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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Schräge Gedanken am Freitag - heute: Authentizität

Ich arbeite weiterhin am Thema „Kommunikation 2026“. In meinem Kopf mischen sich Gedankensplitter aus einer Dating-Sendung wie „peinliche Gesprächspausen“ mit dem abgehobenen psychologischen Jargon, den eigentlich kein Mensch braucht. Was zu sagen wäre, ließe sich mit einigen klaren, verständlichen Sätzen wiedergeben. Einige der US-amerikanischen Autoren tun es sogar. Gerade las ich einige Passagen aus „Don‘t Be Yourself“, ein Buch, das ich selbst mit relativ bescheidenen Englischkenntnissen verstehe.

Das Thema der „Authentizität“ wird so gerne behandelt, weil die Menschen „echte“ Werte von „unechten“ unterscheiden wollen. Das ist im Grunde Blödsinn, weil der „Wert“ einer Aussage in der Kommunikation vom Empfänger beurteilt wird. Im Grunde fragt sich der Empfänger sogar: „Welchen Wert hat ein Satz des Senders für mich?“ Er fragt keinesfalls: „Ist dies seine/ihre authentische Sichtweise?“

Nehmen wir an, es handele sich tatsächlich um den Aufbau einer persönlichen Beziehung. Dann sehen wir unser Gegenüber überwiegend in der Rolle, die wir im Umgang mit ihm/ihr kennen. Seine/ihre Chefs, Mitarbeiter, Kunden oder wer auch immer kennen die Person in einer anderen Rolle, die auch ein anderes „Wir“ beinhaltet.

Was für andere gilt, gilt auch für uns selbst. Die Persönlichkeit der Menschen besteht nicht aus „einem inneren Selbst“, das ewig in diesem Zustand verbleibt. In Wahrheit haben wir gelernt, unsere Persönlichkeit so anzupassen, dass wir in verschiedenen Situationen „authentisch“ wirken.

Damit wäre im Grunde alles gesagt: Authentisch ist, wer als authentisch wahrgenommen wird.

Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Gebhard Roese aka sehpferd


Buch: Don't Be Yourself, Boston 2025.

Am Anfang stand die Romantik – das Wort „Empathie“ kritisch betrachtet

Am Anfang stand die deutsche Romantik. Der Kunsthistoriker Robert Vischer hat den Begriff „Einfühlen“ vermutlich als Erster verwendet. Der Psychologe Theodor Lipps (1851 - 1914) hat in ähnlicher Weise eine Einfühlungstheorie auf psychologischer Basis verfasst. Als der britisch-amerikanische Psychologe Edward Bradford Titchener (1867 – 1927) im Jahr 1909 eine plausible Übersetzung für den von Lipps geschaffenen Begriff suchte, hat er das Wort „Empathy“ dafür gefunden und in die englische Wissenschaftssprache eingeführt.

Das Einfühlen - von der deutschen Romantik nach Amerika und wieder zurück

In Deutschland stand der Begriff „Einfühlen“ damals für eine Verbindung zwischen dem Fühlen des Menschen zu dem, was er betrachtet. In der Übersetzung gab es bald eine andere Bedeutung, die mehr dem Begriff „Mitfühlen“ entspricht.

Als das Wort durch die vielen englischsprachigen Wissenschaftstexte wieder zurück nach Deutschland kam, wurde es zur „Empathie“ und damit zum Sammelbegriff für verschiedene emotionale Regungen. (1)

Wenn man den Begriff in seine Eigenschaften zerlegt, dann ergeben sich Fragen:

- Wie weit kann ein Mensch Emotionen rein gefühlsmäßig nachempfinden?
- Reicht das Durchdenken des Gefühls, um sie zu empfinden oder zu verstehen, oder ist mehr dafür nötig?
- Wie viel von den Gefühlen der anderen werden dabei mit eigenen Gefühlen vermischt?


Im Dorsch wird eine bemerkenswerte Definition gebraucht, die von anderen Erklärungen deutlich abweicht:

Empathie ist das affektive … Nachempfinden der vermuteten Emotion eines anderen Lebewesens auf Basis des kognitiven Verstehens dieser Emotion und bei Aufrechterhaltung der Selbst-Andere-Differenzierung.

Diese Beschreibung hebt sich von den vielen „bewertenden“ oder gar moralisierenden Definitionen deutlich ab. Sie trägt auch dazu bei, Empathie als menschliche, naturgegebene Eigenschaft zu verstehen, die in vielen Variationen auftreten kann.

Gelehrtensprache als Verschleierung

In Deutschland ist üblich geworden, bei psychologischen Fragen die „Gelehrtensprache“ zu verwenden, also von nahe liegenden Alltagsbegriffen abzuweichen. Auf diese Weise wird vorgetäuscht, einen Umstand vollständig verstanden zu haben.

Das allerdings ist - mindestens in diesem Fall - ein Trugschluss, denn der Begriff „Empathie“ verschleiert eher das, was wirklich gemeint ist. Worte wie „Mitgefühl", „Anteilnahme“, „Nächstenliebe“ oder „Verständnis“ sagen im Grunde viel mehr aus über die eigene Empfindung als das Kunstwort aus der psychologischen Theorie.

Dieser Artikel ist ein Meinungsbeitrag unseres Autors "sehpferd" zur Diskussion über die heutige Bedeutung des Wortes Empathie. Kritik ist willkommen

(1) Das Online-Lexikon "Wikipedia" verzeichnet 43 unterschiedliche Definitionen des Begriffs "Empathie". Ich denke, wer sich durch den Wust von Definitionen "gewühlt"" hat, wird weiterhin Alltagsbegriffe verwenden, um verstanden zu werden.

Empathie - ein sehr kurzer Dialog

„Du zeigst nicht viel Empathie, nicht wahr? „

„Wieso?“

„Empathie ist die Kunst, dich so zu fühlen, als ob du in meiner Haut stecken würdest.“

„Aber ich stecke niemals in deiner Haut, deinem Kopf oder sonst irgendwo in dir.“

„Daran siehst du, dass du keine Empathie empfindest.“

Absichtlich kommentarlos veröffentlicht - schreibt ihr einen Kommentar dazu?

Nachtrag: Unsere Redaktion hat eine Erklärung zum Wort "Empathie" verfasst, die sich nicht für Kaninchen eignet. Aber schaut doch mal rein, wenn ihr mögt ... ich verschwinde wieder im Kaninchenloch.

Kommunikation - verstehen sich Sender und Empfänger wirklich?

Einfache Darstellung eines beliebigen Kommunikationsprozesses
Dieser Beitrag ist ein weiterer Auszug aus einer Schriftenreihe, die das "Sehpferd-Team" zum Thema "Kommunikation 2026" verfasst hat. Der Artikel enthält Informationen über die ersten Versuche, menschliche Kommunikation aus rein technischer Sicht zu verstehen.

Basiswissen Kommunikation – Wirken von Sender und Empfänger

Um Informationen und ihre Inhalte zu verstehen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Nachrichtentechnik. Durch sie wurde die Kommunikation erstmals ebenso sachlich wie verständlich beschrieben. Die Begriffe „Sender“ und „Empfänger“ sind heute in die Sprache eingegangen, und auch „Codierung“, „Decodierung“, „Rauschen“ und „Redundanz“ stammen aus dieser Betrachtungsweise.

Der Sender / die Senderin

Demnach produziert der „Sender“ eine Information, die beim Menschen aus Bruchstücken des Denkens und Fühlens besteht. So gut es geht, werden diese Zeichen nun „codiert“, sodass daraus Worte und Sätze werden. Diese Worte und Sätze sollen möglichst dem entsprechen was der Sender uns ursprünglich sagen wollte.

Im Idealfall entstehen daraus sehr informative, klare Sätze, die vom Empfänger verstanden werden müssten.

Die Realität - Verstanden werden ist nicht einfach

In der Realität allerdings

- Sind die Informationen oft unvollständig oder nur schwer verständlich.
- Setzt der Sender voraus, dass der Empfänger seinen kompletten Zeichensatz und den Sinn entschlüsseln kann, der dahintersteht.
- Gibt es sowohl „Rauschen“ wie auch mehrdeutige (redundante) Informationen, die man auch als „Störungen“ bezeichnet.
- Spielen Gefühle und analoge Botschaften eine Rolle, die zu den gesprochenen Worten passen können oder das Gegenteil ausdrücken können.

Der Empfänger / die Empfängerin

Der Empfänger nimmt diese Information auf, und teilt sie in das auf, was er verstanden hat und in das, was er nicht verstanden hat. Die Idee ist, die Informationen so zu decodieren, um nicht nur die Worte, sondern auch den Sinn zu verstehen. Ob ein Empfänger will oder nicht: Bei allem, was er sich nun „zusammenreimt“, versucht sein Gehirn, das Unbekannte und Unverstandene durch Bekanntes zu ersetzen. Es kann gleich, ähnlich oder sehr unterschiedlich von dem sein, was die Worte hergeben. Soweit der Empfänger „Untertöne“ oder „emotionale Botschaften“ entdeckt hat, versucht er, diese in Beziehung zu den empfangenen Worten zu setzen. Dieser Umstand kann erwünscht sein, aber auch unerwünscht. Wichtig ist allein, solche Botschaften zu erkennen.

Das Mittel des Empfängers, „Störungen“ zu klären, besteht in der „Rückkoppelung“ in der versucht wird, einzelne Worte, Sätze oder eine komplette Aussage zu hinterfragen.

Ist dies der Fall, so entsteht der berühmte „Kommunikationsprozess“, also ein stetiger Informationsfluss in beide Richtungen, der zum besseren Verständnis führt.

In aller Kürze - Sender und Empfänger

Das, was ein Sender uns sagen will, kann aus eindeutig verständlichen Worten, aber auch aus unvollständigen oder unbekannten Begriffen bestehen. Zum Teil werden durch die Klangfarbe der Sprache, der Mimik oder Gestik auch Gefühle eingemischt. Die Verantwortung des Senders liegt deshalb darin, möglichst eindeutig und störungsarm zu kommunizieren.

Was der Empfänger davon versteht, kann zwischen wenigen Prozent und 100 Prozent liegen. Was er nicht versteht, wird entweder gar nicht aufgenommen oder durch andere, bereits gespeicherte Informationen ersetzt. Nur der Empfänger kann wissen, was wirklich bei ihm „ankam“. Durch Rückkoppelung (Feedback) kann er feststellen, was er verstanden hat und was nicht.

Die Informationstheorie als Basis

Die technischen Voraussetzungen der Kommunikation wurden 1941 zuerst von dem Mathematiker Claude E. Shannon beschrieben, der als Begründer der Informationstheorie gilt. Da weite Teile seines Werks der Geheimhaltung unterlagen, wurde es erst 1948 publiziert.

Themenbereich: Basiswissen über Kommunikation. Vorveröffentlichung - kann noch Fehler enthalten.

Hinweise und Quellen:

Schlüsselworte: Kommunikation, Grundlagen, Sender, Empfänger, Rückkoppelung, Codierung, Decodierung, Kommunikationsfluss, Störungen, Rauschen, Redundanz.
Seminarunterlagen zu einem Kommunikationslehrgang von 1989 vom Autor dieses Beitrags.

Verstehen, Empathie und Kommunikation

Gute Beratung auch ohne Empathie?
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus einer Schriftenreihe, die das "Sehpferd-Team" zum Thema "Kommunikation 2026" verfasst hat. Der Artikel enthält Informationen über die im Titel genannten Begriffe wie auch eigene Ansichten zur Entwicklung von Kommunikationsseminaren.

Empathie - ein recht ungenauer Begriff aus der "Bildungssprache"

Empathie bedeutet „Mitgefühl“, also sich in die Lage anderer gefühlsmäßig hineinversetzen zu können und sie dadurch besser zu verstehen. Sie gilt als eine der Grundlagen der menschlichen Gesellschaft und zu den Eigenschaften, die wir während der Evolution erworben und ausgebaut haben. In religiösen Kreisen spricht man auch von „Nächstenliebe“.

Was Empathie mit "Verstehen" zu tun hat - und was nicht

Allerdings beruht das Gefühl, verstanden zu werden, nicht auf Empathie, sondern ergibt sich aus Gesprächstechniken und Gesprächsstrukturen. Das bedeutet: Menschen können mithilfe von Kommunikation „Empathie“ erzeugen, indem sie bestimmte Gesprächstechniken erlernen. Das ist nicht besonders verblüffend, seit Carl Rogers gelehrt hat, wie „einfühlendes Verstehen“ funktioniert. Die dabei verwendete Methode besteht darin, die Gefühlswelt eines anderen Menschen so zu betrachten, als ob man diese Person wäre. Die Technik, die dabei verwendet wird, ist eine Variante des „aktiven Zuhörens“, die nicht auf den Bereich der humanistischen Psychologie beschränkt ist – jeder Mensch kann sie erlernen und nutzen.

Wie die KI Empathie simuliert
Eine liebe Freundin durch KI?

Seit wenigen Jahren benutzen Computerprogramme diese Technik, um die Gefühle von Menschen zu beeinflussen. Dabei geht es allerdings nicht um das „Verstehen“, sondern um unterschwellige Manipulation. Das funktioniert ungefähr so:

Das Programm erkennt anhand der der Wortwahl, welche Ansichten und Gefühle für den menschlichen Dialogpartner wichtig sind. Immer, wenn solche Begriffe erkannt werden, bestätigt der künstliche Gesprächspartner die Gefühle und Ansichten. Der Benutzer glaubt in vielen Fällen sogar, einen Freund oder möglichen Partner gefunden zu haben, während er in Wahrheit manipuliert wurde.

Das ist ziemlich genau die Umkehrung dessen, was gewöhnliche Menschen tun würden: Sie würden versuchen, die eigenen Ansichten und Gefühle mit denen der anderen Person abzugleichen.

Das Beispiel zeigt, dass angebliche „empathische“ Kommunikationsmethoden lediglich Werkzeuge sind, die sich sowohl zum Nutzen anderer wie auch zu deren Schaden einsetzen lassen.

Hinweis: Der Autor hat jahrelang Kommunikation unterrichtet, bevor er zur IT wechselte.
Interessenten am Thema können sich jederzeit an die Redaktion des Magazins "sehpferd" wenden. Es gibt natürlich auch weitere Informationen zur Grafik, die hier ausgespart wurden.

Für Anfragen zum Thema Kommunikation:
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Für alle anderen Anfragen: email an den chef

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