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Falsche Problemlöser - schlechte Berater

Ratgeber, Berater, Gurus und Welterklärer haben gerade Konjunktur. Sie alle haben eines Gemeinsam: sie stellen ihr eigenes Denk- und Wertsystem über alle anderen. Damit „lösen“ sie jedes Problem.

Ich verrate euch etwas: die meisten dieser Leute wissen nicht einmal, was ein Problem ist, geschweige denn, wie ihr es lösen könnt.

Die Prinzipien falscher Berater

Das Grundprinzip dieser Menschen ist immer gleich:

Sie geben Antworten, bevor sie das Problem wirklich erfasst haben.

Fall sie „ausgewiesene Fachleute“ sind, taucht oft ein anderes Phänomen auf:

Sie bieten eine bewährte Lösung für den Teil des Problems, den sie kennen – das wird das gesamte Probleme aber nicht lösen.

Die falsche Lösung anzubieten, die eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen, der zu beratenden nicht einzubeziehen, ihn als unfähig zu erklären, das Problem (mit unserer Hilfe) selbst zu lösen – das ist die monströse Arroganz, mit der falsche Berater vorgehen.

Wenn du Berater bist oder sein willst

Du kannst das ändern, wenn du Berater bist.

Die erste Frage, über die du dir klar werden könntest, ist:

Habe ich das Problem wirklich begriffen?

Die zweite Frage:

Wie kann man das Problem so beschreiben, das es wirklich zutreffend (und damit lösbar) ist?

Und die Dritte:

Also hat da jemand ein Problem - aber wo will er hin?

Das Geheimnis guter Berater? Ich persönlich kenne es, und ich sehe mich immer wieder bestätigt. Es heißt: konsequent neugierig zu sein. Denn mit deiner Neugier (hier zitiere ich Michael Bungay Stanier):

Versetzt du die Menschen in die Lage … ihre eigenen Antworten zu finden, und du hilfst ihnen, ihren eigenen Weg einzuschlagen.


Kurz und knapp gesagt: Menschen mit Problemen benötigen nicht deinen Rat, sondern sie benötigen Hilfe, um ihren eigenen Rat zu finden. Sie benötigen auch keine Wegweisung, sondern die nötigen Methoden, um ihren eigenen Weg zu finden.

Professionelle Problemlöser wissen: Wenn sich die Ratsuchenden die richtigen Fragen stellen (lassen), dann verschwinden einige Probleme allein dadurch, dass sie bereits durch die Fragen die Lösung finden. Warum wir diese Regeln nicht häufiger anwenden? Weil es viel bequemer (und oft sehr lukrativ) ist, Lösungen zu vermarkten.

Über introvertierte Menschen und Begegnungen

Schon mal einen introvertierten Menschen kennengelernt? Dann lies auf jeden Fall weiter. Dieser Artikel ist zugleich eine Ergänzung zu meinem Beitrag „Triff einen introvertierten Mann“ in der „Liebeszeitung“.

Ich beginne mit zwei Zitaten. Das erste werden ihr nicht kennen – es stammt von einer englischsprachigen Lyrikerin mit deutsch-österreichischen Wurzeln, Sylvia Plath. Das Zweite ist ebenso bekannt, wie es verkannt wird. Sein Autor war mit Sicherheit introvertiert, dazu ein brillantener Mathematiker und Kinderbuchautor. Sein Künstlername war Lewis Carroll.

Sehr viele Menschen sind in sich verschlossen wie Schachteln, doch wenn man sie öffnete, könnten sie sich wundervoll entfalten – du müsstest dich nur für sie interessieren.

Oh, du Feuerlilie“, sagte Alice …, „wenn du doch nur reden könntest.“ „Wir können schon“, sagte die Feuerlilie, „solange jemand da ist, mit dem es sich lohnt.


Beide Sätze können sowohl auf introvertierte Partnersuchende (Frauen wie Männer) angewandt werden als auch auf auf alle anderen Menschen, die sich gegenüber den „Mainstream“ der hektischen und geschwätzigen Gesellschaft verschließen.

Reden - nur, wenn es sich lohnt

Der oder die Introvertierte reagiert zumeist genau wie die „Feuerlilie“, das heißt, er oder sie muss das Gefühl haben, dass es sich lohnt, mit dem anderen zu sprechen. Wer introvertiert ist, achten auf Fakten und auf glaubwürdige Gefühle … das heißt, er lehnt jede Form von „Geschwätz“ ab, das zu nichts führt, als die Zeit totzuschlagen. Das übliche Gerede in seiner Umwelt nimmt er zunächst als Worte, dann als Geräusche und schließlich als Lärm wahr.

Wahres Interesse

Wenn jemand mit einem/einer Introvertierten spricht, muss er sich ehrlich und wahrhaftig interessieren. Wer introvertiert ist, wird sich dann ein Wort oder einen Satz hängen und nachfragen: „Wie geht es dir dabei?“ Oder „was meinst du damit?“ Daran merkt der Introvertierte, ob das Gesagte nur eine nachgeplapperte Phrase ist oder ob die Person sich etwas dabei gedacht hat.

Das bedeutet aber auch: Gespräche mit Introvertierten gehen bei ihnen selbst – und gegebenenfalls auch bei dir – ans „Eingemachte“. Wenn du deinen Geist und deine Psyche nicht bis in die Tiefen öffnen willst, sondern stattdessen an der Oberfläche herumfischt, wird ein introvertierter Mensch schnell die Freude am Gespräch verlieren.

Doch wenn du es ernst meinst und dein Gegenüber achtetest, werdet ihr beide dabei erheblich gewinnen, so wie es Sylvia Plath prophezeite.

Sich verändern – ein schwieriger Fall

Ich lese viele Blogs von Menschen, die in einer eher misslichen Lage sind. Ein Teil von ihnen versucht, nichts zu verändern, sondern nur darüber zu reden, dass „sich“ irgendetwas verändern müsste. Die Umstände, die Anderen – aber auf keinen Fall „man selbst“.

Eine mir bekannte Bloggerin „postet“ seit mehreren Monaten Weisheiten, die durchaus Bestand haben könnten – doch vergaß sie, ihrem eignen Leben eine verbindliche Richtung zu geben. Stattdessen vertraute sie sich diversen „Ratgebern“ an, die sie (ich sage es zurückhaltend) eher weiter an den Rand des Ruins trieben, statt ihr zu helfen. Ein Teil davon bestand zweifellos eher aus „Heilslehrern“ als aus Heiler. Diese Frau begriff nicht, dass sie eine Art „One Thing“ brauchte – ein Ziel, das durch Zuverlässigkeit und einem starken Willen in Etappen erreicht werden kann.

Falsche Gurus und kurze, schmerzfreie Wege

Sehr viele andere Menschen, deren Weg ich verfolgen konnte, griffen nach bereitwillig dargebotenen Strohhalmen und anderen Leerhülsen, nur, um ihr Leben nicht wirklich in Ordnung bringen zu müssen. Das sind dann die bevorzugten Opfer von geschäftstüchtigen falschen Gurus. Ihr Fehler: Sie suchen den kurzen, bequemen, schmerzfreien Weg, statt den langen, beschwerlichen Weg zu gehen, sich selbst zu verändern.

Heute las ich etwas Hilfreiches in einem anderen Blog, das ich sinngemäß wiedergebe. Es klingt zunächst enttäuschend – dafür ist es aber die Wahrheit.

Ein besonderer schwieriger Part im Leben ist zweifellos, das Bedürfnis zu haben, sich zu verändern. Zumal, wenn du glaubst, dass du es tun musst. Und das Problem dabei ist, dass es schrecklich lange dauert, bis du dabei irgendein Resultat feststellst, vor allem mental. Das kann dich wirklich mutlos machen.


Mögliche Hilfe: beobachte, wie du dich veränderst

Ich hoffe, es macht die Bloggerin nicht mutlos. Denn erhebliche Veränderungen in den Lebenszielen und der mentalen Befindlichkeit können lange dauern – manchmal so viel Monate, wie du Lebensjahre zählst. (1)

Ob es sich „lohnt“?

Bitte frag niemals, ob „es“ sich lohnt. Schau, wie du dich veränderst, während du es versuchst. Setze Meilensteine, um deine Ziele zu überprüfen. Und wenn dir die Meilensteine zu weit auseinanderstehen, versuche es mit Babyschritten. Niemand sagt, dass Veränderungen leicht sein werden.