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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Etiketten statt Erklärungen

In früheren Zeiten waren wir gewohnt, das Verhalten von Menschen anhand unserer Beobachtungen zu beschreiben. Das war schwierig, aber sinnreich.

Heute schlagen wir einander mit Begriffen, bis die emotionalen Wunden bluten. Ich habe gerade meinen großen Zeh (noch nicht mehr) in ein Thema getaucht, das man Vereinnahmung nennt.

Also mal Google her, und erst einmal nachgeforscht, wie sie begründet werden kann, die Vereinnahmung. Wann beginnt sie? Welche Motive haben jene, die sich vereinnahmen lassen? Wie beschreiben Menschen diesen Prozess?

Doch Google hält - wie offenbar die meisten Menschen, die im Internet publizieren - nahezu nur Schlagwörter für mich bereit. Zwei, die derzeit besonders populär sind heißen „toxisch“ und „narzisstisch“.

Wie das Internet die Welt in ein Irrenhaus verwandelt

Wenn ich alldem glauben würde, dann wäre die Welt (insbesondere die der Männer) ein Irrenhaus, das von Männlichkeitswahn und (gleichfalls männlichen) Vereinnahmungsfantasien dominiert wird. Und natürlich wissen die meisten der Autorinnen und Autoren: Das kann irgendwie nicht sein. Aber so ein Begriff ist nun einmal schnell in den Mund genommen, und jeder, der über eine gepflegte, akademisierte Sprache verfügt, kann ihn glaubwürdig über die Lippen bringen. Schade für die, die es lesen und daran glauben.

Vereinnahmung ist ein Thema, das bei der Partnersuche eine große Rolle spielt, so sehr, dass sich manche Menschen (und diesmal auch Männer) sogleich „vereinnahmt“ fühlen.

Aber das Thema ist wirklich zu schade, um es den Labervögeln zu überlassen, die mit Etiketten um sich werfen und so Klugheit vortäuschen.

Was meint ihr?

Simpel ist selten richtig - über die schrecklichen Vereinfacher

Das Black-Box-Prinzip? Was ist denn das? Kybernetik? Das hat doch was mit Computern zu tun, oder? Metakommunikation? Was ist denn das für ein Quatsch? Das soll zum Basiswissen gehören? Spinnt der Mann?

Das Hier und Jetzt ist nicht "die Realität"

Ich habe gerade in wenig über das „Hier und Jetzt“ recherchiert. Klar ist dies ein Begriff, der nicht jedem geläufig sein muss. Schließlich ist es nicht ganz so konkret, weil es eine Mischung aus Philosophie und Psychologe beinhaltet. Und weil der Begriff so bekannt klingt - auch für die Unwissenden.

Und also wird jedem gleich klar: Na ja, das ist die Realität.

Nein, ist es nicht. „Die Realität“ existiert ohnehin nicht. Realitäten werden erschaffen zwischen Personen oder Personengruppen. Auch diese Tatsache ist irgendwie verloren gegangen - auf den Straßen oder in sozialen Netzwerken totgetreten. Von den „schrecklichen Vereinfachern“ auf den Müll geworfen.

Die Gegenwart und ihre Realitäten

Wer im Hier und Jetzt lebt, lebt vor allem in der Gegenwart. Er sieht die Gegenwart als sinnreich an, um im Hier und Jetzt seine Realität zu erfassen, zu erleben oder gar zu verändern. Durch Kommunikation kann er (muss aber nicht) andere einbeziehen, um gemeinsame Realitäten des „Hier und Jetzt“ zu gestalten.

Also: Das Hier und Jetzt ist nicht „Die Realität“ und auch nicht „das Unausweichbare“. Es ist ein Gestaltungselement der Gegenwart, das auch auf die Zukunft wirkt. Denn die Zukunft ist nichts als die Fortsetzung der Gegenwart.

Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

Das Gefährliche ist das Leben im "Dort und Dann"

Wer im „Hier und Jetzt“ lebt oder das wenigstens versucht, lebt eben nicht im „Dort und Dann“, weder rückwärts noch vorwärts. Leider (ja,leider) gibt es im Internet inzwischen etliche Gurus, die behaupten, das „Hier und Jetzt“ sei nur ein Erfolgskonzept - eben eines dieser Konzepte, mit denen sich Geld verdienen lässt. Es ist jedoch mehr. Denn der Realitätsverlust, der heute so viele Menschen befällt, entsteht durch das Denken im „Dort und Dann“. Unsere Realität mag öde und unvollständig sein, aber sie lässt sich gestalten. Das ist der eigentliche Vorteil des Lebens im JETZT.

Gender ist kein brauchbarer Begriff

Mir ist nicht klar, warum die Welt plötzlich den Sozialwissenschaften vertraut und ihre Begriffe weitgehend kritiklos übernimmt. Ist es die PR, sind es Gruppen, die Druck ausüben, sind es die sozialen Medien? Oder ist es der Wunsch, sich selbst und die Soziologie in den Vordergrund zu drängen? Wird versucht, die Gesellschaft damit weiter zu spalten als nur in „Frauen“ einerseits und „Männer“ andererseits?

Das Unwort: Gender

Der Begriff „Gender“ selbst ist aus dem Englischen in die Welt gekommen. Für Menschen, die es nicht wissen: Das natürliche Geschlecht heißt im Englischen „Sex“ („The Other Sex“ ist also das andere Geschlecht). Gender wurde früher nahezu gleichlautend verwendet. Heute ist „Gender“ restlos von der Soziologie vereinnahmt worden, und es bezeichnet angeblich ein „soziales Geschlecht“, ist aber wohl eher als „gefühlte Geschlechtszugehörigkeit“ zu verstehen.

Die Machtpiraterie der Wissenschaft um Worte und Begriffe

Nachdem sich die Soziologen und Psychologen die Macht über Wortschöpfungen angeeignet haben und diese durch ihre Protagonisten in den Medien auch ausüben können, haben wir den Salat. Wir sollen und müssen alle nach der Pfeife der Soziologinnen und Soziologen tanzen, sonst sind wir für deren Öffentlichkeit nicht mehr hoffähig.

Wollen wir uns von Soziologinnen und Soziologen überrumpeln lassen?

Wollten wir das? Wollen wir wirklich deinige fragwürdige, ideologisierte Bereiche der Psychologie und der Soziologie auf den Thron der Entscheider über unser Wohl und Wehe setzen? Wie wäre es, den Naturwissenschaften eher zu vertrauen? Was, wenn wir uns mehr mit der menschlichen Entwicklung beschäftigen würden? Um den Lebensraum der Zukunft auf dieser Erde zum Beispiel? Wollen wir wirklich Luxusthemen wie Genderfragen höher bewerten als die Gesundheit der Massen, die Nahrung für alle, die Folgen des Klimawandels und noch mehr, worauf wir dringend Antworten benötigen?

Wahrscheinlich verehren wir zu viele falsche Eliten. Anders kann ich mir nicht erklären, warum die angeblich „gebildeten“ Menschen sich damit beschäftigen, Gender-Themen an die Spitze der Diskussionen an unseren Universitäten zu stellen.

Das Normale kehrt zurück ...

Was uns wirklich antreibt, ist nicht die Normalität, sondern das Verlangen, den Weg des Zusammenlebens einzuschlagen, der uns mit Glück und Zuversicht erfüllt. Solche Sätze sind liberal und demokratisch und vor allem berücksichtigen sie unser Menschsein.

Derzeit ist viel die Rede von Normen - geradezu so als wolle man das Wort neu erfinden. Und aus der Norm entstehen dann Wörter wie „heteronormativ“ und ähnliche aus der Soziologie übernommene Unwörter.

Meine Norm, deine Norm und das Normale

Wir hatten die Diskussion schon oft: In Deutschland gibt es einen „rechten Weg“, den wir als „normal“ bezeichnen. Und wir meinen in unserer Selbstherrlichkeit, dass wie sie als „das Normale“ oder als „die Norm“ bezeichnen dürfen. Auf diese Weise manchen wir uns allerdings auch Feinde. Denn wenn wir „die Norm“ sind oder „das Normale“ zu repräsentieren glauben, dann treten sofort ein paar einfältige Menschen auf, die „das andere“ als „unnormal“ etikettieren.

Nun ist der Moment gekommen, in dem die Minderheiten zurückschlagen. Sie geben denjenigen, die sich als „normal“ ansehen, nun ihrerseits Etiketten und freuen sich wie die Schneekönige, wenn sie damit zur Presse durchdringen. Die wiederum glaubt, damit den Minderheiten Dienste zu erweisen. In Wahrheit wird dabei Unverständnis gesät, und etwas wird vergessen: Es gibt keine Norm für das Dasein, und also gibt es auch keine Normalität. Viele vergessen das heute.

Vieles gilt als Norm - und keinesfalls "geht alles"

Ich lese immer wieder, auch aus der Feder ansonsten vernünftiger Menschen, wir hätten eine Kultur, in der „alles geht“. Das ist Polemik. Alles geht keinesfalls, aber es gibt Nomen, die für alle gelten und Normen, die für Gruppen gelten. Sogenannte „Heterosexuelle“ sind nicht etwa „normal“, sondern sie folgen anderen Normen als Homosexuelle. Anders sein heißt nicht, unnormal zu sein. Und im Mainstream zu sein, heißt ebenfalls nicht, normal zu sein.

Freiheit ist Normalität

Demnächst gehen wir zum Alltag zurück. Wir werden in unseren Entscheidungen wieder frei sein, und damit sind wir wieder in einem „normalen Zustand“. Und normal zu sein, wird für uns wieder bedeuten: Wir machen „unser Ding“ und lassen die anderen „ihr Ding“ machen. Das ist Normalität.

Der Wille, willig sein und zu Willen sein

Mit dem Willen ist es so eine Sache. Währen die Philosophen immer noch wacker darüber streiten, ob wir nun einen „freien Willen“ haben oder nicht, wird der Wille auch ohne ihr Zutun immer populärer.

Einst war das anders, vor allem bei den Kindern. Hatten sie einen Willen, so bekamen sie etwas auf die Brillen – so wusste es der Volksmund.

Seine Ergebenheit zu versichern, war einst die Bedeutung des Wortes „willig“. Und stünde es nicht in der Bibel, so wüssten wir wohl kaum noch etwas damit anzufangen. Erinnert ihr euch? Der Geist ist es, der willig ist, das Fleisch ist hingegen schwach. Noch heute lebt das Wort weiter in „bereitwillig“, das im Grunde bedeutet „ich bin sowohl bereit als auch Willens“. Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille, wie uns die Leipziger Sprachforscher sagen. Die andere Seite spricht den Gehorsam an, der bis zur Unterwerfung reichen kann: Dann sind wir willfährig. Und was, wenn wir nicht „willig“ sind. Der Erlkönig weiß es: „ … und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“. Warum das Gedicht so wichtig ist, dass es überall in der Schule gelehrt wird? Ich weiß es wirklich nicht. Aber daher kennen wir es eben, auch wenn uns die Zeile schreckt.

Sich dem Willen eines Menschen zu unterwerfen, gilt in der liberalen und demokratischen Gesellschaftsordnung als Frevel.

Doch „jemandem zu Willen sein“ war – in der Literatur und auch im Alltag – durchaus gebräuchlich als Umschreibung für die Ausübung des Koitus. Dabei war nicht wirklich klar, ob es sich nur um eine Verschleierung des Wortes „Geschlechtsverkehr“ handelte oder ob der starke Wille des anderen dazu führte, diesen zu gewähren. Der bürgerlichen Gesellschaft der damaligen Zeit war das auch ziemlich gleichgültig. Denn in ihr, davon war man fest überzeugt, kam „so etwas nicht vor“ – jedenfalls nicht bei den eignen Töchtern. Man war sich hingehen absolut sicher, dass eine Frau, die „anderen zu Willen war“ entweder eine morallose Frau aus der „Barackensiedlung“ oder eine Hure war.

Wenn wir heute über die „Bereitwilligkeit“ reden, steckt dahinter zumeist eine tatsächliche Bereitschaft und ein ausgeprägter Wille. Und die Gesellschaftsordnung hat sich eben doch deutlich von den Klischees entfernt, die sie Frauen und Männer noch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusprachen.