Skip to content

Merkel, die Bajuwaren und die Flüchtlinge

Es gibt drei Dinge, die wir in Deutschland klären müssen.

Wir brauchen eine starke Regierung, keine Bayern-Querschläger

Das Ernste ist, dass wir eine stabile, verlässliche Regierung benötigen. Wie bekannt, sind derzeit verbale Heckenschützen aus Bayern unterwegs, die das zu torpedieren versuchen. Deutschland ist aber nicht Bayern, und die CSU ist nicht deutsch, sondern bayrisch.

Auf Kernthemen konzentrieren - nicht auf Klimbim

Das Zweite ist, dass wir uns um die Kernthemen bemühen müssen – Bildung, Digitalisierung, stabile Wirtschaft, Fachkräftemangel sowie eine handlungsfähige und wehrhafte EU. Stattdessen werden „Randthemen“ hochgespielt.

Flüchtlingspolitik lenken, nicht dabei zugucken

Und das Dritte ist zweifellos, dass in „der“ Flüchtlingsfrage gehandelt werden muss. Zu viele Menschen sind mit der „Flüchtlingspolitik“ der Kanzlerin nicht einverstanden. Und selbst, wenn dies Blödsinn ist, kann die Kanzlerin bei diesem Thema nicht einfach weitermauscheln und zugucken.

Und nochmal die Bajuwaren:

Frau Kramp-Karrenbauer stellt uns als Provinzfürsten aus Bayern hin Wieso eigentlich "stellt euch so hin"? ihr spielt euch doch ständig so auf .. oder irre mich da, Bayernfürsten?

Gehört Bayern (noch) zu Deutschland?

Kreuze gehören zu Deutschland, wie wir aus Autobahnkreuzen, Straßenkreuzungen sowie Kreuzungen bei Pflanzen und auch bei Tieren unschwer entnehmen können. Und schließlich lernen wir in der Fahrschule, was ein Andreaskreuz bedeutet.

Kreuze sind also ein Beispiel deutscher Identität. Warum sollte man sie dann nicht als Staatssymbole verwenden? Und so geht dann der bayrische Staat daran, „im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude“ künftig ein Kreuz aufzuhängen. Nicht irgendein Kreuz, ihr verfluchten Heiden, also kein Foto vom Autobahnkreuz München-Süd. Es muss schon ein Christenkreuz sein.

Das ist – das weiß jeder Bayer – keine Unverschämtheit, sondern, und da zitiere ich mal Herrn Söder, der ja jetzt Ministerpräsident in Bayern ist. Der hat nämlich in bayrischer Heimatkunde immer gut aufgepasst und weiß, dass ein Kreuz „nicht ein Zeichen einer Religion“ ist, sondern ein „Bekenntnis zur Identität Bayerns“.

Woraus sich die Frage ergibt, ob Bayern eigentlich zu Deutschland gehört oder zur (vermutlich katholischen) Kirche. Denn das Kreuz ist ein Symbol der Christen und nicht das Symbol Bayerns.

Und natürlich ist auch die Frage, womit sich ein Bayer eigentlich identifizieren muss, wenn er ein Dienstgebäude des Freistaats betritt. Mit seinem Deutschsein, mit seinem Bayrischsein oder mit seinem Gebetbuch?

Heimat

Straßenkunst an einer Fassade - etwas besseres als den Tod finden wir überall
Nationalismus heißt jetzt Heimatliebe. Jedenfalls nach bayrischer Lesart und leider nicht nur nach bayrischer. Es scheint, als wolle man uns „Heimat“ andrehen, wie es Hausierer tun: Wehe, du akzeptiert den Begriff nicht, dann bist du kein Deutscher, dann hast du auch kein Heimatland.

Ich habe schon ein paar Mal gesagt, dass ich nicht „in Deutschland“, sondern in der ursprünglich britischen Besatzungszone, später dann der amerikanischen Enklave der britischen Besatzungszone geboren wurde. Herkunftsbezeichnung also „Made in U.S.-Zone Germany“. „Deutschland“ existierte damals weder in den Köpfen noch Real. Und das war auch gut so, denn so konnte ich mich auf das Hanseatische besinnen. Noch heute glaube ich, dass der Hanseat dem Briten näher steht als dem Bayern. Sogar in der Sprache.

Heimat und Deutschland sind zweierlei

Heimat? Das war der Bereich, so weit man schauen konnte, und das reichte mir. Und Deutschland? Die Schreihälse wollten ein Deutschland, das mindestens so groß war wie – nein, nicht Großdeutschland, aber so groß wie das „Deutsche Reich“ von 1871, oder mindestens so groß wie 1919. Interessant ist, dass es nicht nur nationalistische Fantasten waren, die das Deutsche Reich in den Grenzen von 1919 wieder herstellten wollten, sondern auch Leute, von denen man so etwas gar nicht vermutet hätte. Federführend für allerlei „Heimat“-Kampagnen war das „Kuratorium unteilbares Deutschland“, das den Slogan „Dreigeteilt? Niemals!“ ausgab.

Thüringer sind auch Würstchen

Was bitte sollte daran Heimat sein? Sicher kam meine Familie aus der Gegend von Erfurt, aber ich war schließlich „hinzugeborener“ Hanseat und kein Thüringer. Und die namensgleichen Würstchen gab es schließlich auch auf dem Liebfrauenkirchhof.

Da wo es Würstchen gibt, das ist mein Heimatland? Ach, du liebes Lieschen. Inzwischen ist mancher brennend heißer Würstchenstand schon geschlossen worden, und kein Geisterchor säuselt mehr „schön war die Zeit“. Und was geblieben ist? Das ist eine Erinnerung an eine viel zu heiße Bratwurst nach Thüringer Art im Brötchen mit Senf. Die letzten Bissen sind mir gut in Erinnerung, wenn sich der Geschmack des Brötchens mit dem Senf und den Gewürzen nach „Thüringer Art“ vereinte. Aber ebenso erinnere ich mich an die Mockturtlesuppe, womit wir wieder dem Vereinigten Königreich näher wären.

Heimat ist das Leben im Inneren - keine Gefühlsduselei

Na klar habe ich Erinnerungen an eine Heimat, aber sie besteht doch nicht aus alten Gemäuern, Wiesen, Wasser und sonderbaren Nahrungsmitteln wie Stinten, Braunkohl und Seemannslabskaus.

Die eigentliche Erinnerung ist das Gefühl, erwünscht, lebendig, lebensfroh und neugierig gewesen zu sein. Sich mit dem Guten der Hansestadt wie auch mit dem Bösen auseinanderzusetzen. Alte Nazis verknöcherte Prokuristen, schnöselige Kaufmannssöhne – aber eben auch weltoffene Menschen, die ihren Blick auf die Welt da draußen richteten.

Ein Leben besteht aus einem Job, mit dem man zufrieden ist, einer Wohnung, in der man gerne lebt, und einer Beziehung, mit der man sich verbunden fühlt. Alle drei Komponenten können wechseln – nichts ist so selbstverständlich wie der Wandel.

Und wie war das nun mit der Heimat? Manchmal gehe ich zurück an einen kleinen, urigen und etwas verwunschenen Ort, den ich seit 50 Jahren kenne, und trinke dort ein Glas Wein. Und das ist dann ein bisschen Heimat.

Mieses Vorbild Bundespolitik – Deutschland ist nicht Bayern

Wie schön, dass wir heute Abend möglicherweise erfahren dürfen, wie der Kampf der Polit-Interessengruppen ausgegangen ist. Wenn ich da mal etwas anmerken darf: Wie kann man den Bürgern solch ein miserables Vorbild sein und streiten wie die Kesselflicker? Wie kann man insbesondere bei der CSU und der FDP, überhaupt auf diese schnodderige und selbstgefällige Art in Szene setzen?

Das Ganze war ein unwürdiges Schmierentheater, was immer heute Abend herauskommen mag. Es erzeugte beim Bürger Verdruss, und es macht die Parteien nicht glaubwürdiger, sondern zerstört das Vertrauen in die Politik.

Zudem muss man sich fragen, warum die CDU, ja, warum Deutschland überhaupt zulässt, dass die Politik von einer bayrischen Regionalpartei maßgeblich mitreagiert wird.

Die CSU wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie überhaupt für Deutschland sprechen kann. Oder ob sie eher eine separatistische Bewegung mit regionaler Eigentümlichkeit darstellt, die gar nicht Deutschland, sondern nahezu ausschließlich Bayern repräsentiert. Soll aus dem Stammtischgerede an bayrischen Biertischen per CSU deutsche Politik werden? Ich finde das geht zu weit – viel zu weit.