Skip to content

Das vereinte Gutmenschentum gegen Ramelow

Der Ministerpräsident des Lande Thüringen ist in ein Fettnäpfchen getreten. Das war nicht sehr klug von ihm, wie er selber später zugab. Er spielte ein Handyspiel. Nicht irgendwo. Sondern während eines Corona-Gipfels. Das ist nicht höflich, so wenig, wie in der Nase zu bohren.

Der Vorfall war natürlich willkommenes Futter für die Scharfmacher in der Christenunion. Da wurden Watschen ausgeteilt, dass es kracht: Der Generalsekretär der CDU, der Herr Ziemiak, hielt ihn gleich mal für ungeeignet, weiter an Corona-Krisengipfeln teilzunehmen“ - eine Unverschämtheit, die diesem Mann überhaupt nicht zusteht. Auch die anderen Parteien kehrten sofort ihre Oberlehrermentalität heraus. Die Lehrer selbst übrigens auch. Wie kann sich denn ein Schüler oder Kirchenbesucher oder Konferenzteilnehmer mit Computerspielen beschäftigen?

Wer so argumentiert, vergisst, dass Konferenzen weder Predigten sind noch Vorlesungen. Und wenn Frau Merkel längst bekannte persönliche Meinung zum Lockdown zum x-ten Mal ausbreitet, kann man wirklich ermüden - das weiß jeder Fernsehzuschauer. Kurz: In Konferenzen gibt es Längen, Wiederholungen und längst bekannte Meinungsbeiträge. Mag ja sein, dass „das Volk“ nie an einer Konferenz teilgenommen hat, aber Politiker wissen sehr wohl, dass nicht in jedem Moment „höchste Aufmerksamkeit“ erforderlich ist.

Wer so argumentiert wie die gegenwärtige selbst ernannte „Gutmenschenschaft“, der verkennt, dass Ministerpräsidenten nicht „mit Frau Merkel Schule spielen“ und daher stets „fein die Ohren spitzen“ müssen. Und man darf allen Ministerpräsidenten ruhig zutrauen, dass sie das Wesentliche erfassen, auch wenn sie mal einen Moment die Ohren anlegen. War niemand der Damen und Herren mal zur Toilette während dieses „bedeutsamen“ Ereignisses? Oder ist gerade Wahlkampf?

Und zum wiederholten Male: Das vor sich her getragene Gutmenschentum hängt mir kreuzweise zum Hals heraus - egal, von welcher Partei es ausgeht.

Informationen überwiegend aus der Tagesschau

Thüringen: Ramelow will die Wirtschaft nahezu lahmlegen

Ich habe Herrn Ramelow bisher verteidigt, weil er sich in schweren Zeiten als ein Mann der Vernunft erwies. Nun allerdings zeigt sich der Sozialist: Er will „die Wirtschaft in Deutschland“ einheitlich „in den Lockdown schicken.“

Seine Begründung entspricht dabei dem bekannten Muster: Was bisher getan wurde, reicht offenbar nicht, also muss man noch mehr reglementieren, verbieten oder einschränken. Das sagen uns die bekannten Populisten seit Monaten – aber sie haben keinerlei Beweis dafür. Alles, was sie aus ihren Zauberhüten ziehen, sind Vermutungen. Und damit gar nicht Missverständnisse entstehen: Wir alle müssen mit Einschränkungen leben - aber bitte mit solchen, die auf Vernunft und Sachverstand beruhen.

„Die Wirtschaft“ hat sich, von wenigen Ausnahmen auf Schlachthöfen, bisher nicht als Virenschleuder erwiesen. Und selbst der Sozialist Ramelow sollte wissen, dass wir alle nicht ohne eine funktionierende Volkswirtschaft leben können. Jedes Rädchen im Getriebe der Wirtschaft hat eine Funktion, die anderen dient. Es ist eine Unverfrorenheit sondergleichen, wenn Linkspolitiker oder linkslastige Grüne weite Teile der Wirtschaft als „nicht unbedingt nötig“ disqualifizieren.

Achtsam sein bei Links-Parolen

Man wird achtsam sein müssen, wenn so etwas Schule macht. Zwar „hätte“ man die Feiertage nutzen können, um vorgezogene Werksferien anzusetzen, und der Schaden wäre vermutlich gering gewesen. Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Und es sind nicht vorgezogene Werksferien, an die der Linkspolitiker dachte (und offenbar weiterhin denkt), denn (Zitat Ramelow):

Alles, was nicht lebensnotwendig ist oder systemisch nicht abgestellt werden kann, hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen.


Auch die Grünen haben sich vom Sozialismus offenbar noch nicht freigeschwommen. So sagte die Geschäftsführerin der Grünen im Landtag, Madeleine Henfling (Quelle: (1):

Ich halte den harten Lockdown auch für nötig. Das heißt alles runterfahren was nicht gebraucht wird und davon müssen der andere Ministerpräsident*innen (2) überzeugt werden.

Nichts gegen Frau Henflings Ideologie: Aber aus dem Werdegang dieser Frau geht hervor, dass Ökonomie nicht gerade ihre Stärke ist.

Menschen können alles meinen – das ist ihr gutes Recht. Aber wenn wir mal Tacheles reden wollen: Kein Mensch weiß wirklich, warum es ausgerechnet in Thüringen und Sachsen nach wie vor so viele Neuinfektionen gibt. Kein Virologe, kein Politiker und auch sonst niemand.

(1) MDR Thüringen
(2) Ich distanziere mich von der Schreibweise, Es handelt sich um ein Original-Zitat.

Bestärken und anderes Journalistengegacker

Meldungen kann man erzeugen, ohne Fakten zurückgreifen zu müssen. Gegenwärtig „bestärken Politiker Virologen“, „bestärken Virologen andere Virologen“, und Politiker bestärken natürlich auch andere Politiker.

Zugleich kritisieren Virologen andere Virologen, Politiker kritisieren andere Politiker ... und so weiter.

Und Journalisten laufen dazwischen herum wie die gackerenden Hühner. Dabei sollte jeder gebildete Mensch wissen, dass dergleichen nicht gerade der Wahrheitsfindung dient - und schon gar nicht der plausiblen Information der Bevölkerung.

Der Thüringer Ramelow mag falsch liegen, aber er ist wenigstens kein Populist wie der Bayer Söder, der sich jetzt Sorgen um seine Grenze zu Thüringen macht. Das Königreich Bayern lässt grüßen - und deshalb macht es auch das Staatssäckel dicht, wenn es um verarmende Gemeinden in Deutschland (außerhalb Bayerns) geht. Aber das ist kaum eine Meldung wert.