Skip to content

Macht Oliver Welke eigentlich noch Satire?

Schon mehrfach fiel mir auf, dass Oliver Welke in der Show, die immer noch unter dem Namen „Satire-Show“ vermarktet wird, besserwisserische und schulmeisterliche Sprüche klopft. Wenn dieser Mann „nicht mehr zusehen“ kann, wie die Regierung alles falsch macht und wie er als Satiriker alles besser machen würde, dann ist das äußerst peinlich für die Satire, aber auch für das ZDF.

Das mit dem „nicht mehr zusehen“ habe ich mir gemerkt. Es wäre eine Möglichkeit, mit der Heute-Show umzugehen.

Heute Show - der Appell des Herrn Welke

Ist das eigentlich noch Satire, was ich, da gestern im ZDF in der inzwischen etwas lächerlichen gewordenen Satiresendung "Heute Show" gehört habe? Erst dachte ich, es sei tatsächlich Satire, als der Herr Welke wie ein sozialistischer Wanderprediger fordert, man hätte rechtzeitig mit einem „richtigen Lockdown“ beginnen müssen.

Dann aber erfahre ich, warum: weil mal den Kapitalismus schützen wollte.

Mal klare Worte, Freunde: Hätte das nicht dieser Welke gesagt, der immer so schön grinsen kann, dann hätte man es einfach als „Geblubber eines Altsozis“ abgetan.“ So aber musste das Fernsehvolk diese Sätze anhören:

Und zweitens das "Primat des Konsums". Denn "im Kern geht's um die Wirtschaft". Und Konsum gehe vor Infektionszahlen. "Die Schulen werden nicht für die Kinder offen gehalten, sondern für die Eltern." Denn die müssen die Wirtschaftskraft stärken. Indem sie nicht betreuen, sondern arbeiten und shoppen.

Es ist - klipp und klar, ein Affront gegen die Menschen, die unsere Wirtschaft an Laufen halten, für Steuereinnahmen des Staates sorgen und letztlich dafür, dass ihre und andere Arbeitsplätze nicht dauerhaft verschwinden. Und hinterher ist jeder Kabarettist ohnehin viel schlauer als jeder Politiker.

Na schön - so weit denkt nicht jeder. Wahrscheinlich hat sich Herr Welke gedacht: Wenn jetzt jeder Appelle ablässt, dann will ich auch einmal.

(Zitat Focus nach dem Originaltext Welke)

Bremen ist an allem Schuld - und Oliver Welke spottet

Ach, Herr Oliver Welke – sie spotten in letzter Zeit auf niedrigen Niveau – offenbar braucht das Ihr Publikum. Und die Jubelpresse nimmt dergleichen begeistert auf, wie ich im Stern lesen konnte. Übrigens in der Rubrik „Kultur“.

Grundlage der Satire war die Vermutung, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe in der Außenstelle Bremen zu Unrecht Asyl bewilligt. In der Darstellung wurde dies allerdings so gezeichnet, als sei die Hansestadt inklusive ihrer Bürgerschaft und der dortigen Beamten nicht ganz beieinander. Zu viel (!) SPD, zu viel Schulden … und sowieso. Bremen eben. Ha, ha.

Der Beitrag (Kaffeefahrt für Asylbewerber nach Bremen) war einfach peinlich, egal, welcher politischen Überzeugung man angehört. Und das spielt es wahrhaftig keine Rolle, ob auch andere den Vergleich mit der Kaffeefahrt benutzen.

Bremen diffamieren? Nichts leichter als das. Bremen ist ein kleines Bundesland, umschlossen von Niedersachsen. Nur sollte der Herr Welke vielleicht auch den Rest der Wahrheit wissen, und der steht in der SZ:

Inzwischen wird in zehn Außenstellen des Bamf geprüft, etwa in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hessen. Auch in Schleswig-Holstein sollen ungewöhnlich viele positive Bescheide ausgestellt worden sein.


Gut, gut, Welke macht Satire, und Satire darf ja bekanntlich alles – und dennoch wird sich in den Hirnen dank ständiger Wiederholung in Presse, Fernsehen und Rundfunk einbrennen: Die Bremer sind Schuld an allem.

Klar: machen kann man da nix. Aber lachen muss man auch nicht unbedingt.