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Dem liberalen Geist eine Stimme geben - das ist sehpferd

Der Fug - kein Unfug

Ich habe meinen Fug gefunden, mehrmals.

Wenn ich das sage, so ist es eine Berufung, ein Wunsch, eben ein Fug. Doch der Fug könnte auch eine Gelegenheit sein, zum Beispiel, wenn ich die Chance des Moments nutze, um Fug zu erlangen, also eine Art Erfüllung. Doch der Fug entsteht auch dann, wenn etwas „passt“: Dann sagt man „nach Fug und Nutzen.“ Einen Roman kannst du zum Beispiel schreiben, wenn du Fug und Zeit hast. Und nicht zuletzt steht der Fug auch für den Sinn. Wer „Fug und Macht hat“, der versteht es und hat auch die Macht, es umzusetzen.

Fug und Recht - nach herrschender Sitte und Gesetzeslage

Statt „nach Sitte und Ordnung“ zu sagen, spricht man oft von „Fug und Recht“, wobei Fug nicht einklagbar ist, Recht aber schon. Dann ist mit „Fug“ die Schicklichkeit gemeint, also die gesellschaftlichen Regeln. Wenn ich also sage, dass ich etwas mit „Fug und Recht“ behaupte, und es ernst meine, dann setze ich darauf, mich sowohl an eine ungeschriebene gesellschaftliche Vereinbarung zu halten wie auch an das geschriebene Recht. Wir kennen den „Fug“ heute größtenteils nur noch in Kombination mit dem Recht, was dazu führt, alberne Sätze zu bilden wie:

"Ich kann wirklich mit Fug und Recht behaupten, tolle Eltern zu haben" oder.
„Man kann also mit Fug und Recht von einem Sommer der Stars sprechen.“


Beide Sätze sind reine Meinungen, in denen weder „Fug“ noch „Recht“ zu finden ist.

Oder sagen wir einfach: „Diese Sätze sind Unfug?“ Denn obgleich vom „Fug“ nicht viel übrig geblieben ist, begleitet uns doch der „Unfug“ jeden Tag. Das Wort nutzen wir gerne, wenn sich für uns nichts fügt. Und mal ehrlich: Fügt sich für euch derzeit alles?

Marginalien: Der neueste "Duden Korrektor" motzte das Wort "Fug" heftig an.

Zu (ein Beitrag zur aktuellen Lockdown-Debatte)

Die Infektionszahlen seien „zu hoch“ höre ich in den letzten Tagen oft. „Zu“ ist eine Bewertung, für die man Maßstäbe benötigen würde.

Du kannst zu dick sein, einen zu hohen PSA-Wert haben oder einen zu hohen Blutdruck. Dafür existieren Normen, die Menschen aus Erfahrungswerten gewonnen haben. Du kannst zu viel Essen und zu viel Alkohol trinken, die zu dünn oder zu dick anziehen oder sonst etwas „zu“ tun, das dir schadet, gemessen an deinen eigenen Maßstäben.

Die "zu hohen Zahlen"

Doch was sind „zu hohe Zahlen“? Bei einer Pandemie ist jede Zahl „zu hoch“, gemessen an dem, was man sich wünscht oder erwartet hat.

Aber, meine lieben Redakteure (m/f/d) und Politiker (ebenfalls m/f/d), sagt uns doch bitte mal, woher ihr die Vergleichswerte bezieht, und ich meine damit „gesicherte Normalwerte bei Pandemien“?

Ach, du lieber Schreck. Da tauchen alte und neue Virologen auf, die sicher in guter Absicht warnen. Ich kann es ihnen nicht verdenken, das sie es tun, und warum eigentlich nicht die Nachweihnachtszeit als „Lockdown-Zeit nutzen? Klingt nicht schön, aber das ist ohnehin eine eher ruhige Zeit. Allerdings wäre die Frage, wann bei einem „harten“ Lockdown bis zum „10 Januar 2021“ mit „Ergebnissen“ zu rechnen wäre. Anfang Februar?

Warum letzte Warnungen sinnlos sind

Unschön daran ist, wenn Herr Droste sich als Papst der Wissenschaft mit Universalkonzept hinstellt. Wer glaubt, „deutliche und letzte Warnungen“ in Richtung Politik geben zu können, muss schon eine Menge Chuzpe haben. Denn nach der „letzten Warnung“ folgt normalerweise keine weitere. Und Zahlenspiele mit „wenn Kontakte um soundso viel Prozent reduziert werden, dann … “ sind nicht besonders einleuchtend, es sie denn, man pflege wirklich viele unterschiedliche Kontakte. Das mit dem „Datenmaterial“ der Leopoldina wirkt erst glaubwürdig, wenn die Quellen auf den Tisch des Hauses kommen. Kann man Kontakte überhaupt in Zahlen messen? Die Statistiken sollen angeblich aussagen, dass „die Kontakte im Frühjahr um 63 Prozent zurückgefahren wurden.“ Und jetzt glaubt man, 43 Prozent festgestellt zu haben, bevor wieder der Wert von „drei Viertel“ ins Spiel gebracht wird, den schon die Kanzlerin im Munde führte.

Die Politik hat es deutlich schwerer als die Wissenschaft

Und noch etwas: Im Unterschied zu den Virologen, die sich auf Zahlenspiele zurückziehen können, kann es die Politik nicht. Sie braucht den Rückhalt in der Bevölkerung, denn wenn „Maßnahmen“ (also nicht Vernunftgründe und Einsicht) eine Wirkung haben sollen, müssen Menschen mitmachen, die zuvor noch müde gelächelt haben, wenn es um Infektionsschutz geht.

Nichts mehr als eine Symbolpolitik ohne wirkliche Hintergründe?

Wie sagte der Herr Linder gerade noch? Es handle sich um Symbolpolitik, die „dem Publikum nur ein planvolles Vorgehen simulieren soll.“ Widerlege den Satz, wer will und kann. Ich bin gespannt.

Es wäre schön, wenn sich alle, Wissenschaftler wie auch Politiker, ein wenig zurückhaltender bei ultimativen Forderungen wären. Jeder Infizierte ist einer zu viel, und jeder der an Covid Verstorbenen ist einer zu viel. Aber welche Maßnahmen wann, wie und wo etwas bewirken, dass weiß in Wahrheit niemand mit Sicherheit.