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Machtlos

Ich las gerade: Diejenigen, die keine Macht haben, müssten sich aufs Interpretieren beschränken. Gemeint sind Frauen, die „anhand weniger Zeichen erkennen lernen ob Gefahr, Reichtum oder Irrationalität droht.“

Ob Reichtum für Frauen wirklich bedrohlich ist, weiß ich nicht – man frage den FAZ-Redakteur, der’s so geschrieben hat.

Online-Dating - die schnelle Entscheidung beim ersten Kontakt

Ich denke eher an zweierlei, wenn ich so etwas lese: einmal an das moderne Online-Dating. Dabei muss jeder (egal, ob Frau oder Mann) in wenigen Minuten entscheiden, ob es sich lohnt, den anderen wirklich näher kennenzulernen.

Der machtlose Blogger - er muss interpretieren

Und zum Zweiten fühle ich mich sehr an uns Blogger erinnert. Wir haben keine Macht – weder die der Pressekonzerne noch die der Wirtschaftsverbände und nicht einmal die der in- und ausländischen Beeinflussungsmaschinen, die schreibende Falschmünzer beschäftigen. Wir können bestenfalls noch interpretieren, was sie schreiben. Und dann und wann können wir eine Korrektur anbringen.

Die Lügenpresse der Extremisten

Es geht dabei überhaupt nicht um die „Lügenpresse“, also die normale, freie und unabhängige Presse, die ständig von den Rechtsextremisten diffamiert wird. Die wahre Lügenpresse steht immer extrem rechts oder extrem links und verdreht Nachrichten so, wie sie ihre Anhänger gerne lesen würden.

Sind Blogger Narzissten?

Kürzlich wurde eine Diskussion angepfiffen, die mich sehr befremdet: Blogger, so hieß es, seien alle Narzissten. Warum? Weil Blogger angeblich ausschließlich über sich selbst schreiben. Weil sie sich sehr ernst nehmen. Oder weil sie ihr eigenes Leben goldrichtig finden, währen es andere anzweifeln.

Mit Sigmund Freud imponieren? Vergesst es!

In letzter Zeit ist es Mode geworden, mit pseudowissenschaftlichen Begriffen zu verschleiern. Und dafür ist „Narzissmus“ bestens geeignet. Er soll zeigen, dass man schon mal von einem gewissen Herrn Freud, Sigmund, gehört hat – und das allein sieht schwarz auf weiß schon imponierend aus.

In Wirklichkeit ist alles Wischiwaschi. Wer überleben will, braucht die Selbstliebe wie auch die Liebe anderer, und er sollte zumindest bereit sein, Überschüsse an Liebe anzusammeln, um sie mit anderen zu teilen.

Was Blogger sind

Blogger allerdings sind Journalisten, die Meinungsmagazine betreiben oder Schriftsteller, die keine Romane, sondern Episoden veröffentlichen wollen. Das ist alles völlig in Ordnung.

Ich zitiere dazu mal sinngemäß udn gekürzt, was eine Bloggerin (1) schreibt:

Unsere Blogs sind kostbare und wertvolle Lebensräume. Warum wir bloggen? Weil wir es für richtig halten, zu bloggen, gleich. Ob wir dozieren oder unsere intimen Gedanken freilegen. Ich bin auch überzeugt, dass sie sich niemals entschuldigen sollten, aus welchem Grund auch immer. Entschuldigt euch nicht dafür, etwas gesagt zu haben, was euerer Meinung nach gesagt werden musste.


Niemandem "nach dem Munde reden" - die Freiheit nutzen

Als es in den Gazetten des später 19. Jahrhunderts noch Fortsetzungsromane gab, beeinflussten die Leserinnen und Leser die Autorinnen und Autoren oft durch Kritik und Anregungen, wie sich die Geschichten entwickeln sollten. Den Schreibern jener Zeit konnte es gleichgültig sein: Sie schrieben Ihre Romane oftmals ohnehin mit offenem Ende und gaben die nächste Folge erst kurz vor Redaktionsschluss ab.

Was daraus wurde, war ein elendiglicher, moralisierender Kitsch.

Wer könnte das heute noch wollen?

Blogger sind die letzten völlig unabhängigen Journalisten und Schriftsteller. Sie sollen sagen, was sie erleben und meinen – mit einer kleinen Einschränkung: Das eigene Leben soll dadurch nicht verkitscht, romantisiert oder eingetrübt werden.

(1) Nach Floss, aus dem Englischen, gekürzt.

Wie sich bloggende Damen nennen

Dieser Artikel handelt davon, wie sich bloggende Damen nennen - oder jedenfalls einmal nannten. Dabei war das Wort „Miss“ sehr beliebt, weil es zu Wortspielen anregte.

Einstmals gab es in Österreich eine Bloggerin namens „Miss Understood“, die ziemlich berühmt wurde - auf Deutsch etwa „Miss Verstanden“. Beide Namen kamen in Blogs und Kolumnen häufiger vor, sodass ich am „Erstgeburtsrecht“ der Wienerin zweifle.

Der Witz an all diesen Namen ist ja, dass sie immer doppeldeutig sind. Besonders lustig finde ich:

Miss Behagen
Miss Erfolg
Miss Geschick
Miss Gelaunt
Miss Gunst
Miss Vergnügen

und

Miss Verstehen.


Wobei ich kaum jemanden zugetraut hätte, sich „Miss Gunst“ zu nennen – gibt es aber trotzdem.

Die Idee mit der Doppelbedeutung von Miss als „Fräulein“ und dem Wortteil „Miss-“ für „fehlerhaft“ beziehungsweise „schlecht“ (un-) hat diese Wortspiele ausgelöst.

Fehlt eigentlich nur noch „Miss Fallen“ – der Name ist nicht nur zweideutig, sonder noch weitaus vieldeutiger.

Hyping und andere – wurden die Begriffe erfunden?

Ich hype, ich werde gehypt - wann hört der Unfug solcher Wortschöpfungen auf?
Wissen Sie noch, was ein Metrosexueller war? Nun, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Das sind schicke junge Männer, die ebenso modebewusst wie körperbewusst sind, aber dennoch heterosexuell. Früher nannte man solche Männer auch mal „Dandys“. Heute ist der Begriff schon wieder aus der Mode gekommen - wenn er überhaupt jemals in Mode war.

Nun hat, wie mir scheint, eine Bloggerin den Trend auf die Schippe genommen, im Bereich des „Datings“ ständig neue Begriffe zu erfinden. Diesmal war es „hyping“. Ausgebrütet hat diesen Begriff wahrscheinlich die Bloggerin Vix Meldrewe, auf deren Artikel vom 4. Mai 2017 sich dann (merkwürdigerweise noch am selben Tag) die britische Presse stürzte. Da auch die Journalisten einschlägiger deutscher Presseerzeugnisse die britische Boulevardpresse lesen, dauerte es nicht lange, bis man hierzulande davon lesen konnte.

Dümmliche Worte werden als "Fiese Trends" vermarktet

Für Leute, die’s nicht wissen: Es „ingt“ nur so in den Boulevard- und Frauenzeitschriften, die jedes Fitzelchen im sogenannten „Dating“ aufgreifen, um ein angeblich neues Wort zu verbreiten. Das wäre nicht so schlimm, wenn so etwas nicht gleich als „fieser Trend“ vermarktet würde. Man erinnert sich noch an „Benching“, „Ghosting“ und „Breadcrumbing“, die ebenfalls als „fiese Datingmaschen“ vermarktet wurden. Zielgruppe sind meist junge, einfach gestrickte Frauen, für die daraus „Warnmärchen“ gezimmert wurden, zum Beispiel, wie man diese „fiesen Typen“, die so etwas machen, erkennt und vermeidet.

Der Wolf oder der Mann ist böse oder krank - was sonst?

Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf? Kaum eine junge Frau, den sie weiß ja (noch) nicht, was für ein böses Tier der Wolf (Pardon, der Mann) ist. Und deshalb gibt es die Beratungstanten und Beratungsonkels, die bei jedem neuen Begriff genau wissen, wer „so etwas“ tut und wie man den Kontakt zu diesen Männern vermeidet. Mal sind sie Schufte, am Scheißkerle, mal haben sie nicht alle Drähte richtig verlötet – für die letztere Gruppe gibt’s dann die Interpretationen aus der Küchenpsychologie.

Fake News aus Expertenmund?

Die ganze Chose hat etwas von Fake News. Erfinde ein Wort, schreibe über die schrecklichen Dinge, die Menschen (meist Männer) damit anrichten – insbesondere die psychischen Qualen, die Frauen dadurch erleiden. Sie werden sich ausmalen können, wie enttäuschte Frauen ihre Kopfkissen nass weinen, nicht wahr?

Und alles, alles, ist erfunden. Zwar gibt es ein paar Männer, die wirkliche Schufte sind. Und es gibt einige unschöne Verhaltensweisen. Aber es gibt diese Wörter nicht wirklich, und dahinter stehen keine tatsächlich existierenden Phänomene.

Warum Sie an sich selbst arbeiten sollten, wenn Sie "betroffen" sind

Und diejenigen, die betroffen sind? Wohlwollen kann ich ihnen sagen: Die Menschen sind nicht so, wie sie oder ich sie gerne hätten. Sie leben so, wie sie selbst möchten, auch dann, wenn es uns missfällt. Und mit etwas weniger wohlwollen: Arbeiten Sie bitte an sich, wenn Ihnen so etwas häufiger passiert. Die Welt zu ändern, ist verdammt schwer. Aber Sie selbst können sich verändern – und das ist nicht so schwer.

Sex-Blogger: warum sie aufgeben

Sind die Zeiten für Sex-Blogger(innen) endgültig vorbei?

Was ist ein Sex Blog? Normalerweise ist es kein Blog über Sex, sondern ein Blog, indem eine Frau, manchmal auch ein Mann, über das eigene Sexleben berichtet. Ein solches Blog ist nicht einfach zu führen: Man muss die Klippen zwischen Informationsbedürfnis und Jugendschutz beachten, muss zumeist anonym bleiben, was wegen der Impressumspflicht gar nicht einfach ist. Und man will – zumeist jedenfalls – auch auf Bildern nicht erkannt werden.

Aber das ist nicht das Schlimmste. Ein Sex-Blog ist ein Blog über das eigene Sexualleben, und allein dadurch wird derjenige verwundbar, der es führt. Auch das wäre für manche Bloggerinnen und Blogger noch erträglich, wenn da nicht ein anderer Punkt wäre: die eigenen Beziehungen. Sie werden Teil des Blogs, und vor allem werden sie Teil der Öffentlichkeit. Sexbloggerinnen und Sexblogger beziehen also andere Menschen mit ein, und wenn sie unvorsichtig sind, offenbaren sie deren Identitäten.

Ist das schon das Schlimmste?

Nein, das Schlimmste ist, an der Beziehung zu zerbrechen, dann bloßgestellt zu werden und schließlich der Lächerlichkeit anheimzufallen. Dann bricht das mühsam aufgebaute kleine Imperium zusammen, und mit ihm der Halt, den man sich mit dem Blog gegeben hat. Nahezu alle Sex-Blogger, also Personen, die ihren eigenen Körper und ihre eigene Intimität gegenüber der Öffentlichkeit entblößt haben, ziehen sich dann zurück.

Nein, es ist nicht gut, das eigene Intimleben wie eine Fahne in den Wind zu hängen. Man bekommt den Teil der Privatheit, den man lustvoll flattern ließ, nie wieder zurück in den Intimbereich, wo er hingehört. Kein Wunder, dass so viel erotische Bloggerinnen und auch Blogger in Depressionen verfallen, wenn sie ihr Liebesglück verlässt und sie auf einem Scherbenhaufen zurückbleiben.

Die anderen? Die Rampensäue und Sammler von Frivolitäten? Die sind längst bei einem bekannten US-Portal, auf dem sie dann allerdings hauptsächlich Bilder veröffentlichen. Texte zu kreieren, ist viel zu kompliziert.

Manche von von ihnen meinen immer noch sich selber mit dem, was sie veröffentlichen, und manche stellen sich sogar noch selber dar – hauptsächlich, wenn sie in der Porno-Branche eine Nische erobert haben. Aber wer diesen Beruf (und sei es als Nebenbeschäftigung) wählt, ist fällt ohnehin aus dem Raster der „wohlanständigen“ Bürgerinnen und Bürger heraus.

Sex-Blogger? Im Grund ist das, was sie tun, eine Verletzung der eigenen Intimität. Und aus diesem Grund denke ich: Besser wäre, gar nicht erst ein persönliches Sex-Blog zu beginnen.