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Homogamie - wie Wissenschaftler uns für dumm verkaufen

sehpferd kämpft gegen massenverblödung
Homogamie (Gleichheitsprinzip in der Partnersuche) ist eine Theorie der Partnerwahl. Wie alle Theorien hat sie den Nachteil, dass sie nicht die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit überstreicht, ja, nicht einmal die Geschichte des modernen Menschen.

Theoretisch spielen die Wissenschaften ohnehin kaum eine Rolle, denn die Partnerwahl ist in erster Linie von den Möglichkeiten abhängig, die Menschen haben, und erst dann von den Präferenzen (die Wissenschaftler untersuchen). Das heißt letztendlich: In Zeiten, als das Reisen beschwerlich war oder sogar völlig unüblich war, paarte man sich in der Nähe mit dem nächstbesten Partner, der überhaupt infrage kam. Das wird von sogenannten „Wissenschaftlern“ oft gar nicht gesehen, weil sie weder die jeweiligen Zeitumstände noch die Ökonomie einbeziehen. Praktisch hingegen machen sich insbesondere Soziologen und Psychologen auf diesem Gebiet breit, die über die willfährige Presse versuchen, die Definitionshoheit über die Partnerwahl des Menschen zu gewinnen.

Umgebungssuche: Der erstbeste Partner, der "ja" sagt, ist möglicherweise richtig

Tatsache ist lediglich: Die Möglichkeiten des Umfelds sind das erste (und lange Zeit einzige) Kriterium dafür, wie Partner gesucht werden. Erweitert man den Umkreis, dann hat man mehr Möglichkeiten – schränkt man ihn ein, so sinken die Chancen deutlich. Das mag einem Mitteleuropäer, der an dichte Besiedelung gewöhnt ist, möglicherweise gar nicht einleuchten – und die meisten Wissenschaftler denken wie Städter. Werfen wir jedoch einen Blick auf Skandinavien oder gar Kanada, so wird klar, dass lediglich die Erweiterung des Umkreises zu Erfolgen führt, und dies auch heute noch.

Homogamie - verwischt, verwaschen und ungenügend definiert

Fragt sich natürlich ebenso, wie man „Homogamie“ überhaupt definieren soll, und schon da scheiden sich die Geister:

- Sind es die Lebensumstände, die wir annehmen sollten?
- Haben sich neue „Klassen“ entwickelt, etwa „Reiche“ oder „Gebildete“?
- Könnten die Reste eines „Standes“ einen Einfluss haben?
- Sind es äußerliche Merkmale, die „gleich“ sein sollten?
- Sind es sogenannte „psychische“ Eigenschaften, die auch als „Charakter“ oder „Persönlichkeitsmerkmale“ bezeichnet werden können?

Die Ehe unter "Gleichen" im 19. Jahrhundert

Um es zu verdeutlichen: Eine bürgerliche Tochter gegen Mitte es 19. Jahrhunderts wurde deutlich dazu gedrängt, die Ehe unter Gleichen einzugehen, nämlich die Konvenienzehe.

Was heißt:

Nur der Stand des Ehemannes spielte eine Rolle – und sonst gar nichts. Zumeist wurde eine große Summe ausgelebt, falls jemand die Tochter heiraten wollte. Der Grund lag darin, dass die eignen Mittel im Bürgertsand für das Geschäft benötigt wurden – die Mitgift war für den lebenslangen Unterhalt der Frau bestimmt.

Freie Partnerwahl - ein Luxus der Neuzeit

Diese Tatsachen werden heute völlig ignoriert. Ein großer Teil der Wissenschaft verhält sich so, als habe es einen ununterbrochenen Prozess der „freien Partnerwahl“ von der Steinzeit bis in die Gegenwart gegeben – wobei wir uns gerne einmal fragen dürfen, wie einseitig Wissenschaftler eigentlich sein dürfen. Hinzu käme heute die Frage, wie ethisch eine Wissenschaft ist, die Halbwahrheiten als „Forschungsergebnisse“ ausgeben darf.

Anerkannt werden muss aber, dass Psychotherapeuten und Paarberater, die eher „hautnah“ bei ihren Klienten sitzen, kaum den wissenschaftlichen Blödsinn verzapfen, der in den Elfenbeintürmen behandelt wird, sondern das benennen, was ihnen im Alltag begegnet.

Wie auch immer – Homogamie ist ein schwammiges Wort, das jeder so interpretiert, wie er mag. Und darin liegt das Problem: Man redet von Gleichheit, meint Ähnlichkeit und weiß nicht einmal, worin sie bestehen sollte. Ich könnte dazu viele Quellen zitieren, aber dies fand ich besonders plastisch:

Zuerst sucht man sich ein Stück selbst in dem Anderen - unsere Gegenwart, aber auch unsere Vergangenheit, oder wie wir sein möchten - wenn daraus aber eine längerfristige Partnerschaft wird, geht es eher um Komplementarität. (1)


Heißt im Klartext: Wir suchen im anderen ähnliche Eigenschaften – aber für die gemeinsame Entwicklung sind Unterschiede wichtiger.


Ich fasse mal alles zusammen, was es darüber zu sagen gibt:

- Gleichheit gibt es unter Menschen nicht.
- Statt Gleichheit meint man eigentlich Ähnlichkeit.
- Ähnlichkeit bedeutet gar nichts, solange man nicht deutlich sagt, welche Ähnlichkeiten gemeint sind.
- Die Liste der „Ähnlichkeiten“ ist lang, und eine Ähnlichkeit bedeutet nicht schon als solche, dass sie auch von Bedeutung ist.
- Ähnlichkeiten sind leicht zu entdecken, und man findet dadurch schnell Gesprächspartner. Um sich zu entwickeln, reicht das aber nicht aus – dazu braucht man Unterschiede.


Und was die Evolution betrifft: Hätten wir immer nur die gleichen, passenden Gene vererbt, währen wir mit großer Wahrscheinlichkeit längst ausgestorben oder müssten weiterhin durch die Steppe wandern.

1 - Zitiert nach dem ORF. Ursprung: Patrizia Giampieri-Deutsch.

"Sehpferd kämpft gegen Dummheit." erscheint unregelmäßig. Es ist mein Beitrag, um Gedankenlosigkeit im Alltag zu bekämpfen.

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