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Gamie – mono und poly

Da wäre die Monogamie. Sie sagt, dass wir mit einem einzigen Lebenspartner in einer dauerhaften und exklusiven Verbindung leben, in jedem Fall sozial, aber möglichst auch sexuell. Eigentlich ist die „Einehe“ gemeint, was „griffiger“ ist. Gelegentlich bringt man den Begriff auch mit einer „Treuebeziehung“ in Verbindung und schafft so einen ethischen Zusammenhang.

Dann wäre da noch die Polygamie. Sie heißt eigentlich „Mehrehe“ und wird fast ausschließlich für eine Rechtsform verwendet, in der Männer, seltener auch Frauen, mehrere Partner heiraten können. Ziel der Mehrehe ist ebenfalls eine soziale und sexuelle Verbindung.

Was hat die Treue mit der Monogamie zu tun?

Die „sexuelle Treue“ in der Ehe ist übrigens eine ethische Forderung, keine kulturhistorische Selbstverständlichkeit. Sowohl in der monogamen Beziehung wie auch in der polygamen konnten Männer Beziehungen zu „anderen“ Frauen unterhalten, soweit diese entweder zum Gesinde gehörten oder jedenfalls nicht aus dem „gleichen Stand“ waren. In manchen Kulturen hatten die Ehefrauen Anspruch darauf, begattet zu werden, was sie davor schützen sollte, dass die Männer sich bei sexuellen Aktivitäten mit Sklavinnen, Mägden oder Huren erschöpften und der Ehefrau den Beischlaf verweigerten.

Die Sprachverwirrer schufen die "serielle Monogamie"

Seit Soziologen sich aufgeschwungen haben, die Welt mit Begriffen dicht zu pflastern, wurde der Ausdruck „serielle Monogamie“ geschaffen. Das Wort „seriell“ steht für „Aneinanderreihen“ und findet eine Entsprechung in „Parallel“ – „nebeneinander befindlich“.

Und schon haben uns die professionellen Sprachverwirrer wieder gekrallt: Die „serielle Monogamie“ ist nicht „seriell“, und die „parallele Monogamie“ existiert in dieser Welt bestenfalls selten.

Entstanden ist der Begriff in den 1970er Jahren, als die Soziologie entdeckte, dass zahllose Ehen geschieden wurden und sich die „freigesetzten“ Frauen und Männer relativ schnell für eine neue Ehe oder Beziehung entschieden. War noch in den 1950er und 1960er Jahren die „eheliche Untreue“ der „Scheidungsgrund“, so wandelte er sich in den 1970er und 1980er Jahren zu der Vorstellung, die Ehe würde einengen und insbesondere Frauen „unfrei machen“. Nicht ganz parallel, aber nahezu zeitgleich, bekam die Frauenemanzipation starken Rückenwind. Es ging nicht mehr nur darum (wie in den 1970ern) sich „selbst zu verwirklichen“, sondern ein wirtschaftlich eigenständiges Leben zu führen – oder jedenfalls bei Bedarf und Notwendigkeit führen zu können.

Im Grunde ist also der Begriff „serielle Monogamie“ ein rotzfrecher Übergriff der Soziologie auf das Zusammenleben. Auch der frühe Witwer im 18. Und 19. Jahrhundert, dessen erste Ehefrau im Kindbett starb, strebte eine zweite oder gar dritte Ehe an. Viele Frauen wären nach den schrecklichen großen Kriegen froh gewesen, wenn sie Männer für eine zweite Ehe gefunden hätten. Wer sich im späten 20. Jahrhundert scheiden ließ und dennoch eine neue Ehe wagte, müsste eigentlich all unsere Hochachtung genießen - und nicht als „serieller Monogamist“ abgestempelt werden.

Erst kürzlich las ich den Begriff abwertend n einer Zeitung:

(Der Partner wird „oft Überganswahl bis zum Nächsten“) … serielle Monogamie nennt sich dieses Phänomen, wenn jemand eine lange, monogame Beziehung beendet – um danach die nächste zu beginnen.

Was immer sich Redakteurin oder Redakteur bei diesem Satz gedacht haben: Aus dem verständlichen Wunsch nach einer neuen Beziehung wird nun die „Übergangswahl bis zum Nächsten“ – also eine Abwertung nach dem Vorbild des soziologischen Sprachgebrauchs.

Zitat aus der "Morgenpost".