Hörst du Töne?

Das Gehirn entscheidet, was und wie wir hören
Wenn wir genauer hinsehen, hat dies zwar etwas mit dem „Hören“ zu tun, aber die Informationen müssen erst „bearbeitet“ werden. Das erledigt unser Gehirn gewöhnlich sehr zuverlässig, manchmal aber auch ziemlich hakelig. Das Gehirn ist immer verwirrt, wenn es etwas nicht genau erkennen kann – ein Fremdwort zum Beispiel oder eine Fremdsprache. Manchmal schadet das, aber oftmals können wir uns aus dem Zusammenhang erklären, was ein Wort bedeuten soll.
Beim Musikhören ist die Sache so ähnlich. Wir hören zwar ein Musikstück mit dem Ohr, aber das reicht auch hier nicht. Unser Gehirn versucht, die Töne, Tonfolgen, Geräusch und Rhythmen miteinander zu verbinden und sucht nach Gemeinsamkeiten mit dem Bekannten. Manchmal gelingt dies beim Erwachsenen sofort, gelegentlich erst nach mehrfachem Hören und häufig gar nicht.
Natürliche Töne und die Erinnerung an Tonfolgen
Der Grund liegt einerseits in der Evolution, die dafür gesorgt hat, dass wir bestimmte Rhythmen, Tonhöhen und Tonfolgen als „natürlich“ wahrnehmen. Andererseits spielt eine erhebliche Rolle, wie wir „Musik“ in jungen Jahren erlebt haben – sei es als Zuhörer, Sänger oder Spieler. Das mag der Grund sein, warum manche Menschen sogenannte „klassische Musik“ hören wollen, andere eher Schlager oder echte Volksmusik und wieder andere Jazz oder Rock.
Eine weitere Frage ist, ob man die Musik unmittelbar so erlebt hat, wie sie gespielt oder gesungen wird – oder ob man sie ausschließlich aus Medien kennt. Am Schluss dieser Kette steht die Frage: Wenn wir sie ausschließlich über Medien gehört haben, wie authentisch war dann die Wiedergabe?
Kontroverse Ansichten über die Wiedergabe von Tönen
Die letzte Frage wird recht kontrovers beantwortet. Dem alten Dampfradio oder einem vergleichbaren tragbaren Radio (Kofferradio) fehlten manche Obertöne und Bässe. Moderne Hi-Fi „High-End“-Anlagen geben das wieder, was aus dem Mischpult kommt – also eine Musik, die bereits auf bestimmte Hörgewohnheiten zugeschnitten wurde.
Streitpunkt MP3-Formate
Interessant ist auch, dass die meisten der heutigen Musikstücke im MP3-Format übertragen werden. Diese Komprimierung überträgt nur etwa 15 Prozent der „authentischen“ Aufnahmen. Vielen Menschen erscheint der „Sound“ aber als „qualitativ hochstehend“.
Wie kommunizieren wir über Musik?
Kehren wir zurück zum Menschen: Einem Musiker oder einem Chormitglied kann man vorspielen oder vorsingen, wie man etwas „hören will“. Die meisten Zuhörer können (und wollen) das gar nicht wissen. Sie wissen nur, wie sie selbst etwas hören. Sobald sie darüber kommunizieren, geht etwas von der musikalischen Empfindung verloren.
Interessant dürfte auch sein, dass wir uns bei Musik so gut wie nie an die Klangqualität erinnern können. Stattdessen erinnern wir uns an die Struktur der Musik, also an Rhythmen, Melodienfolgen, Gesangstexte und dergleichen.
Das ist ganz ähnlich, als wenn man jemandem ein Gefühl erklären will. Je mehr Worte man dafür benötigt, umso mehr wird das Gefühl verfälscht.
Bild: Aus Fritz Kahn: "Das Leben des Menschen", Stuttgart 1929, Grafik von Fritz Schüler.
Kontrovers erläutert: Im Deutschlandfunk Kultur.

Oh, ich habe viel gehört: Ein elektrischer Konzertflügel, der mit Lochstreifen gefüttert wurde – und dennoch wie ein Konzertflügel klang, weil er eben einer war. (1) Klassik-Aufführungen im Freien, in recht alten Universal-Festsälen, in Theatern, im alten Konzertsaal der Budapester Musikakademie und in modernen Konzerthallen - zuletzt sogar in einem Theaterzelt. Jazz? Beinahe überall, auch auf Straßen, im Saal eines Rundfunksenders, in Hotelhallen wie auch im Jazzkeller.
Ich erfahre, dass wir dies glauben sollen: Das Wort soll aus dem Bereich des Sports kommen – und räumlich gesehen aus Kalifornien. Verwendet wurde es demnach 1913 – also etwa 4 Jahre bevor der Name im Zusammenhang mit Musik erwähnt wurde.
Am besten gefällt mir noch der Satz „Musik ist eine affektive Lautäußerung“ – das heißt, sie zielt auf die Gefühle ab. Dies ist den Puristen allerdings nicht genug – sie vermuten, dass dabei der „Kunstcharakter“ der Musik zu kurz kommt.