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Der Herr Schulz weiß jetzt alles besser

Herr Schulz ist ein Mann, der das tut, was viele nach persönlichen Misserfolgen tun: Er greift die Organisation an, die angeblich versagt hat, und seine Organisation heißt Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

Der Wahlverlierer glaubt nun, alles wirklich ganz richtig erkannt zu haben – während die Partei die seit 2005 nicht geschafft hat. Und nun krempelt also der Herr Schulz die Ärmel hoch und … stellt fest, dass

Ein weiterer Wahlkampf, der sich diesen großen Fragen nicht stellt, … zum Scheitern verurteilt … ist.

Und weil er gerade mal dabei ist, alles besser zu wissen, haut er noch eins drauf: Es geht nämlich

Um nicht weniger als um die Existenz der deutschen, ja der europäischen Sozialdemokratie.


Wobei mir dämmert: Nicht der Mensch zählt, ja nicht einmal Deutschland und auch Europa nicht, sondern – die Sozialdemokratie.

Was der Herr Schulz jetzt für "dringlich" hält

Und die „dringenden Gesellschaftsfragen“, die unser aller Sozialdemokratie jetzt lösen soll, hat er auch schon im Köcher: „Digitalisierung, Gerechtigkeit, Einwanderung und Sicherheit.“

Ach, wie einfältig, Herr Schulz, wie unendlich einfältig … damit gewinnt die SPD nicht einmal einen Blumenpott auf dem Jahrmarkt. Da fehlen die Wurzeln, die packenden Themen … und trotz des neuen Zauberworts „Digitalisierung“ auch die Zukunft.

Nie wieder Sozialismus in Deutschland!

Überhaupt scheint es so, als würde man wieder die Zustände vor 1959 herbeisehnen, als sich die SPD noch als „Sozialistische Arbeiterpartei“ fühlte.

Da würde ganz gut hinpassen, was Frau Nahles gerade dem SPIEGEL erzählt haben soll. Fundamental neue Wege will man gehen, mit toller Kapitalismuskritik, und annähern an die Partei „Die Linke“ will man sich auch.

Ach nee, SPD … was ist denn das? Wollt ihr euch und uns endgültig verkaspern? Sozialistische Parolen sind das, was dieses Land am allerwenigsten braucht. Und möglicherweise gehen euch auf diese Weise (und auch auf berechtigte Weise) damit die sogenannten „Linksintellektuellen“ endgültig flöten.

Ich hoffe – auch für unser Land – dass es in der SPD noch ein paar vernünftige Kräfte gibt, die einen sinnvolleren Kurs verkörpern.


Zitate: WELT
Nahmes im SPIEGEL.

Frau Nahles und die prekäre Beschäftigung

Eine prekäre Beschäftigung ist ein neudeutsches Wort, das noch nicht lange im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen angewendet wird. Der Duden sagt, es sei „bildungssprachlich“, in Wahrheit ist es aber ein dummes Geschwätz vermeintlicher Eliten, die vorgeben, sie hätten eine Bildung, weil sie Hohlwörter benutzen.

Wie dem auch sei – eine „prekäre Beschäftigung“ ist keine Festanstellung, sondern gilt nur zeitlich begrenzt. Und da weiß die Arbeitsministerin etwas, das in der Tat besorgniserregend ist:

Wir brauchen eine Reduktion der prekären Beschäftigung. Wir haben viel zu viel Befristungen. Ich sage Ihnen – gerade junge Leute – 42 Prozent der Ersteinstellungen sind jetzt befristet.

Jetzt zeigt sich: Da warf jemand Steine, der im Glashaus sitzt. Denn auch Ministerien haben Mitarbeiter, und auch sie werden teils „prekär“ eingestellt. Das hatte Frau Nahles natürlich nicht in den Kram gepasst – aber "Corrective Org" hatte die richtigen Zahlen – und die sprechen nicht für das von Frau Nahles seit 2013 geführte Ministerium. Man ermittelte:

In der Antwort der Bundesregierung vom Februar 2017 … wurden sogar 61,6 Prozent der Neueinstellungen im Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Jahr 2016 mit befristeten Arbeitsverträgen vergeben.


Möglicherweise war dies nicht einmal zu vermeiden – aber die Wahrheit sollte schon zu Ehren kommen.


Mehr und die entsprechenden Tabellen bei „corrective.org