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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Laternengeher am Montag

Heute werden sie wieder marschieren, mit Kinderwagen und einem Laternchen in der Hand, so als sei Martinstag. Es heißt, es handele sich um Aufzüge von Impfgegnern. Die "NZZ" aus Zürich hat ein bisschen nach gefragt - und sehpferd hat ein bisschen ergänzt.

Sind die Spaziergänger wirklich „Ungeimpfte“?

Wer sind die „Ungeimpften?“ Tatsächlich ist die Frage falsch gestellt, denn die Ungeimpften sind nicht identisch mit jenen, die jetzt auf die Straße gehen. Die wahrhaft „Ungeimpften“ sind Menschen, die zwar soziale Verantwortung tragen – aber nur in begrenztem Rahmen. Sie fühlen sich jedenfalls für die Ausbreitung der Pandemie nicht verantwortlich, sondern vor allem für sich selbst. Man kann ihnen nicht erklären, dass „sozial sein“ nicht gleichbedeutend ist mit „einem sozialen Beruf nachgehen“, sondern dass „sozial“ sein heißt, der Gesellschaft keinen vermeidbaren Schaden zuzufügen. Auch nicht unwissentlich oder zufällig.

Wer sind die Spaziergänger?

Wer also sind die Protestierer? Die Antwort einfach und geht doch schwer über die Zunge: Es sind die Unzufriedenen. Sie protestieren seit Jahren, weil sie nicht den Staat bekommen haben, den sie sich erträumt hatten – so wie bisher, nur mit offenen Grenzen. Oder: So, wie es noch niemals war – eben ganz anders. Wir hörten: nein, nicht alles sind ungeimpft, aber sie glauben, dass der Staat kein Recht hat, vom Bürger das Notwendige abzuverlangen: sich impfen zu lassen.

Den Staat hassen, Esoterik lieben?

Mit ihnen gehen Menschen, die den Staat hassen. Und leider auch Esoterikerinnen, die hier als „Ökotanten“ bekannt sind. Und eben auch viele andere, die sich leicht beeinflussen lassen. Und unter ihnen gibt es wieder sehr, sehr viele, die den Staat hassen – warum auch immer. Der Hass auf die Medien ist ja nicht neu. Ein Teil holt sich Informationen aus fragwürdigen Quellen, ein anderer Teil kann sie nicht gewichten, und letztlich ist absolut unklar, wie diese Menschen jemals zu einer objektiven Ansicht kommen wollen. Oder jedenfalls zu einer Diskussionsgrundlage.

Es geht in Wahrheit nicht ums Impfen – sondern um Unsicherheit

Es geht dabei überhaupt nicht um Corona, sondern um Unsicherheit. Der normale, des Englischen halbwegs mächtige Internetbenutzer hat Zugriff auf nahezu alle Medien dieser Erde. Ob er ihnen glaubt oder nicht ist gar nicht die Frage: es sind zu viele für diejenigen, der nicht gelernt haben, Nachrichten zu filtern. Und wer sie nicht filtern kann, ist anfällig für Manipulationen. Oder mit anderen Worten: die einfache Erklärung ist nicht immer die zutreffende Erklärung.

Pesen

"Ich bin heute in der ganzen Stadt herumgepest" ... das wird in Bremen und an der holländischen Grenze verstanden, aber kaum noch in Hamburg. Jedenfalls kennt es der NDR nicht in seiner bekannten Sammlung niederdeutscher Wörter.

Au das mundartliche „Pesen“ im Sinne von „wägen“ kann man sich schlecht berufen - wiegen ist ja ein behutsamer Prozess.

Das DWDS erkennt das Wort als „salopp“ und gibt die richtige Bedeutung wieder: Schnell laufen. „Laufen“ ist nicht unbedingt richtig, auch der Fahrer eines Autos kann „pesen“.

Die Diskussion um die Herkunft ist im Grund überflüssig: Das Niederdeutsche ist dem Niederländischen sehr ähnlich. Und dort steht das „Pezen“ durchaus für „schnell fahren“ wie auch für „rasen“.

Oder doch aus dem Mittelenglischen?

Die Herkunft aus dem mittelenglischen Wort „pas“ ist ebenfalls möglich und wahrscheinlicher als der Gebrauch des Wortes im modernen Englisch („pace“). Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert "mit schnellem Schritt vorauseilend“ bezeugt möglicherweise, dass der Ausdruck keineswegs aus dem heutigen Pferdesport stammen muss. Der Ursprung des Wortes liegt im „Schritt“, nicht im "Schreiten" und gilt als „anglonormannisches“ Wort.

Ich persönlich halte für möglich, dass die seefahrenden Nationen ihre Sprachen durchaus abgemischt haben, sodass auch das Wort „pesen“ in mehreren Ländern in Gebrauch war.

Im Grund ist es ganz egal, woher das Wort kommt - es bedeutet jedenfalls „rasen“ oder „rennen“, mundartlich auch „düsen“ - und es wird heute nur noch sehr selten benutzt.

Einer der Wünsche für 2022 - es folgen noch ein paar

Hört endlich auf mit dem elitären Geschwätz!

Es ist nicht mein größter Wunsch, dass sich Soziologen/Soziologinnen endlich wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren, statt Ideologien zu verbreiten.

Hört auf mit eurer schrecklichen Gender-Sprache! Ein Autor, der sich gängeln lässt, ist kein Autor, sonder eine Sklave elitärer Minderheiten. Und da gilt auch für Autorinnen. Ja, es gilt für alle, die sich der Freiheit verschrieben haben.

Also: Ihr schafft euch damit keine wirklichen Freude, aber zahllose Feinde - und einige davon stehen nun einmal auf der extrem konservativen Seite. Ich kann daran nichts ändern - ich bin liberal. Und liberal zu sein und sich nach Definitionsmacht gierenden Soziologinnen unterzuordnen - das passt einfach nicht. Selbst dann, wenn es "Soziologen" sein sollten, die in die gleiche Tröte pusten.

Hört auf, andere zu bevormunden! Tut, was ihr wollt, aber zwingt anderen nicht euren Willen auf!

P.S.: Beifall von der falschen Seite wird nicht akzeptiert.

Unser Land ist gespalten? Was soll denn das?

Es sind die Minderheiten, die unser Land zu spalten versuchen. Die Besserwisser, die arroganten „Spaziergänger“, die großmäuligen Schwätzer der sozialen Netzwerke - und auch einige, die glauben, "Gutes" zu tun.

Ein Teil der Presse, mal seriös, mal unseriös, nimmt diese Anschuldigungen auf. Wie kann der Bundeskanzler sagen, unser Land stehe zusammen, wo doch im Osten jeden Montag ein paar „Spaziergänger“ zu zeigen versuchen, dies sei nicht der Fall? Lebt der Bundeskanzler in einer Parallelwelt?

Die Parallelwelt - eine Welt der Minderheiten?

Oder sollte die Presse gerade in einer Parallelwelt leben? Es gibt in Deutschland Minderheiten: Evangelikale, esoterische Kreise, Impfgegner, Ideologen, politische Separatisten und noch ein paar mehr Menschen, denen der „Mainstream“ nicht gefällt. Sie mögen mal ehrbarer sein und mal wegen ehrbar - das steht gar nicht zur Debatte. Aber alle können, wenn sie denn wollen, die Gesellschaft „spalten“ - vorausgesetzt, man schenkt ihnen die nötige Öffentlichkeit, um dies zu ermöglichen. Allerdings sind die Mehrheiten relativ resistent gegen Spaltungsversuche.

Nein, wir haben in Deutschland keinen „Rütlischwur“. („Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.“ (1)) Aber wir haben zwei gute Möglichkeiten, im Zug „Deutschland“ zu reisen - gleich, ob in der ersten oder zweiten Wagenklasse. Darüber hinaus haben wir alle die Möglichkeit, die wirtschaftliche, politische oder intellektuelle Macht der Führung zu beeinflussen - das heißt, an der Führung des Zuges teilzuhaben. Und ja, natürlich können wir an den Zug „Deutschland“ noch einen Wagen anhängen, der alle ausbremst. Das würde geschehen, wenn wir den Minderheiten zu viel Gewicht beimessen würden.

Und insofern: Nein, dieses Land ist nicht gespalten. Und niemand, der Deutschland von innen auszubremsen versucht, tut diesem Land etwas Gutes.

(1) Schiller: Wilhelm Tell.

Beste Wünsche für 2022

Mal ein anderer Gruß - Original von 1905


2021 haben wir ja noch mal Schwein gehabt - hoffen wir, dass unsere Bevölkerung das Positive in den Maßnahmen der Regierung sieht und dabei hilft, die Pandemie zurückzudrängen.

Gesehen bei (mit englischer Beschriftung und im Original) bei ephemeraobscura Serien-Nummer des Verlegers 7948. Diese Online-Version wurde technisch angepasst.
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