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Blogs und Kommerz

Es ist sehr interessant, ein Blog zu führen – besonders für Künstler, Schriftsteller und Journalisten, die jenseits des Mainstreams sagen dürfen, was sie wirklich denken. Mein Blog ist da ein bisschen atypisch, aber ich führe das Blog gerne, um den Gedanken des liberalen, aber kritischen Geistes im Internet aufrechtzuerhalten.

Es ist keinesfalls ehrenrührig, für sich zu werben, sein Geschäft zu bewerben oder Waren zu bewerben. Aber es ist durchaus fragwürdig, wenn mehr als die Hälfte der Blogbeiträge (manchmal sogar nahezu alle) nur den Zweck dienen, Provisionen zu kassieren.

Oftmals sind es die Blogger selbst, die nach PR-Artikel gieren und diese willfährig veröffentlichen – dann aber sind es auch PR-Firmen, die versuchen, Blogger zu verführen. Es ist ja nicht einmal so, dass Blogger (wie andere Redakteure auch) gelegentlich über Produkte oder Dienstleistungen berichten – im Bereich der Kultur ist es sogar die Regel. Die Gratis-Werbung für Bücher, Musiker, Sänger, Bühnenstücke oder Filme ist durchaus Bestandteil der Berichterstattung – sogar in öffentlich-rechtlichen Medien.

Doch seit einiger Zeit gibt es neue Goldgräber – Suchmaschinen mit dem Nebeneffekt der Produktwerbung, verdeckte PR-Artikel in Online-Medien, und vor allem die PR-Schleuder „Soziale Netzwerke“.

Vor allem Letztere verführen dazu, die Moral absinken zu lassen. Der Gedanken dahinter: „Wenn die Großen Millionen an Kohle mit ihren Netzwerken absahnen, dann will ich wenigstens 100 oder 1000 Euro pro Monat mit meinem Blog machen.“

Womit wieder bewiesen ist: Das Internet der Massen verdirbt die Moral – aber nicht durch Sex und Co. – sondern durch Menschen, die Informationsfreiheit und Gewinnstreben zu einem undurchsichtigen Brei verkochen.

Der Mensch als Spielball in einer digitalen Welt?

Früher haben wir uns irgendwie verhalten, und einige, die uns kannten, haben ihre Schlüsse daraus gezogen, während es anderen kaum gelang, unser Wesen, unser Sein und unser Handeln zu entschlüsseln.

Heute legen bekannte und unbekannte Firmen Programme auf, die uns ausforschen wollen – ja, es soll eine ganz neue Psychologie erschaffen werden, die auf Online-Aktionen basiert.

Können wird dem noch entkommen?

Noch können wir die Suchmaschinen verlassen, die uns ausspionieren, noch können wir (und sollten wie vielleicht auch?) auf „soziale Netzwerkeverzichten.

Zu einem Teil werden die sogenannten „Algorithmen“, die uns "menschlich verbessern" sollen, hoffentlich versagen und sich ihre Erfinder blamieren – das lehrt uns jedenfalls die Vergangenheit.

Um es noch deutlicher zu sagen, ja, geradezu brutal: Wir taten gut daran, uns nicht zu Sklavinnen und Sklaven der „alten“ Psychologie zu machen. Die wollte uns einreden, dass nur ein Fremdbild objektiv richtig sein kann, Selbstbilder hingegen mussten einfach falsch sein, wenn sie dem widersprachen. Und heute? Heute steht da der „Big Brother“, der uns sagt, wer wir sind. Und der prognostiziert, dass er wesentlich mehr über uns weiß als wir selbst.

Heute sind diese Leute hauptsächlich hinter unserem Geld her, was zunächst beruhigend ist: Wir kaufen einfach nicht das, was uns ständig angeboten wird. Und morgen? Da können dieselben Leute Gesinnungspolizei spielen, und niemand wird sie daran hindern können.