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Der Iran – von den USA verlassen, von allen anderen nicht?

Es lohnt sich nicht, einige Staaten der Erde als „Schurkenstaaten“ zu verorten und sie zu ächten. Würde man dabei ehrlich sein, so wäre die Liste lang und würde auch einige Staaten beinhalten, die uns (noch?) lieb sind.

Die USA sind da ganz anderer Meinung. Für sie stehen die Schurkenstaaten fest und die Edelstaaten natürlich auch. Und so machen sie derzeit (einmal mehr) Front gegen den Iran. Allerdings sind sie damit diesmal so gut wie allein.

Natürlich können die Amerikaner glauben, was sie wollen. Nur: Irgendwann wird das benachbarte Syrien wieder von Grund auf neu aufgebaut werden müssen – egal, unter welchen Machtverhältnissen. Und wer wird schon mit einem Land Geschäfte machen wollen, das heute Verträge schließt und sie morgen wieder bricht?

Der US-Botschafter in Deutschland gab dazu einen schlechten Einstand.

Vielleicht sollte Herr Trump einmal daran denken …


Wer’s nicht versteht: Es geht um die Lynchjustiz in den Südstaaten.

Dazu schrieb Die Zeit 2013:

Jede Wahl, jede einzelne politische Versammlung begleitete der Klan fortan mit Massakern an Schwarzen und deren Verbündeten. In North und South Carolina gab es gleich in den ersten zwei Jahren nach dem Bürgerkrieg 197 Lynchmorde.


Sicher, das ist lange her – aber erst neulich las ich wieder, dass dunkelhäutige Künstler in den USA auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv behindert wurden, wenn sie sich für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit einsetzten.

Unvergessen ist als musikalischer Protest – neben „Strange Fruit“ auch „Fables of Faubus“ von Charles Mingus – weniger dramatisch formuliert, aber eines der wenigen musikalischen Werke, die dem weißen Amerika jener Zeit (1957) den Spiegel vorhielten.

Wahl verloren, weil sie eine Frau ist?

Ach nee – Frau Clinton hat die Wahl nicht verloren, weil sie die falsche Strategie hatte und nicht genügend Ansehen genoss – sondern weil sie eine Frau ist.

Soweit zur Logik des Feminismus. Nein, die Frauenbewegung ist nie zu Ende. Der Sozialismus auch nicht … von anderen politischen Extremen einmal ganz zu schweigen. Und Ideologien leben ewig, weil sie Ideologien sind.

Originaltext:

But the toxic narrative about women that emerged from this election … is more proof than we could ever want that the women’s movement is unfinished everywhere.


Die Chefin der westlichen Welt – oder wohin gehen wir gerade?

Wenn man auch nur ein ganz klein wenig glaubt, was sich jetzt nach der Wahl von Mr. Trump abzeichnet, dann ist es dies: Die westliche Welt benötigt eine neue Führerschaft. Eine, die moralisch erträglich, europäisch integrativ und notfalls auch konsequent sein kann.

Der Amerikaner Eric T. Hansen glaubt, diese Person in Angela Merkel gefunden zu haben, und er hat gute Gründe dafür. Denn er sagt gleich zu Anfang seines ZEIT-Artikels,

Keiner in Europa – und nur eine Minderheit in Amerika – wird ihn (Trump) als moralisches Vorbild akzeptieren.


Sicher ist, dass der Papst von Rom diese Aufgabe nicht erfüllen kann, und ebenso wenig einer der schwachen Regierenden in den übrigen Ländern Europas. Bei aller Liebe zum Vereinigten Königreich – erstens ist es raus aus dem Klub „Europa“ und zweitens war das Ziel des Empires nie die Tugend, sondern das Wohlergehen des Kernlands England.

Die Chance, die abendländischen Werte zu verfassen und konsequent auf dieser Erde zu vertreten, und zwar auf der Basis des Humanismus, des Liberalismus und der integrationswilligen religiösen Strömungen hat nur noch Deutschland. Ich rede bewusst nicht von den „jüdisch-christlichen“ Werten, die dabei so oft untergemischt werden. Judentum und Christentum sind nur Religionen, und sie beinhalten beide kein glaubwürdiges Konzept für „das Abendland“. Die Person, die das wichtigste Wort in Europa spricht, muss nicht zwangsläufig Frau Merkel sein, wie Eric T. Hansen glaubt. Aber es muss eine starke Europäerin oder ein starker Europäer mit Rückgrat sein.

Europa ist dabei, seine letzten schönen Federn zu verlieren und damit wird auch die Macht wegbröckeln. Den Brexit mag man noch verkraften, doch die selbstherrlichen nationalistischen Eiferer stehen auch anderwärts in den Startlöchern. Und sie werden nicht ruhen, das Volk ihrer jeweiligen Länder gegen den Europäischen Gedanken aufzubringen, und damit auch gegen den Gedanken des Abendlandes und seiner Werte. Ganz abgesehen von den deutschen Nationalisten, die sich zwar immer wieder neue Namen geben, hinter denen aber der alte Nationalismus steht.

Wir sind – entgegen der Meinung all dieser Schreihälse von rechts und links und dem Altbestand der Kommunisten aus der Ex-DDR – keine Bananenrepublik der USA.

Aber der Handel mit den USA nützt uns allen, und ein großer Teil der Menschen in Deutschland (auch in Ostdeutschland) lebt davon. Also ist es Zeit, das Verhältnis zu den USA neu zu regeln – auch über Herrn Trump hinaus.

Die deutsche Kanzlerin und Mr. Trump

Da wundern sich Journalisten doch tatsächlich, wenn die deutsche Kanzlerin dem US-amerikanischen Präsidenten Bedingungen für die Zusammenarbeit nennt. Selbstverständliche Bedingungen, wie ich beifügen muss. Zitat:

Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.


Ja, wer denn sonst? Europa verkennt oft, wie wichtig der „alte Kontinent“ für alle ist – in Ost und West. Und Deutschland eignet sich hervorragend als Vermittler – zumal, falls die Briten eines Tages wirklich „hart aussteigen“ und daher zu einem vernachlässigbaren Faktor in Europa werden.

Und abgesehen davon – die Werte „Demokratie, Respekt vor dem Recht sowie der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“ sind eigentlich selbstverständlich – sogar für Trump.

Ich habe dieser Tage zahlreiche Stellungnahmen gelesen, die aus anderen Teilen der Welt kommen. Was wird beispielsweise aus dem Dauerkrisenherd Nahost? Was wird aus den Ländern Afrikas? Selbst China ist extrem verunsichert, und die Sicherheit Putins ist nur gespielt, denn auch er weiß nicht, was der neue Präsident für seine Nation und für die Welt erbringen wird.

Trump findet eine gespaltene Nation und eine geschwätzige Welt vor. Er wird bald erfahren, was Fakten in der Politik bedeuten. Und auch er wird an der Globalisierung nicht vorbeikommen. Die Vision, in den USA Produkte herzustellen, die jetzt noch aus China kommen, scheitert an dem berühmten „kleinen Mann“, dem amerikanischen Arbeiter. Er wird keine teuren und lohnintensiven US-Produkte kaufen, wenn er preiswerte Chinaprodukte kaufen kann.

Donald Trump ist eine „Blackbox“, meint die Kanzlerin. Wer weiß, was das ist, weiß auch, wie man einer solchen Box „beikommt“: Man beobachtet das, was rauskommt. Und da sind wir ja alle mal gespannt.