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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Mythos "einfache Kindheit" - mehr Lebenserfolg durch kritiklose Anpassung?

Vorausschicken will ich gerne, dass ich als Kind „einfacher Eltern“ aufgewachsen bin. Wenn die Rede davon ist, wie „Menschen in den 1960er oder 1970er-Jahren“ aufgewachsen sind, dann fühle ich mich durch Alter und Herkunft durchaus veranlasst, das Wort zu ergreifen.

Die Welt erfassen - ein Menschenrecht

Wie für alle Kinder, so ging es auch für mich und meine Generation darum, die Welt zu erfassen – durch Zuhören, durch Zusehen – aber auch mithilfe einfacher Untersuchungen. Durch viele Fragen an Erwachsene und noch mehr eigene Fantasien.

Wer heute behauptet, er habe „ganz anders gelernt“ als die „Jugend heute“, der sollte zumindest wissen, dass die heute 70 – 80-jährigen Menschen kein Maßstab für „gesundes“ lernen sind. Gehen wir etwa 150 Jahre zurück, so fanden wir völlig andere Grundlagen vor. Das neue Jahrhundert (diesmal das zwanzigste) bracht mit allen Traditionen, und nach Ende des Ersten Weltkriegs fanden die Menschen in Deutschland ein ähnliches Chaos vor wie 1945.

In einer Studie heißt es (2):

„Wenn du zurückblickst, erkennst du, wie viel du überstanden und daraus gelernt hast. Du hast eine Kindheit gemeistert, in der es weniger Sicherheitsnetze und weniger Worte für Gefühle gab … Erwachsene erklärten nicht immer, was gerade geschah; sie erwarteten einfach, dass du dich anpasst. Und genau das hast du getan – immer und immer wieder.“


Kritiklose Anpassung als Lebensziel?

Was mich daran stört, ist die Passivität. Haben „wir“ unsere Kindheit tatsächlich durch Anpassung an „gemeistert“? Konnten wir durch „Anpassung“ alles erreichen? Haben wir nie nachgefragt, was etwas bedauert? Haben wir keine Widersprüche entdeckt, die geklärt werden sollten?

Falsche Darstellung der 1960er Jahre

Ich zitiere hier mal, was wirklich getan wurde – jedenfalls in den 1960ern in einem Lied auf Englisch (1):

“A quizzical kid, he doesn't want anything hid
He's forever demanding to know who and what and why and where
Inquisitive child, sometimes the questions get wild
Like, "Daddy, can I have that big elephant over there?”

Ja, auch ich habe zugehört. Und auch ich habe nicht immer Antworten bekommen. Aber ich habe einige Dutzend Mal gefragt, was dieses oder jedes Wort bedeutet, wie ich mir etwas erklären kann. Doch letztlich habe ich erkannt, was real ist, was wahrscheinlich ist und was meine Fantasie hinzugefügt hat. Und ich denke, genau das haben mein Vater, Großvater und Urgroßvater auch schon versucht - in Zeiten, in denen es ungleich schwerer war, überhaupt Antworten zu bekommen.

Wissenschaft oder bloße Meinung?

Der Artikel, den ich ursprünglich las, ging es um „mentale Stärken“, die heutigen Kinder angeblich nicht mehr haben. Auf der Suche nach den Quellen konnte ich den Inhalt des Artikels zurückverfolgen: Er erschien in Europa zuerst in „Ouest-France“ (Dezember 2025), und basiert auf einem Artikel in „Cottonwood Psychology“, der etwa zur gleichen Zeit veröffentlicht wurde. Im Artikel fehlt die Quelle der Vergleiche zwischen den Generationen.

Quellen:

(1) Text von Oscar Brown Jr., musik von Bobby Timmons.
(2) "Cottonwood Psychology", Artikel.

Sinngemäße Übersetzung des Liedtextes:

„Er … ist ein neugieriges Kind, dem nichts verborgen bleiben soll; er will ständig wissen: wer, was, warum und wo. Ein wissbegieriger Knirps – manchmal klingen seine Fragen verrückt, wie etwa: „Papa, darf ich diesen großen Elefanten da drüben haben?“

Dating mit „Übungspartnern“ – warum eigentlich nicht?

Menschen müssen erst lernen, soziale Kontakte zu knüpfen … das ist eine Binsenweisheit.

Wer jemals mit der Partnersuche im „reiferen“ Alter beschäftigt war, der weiß, dass man nicht nur selbst älter geworden ist, sondern auch, dass sich die Zeiten geändert haben. Was vor zehn oder zwanzig Jahren noch gegolten hat, wirkt heute merkwürdig.

Kennenlernen üben - hervorragende Lösung für das Dating über 40

Besonders im Bereich des „Kennenlernens“ ist die Sache heikler geworden. Die meisten Frauen und Männer mit über 40 sind sich nicht bewusst, dass „Menschen kennenlernen“ viele Gründe hat – und dass nur wenige erste Kontakte zu konservativen Liebesbeziehungen führen.

Was läge da näher, als „Dating“ zu üben? Einfach mal mit jemandem ausgehen und gucken, was draus wird? Lernen am Erfolg wie auch am Misserfolg, „ausloten“, wer auf dem Markt ist und warum, Möglichkeiten abchecken. Das Verhältnis zu anderen Bildungsschichten und Auffassungen überprüfen …

Lernen durch Erproben

„Practice Dating“ nennt sich das – und um es gleich zu sagen: Es ist die Methode, nach der die Klugen und Weitsichtigen vorgingen – bevor es angeblich zum „Trend“ wurde.

Ich zitiere diesmal ausnahmsweise einen Profi, der dies veröffentliche (1):

Jemand erzählte mir kürzlich, dass sie ihren langjährigen Partner anfangs eigentlich gar nicht attraktiv fand. Ihr Desinteresse führte dazu, dass sie bei dem Date eine Haltung nach dem Motto „Ich rede einfach über das, worauf ich Lust habe“ an den Tag legte. Nach mehreren Stunden angeregter Unterhaltung wurde ihr jedoch klar, dass er interessanter war, als sie zunächst gedacht hatte, und dass die beiden unter der Oberfläche tatsächlich viel gemeinsam hatten.

Soweit, so gut. Doch schon kommen die Einwände jener Puristinnen und Puristen, für die das Kennenlernen offenbar eine geheiligte Prozedur ist, die Schutz verdient.

Das liest sich dann so (2):

„Andere Menschen dürften nicht zu bloßen Übungsobjekten für die eigene Persönlichkeitsentwicklung werden.“

So sehr beide Standpunkte einander widersprechen mögen (3) – niemand sollte daran gehindert werden, für sich selbst zu erproben, was ihm oder ihr guttut.

Denn das Gegenteil von „nie Übungspersonen zu nutzen“ wäre, zu jedem Date mit der Hoffnung zu gehen, dass es „diesmal wirklich klappen“ muss. Das ist bekanntlich auf Dauer erniedrigend.

Eines füge ich noch hinzu: Es ist bei Weitem erfolgreicher, sich bei Dates nicht zu „verstellen“, als der anderen Person eine Kunstfigur vorzuspielen, damit es ein „zweites Date“ gibt.

Quellen:

(1) Zitiert aus "Psychology Today"

(2) Zitiert nach dem "Standard"

(3) Im Original (Nypost) eher moderate Kritik.

Die „gute alte“ Schallplatte – neu gesehen

Schallplatten zu sammeln ist ein außerordentlich teures Hobby gewesen – und wer jede Aufnahme seines Lieblingsinterpreten kaufen wollte, musste schon reichlich Mittel aufwenden. Einmal an Lagerraum und natürlich auch an Geld.

So richtig gelohnt hat es sich nie: Wer 100 Schallplatten besaß, hatte recht großzügig gerechnet 4.500 Minuten Musik im Regal. Manche Aufnahme erwies sich als Favorit: Sie wurde immer wieder gespielt. Andere dümpelten in den Regalen herum - aus welchen Gründen auch immer.

Hartgesottene Hi-Fi-Enthusiasten - lässige Musikfreunde?

Womit wir beim Punkt wären: Wenn sie niemals abgespielt wurden, hielten sie am längsten. Mit jedem Abspielen oder gar ausleihen verlor sie an Qualität. Selbst die hartgesottensten Hi-Fi-Freunde (nicht all waren und sind tatsächlich Musikliebhaber) wuschen ihre Platten, und die „Nadel“ am hochpreisigen Abtastsystem wurde auch von Profis nur alles Jubeljahr gewechselt.

In aller Kürze heißt das: Die Tonquelle „Schallplatte“ litt mit jedem Versuch, sie irgendwie „abzuspielen“.

Dies wiederum bemerkten die wirklichen Musikfreunde kaum - sie wollten ja die Interpretation hören – und das gelang ihnen auch noch bei sechs Dutzend Anspielungen. Die anderen mussten hingegen ständig neue Laufwerke, Tonarme, Abtastsysteme und allerlei Tinkturen kaufen, um ihre Tonträger geschmeidig zu halten.

Und wieder gibt es Schallplatten ...

Ja, wenn das alles Vergangenheit wäre – ist es aber nicht. Heute haben die Receiver und Verstärker der angeblichen „Spitzengeräte“ wieder „Phono-Eingänge“, manche gar mehrere. Da können die Freaks endlich wieder über „MM“ oder „MC“ reden. Abtastfehler bekommen sie trotzdem.

Ernsthaft: Da schlingert die Nadel also viele Kilometer in den Rillen herum, und die Ingenieure geben sich alle Mühe, die Fehler, die dabei entstehen, gering zu halten. Aber sie sind eben da – das System ist so – und nicht anders.

Ja, sehr schade für die Ideologen unter euch – und übrigens: Neuerdings klingt Vinyl wirklich anders, weil die Musik für eure Wünsche noch mal extra abgemischt wurde.

Friedrich Merz?

Friedrich Merz? Das Einzige, was diesem Mann zugutegehalten werden kann, ist der schwere Start. Jeder Kanzler (oder auch jede Kanzlerin) hätte es schwer gehabt, die Interessen der CDU neu zu ordnen und zielsicher umzusetzen.

Ja, man suchte einen „Mann, der es kann“, und aus vielerlei Gründen glaubten viel in der CDU und außerhalb, dass dieser Mann „Wirtschaftskompetenz“ hätte. Ob das heute noch jemand in der CDU glaubt?

Einer der Kommentatoren drückte es dieser Tage vornehm aus:

„Friedrich Merz hinterlässt ein Vakuum im charismatischen Bereich und auf der Sachebene werden keine guten Ergebnisse erzielt."

Nein, kein weiterer Kommentar von mir. Macht euch selbst euren Reim darauf.

Quelle: Hendrik Wieduwilt in n-tv.



Partnersuche: kein Problem der Frauen und keines der Männer, sondern ...

Die Zeiten, in denen mehr oder minder radikalisierte Frauen und (leider) auch Männer einander beschuldigten, „an der Beziehungsmisere“ schuldig zu sein, sollte endgültig der Vergangenheit angehören.

Glaubt niemandem, folgt niemandem, stellt alles "Weisheiten" In Frage

Das Erste, was ich euch rate: Glaubt niemandem, der euch erklärt, warum „die Verhältnisse“ so sind. Mal Klartext: Die Verhältnisse „sind nicht so“, sondern ihr macht sie so. Dabei sind es keinesfalls nur Aktivsten/Aktivistinnen, wichtigtuerische Sozialwissenschaftler(innen), oder „soziale Medien“, sondern eben auch ihr – jede und jeder von euch.

Die „Figuren“, mit denen ihr euch trefft, sind in erster Linie Menschen mit eigenen Vorstellungen – so, wie ihr auch eigene Vorstellungen habt. Die größte Unwahrscheinlichkeit ist, dass ihr feststellt, „genau zueinander zu passen“. Das ist ein Dummspruch aus der Küchenpsychologie. Er paart sich oft mit einem zweiten Unsinn: „Auf gar keinen Fall Kompromisse einzugehen.“

Bedürfnisse zählen - aber manche Wünsche sind verhandelbar

Manchmal wird behauptet, dass ihr (vor allem Frauen) nicht auf eure Bedürfnisse achtet, sondern versucht, die Bedürfnisse der Partner(innen) zu erfüllen. Das ist allerdings nur dann ein Problem, wenn ihr das ständig versucht. Wer selbstbewusst Kompromisse eingeht, weiß, wo und wann dies möglich ist. Und er oder sie weiß auch, dass unser Leben aus Geben und Nehmen besteht. Man nennt das auch „Verhandlungen“.

Ungleichheiten wahrzunehmen gehört zum Menschsein

Die andere Person in seiner Ungleichheit wahrzunehmen, gehört zum Standardrepertoire des Menschseins. Psychologisch gesehen klingt das dann wie in diesem Zitat:

Beziehungskompetenz beginnt lange vor der Sexualität, sie beginnt mit unserer Art, einander wahrzunehmen, neugierig auf einander zu sein, einander anzusehen. Sehe und spüre ich in meinem Gegenüber einen Menschen mit eigenen Sehnsüchten, Wünschen, Bedürfnisse oder vor allem die Möglichkeit, eigene Bedürfnisse zu erfüllen?

Nur wenige Personen sind wirklich ungeeignet

Sicher gibt es Personen, die aufgrund ihrer bisherigen Lebensgeschichte für Beziehungen denkbar ungeeignet sind. Aber die Mehrheit der Singles, Geschiedenen und sogar der mehrfach Geschiedenen ist im Prinzip geeignet für eine Beziehung. Wenn wir des im Auge behalten, haben wir tatsächlich mehr Chancen, einen Menschen zu finden, mit dem wir leben können.

Ich kann nur empfehlen, den gesamten Artikel im Blog von Nicole Stiller zu lesen, aus dem auch das Zitat stammt.

Zur Verhandlung: Die Ziele beim Kennenlernen sind den Zielen für jede andere Form von Partnerschaft sehr ähnlich, wie in meinem Blogbeitrag zur Kommunikation beschrieben.