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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Passiflora im März

Diese Passionsblume blüht immer zuerst
Mir macht es einfach Freude, wenn die Passionsblumen zu blühen beginnen. Diese überraschte mich zwar schon im Februar mit ersten Blüten - aber noch nicht an neuen Treiben. jetzt geht beinahe tägliche eine Blüte auf.

Aufgenommen mit meinem IQOO.

Lockdown - Besonnene, Zweifler, Scharfmacher

Den Lockdown zu verlängern, ist risikoreich. Tun die Regierungen nichts, werden sie bezichtigt, die „Fallzahlen“ in die Höhe zu treiben und „das“ Gesundheitswesen zu Fall zu bringen. Tun sie zu viel, so werden sie dafür verantwortlich gemacht, dass Existenzen vernichtet und soziale wie auch psychische Probleme aller Art erzeugt werden.

Scharfmacher und Besserwisser

Die „Kommentatoren“ aus dem Volke trennen sich in mehrere Lager. Da wären zunächst die konservativen Scharfmacher. Sie sagen, der Lockdown hätte „wesentlich früher“ kommen müssen und er hätte „wesentlich schärfer“ ausfallen müssen. „So wie die Stadtmauern, die früher durch Tore geschlossen werden konnten“, las ich sinngemäß in einem Kommentar.

Es sind immer die anderen ...

Das zweite Lager macht das Volk selbst verantwortlich. Ihre Vertreter stellen sich außerhalb des Volkes und rotten sich zu Gruppen von Edelmenschen zusammen. Sie sagen: Diejenigen sind Schuld, die keine Vorsicht walten lassen - es sind immer die anderen. Selbst kann man nicht dazugehören, weil man ja "Edelmensch" ist. Man ruft nach der Ordnungsmacht: Ja, da sind die bösen Buben - und ihnen soll es an den Kragen gehen.

Die Faktensucher

Ein drittes Lager sagt: Es war einfach falsch, vom Lockdown Wunder zu erwarten. Man muss nun abwägen, was wirklich nützt und was nicht. Und man braucht endlich Konzepte, die auf belastbaren Fakten beruhen. Zum Beispiel, wer sich jemals wo und wann infiziert hat. Man hat diese Fakten nicht - und vor allem haben es die beide vorgenannten Gruppen so leicht, ihre Windeier in die Nester zu legen.

Die Leugner

Ach - und es gibt die Leugner, die sich nicht nur mit Verschwörungstheorien arbeiten, sondern auch einfach mit Ignoranz. Um das eigene Gedankengebäude rechtfertigen zu können, greifen sie andere an - beispielsweise Menschen, die sich in ihren Aussagen einmal nachweisbar geirrt haben. Dazu setzen sie ihr Pokerface mit aufgemaltem Grinsen ein. Ach, weiß großartig muss man sich fühlen, wenn man alles zu wissen glaubt, aber in Wahrheit nicht einmal bereit ist, Risiken für andere zu erkennen?

Der Lockdown spülte nun alle möglichen und unmöglichen Meinungen an die Oberfläche. Das Einzige, was den Besonnenen übrig bleibt, ist das Abwägen. Und sie haben es mit Sicherheit derzeit am schwersten.

Passiflora im September

Ich kann mich an dieser Blüte erfreuen - auch wenn sie nur einen Tag lang bliebt
Ich liebe jede einzelne Blüte meiner Passionsblumen - aber wenn diese sich öffnet, geht bei mir die Sonne auf.

Gerade in diesem Jahr, in dem nicht mit allen Pflanzen zufrieden war.

Pfötchen geben

Gestern war ich erstmalig nach Beginn der der „Krise“ bei einem kleinen gesellschaftlichen Anlass. Ich musste tatsächlich gelegentlich betonen, dass ich gegenwärtig nicht „Pfötchen gebe“, wenn mir die Grußhand entgegengestreckt wurde.

Mit liegt ohnehin fern, den Händedruck „echter Männer“ mit Riesenpranken zu genießen, und das säuselnde Wangenberühren der zarten Damen befremdet mich inzwischen auch.

Geht es mir eigentlich gut?

Manchmal gibt's mich auch entspannt
Geht es mir eigentlich gut? Ich weiß ja nicht, ob euch das wirklich interessiert. Aber so richtig "gut" fühlt sich gerade niemand. Zugreisen mit Maske? Shopping mit Maske? Neue Brille kaufen mit Maske? Das soll Freude machen? Mir nicht.

Wie es mir geht, wechselt von Tag zu Tag. Und es ist nicht das Virus - es sind die Begleiterscheinungen. Die Schäden an der Demokratie, die bereits tiefe Furchen in die Gesellschaft gerissen haben, machen mir eben so viel Sorgen wie die Dummheit und Arroganz, die ich überall antreffe. Sie findet sich in bildungsferne Schichten ebenso wie in unter angeblich gebildete Menschen - wobei kein Bildungsgrad davon frei ist. Gesellschaftliche Dialoge? Wie sollen denn die zustande kommen, wenn Fernsehgesichter auf uns herab reden? Oder, um mal heftiger zu werden, wenn jeder, der einen breiten Hintern hat, für sich selbst feststellen kann, dass er ein Systemelefant ist?

Oder ein Systemkasper? Ein Systemgretel? Ein Systemkrokodil, das man aus irgendeinem Sumpf gezogen hat? Sind die angeblichen Talk-Shows nicht eigentlich modernes Kaspertheater?

Dabei geht es um die Zukunft - um eure mehr als um meine. Denn ihr werdet die Folgen aller Fehler tragen müssen, die jetzt begangen werden, und auf der anderen Seite werdet ihr die langfristigen Nutznießer aller Erfolge sein.

Nun könnte ihr ja fragen: Geht mich das etwa an? Natürlich geht mich das etwas an. Es ist ja auch meine Zeit, und ich versuche, mit ihr Schritt zu halten.

Dabei halte ich mich noch deutlich zurück, lass die Kasper kaspern und sehe zu, wie die Krokodile das Maul aufreißen - von den Greteln mal ganz abgesehen. Blogger sind Beobachter.

Weil mich das Leben in unserem Land etwas angeht, schreibe ich. Und ich versuche zumindest, keinen Unsinn zu verzapfen.

Und tatsächlich konnte ich in den letzten Tag ein Gartenlokal besuchen - und ich war sogar mittags Fisch essen - ein klitzekleines Zeichen für den Fortschritt, aber eine ungeheure Erleichterung für den verklebten Kopf.