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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Themenstaubsauger und Themengebläse

Jeden Morgen geht die Sonne auf „in des Blätterwalds“ wundersamer Runde. Das Themengebläse wird angeworfen, und etwas wird wichtig. Was da aufgewirbelt wird, ist fast gleichgültig. Man sah eine Riesenstaubwolke, die nach drei Tagen wieder zerfiel, nicht mehr. Ist sie aus dem Blick der Redakteure verschwunden, ebbt das Interesse schnell ab. Ach so? Ja, darüber hatten wir berichtet – auf gehts zum nächsten Thema. Irgendein Hirsch hebt immer mal wieder sein mächtiges Geweih und röhrt, dass die Nadeln zittern.

Der Schlamm bleibt

Soweit, so gut. Falls es regnet, gibt es immer noch die zu Schlamm verkommenden Staubwolken der Politik: offene Fragen. Migration. Klima. Fachkräftemangel. Und natürlich, ob eine Partei nur konservativ oder schon rückwärtsgewandt ist (ja, die eine). Oder nur antikapitalistisch oder schon kommunistisch ist (die andere).

Und da lacht mich ein Kommentar von Alexander Kissler in der NZZ vom 23.10.2023 an, der sich mit dem „Bündnis Wagenknecht“ beschäftigt. Ein einziger Satz macht klar, was Sache ist:

Das «Bündnis Wagenknecht» ist bisher nur ein Themenstaubsauger für Unzufriedene ....

Nur: Ist das so neu? Haben nicht schon viele versucht, sich als „Staubsauger der Nation“ anzubieten?

Was, wenn der Staubsaugerbeutel platzt?

Ist doch ganz einfach: Man saugt alles weg. Und wenn es weg ist, ist es nicht mehr da. Ist ja ganz einfach. Nur blöd, wenn der Staubsaugerbeutel früher oder später platzt. Und die Staubwolke, die es dann gibt … ich mag nicht einmal daran denken. Aber ich huste jetzt schon.

Hinweis: In den Text wurde das Volkslied "Jeden Morgen geht die Sonne auf" mit dem Text von Hermann Claudius zitiert und auf den "Blätterwald" abgewandelt.

Der Autor in einer anderen Realität

In den letzten zwei Wochen war ich hin und wieder in einer Realität, die mir relativ unbekannt war.

Die reale Welt

Dabei erfuhr ich, wie die Menschen hier mit ihren kleinen und großen Problemen umgehen: Einkommen, Mindestlohn, Schichtarbeit, wahrgenommene und nicht-wahrgenommene Chancen. Optimismus und Pessimismus, vor allem eigene Verantwortung. Um es in aller Kürze zu sagen: Ja, ich habe die Botschaften verstanden.

Die üblichen Schwierigkeiten des Berufsalltags

Und – ja, es gab auch Probleme, von denen ich schon mal gehört hatte: Codes ließen sich nicht einlesen, Geräte bockten, wenn sie miteinander synchronisieren sollten. Und ich erlebte selbst eine katastrophale Aufbereitung einer IT-Fehlermeldung. Letztlich auch ein Dauerthema: problematische Kommunikation – immer noch, immer wieder, fast überall.

Die Interpretationen der Zukunft

Alles eine Frage der Interpretation? Nein, nicht nur. Weiterhin sind die Menschen, die aktiv im Arbeitsleben stehen, optimistisch. Ganz anders als in den Umfragen. Wer jung ist, hofft auf die eigene Kraft und sieht die Zukunft in hellem Licht. Und diese Hoffnung ist nicht vergeblich, jedenfalls nicht mit ausgezeichneter Bildung, mehreren Fremdsprachen und Aufenthalten jenseits der Grenzen … kurz: Bildung und Mobilität zahlen sich aus.

Überall fehlt es an Personal

Und ja: Es gibt zu wenig Personal. In fast allen Branchen. Von der Gastronomie über die Pflege bis hin zum Baugewerbe. Fast alle sehen dies ein, denn wer aktiv im Beruf steht, egal an welcher Stelle, erlebt es ja täglich.

Das Fazit: Unzufriedenheit und lautes Klagen sind zweierlei

Und mit diesem Eindruck bin ich dann wieder in meine bekannte Realität zurückgekehrt. Ihr mögt daraus schließen, was ihr wollt, und ich sage es so:

Die Unzufriedenen sind nicht diejenigen, die sich beklagen. Es sind ganz offensichtlich andere. Und nach reiflichem Überlegen denke ich, dass die Neider und Aufwiegler eher zu den bessergestellten Personen im sozialen Spektrum gehören.

Diskussionskultur und die Grenzen des freien Worts

Ich lege nicht alles auf die Goldwaage, was auf einer Buchmesse gesagt wird. Und doch fiel mir ein Satz auf, den ich zunächst nur als Zwischenüberschrift kannte (das Original zitiere ich am Schluss):

Auch das freie Wort hat dort eine Grenze, wo es in einem Kontext Dinge relativiert.

Gesagt hat es offensichtlich der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker – nach Vorfällen, die ich hier gar nicht erwähnen möchte. Es geht mir um das „freie Wort“ und sonst gar nichts, denn der Satz selber hatte es mir angetan.

Aus dem „bildungssprachlichen Rahmen“ herausgehoben, würde man etwa sagen:

„Das freie Wort hat eine Grenze, wenn es in einem Zusammenhang Meinungen oder Tatsachen in einem anderen Licht erscheinen lässt.“

Und damit bin ich bei meinem Thema - der Diskussionskultur.

Das freie Wort und die Veränderung der Sichtweise

Wenn das freie Wort nicht mehr gestattet ist, sobald dessen Inhalt etwas in „einem veränderten Licht“ erscheinen lässt – wozu sind dann Diskussionen noch nütze?

Jeder wird aus seinem Alltag wissen, dass es gerade die „Betrachtung in einem anderen Licht“ ist, die zu neuen, teils grundlegenden (und sehr positiven) Veränderungen geführt hat.

Relativieren heißt nicht wirklich, "den Wert herabsetzen"

Ich weiß natürlich, dass „relativieren“ in der Bildungssprache mehrere Bedeutungen hat. Denn es wird (leider) auch mit „in seinem Wert einschränken“ ins Deutsche übersetzt. Aber wann immer wir etwas „relativieren“ mussten, haben wir sie ja nichts „im Wert eingeschränkt“, sondern versucht, etwas in einem „anderen Licht darzustellen“.

Das lange Zitat, der Vollständigkeit halber

Was noch fehlt? Das verkürzte Zitat wurde schnell von Hand zu Hand und Feder zu Feder weitergegeben. Es fehlt also noch die Langversion (Zitat):

„Auch das freie Wort hat dort eine Grenze, wo es in einem Kontext Dinge relativiert, verharmlost und gleichsetzt, wo man sie nicht gleichsetzen kann“.

Es ging übrigens nicht um Dinge, sondern um Menschen, Meinungen und Ansichten.

Quelle (unter vielen) Börsenblatt.

Kommunikation - Was vor Wie

Kommunikation folgt ziemlich einfachen Regeln – aber offenbar sind selbst diese Regeln für viele nur schwer zu verstehen.

Ich wurde beispielsweise gefragt:

„Wie beginne ich ein Gespräch, wenn es nicht bis zum Ende belanglos bleiben soll?“

Eigentlich klingt die Frage plausibel. Doch die Grundlage kommt dabei gar nicht vor, nämlich „was beabsichtige ich mit diesem Gespräch?“

Und schon haben wird die Regel gefunden: „Was vor Wie“. Denn irgendein Ziel wird der Fragesteller wohl gehabt haben. In diesem Fall befürchtete er, sein Gespräch können in „Small Talk“ enden – also hatte er eine Absicht.

Die Regel ist so einfach, dass sie sogar vielfach (und in Variationen) veröffentlicht wurde:

- Was will ich?
- Wie kann ich es erreichen?
- Was soll mein Nutzen sein?


Klar, das ist stark vereinfacht. Aber wer diese drei Fragen nicht in die Reihe beringt, hat als „normal Kommunizierender“ keine Chance, irgendetwas zu erreichen.

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1968 - die ewig Nachtragenden

Für die meisten von euch wird die Jahreszahl 1968 nichts bedeuten. Wer noch bewusst erlebt hat oder gar daran beteiligt war, was damals passierte, ist heute mindestens 65 Jahre alt, wahrscheinlich aber bei Weitem älter.

Vergessen wird auch, dass die Bewegung „der 1968er“ zwar auch ideologisch besetzt war, dann aber auch zur Befreiung diente. Und sie machte ebenfalls klar, wie viel verdeckte Nazi-Ideologie es im Deutschland von 1968 gab.

Und was lese ich heute (1)?

„Mit dem Schlagwort ‚freie Liebe‘ wurde von der 68er-Ideologie die Unverbindlichkeit zum Prinzip gemacht. Als Psychiater (2) sehe ich diese Maxime problematisch; viele Patienten leiden bis heute darunter, diesem Irrtum verfallen gewesen zu sein: Liebe ohne Bindung ist kurzfristige Befriedigung, nicht langfristiges Glück.“

Die 1968er - oft missverstanden

Die Vorgänge der 1968er waren vielen Menschen nicht recht. Damals wurde aufgedeckt, was zuvor gerade Mal mühsam unter den Teppich gekehrt wurde. Natürlich wurde damals auch übertrieben - aber das ist Geschichte und nichts sonst.

Im Grunde genommen stimmt nicht einmal, dass die sexuelle Befreiung „durch die 1968er“ ausgelöst wurde. Sie öffneten lediglich das Ventil, um den konservativen Mief aus der Gesellschaft heraus zu blasen - das war alles. Und: Wer die Zustände vor 1968 noch kennt (und da mische ich mich mal deutlich ein), der war froh, dass er später ein Leben führen konnte, dass man als wirklich liberal bezeichnen konnte.

(1) Zitat aus der Tagespost.
(2) Der Autor des Zitats ist Psychiater und schrieb mehrere Bücher.