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Sinnloses Wort: der Lebensentwurf

Um Himmels willen, wer hat uns nur diesen Begriff beschert? Ja, ich meine den „Lebensentwurf“, den mittlerweile Journalisten wie auch Sozialwissenschaftler und Persönlichkeitsentwickler ständig vor sich herbabbeln.

Der Begriff ist neueren Datums. Bis 1975 kam er so gut wie niemals vor, bevor ein kometenhafter Boom einsetzte. Warum das Leben plötzlich als „planbar“ erschien, und wozu es dazu eines „Entwurfes“ bedurfte, ist völlig unklar. Zuvor gab es das „Lebensziel“, das man besser in den Plural setzten sollte: "Die Lebensziele." Lebensziele kann man jederzeit festlegen, verwerfen, verfehlen oder auch ändern und neu festlegen. Ob es überhaupt günstig ist, „Lebensziele festzulegen“ mag jeder selbst wissen – man vermeidet dadurch andere oder alternative Erfahrungen, seinen sie positiv oder negativ.

Betrachtet man die Anwendung des Begriffs „Lebensentwurf“ , so wird deutlich: Damit ist ein vorgefertigtes Schema gemeint, und keinesfalls ein individueller Lebensplan. Leben nach einem Schema? Einem „bürgerlichen, sozialistischen, konservativen, maskulinen oder femininen Lebensentwurf folgen?“

Schnell wird deutlich: Das Wort dient dazu, die eigentlichen Absichten, Ziele und Vorstellungen zu vernebeln und einen Begriff dafür zu schaffen, der schließlich gar nichts mehr aussagt. Und so ist der „Lebensentwurf“ ein absoluter Bluff: Er betrifft nicht das Leben als solches, und er ist kein Entwurf.

Wer sein Leben liebt, der entwirft es jeden Tag neu, breitet es vor sich aus, findet Gefallen daran und vielleicht auch Lust. Aber das ist kein Lebensentwurf, sondern der Fluss des Lebens.

Unwörter, Wörter und Bullshit

Ganz hübsch, wenn man sich Jahr für Jahr zusammensetzt, um das Unwort des Jahres zu wählen. Man will ein Zeichen setzen – sozusagen einen Orientierungspunkt, was sprachlich nicht sein darf oder nicht sein sollte.

Nun sind es also „Alternative Fakten“, und dies wurde so begründet:

Alternative Fakten sei … der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen.


Nun wäre es schön, wenn alle über Fakten verfügten und die Presse nicht ständig daran arbeiten würde, laue Nachrichten zu „Fakten“ umzuwandeln – besonders wenn sie von „Wissenschaftlern“ behauptet werden.

Das „Unwort“ hat aber noch einen Beigeschmack: Es wird so gut wie gar nicht in Deutschland verwendet. Deutsche wissen ja zumeist nicht einmal, was eine „Alternative“ ist – wie sollen sie dann mit „Alternativen Fakten“ umgehen? Also verpisst euch, Gralshüter der Sprache.

Ich habe übrigens auch kaum vom „Shuttle-Service“ gehört – ein Wort, das ich im Zusammenhang mit Bootsflüchtlingen wirklich für degoutant halte. Hineggen denke ich, dass der „Genderismus“ zwar eine ungute Bezeichnung für den „Genderwahn“ ist, aber das Wort „Wahn“ schon erheblich abschwächt. Denn wer gegen die Dominanz der Genderforscher argumentiert, kann kaum einen anderen Begriff verwenden. Und: Warum wird nicht „Sexismus“ zum Unwort erklärt? Es ist eine ebenso unverschämte Bezeichnung und eine ähnliche sprachliche Herausforderung, weil es faktisch nur gegen Männer und zugunsten von Frauen verwendet wird. Man kann nicht jedes Wort deshalb ächten, weil es eben auch von Idioten und Rechtsextremisten verwendet wird. Und man kann nicht jedes Wort ehren, nur weil es von Feministinnen und Linkspolitikern verwendet wird. Irgendwo gibt es Grenze für die Ächtung wie auch für die Lobhudelei.

Unwörter? War es nicht eher ein sinnloser Populismus, „Alternative Fakten“ als Unwort zu benennen? Und war die Nennung des Begriffs „Genderismus“ nicht schon wieder Ausdruck der linken Ideologie, die zum Unwort erklärt, was ihr gerade in den Kram passt?

Ich verwende Unwörter: „Genderismus“ ebenso wie „Gutmenschen“. Und ich werde es auch weiterhin tun. Klar könnte ich statt „Genderismus“ auch „Geschlechterwahn“ schreiben. Aber ich kann immerhin so viel sagen: Für Naturwissenschaftler ist Genderforschung ein Ausdruck aus dem Bereich der „Alternativer Fakten“. Und wer die Gendertheorie unterstützt, mag sich fragen: Was wäre wohl, wenn wir im Biologieunterricht die Entstehung der Arten nach der Genesis lehren würden?