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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Der angebliche Multi-Kulti-Plan

Ach nee - jetzt meint eine Zeitung des Springer-Konzerns, Annalena Baerbock wolle einen „Multi-Kuli-Plan“. Auf der Titelseite jener Boulevardzeitung, die bei nahezu jedem Bäcker ausliegt liest man es in den bekannten pechschwarzen, übergriffig anmutenden Lettern.

Die Gesellschaft ist bereits "multikulturell"

Also, weil ich ja das Wahlross bin: Erstens sind wir bereits eine multikulturelle Gesellschaft. Zweiten sind wie eine ethnisch stark durchmischte Gesellschaft - und das nicht erst seit gestern. Drittens haben wir viele wirtschaftliche und kulturelle Vorteile dadurch.

Und schließlich - wir benötigen derzeit jeder Frau und jeden Mann, der in die Stellen einsteigt, die kein Deutscher mehr annehmen will (darunter auch viele Lehrstellen). Und deshalb benötigen wir Einwanderer.

Frau Baerbock mag sich inzwischen durch viele andere Äußerungen als Kanzlerkandidaten disqualifiziert haben - aber geht es wirklich darum? Muss jede Erbse gezählt werden, um das Wahlergebnis der Grünen möglichst zu verhageln?

Die Nominierung von Frau Baerbock war keine reife Leistung

Die Nominierung von Frau Baerbock war keine reife Leistung der Grünen, sondern folgte einer falsch verstandenen „Gendergerechtigkeit“. Wenn die beste Wahl ein Mann ist, sollte man keine Frau als mögliche Kanzlerin präsentieren.

Bei der SPD hatte ich einen anderen Eindruck: Sie hatte eine Frau zur „besten Wahl“ - aber diese hat vorzeitig resigniert und sich daraufhin ganz aus der Politik verabschiedet. Womit für das Wahlross auch feststeht: Die SPD hat sich schrittweise selber zerlegt - und das neue Führungsteam macht einen überaus traurigen Eindruck, wenngleich der „Kanzlerkandidat“ derzeit etwas besser dasteht.

Demnächst mehr. Übrigens freuen sich die Altkonservativen, die janusgesichtigen "Wertehüter" und die Krypto-Rechten immer besonders, wenn das Wort "Multi-Kulti" fällt.

Der medienwirksame Plagiatsvorwurf und die Presse

„Mein Gott – Agathe, die Puppe kotzt. Kind, pass auf den Teppich…“. Wer die Puppe ist, die da kotzt – sie verbirgt sich irgendwo im deutschen Journalismus. Der Urheber hat plötzlich eindeckt, dass jeder Sachbuchschreiber irgendwo abschreibt – weil es nun mal Erkenntnisse gibt, die man nicht selber ermitteln kann. Und daraus wurde jetzt urplötzlich ein "Plagiatsfall". Dabei verschweigen die Damen und Herren Journalisten gerne, dass sie es jeden Tag selber tun. Zumindest ansatzweise. Wer geschickt ist, schreibt die Artikel anderer so um, dass der Ursprung nicht erkennbar ist. Ganz alter Hut.

Und Bücher? Sie werden heute im Expresstempo geschrieben. Eine Seite pro Tag? Das reicht nicht. Gutes Lektorat? Wozu? Das Ding muss raus, egal wie.

Oh nein, ich rede nicht von „Jetzt – wie wir unser Land erneuern“. Ich rede davon, was tagtäglich überall und immer geschieht. Ich habe einmal beruflich eine Diplomarbeit lesen müssen, die von Unkenntnis strotzte, aber dennoch beim Dozenten durchgegangen wäre. Der müde daherschleichende Text wandelte sich plötzlich in engagierte, fachlich exzellent formuliert Sprache. Damals war es noch relativ neu, solche Texte im Internet nachzuverfolgen – doch ich tat es. Fast zwei Seiten wortwörtlich übernommen.

Ein anderes Beispiel: Über eine Agentur wurde mir ein „qualifizierter Text“ für ein Advertorial angeboten. Die Formulierungen kamen mir alle bekannt vor, und ein kurzer Check ergab: Ein ähnlicher Artikel war einmal in einer großen Wochenzeitung erscheinen. Zwar ein bisschen umgeschrieben, aber durchaus nachverfolgbar.

Was ich damit sagen will? Nicht nur ich, jeder andere, halbwegs intelligente Mensch kann Passagen eines Buches im Internet nachverfolgen. Damit muss man sich wirklich nicht rühmen oder ein „Medienwissenschaftler“ sein.

Was soll es also? Da gibt es offenbar eine Art Presse, der „Grün“ missfällt – und sollte das zutreffen, dann ist sicher: Hier wird die Demontage von Annalena Baerbock betrieben. Das mag von der „freien Meinungsäußerung“ noch gedeckt sein – ist aber dennoch unverschämt.

Die Wahrheit findet sich, wie so oft, in der ARD.

Kandidaten, Karawanen und bellende Hunde

Mir war eines klar: Kurz nachdem Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert wurde, würde das Gebell in den „sozialen“ Medien beginnen.

Die „weißen CIS-Männer“, wie der Modeausdruck heißt, machten ihrem Titel dabei alle Ehre. Selbst, wer diesen Ausdruck nicht mag (wie ich), sieht nun, welche Auswirkungen alleine die Ankündigung hatte. Mit Schaum an den Lefzen tauchte das neidische Männervolk geiferend aus dem Sumpf auf. Sogar das Verbot der Fellnasen-Haltung wurde ihr unterstellt.

Dabei wurden andere Fragen in den Hintergrund gedrängt. Zum Beispiel, welche Wahl die CDU hatte, als sie ihren Kandidaten präsentierte. Ich las Umfangen, die „klar für Söder“ waren. Darf ich bitte zurückfragen, wann ein bayrischer Kandidat (also ein CSU-Mann) mal Kanzler wurde?

F.-J. Strauß (CSU) trat 1980 an und verlor damals die Wahl gegen Helmut Schmidt (SPD). Mit-Gewinner war die CDU - und Helmut Kohl wurde Kanzler. Trickreich wurde 2002 ein anderer CSU-Kanzlerkandidat aufgestellt: Edmund Stoiber (CSU). Er verlor die Wahl gegen Gerhard Schröder (SPD).

„Das muss nicht so bleiben“, werden nun die Besonnenen sagen - aber wer wird sich auf das Abenteuer einlassen? Und wo sind eigentlich die Leute im Hintergrund, denen man in der CDU/CSU überhaupt noch ein Ministeramt zutraut? Dem Ankündigungsminister Spahn? Dem blassen Wirtschaftsminister Altmaier? Oder gar dem amtierenden Verkehrsminister? Es ist doch keine Frage, dass die CDU versäumt hat, geeignete Personen nachzuziehen, die wirklich die Kraft und das Verständnis für einen Ministerposten haben.

Und aus dieser Sicht: Warum eigentlich nicht Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin, als Kanzlerin oder Vizekanzlerin?

Man sagt wohl, „die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.“ Was letztlich heißt: Der Fortschritt steckt in der Karawane, die weiterzieht, und nicht in den Hunden, die jetzt bellen.

Annalena Baerbock – eine Chance für den Wandel

Man wird sich ihren Namen merken müssen: Annalena Baerbock. Eine Kanzlerkandidaten, die „aus dem Nichts kam“, wie gerne behauptet wird. Eine, die „noch nie Erfahrung an der Spitze einer Regierung oder Behörde“ gesammelt hätte.

Es wird sich zeigen, ob dies ein Nachteil ist. Frischen Wind in das Innere der verkrusteten Regierung-Bürokratie zu bringen, kann ja nichts schaden. Und wenn ihre Gegnerin(innen) Frau Baerbock demnächst vor laufenden Kameras „auseinandernehmen“ wollen, sollten sie sich warm anziehen.

Mehr: Tagesschau


Die neue Koalition der Schlaumeier

Ich mag den neuen CDU-Vorsitzenden bekanntlich nicht sonderlich. Aber er sagt etwas Wahres, und zwar dies:

Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet.

Und nun kommen all die Schlaumeier aus ihren Höhlen heraus und zeigen dem Herrn CDU-Vorsitzenden mal, was ein Oberlehrer so drauf hat.

Allen voran die Grünen, die dieser Tage in alte Oberschlaumeier-Positionen zurückfallen. Jedenfalls sagte eine gewisse Ricarda Lang:

Das Virus verhindert, dass Leben normal wieder stattfindet.

Nein, liebe Frau Lang: Ein Virus bewirkt, dass Menschen erkranken. Wann das Leben wieder „normal“ stattfindet oder wann wenigsten die demokratischen Strukturen wieder vollends in Kraft treten, entscheiden gegenwärtig die Regierungen.

Auch die SPD schimpft mal kräftig mit. Allen voran Herr Lauterbach, der gleich mal nachkartete:

Der Grenzwert von 35 wurde nicht 'erfunden“, sondern abgeleitet von dem höheren R-Wert der Mutation B117.

Ich wäre wirklich gespannt auf die Formel, von der er so etwas „abgeleitet“ hat. Irgendwann wir die Regierung Merkel uns sagen, dass der Grenzwert von 35 noch viel zu hoch sei und einen solchen von (Zufallsgerator an) ... (Zufallsgenerator ab) als „dringend erforderlich“ vorschlagen.

Was man dem Herrn neuen CDU-Vorsitzenden vorwerfen kann, ist lediglich, dass er (und viele andere) sich jüngst von den Hardlinern Angela Merkel und Markus Söder über den Tisch ziehen ließen, an dem er selber saß.

Wenn man etwas vereinbart, kann man nun mal nicht am nächsten Tag sagen: „Ach, das wer eben Mist.“ Oder kann man doch? Vielleicht denkt der neue Vorsitzende ja an Old Conny, ebenfalls CDU, einstmals Bundeskanzler. Der konnte es.

Zitate: WELT.