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AKK und die Bütt

Manche Menschen halten Fasching für Kultur. AKK hieße demnach vielleicht „Alternative Karnevals-Kultur“.

Nun gut – wer in die Bütt steigt, steigt in die Bütt. Das muss man nicht tun, und frau auch nicht. Also sollte man es besser bleiben lassen, wenn man sich nicht blamieren will. Schließlich könnte es ja sein, dass man morgen wieder wieder im Bundestag redet.

Die Gazetten sind voll von der AKK, der alternativen Karnevals-Kultur sprich: „Blöde Witze reißen“. Und von den anderen, die sich getroffen fühlten. Vielfältiger Aufschrei nicht nur bei der LGBT-Gemeinschaft, sondern auch bei jenen in den eigenen Reihen, die sich betroffen fühlten. Ei der Dotter, welcher Frevel – da hat jemand einen dummen Witz gemacht, und noch dazu im Karneval, wo kaum mehr als dumme Witze gemacht werden.

Jeder muss wissen, wie tief er sinken kann – Klobecken sind ja nicht besonders tief. Und der Karneval ist dankenswerterweise schnell wieder vorbei.

Es gibt sie noch, die Missen

Vor Jahren habe ich einige Male über Damen geschrieben, die sich zu „Missen“ küren lassen wollten. Inzwischen haben mich die Missen und Misters nicht mehr die Bohne interessiert.

Doch dieser Tage rauschte die Wahl (dank der Regionalzeitung) wieder an mir vorbei. Siegerin wurde allerdings nicht die Thüringerin Natali Greko, sondern die Stuttgarterin Nadine Berneis. Die Leipzigerin Anastasia Aksak belegte immerhin Platz drei. So wurde auch der Osten bedacht.

Das Lustigste für mich ist der immer wieder auf den Markt geworfene Satz:

Vorstellungsrunden in Bademode werde es künftig nicht mehr geben. Sie passten nicht mehr in die Zeit.


In „Bademoden“ waren die Damen natürlich dennoch zu sehen – dafür gab es ein extra Foto-Shooting. Aber Hauptsache, sie haben nicht „in Bademoden“ auf der Bühne gestanden.

There’s no business like show business. Und wer sich zur Schau stellt, der stellt sich eben zur Schau. Alles andere ist aufgesetzte Wohlanständigkeit, die aus dem Zeitgeist hervorgeht.

Journalismus: Erst mal behaupten ist ja so geil

Heute will ich euch von einer wirklich lästigen Tendenz in der Presse berichten, nämlich gewisse spektakuläre Zeiterscheinungen zu verallgemeinern, uns die dann populistisch auszuschlachten.

Das Medium: Süddeutsche Zeitung.
Wo: Im Feuilleton (Kulturteil).
Wer: Marie Schmidt.
Was: Die Journalistin schließt von einem Tinder-Phänomen auf alle beginnenden Beziehungen, und aufgrund einer gewagten Konstruktion von aneinandergereihten Behauptungen wird die Frage behandelt, ob „Liebe heute noch eine Chance habe.“

Zunächst einmal die Überschrift:

Liebesbeziehungen – Gefühle, so peinlich


Wen das interessiert, der darf weiterlesen, und er stößt zunächst auf eine Behauptung: „Lange“ (also wann denn nun?) hätten Beziehungen mit Gefühlen begonnen und sich dann „zur ersten gemeinsamen Nacht“ gesteigert.

Dieses „Lange“ muss schon lange zurückliegen, und aufgrund welcher Erfahrungen diese Sätze geschrieben wurden, bliebt unklar.

Nun wird auf der Basis dieser Behauptung eine zweite Annahme nachgeschoben, nämlich: Heute würde man mit Sex beginnen und die Liebe würde daran scheitern, einander gefühlsmäßig zu begegnen, oder wörtlich:

Heute startet man mit Sex - und scheitert dann daran, sich emotional nahezukommen.


Eine neue Behauptung: Von Tinder ist nicht mehr die Rede, sondern davon, dass „man“, also nahezu alle Partnersuchenden, mit Sex starten. Die nächste Behauptung wird gleich angehängt: das Scheitern als Folge, also die frühzeitige Auflösung der gerade begonnenen Beziehung. Nach dem Text ist das Scheitern obligatorisch. Und warum soll es möglich oder nicht möglich sein, sich dann noch emotional näherzukommen?

Bliebt noch eine kleine Begriffsverwirrung:

- Einander emotional näher kommen ist noch keine Liebe.
- Das Wort „Liebesbeziehung“ ist unscharf, denn in dem Zeitbereich, in dem eine emotionale Bindung beginnt, spielt Verliebtheit eine größere Rolle als die Liebe – ob mit oder ohne Sex.

Und all das macht die Frage „Hat Liebe in Zeiten von Tinder noch eine Chance?“ zu einer Farce.

Natürlich steht es Frau Schmidt frei, zu schreiben, was sie gerne möchte. Die Frage ist nur, ob man anhand eines lächerlichen App-Phänomens gleich auf die Liebeskultur eines Volkes (oder gar aller Menschen?) schließen sollte.

Die erwähnten Zitate lassen sich leider Online nicht vollständig lesen. Die Quelle verweist auf kaum mehr als die Überschriften.