Skip to content

Rückkehr sexueller Tabus – durch den Islam?

Ich muss wirklich mal höhnisch grinsen. Man sagt mir, die sexuellen Tabus kämen zurück. Wegen der Islamisierung, und an der sei die „Linksgrüne Meinungselite“ schuld. Erstaunlich, dass sich so viele Menschen Gedanken um „Frauen im Islam“ machen, die überhaupt niemanden kennen, der dem Islam anhängt. Ich selbst habe neulich hautnah eine solche Diskussion erlebt, ja, ich war gewissermaßen an ihr beteiligt. Ich will meine Argumente gar nicht wiederholen, aber ich darf wohl fragen: Warum fangen wir nicht an, vor der eigenen Tür zu kehren? Warum greifen wir nicht zuerst die Abwertungen und Erniedrigungen auf, die Deutsche anderen Deutschen antun?

Kulturen lassen sich nicht wegschnipsen

Natürlich können und dürfen wir darüber reden, dass uns Burkas und Burkinis, Schwimmverbote, Kopftücher und Verlobungen unter Minderjährigen nicht gefallen. Nettes Partythema, nicht wahr? Und wir können auch sagen, dass wir die Entwicklung von Subkulturen hemmen müssen. Doch zwischen „etwa fordern“ und „etwas durchsetzen“ liegen Welten. Und wir integrieren andere Kulturen nicht mit einem Fingerschnipsen. Schließlich lassen wir uns selbst ja auch nicht einfach integrieren.

Anders leben? Das muss erlaubt sein

Und vor allem können wir etwas nicht: Verhindern, dass andere Menschen anders leben wollen als dies „so üblich“ ist - und dies auch durchzusetzen versuchen. Und man denke: Auch Heiden, Christen und Juden tun das.

Die Moralinsäure kommt von Rechts

Mit den sexuellen Tabus hat das gar nichts zu tun. Sie kommen aus rechtskonservativen, antiliberalen und christlich-konservativen Kreisen, denen die ganze Chose des Liberalismus nicht passt. Und das nervt wirklich, weil es uns Übrige unmittelbar betrifft.

Luther – was blieb, war die Sprache

Nun war also Reformationstag, und die gebildete Welt fabuliert darüber, was wir von diesem Herrn Luther oder von seiner Reformation generell lernen können.

Ich erinnere mich, dass dies so der typische deutsche Schulmeisterton ist: „Was können wir daraus lernen?

Nun, zum Beispiel, dass es dieselbe Kirche, die Luther mit Recht bekämpfte, heute noch gibt. Oder dass viele Menschen das Wort „christlich“ missbrauchen, es für ihren idiotischen Nationalismus zerquetschen oder mit dem Begriff „Abendland“ billig verhökern. Aber leider denken auch andere so: hier das christliche Abendland mit seinen hohen Werten, dort, die Heiden, die in Wahrheit gar keine Werte haben. Nebst andern Religionen, deren Werte angeblich deutlich unter denen liegen, nach denen „wir“ leben.

Die Zeit des Herrn Luther liegt viel zu lange zurück, um etwas daraus zu lernen. Immerhin hat er etwas für die deutsche Sprache getan, was tatsächlich von Wert war. Das sollten wir loben, und zugleich jenen ins Gewissen reden, die „nicht nach der Schrift“ reden wollen, sondern sich gegenüber Fremden in ihren Eingeborenen-Dialekte äußern. Wenn wir nur das daraus lernen würden - wie schön für Deutschland und die Menschen, die uns hier besuchen.