelle an den guten Willen. Der verschärfte Lockdown, erst vor kurzer Zeit angeleiert, bringt nicht die gewünschten Ergebnisse. Wie die Kaninchen auf die Schlangen stehen sie da, die Damen und Herren Politiker – und fordern „noch härtere Maßnahmen“.

Unterstützung bekommen sie fast nur noch von Virologen. Zwar halten sich vereinzelte Forscher noch zurück, weil sie nicht riskieren wollen, dass ihre Aussagen sich ebenso als falsch erweisen. Appelle an die Bürger, nicht sinnlos herumzureisen, sind verständlich – und möglicherweise gibt es noch zu wenige Arbeitgeber, die das „Homeoffice“ ermöglichen. Übrigens braucht man dazu ein Konzept, vielleicht gar neue Hard- und Software, und alles muss erst einmal erprobt werden, bevor es eingesetzt wird. Da reichen Appelle nicht.

Dickere Trümpfe will der Epidemiologe Dirk Brockmann im Ärmel haben. Er meint, dass die Lockdown-Maßnahmen „weiter verschärft“ werden müssten. Danke schön, Herr Brockmann – wie denn? Alle auf Hausarrest setzen? Nur noch fünf Kilometer im Umkreis stark eingeschränkte Freiheiten genießen? Oder gar nicht mehr?

Angeblich verfügt das RKI über „Modellrechnungen, dass die Maßnahmen „weiter verschärft werden müssen.“ Ich sage mal: Her mit den Zahlen, und zwar genau begründet, welche Maßnahmen zu welchen Reduktionen führen. Und dabei wäre höchst interessant, was denn eine der bisherigen Maßnahmen, der totale Lockdown der Gastronomie, gebracht hat.

Die Presse ist gegenwärtig mindestens teilweise vom Kuschelkurs mit der Regierung abgekommen. Journalisten fragen mit Recht, wie es weitergehen soll. Politiker, insbesondere Linke, dazu Beamte und sicher auch Wissenschaftler müssen sich solche Fragen gefallen lassen: Was sind die psychologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen des „letzten Gefechts“, zumal wenn es noch drei Monate anhalten soll? Monate, in denen wir als Bürger unter den Mängeln und Versäumnissen leiden müssen, die uns kurzsichtige Politiker und Beamte eingebracht haben.

Reden wir kurz über die Wirtschaft und was der totale Lockdown bedeuten würde.

Offenbar ist kaum jemandem aufgefallen, dass die Wirtschaft extrem „systemrelevant“ ist – ich kann den Begriff „systemrelevant“ für „ausgewählte“ Berufe schon nicht mehr hören. Denn wenn die Wirtschaft nicht „systemrelevant“ ist, dann ist der Rest des Systems ebenfalls im Eimer. Und die Apostel, Appell-Ausrufer und Fernsehbesserwisser werden später sagen: Ja, wir sind doch nicht schuld daran – ihr wart es doch, dass böse Volk, was so unartig war.

Quelle der Zitate: DW

Virologen, Rauch und Pessimismus

Nein, Virologen sind bestimmt keine Feindbilder von Menschen, die noch bei Verstand sind. Wenn nun Herr Droste zum erzgebirgischen Räuchermännchen geworden ist, dann ist dies bestenfalls seiner Popularität geschuldet – nichts mehr verbirgt sich dahinter. Immerhin hat man im Erzgebirge auch schon andere Prominente gedrechselt:

Angela Merkel …, Helmut Kohl, Horst Schlemmer, August den Starken, Asterix und Obelix und den Baron von Münchhausen.
Nein, auch das ist kein Witz, sondern ein Auszug aus der „Sächsischen Zeitung“ – ich dachte schon immer, dass Helmut Kohl und der Baron von Münchhausen gewisse Ähnlichkeiten hatten.

Die „Leipziger Volkszeitung“ (1) meint, dass ein anderer vielleicht noch besser in die Sammlung gepasst hätte: Der Herr Lauterbach. Nach Aussage der Kolumnistin der „Leipziger Volkszeitung“ hätte er besser in die Gilde der Räuchermännchen gepasst, denn (so Janina Fleischer):

Arbeitet nicht Karl Lauterbach … hartnäckig am Aufstieg zu einer Räucherfigur, indem er überall stänkert?
Wobei das Wort „stänkern“ natürlich despektierlich ist. Doch wie soll man einen Menschen nennen, der in Zeiten der Angst und der gedrückten Stimmung ständig eine bessere Zukunft infrage stellt? Bevor Herr Lauterbach, ob seiner Aussagen überhaupt ins Visier der Kabarettisten geriet, schrieb der Tagesspiegel Tacheles zum Thema Lauterbach:

Es ist leicht, den Hardliner zu spielen, wenn man selber für die Folgen nicht haften muss.


Das gilt natürlich auch für all jene, die sich als Amateur-Virologen aufspielen und ebenfalls die Hardliner geben.

Bliebt jedoch die Frage, inwieweit Politiker, insbesondere dann, wenn sie Ärzte sind oder jedenfalls einmal waren, die Psyche niederdrücken sollten.

(1) Printausgabe vom 4. Januar 2021.

Zu (ein Beitrag zur aktuellen Lockdown-Debatte)

Die Infektionszahlen seien „zu hoch“ höre ich in den letzten Tagen oft. „Zu“ ist eine Bewertung, für die man Maßstäbe benötigen würde.

Du kannst zu dick sein, einen zu hohen PSA-Wert haben oder einen zu hohen Blutdruck. Dafür existieren Normen, die Menschen aus Erfahrungswerten gewonnen haben. Du kannst zu viel Essen und zu viel Alkohol trinken, die zu dünn oder zu dick anziehen oder sonst etwas „zu“ tun, das dir schadet, gemessen an deinen eigenen Maßstäben.

Die "zu hohen Zahlen"

Doch was sind „zu hohe Zahlen“? Bei einer Pandemie ist jede Zahl „zu hoch“, gemessen an dem, was man sich wünscht oder erwartet hat.

Aber, meine lieben Redakteure (m/f/d) und Politiker (ebenfalls m/f/d), sagt uns doch bitte mal, woher ihr die Vergleichswerte bezieht, und ich meine damit „gesicherte Normalwerte bei Pandemien“?

Ach, du lieber Schreck. Da tauchen alte und neue Virologen auf, die sicher in guter Absicht warnen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, das sie es tun, und warum eigentlich nicht die Nachweihnachtszeit als „Lockdown-Zeit nutzen? Klingt nicht schön, aber das ist ohnehin eine eher ruhige Zeit. Allerdings wäre die Frage, wann bei einem „harten“ Lockdown bis zum „10 Januar 2021“ mit „Ergebnissen“ zu rechnen wäre. Anfang Februar?

Warum letzte Warnungen sinnlos sind

Unschön daran ist, wenn Herr Droste sich als Papst der Wissenschaft mit Universalkonzept hinstellt. Wer glaubt, „deutliche und letzte Warnungen“ in Richtung Politik geben zu können, muss schon eine Menge Chuzpe haben. Denn nach der „letzten Warnung“ folgt normalerweise keine weitere. Und Zahlenspiele mit „wenn Kontakte um soundso viel Prozent reduziert werden, dann … “ sind nicht besonders einleuchtend, es sie denn, man pflege wirklich viele unterschiedliche Kontakte. Das mit dem „Datenmaterial“ der Leopoldina wirkt erst glaubwürdig, wenn die Quellen auf den Tisch des Hauses kommen. Kann man Kontakte überhaupt in Zahlen messen? Die Statistiken sollen angeblich aussagen, dass „die Kontakte im Frühjahr um 63 Prozent zurückgefahren wurden.“ Und jetzt glaubt man, 43 Prozent festgestellt zu haben, bevor wieder der Wert von „drei Viertel“ ins Spiel gebracht wird, den schon die Kanzlerin im Munde führte.

Die Politik hat es deutlich schwerer als die Wissenschaft

Und noch etwas: Im Unterschied zu den Virologen, die sich auf Zahlenspiele zurückziehen können, kann es die Politik nicht. Sie braucht den Rückhalt in der Bevölkerung, denn wenn „Maßnahmen“ (also nicht Vernunftgründe und Einsicht) eine Wirkung haben sollen, müssen Menschen mitmachen, die zuvor noch müde gelächelt haben, wenn es um Infektionsschutz geht.

Nichts mehr als eine Symbolpolitik ohne wirkliche Hintergründe?

Wie sagte der Herr Linder gerade noch? Es handle sich um Symbolpolitik, die „dem Publikum nur ein planvolles Vorgehen simulieren soll.“ Widerlege den Satz, wer will und kann. Ich bin gespannt.

Es wäre schön, wenn sich alle, Wissenschaftler wie auch Politiker, ein wenig zurückhaltender bei ultimativen Forderungen wären. Jeder Infizierte ist einer zu viel, und jeder der an Covid Verstorbenen ist einer zu viel. Aber welche Maßnahmen wann, wie und wo etwas bewirken, dass weiß in Wahrheit niemand mit Sicherheit.

Was JETZT wirklich nötig wäre

Maßnahmen, Maßnahmen, Maßnahmen ... sie mögen helfen, beruhigen oder ablenken. Ob sie objektiv wirksam sind, weiß niemand. Würde ich jetzt sagen: „Ich kann das Wort ‚Corona‘ nicht mehr hören“, dann würde ich derzeit unter die Bösewichte fallen, die angeblich gar nichts begreifen. Kritiker werden zu Gegnern abgestempelt, und Gegner werde - notfalls öffentlich - abgekanzelt. So funktioniert Politik offenbar dieser Tage. Eigentlich ist die Situation viel zu ernst, um sie so zu diskutieren, wie dies derzeit geschieht.

Doch was eigentlich nötig wäre, wissen Virologen (1), Allgemeinmediziner und die „Deutsche Stiftung Weltbevölkerung“ - und sie sagen es ohne Geschenkverpackung (2):

Damit Regierungen die grundlegende Gesundheitsversorgung - und damit das Menschenrecht auf Gesundheit - künftig in Krisenzeiten aufrechterhalten können, brauchen wir Investitionen in die Stärkung von Gesundheitssystemen - und zwar weltweit.

Sicher haben wir ein gutes Gesundheitssystem, das kurzfristigen Krisen standhält. Aber wir haben keine Perspektive, was geschieht, wenn wir es plötzlich ergänzen oder erweitern müssen. Zur Begründung des Lockdowns (3) wird uns mal gesagt, wir hätten nicht genügend medizinisches Personal, dann wieder, die Gesundheitsämter seien überfordert - Intensivbetten hingegen scheint es noch genügend zu geben.

Politiker müssen aus der Blah-Blah-Ecke herauskommen

Von Politiker erwarten wir Antworten, die über das übliche Blah-Blah hinausgehen : Wir würden gerne wissen, ob sie überhaupt Pläne für wirklich ernste Notfälle haben. Stattdessen wird uns gerade das neue "Weihnachtsmärchen" aufgetischt.

(1) Was ist richtig, was nötig? Arbeiten mit dem Überlastschalter.
(2) DSW, Jan Kruezberg
(3) Über den undemokratischen Geist des Lockdowns.

PS: Es lohnt sich, die Rede der Deutschen Bundeskanzlerin einmal auf Fakten und rhetorisch Phrasen abzusuchen. Und: Ach ja, die Gesundheitsämter - sie müssen häufig als Begründung für die Maßnahmen herhalten.