Skip to content

Maria spricht zu dir – KI im Tatort

Die digitale Welt kann ausgesprochen verrückt sein. Und mit ihre kann man in der Tat Dinge tun, die sinnvoll, verrückt oder gar gefährlich sind.

Falls ihr zuhause noch über Kupferkabel oder lausige WLAN-Netze verbunden seid, die kaum zwei Stockwerke überwinden, habt ihr sicherlich über den neuen Tatort gestaunt. Da wird ein luxuriöses, von enormer Rechnerkapazität gestütztes Programm einfach mal so geklont – und kann dann per USB-Stick auf ein Notebook kopiert werden. Selbst wenn man bedenkt, dass der Client (das Notebook) die erfassten Daten nur „durchleitet“, und der Server dann die Arbeit tut, ist doch die Frage, wie so etwas funktionieren soll.

Die fragwürdige Definition von Gefühlen

Auch eine der ältesten Fragen an die Computerintelligenz kommt wieder auf: Können Computer eigentlich Gefühle? Nein, können sie nicht. Und doch glaubten viele Menschen noch vor 20 Jahren, dass ein Primitiv-KI-Programm wie „Eliza“ sie „verstehen“ würde. Manche glauben es noch heute. Beim Thema wäre noch nachzulegen: Auch in der menschlichen Kommunikation ist es ausgesprochen schwer, festzustellen, ob man „wirklich verstanden“ wurde. Und wenn es um Gefühle geht, liegt die Chance, vollständig verstanden zu werden, im einstelligen Prozentbereich.(1) Lediglich die Chance, ein nichtssagendes "ich versteh dich sehr gut" zu hören, liegt im oberen zweistelligen Prozentbereich. (2)

Ein riesiger Chatbot mit Datenbank - was sonst?

Weil im Tatort-Krimi „KI“ von einem „Chatbot“ die Rede war und dieser etwas abfällig betrachtet wurde, hier ein Hinweis: Was ist denn ein Programm wie „Maria“ mehr als ein Chatbot? Hinter „Eliza“ standen nur ein paar Dutzend vorgefertigter Sätze. Und hinter modernen KI-Programmen steht eine riesige Datenbank, die ein „Gedächtnis“ hat und sich die Gesichter der Menschen merken kann. Die Software mag sogar in der Lage sein, am Tonfall und am Gesichtsausdruck Stimmungen zu erkennen. Aber selbst dies macht sie nicht „menschlicher“ – im Grunde ist alles so, wie es damals bei Eliza war – nur wesentlich moderner und vielfältiger. Sozusagen ein Luxus-Chatbot für alle Fälle.

Der Krimi selbst? Ohne die „KI“ wäre er eine absolut dürftige Geschichte gewesen, kaum wert, erzählt zu werden.


Hinweise:

(1) Der Wert tendiert gegen null, weil Gefühle weder vollkommen beschreibbar noch (analog) „nachfühlbar“ sind. Sie sind einfach zu kompliziert, um übermittelt zu werden – von „Verstehen“ kann da noch keine Rede sein.
(2) Ein Wert aus der Praxis von Selbsthilfe- und Selbsterfahrungsgruppen. Dabei tendierend die Mitglieder dazu, „Mitgefühl“ zu zeigen oder „gleiche Gefühle“ festzustellen, um einander zu bestärken. Im Alltag ist „ich verstehe dich sehr gut“ eher eine Abschottung, die schnell gesagt wird, um nichts „wirklich“ an sich heranlassen zu müssen.

Kompetenz: Ich war jahrelang IT-Organisator und habe auch menschliche Kommunikation unterrichtet.

Nachtrag zum Tatort "Tiere der Großstadt"

Ja, ich habe ihn mal wieder gesehen, den Tatort, in Begleitung von Frau und Hund. Der absolut erregendste Moment für mich: Durchs nächtlich Berlin traben drei Wildschweine. Der Hund sieht es, springt vom Feldherrnhügel, rast auf den Fernseher zu, springt mit den Vorderpfoten auf die Schrankkante, und verbellt die inzwischen verschwundenen Wildsäue. Die nächste drei bis fünf Minuten verbringe ich damit, den Hund zu beruhigen.

Der Film war mir ein bisschen zu konstruiert. Zwei Fälle, die nichts miteinander zu tun haben, menschliche Schwächen, Melancholie. Ein Kaffeeautomat, der absolut nicht in der Lage wäre, zu morden, kann es schließlich doch. Sozusagen „von hinten durch die Brust ins Auge“ mit super-einfacher Programmierung. Der mordenden Auftraggeberin an den Automaten tut’s am Ende leid. Na ja, wenn sie in den Knast muss (was nicht zu erwarten ist, die Beweislage ist dürftig), bleiben die Katzen allein – ach, die waren ja soooo süß. Und eine der Katzen der Ehefrau wurde auch noch für die Geliebte abgezweigt, äh … war das nun das Mordmotiv?

Tiere gab’s also in großer Zahl, und der zweite Mörder erwies sich als – Wildschwein. Aber eben nicht so richtig, da musste man schon Jurist sein, um da noch mitzukommen, und Drehbuchschreiber, um den Trick überhaupt hinzubekommen: Frau wird beim Joggen von Wildschwein (Eber?) im Wald erheblich verletzt und hätte noch gerettet werden können. Doch wie durch ein Wunder kam der Ehemann, der alsbald geschieden werden sollte, auf dem exakt gleichen Weg vorbei und unterließ die Hilfeleistung. Na, und dann hat er Brötchen gebacken und tat so, als vermiss er seien Frau.

Na, Tiere eben. Allesamt. "Alle meine Großstadttiere" oder der "Robby, die Tabby und das Kaftötdings". Ach so, oder eben: Tiere der Großstadt.

MDR-Tatort: Schlechtes Drehbuch … und alles schon mal gesehen

Der MDR hat mal wieder einen Krimi verbrochen. Ich habe ihn nicht gesehen, kann aber nach meinen Recherchen soviel sagen: Online-Dating ist eine Angelegenheit, über die viele schreiben, meckern und manchmal auch Entsetzen verbreiten. Und kaum jemand hat intime Kenntnisse, was dort abläuft und wie die es sich „anfühlt“, häufig fremden Menschen zu begegnen, um mit ihnen die Möglichkeit einer Partnerschaft abzuklären.

Alles, was ich darüber las, kann so zusammengefasst werden: Das haben wir detailliert schon einmal in ähnlicher Form gesehen. Der Autor Erol Yesilkaya mag ja schon viele gute Krimis geschrieben haben, aber dieser wirkt wie ein Patchwork aus „vom Hörensagen“, Boulevardpresse-Berichten und „alle schon mal da gewesen.“ Dazu der neue Trend: Frauen kommen gut weg, Männer eher schlecht.

Na schön – es ist eben billige Fernsehunterhaltung, aufgemotzt mit Mord und dem - wie es scheint – immer noch spektakulären Thema „Online-Dating“.

Die Kritiken waren einhellig schlecht, was das Drehbuch betrifft. Und was „wir daraus lernen können?“ Gar nichts. Es sei denn, dies: Krimis sind ziemlich ausgelutscht, und Autoren fällt kaum noch etwas ein.

Übrigens ein enormer Schuss in den Ofen ist die Überschrift im STERN:
Das Geschäft mit der Einsamkeit - ein "Tatort" aus der Dating-Hölle

Reißerischer geht's kaum noch.

Tatort? Nein, danke!

Es ist nun schon das zweite Mal, dass ich den Tatort nach weniger als 15 Minuten Laufzeit abgeschaltet habe – ich muss ihn nicht sehen, und ich muss wirklich nicht mehr darüber schreiben.

Diesmal ist es offenbar um die Moralinvasion gegangen. Selbst wehrhafte Frauen werden zusammengeschlagen und misshandelt. Da kann man mal wieder so richtig sehen, was für Dreckschweine Männer sind. Oh ja, und die Kritk war begesitert - habe ich zur Kenntnis genommen. Die ZEIT ging am Weitesten. Sie sah in dem Machwerk „einen neuen Klassiker der Tatort-Reihe“. Zum größten Teil, weil die Kommissarin diesmal nicht erstrahlt, sondern von den Umständen zerbrochen am Boden liegt und weint. Das Leben ist eins der Schwersten, das wissen wir mittlerweile. Wie traurig.

Meinetwegen kann die ARD senden, was sie will und sich dabei von Kritikern belobhudeln lassen.

Und ich? Ich will auch vom Krimi unterhalten, überrascht und begeistert werden. Und all diese Volks-Belehrungen können sich die Drehbuchschreiber nötigenfalls in … ja, genau dorthin stecken. Und satt nach 15 Minuten abzuschalten, kann ich nötigenfalls auch ganz auf auf den Tatort verzichten.

Manipulative und kühl kalkulierende Frauen - ein "falsches" Frauenbild?

Diese Frauenbilder werden vielen nicht gefallen: Die Eine hat Wissen und Können, schenkt guten Sex und ist dennoch so gut wie emotionslos. Die Andere baut ihr Leben auf Lug und Trug auf und manipuliert dabei Männer nach Gutdünken, wobei selbstverständlich auch Sex zum Repertoire gehört.

Die Rede ist vom Tatort „Zurück ins Licht“ am Sonntag. Die eine Frau, kühl, pragmatisch und dennoch diffus, ist Profilerin, die andere durch und durch manipulativ und von Grund auf neurotisch, ist Motivationstrainerin und in der Pharma-Branche tätig. Beide Frauentypen gibt es, aber offenbar darf es sie nicht geben. Das weiß wiederum die FAZ: „Die Frauenfiguren sind derart klischeehaft, dass es kaum auszuhalten ist

Und so ist es auch ein weiblicher Kritiker, denen die Chose nicht gefällt. Carolin Gasteiger mault in der „Süddeutschen“:

Aus "Zurück ins Licht" hätte viel werden können. Ein gesellschaftskritisches Stück über zu hohe Anforderungen in der viel gescholtenen Leistungsgesellschaft. Was passiert, wenn das Bedürfnis nach Anerkennung krankhaft wird? Was, wenn man auf der Suche nach Liebe verzweifelt?

Ja, das wäre mal süße Themen für Frauen geworden, nicht wahr? Und hübsch kombiniert mit der populären Kritik an Kapitalismus und Leistungsgesellschaft. Frauen als Opfer des Systems … all diese Behauptungen, die eher zum Abgähnen anregen.

Eigentlich geht es um etwas ganz anderes. Und das sah der SPIEGEL kristallklar, indem er schrieb:

Hier geht es um die Frage, wie weit wir es mit unserer Selbstoptimierung treiben können. Ein lustvoll überreizter Karrieretrip in die schwindelnden Höhen der Selbst- und Fremdmanipulation, der die Frage aufwirft, ob Frauen die besseren Karrieristen sind.

Es war offenkundig, dass es um dieses Thema ging und um kein anderes. Wer die Männer und Frauen kennt, die auf Bühnen herumhampeln, um die Motivation von Managern und Außendienstlern zum Kochen zu bringen, weiß, wovon ich rede. Der Rest der Kritiker(innen) hätte sich ja mal besser informieren können.

Bleibt die Frage: Gibt es die Frauen, und wie verhalten sie sich wirklich? Ja, sie gibt es. Sie lernen schon als junge Erwachsene, dass geschickte Lügen, Winkelzüge, Hinterlist und manipulativer Sex mit mächtigen Frauen und Männern manche Wünsche erfüllen können. Und zwar schneller als der harte Weg, sich langsam auf der Karriereleiter hoch zu hangeln. Ein Teil von ihnen verliert Maß und Ziel und stürzt dabei ab. Diejenigen, die sich selbst bezähmen können oder aber einfach cleverer sind, erreichen aber durchaus ihre Zeile – sehr zum Leidwesen anderer Frauen übrigens, die mit Neid und Missgunst reagieren. Allerdings sind diese Frauen nicht so extrem wie die „Frau im roten Mantel.“

Kommen wir noch schnell auf den anderen Typ Frau: die Profilerin. Sie wird vorschnell mit dem „Asperger-Syndrom“ in Verbindung gebracht. Doch sie ist kaum mehr als jener Typ Frau, der mathematisch-technisch denkt und dennoch verschiedene Persönlichkeiten beinhaltet. Man findet ihn sicher selten, aber in der IT-Branche haben viele Frauen, die nicht in der Öffentlichkeit, sondern in den Hamsterrädern der Programmier-und Systemfreaks arbeiten, ähnliche Eigenschaften.

Der Kriminalfall? Eigentlich morden Frauen nicht, wenn man ihre Vergangenheit aufrollt und bloßstellt – sie haben andere Methoden. Aber es ging ja um einen Krimi, und da gehört nun mal eine Mörderin dazu.