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Die "Wertebeliebigkeit" - neuer Fake-Begriff

Ei, ei, da hat der Herr Gauland aber ein schönes Wort entdeckt: „Die Wertebeliebigkeit“. Gleich mal substantiviert, damit’s ein bisschen wie Amtsdeutsch klingt.

Die „Wertebeliebigkeit“ reiht sich ein in andere Worte, die rechtskonservative, evangelikale und sonstige ultrakonservative Kreise nutzen, man denke an die „Frühsexualisierung“. Auch damit wurde schon versucht, eine an sich unsinnige Floskel durch die Substantivierung als Tatsache zu verkaufen. Beide Begriffe sind „Fakes“ und gehören zu den Fake-Informationen, die Ultrakonservative gegenwärtig gerne nutzen. Übrigens ist die „christlich-abendländische“ Kultur nicht weit entfernt davon – in einem Land, dessen Mathematik griechisch-arabischen Ursprungs ist, die Künste und Denkweisen weitgehend auch von jüdischen Elementen gespeist wurden und in der das Recht aus Rom kam.

Die Ehe ist gar nichts davon. Nur für die Katholiken ist sie ein Sakrament. Für den Rest ein innerer Vertrag, öffentlich abgesegnet und mit äußerlichen rechtlichen Auswirkungen. Übrigens wird er (historisch gesehen) erst seit relativ kurzer Zeit mit den heftigen Emotionen der „Liebesheirat“ unterlegt. Zuvor war (zumindest im Bürgertum) die „Konvenienzehe“ üblich, also eine Ehe, die „standesgemäß“ geschlossen wurde, wobei die Bedingungen oftmals zwischen Bräutigam und Brautvater ausgehandelt wurden.

Und die Werte? Es gibt keine „Wertebeliebigkeit“. Wer die Ehe eingeht, und zwar gleich wer mit wem, übernimmt damit erhebliche Verpflichtungen und trägt auch die rechtlichen Folgen. Durch Ehen werden also im Grunde ethische und soziale Werte geschaffen und nicht zerstört.