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Die Lügenpresse, die nicht existiert

Die Rechtsextremisten versuchen seit langer Zeit, die öffentlich-rechlichen Medien zu diffamieren, und das Gleiche gilt für viele bekannte Presserzeugnisse, die als „bürgerlich“ bekannt sind. Übrigens sind die Linksextremisten durchaus mit im Boot, wenn es darum geht, die freie und unabhängige Presse zu diffamieren.

Es gibt – und gab – in Deutschland rechts- und linksextremistische Propagandazeitungen, die sehr geschickt darin waren und nach wie vor sind, die Wahrheit „neu zusammenzubauen“, sodass ein Gemisch aus Lüge und Wahrheit entsteht. Und sicher gibt es auch die Propaganda der „weißen Rechtsaußen“ der USA und sogar eine halboffizielle Nachrichtenschleuder des russischen Staates.

Eine bewundernswert objektive Berichterstattung im deutschen Fernsehen

Doch es gibt mehrheitlich Medien, die sich davon absetzen. Sowohl die ARD wie auch das ZDF betreiben eine bewundernswert objektive, kompetente Berichterstattung. Ebenso die „Deutsche Welle“, die bereits mehrfach wegen ihrer kritische Haltung beschimpft wurde. Wem das alles noch nicht „objektiv“ genug ist, der mag sein Lesefutter in der „ZEIT“ oder im „SPIEGEL“ , bei konservativer Einstellung auch in der „WELT“ oder der „FAZ“ finden.

Und wenn alles noch zu wenig ist: BBC

Eines will ich den Hasspredigern und Falschmünzern gerne noch sagen: Wenn ihr eine erweiterte objektive, ausführliche und sinnreiche Berichterstattung wollt, dann holt auf eurem SAT-Receiver doch mal die BBC herein oder ladet die App herunter. Und vergleicht die Informationen, die ihr dort seht und lest, mit denen, die „unsere“ Medien verbreiten. Denn ihr habt ein Privileg, dass viele Menschen in anderen Ländern nicht haben, und das bekanntlich Artikel Fünf Grundgesetz garantiert:

Jeder hat das Recht … sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.


Also tut mal was für euch – informiert euch. Denken soll ja nicht unbedingt schaden. Und Wissens schadet schon gar nicht - aber das erwirbt man nicht über „Facebook“.

Ist Journalismus wirklich zuverlässig?

Journalismus ist nur noch bedingt zuverlässig - aber das wissen nur Menschen, die sich häufig mit Nachrichten beschäftigen. Wer täglich einige Dutzend Nachrichten durchforstet, merkt bald, worin die Mängel liegen: Man übernimmt beispielsweise ungeprüft Artikel aus der Wissenschaft, oder man konzentriert sich auf wenige Quellen, von denen man annimmt, sie seien „seriös“. Zudem bevorzugt man Verlautbarungen bekannter Persönlichkeiten oder ebensolcher Politiker, auch wenn ihre Kompetenz zweifelhaft ist. Dabei begibt man sich gerne auf das Territorium, in dem sich der Bürger vermeintlich auskennt: in den Mainstream. Aus alldem entsteht eine gewisse, meist ungewollte Einseitigkeit und Oberflächlichkeit.

Der Journalismusforscher Florian Zollmann nennt folgende Gründe (1):

Kommerzieller Druck, Nachrichtenwerte, Redaktionsverschlankungen, Personalmangel, Eigentumsstrukturen oder organisationsbedingte Zwänge.

Das führt nun dazu, dass man sich auf leicht zugängliche und bisweilen geschwätzige Quellen verlässt, beispielsweise solche aus Politik, Wirtschaft, Organisationen, Interessengruppen oder Wissenschaften. Was innerhalb der Gesellschaft – sei es fälschlich oder berechtigt – tatsächlich gedacht wird, versinkt in einer Flut von Informationen, die im Grunde genommen Datenmüll sind. Die Abwägungen bei wichtigen Themen – wie auch die nötigen Hintergrundinformationen – findet man heute eher bei der BBC als in unseren deutschen Elite-Blättern.

Es gibt keine „Lügenpresse“

Das alles hat nichts mit „Lügenpresse“ zu tun. Gäbe es eine Lügenpresse, so würde sie zentral von der Politik gelenkt beziehungsweise nachhaltig beeinflusst – oder sie müsste extrem unlautere Motive haben, was man vom deutschen Journalismus nun wahrhaftig nicht behaupten kann.

Fehlende Bildung bei älteren Mitbürgern

Die Mehrheit der älteren Deutschen in Ost und West hat keine Ahnung, wie die Presse wirklich funktioniert oder wie sie sich in den letzten 25 Jahren gewandelt hat. Das führt dazu, dass man besonders den älteren Mitbürgern jeden Unsinn über die Presse auf die Nase binden kann. Wer zudem keine überregionalen Zeitungen liest, keinen Zugang zu deutschsprachigen Auslandszeitungen findet oder wer kein Englisch versteht, ist ohnehin kaum noch in der Lage, die Bedeutung der im regionalen Bereich verbreiteten Nachrichten zu ermessen.

Insgesamt ist es eine Kombination aus Einseitigkeit, fehlender Schulbildung und Fehlleitung durch Scharfmacher, wenn Menschen glauben, es gäbe eine Lügenpresse.

Könnte man etwas ändern?

Anderseits sollte sich unsere Presse wirklich einmal überlegen, ob sie das elitäre Gehabe, insbesondere in den Kommentaren und Feuilletons aufrechterhalten will. Und ob sie wirklich ständig aus den Quellen schöpfen muss, die sich ständig andienen. Denn im Grunde ist Journalismus in Deutschland zuverlässig – und die freie Presse ist und bleibt die beste Garantie für eine demokratische Gesellschaftsordnung.

(1) In der LVZ vom 24. Juli 2019.

Lügenpresse

Die Lügenpresse ist immer die Presse, die den anderen nicht so recht in den Kram passt. Diesmal hat ausgerechnet ein SPRINGER-Journalist den Gutmenschen gegeben: Also, was da der SPIEGEL schreibt, das geht ja so gar nicht …

Ja, und dann lesen wir dies (WELT):

Schon jetzt zeigt sich, wie der Glaubwürdigkeitsverlust der Presse in den USA die Rolle der Medien als vierte Gewalt im Staat unterminiert, die heute mehr denn je gebraucht wird.


Wobei nun klar ist: Ja, hier sitzt der aufrechte Journalist. Und der weiß auch, dass die deutsche Presse bislang „die republikanischen Präsidenten dämonisiert“ hat.

Na schön – falls es denn so gewesen wäre, interessiert sich heute kein Mensch mehr für diese Scharmützel, wobei von „Dämonisierung“ gar nicht die Rede sein kann.

Ja, ja - die Lügenpresse, das sind die anderen. Und SPRINGER verkündet die Wahrheit. Liest sich hübsch, nicht wahr?