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Corona - die eigenartigen Ansichten über UNS

Was mag in die Journalistin Sabine Kinkartz und die Deutsche Welle gefahren sein, nun auch „in Gesinnungsappellen“ zu machen? (1)

Der Anfang ist so dramatisch, dass ich ihn hier einmal in (fast) voller Länge zitieren muss (2):

Viele Deutsche stecken den Kopf in den Sand. Sie wollen nicht wahrhaben, dass die Pandemie uns wieder eingeholt hat und die zweite Welle mit großer Wucht alles hinwegfegt, was in den vergangenen Monaten erreicht wurde. Sie tragen Masken, halten Abstand, lüften, waschen sich die Hände… “

Das klingt seltsam, nicht wahr? Wir machen alles richtig und denken falsch? Aus welcher Kiste der Erleuchtung wird denn so etwas geschöpft?

Wir müssen nicht lange suchen – es ist die Kanzlerin, die nun ins Rampenlicht gestellt wird (3).

Es geht nicht um ein Hygienekonzept für dieses Restaurant oder ein anderes, sondern um ein Konzept, mit dem 75 Prozent aller Kontakte reduziert werden können.


Man kann der Kanzlerin nicht verübeln, solche Sätze auszusprechen. Irgendjemand wird sie für sie aufgeschrieben haben. Doch bitte, muss man als Journalistin nun noch eines draufsetzen und schreiben (2):

75 Prozent! Diese Zahl muss ein Weckruf für alle sein. Auch und gerade für diejenigen, die den Ernst der Lage noch nicht wahrhaben wollen.

Und weil das Zitieren einer Zahl offenbar so viel Freude macht, wird gleich noch mal nachgelegt (2):

75 Prozent weniger Kontakte sind nicht zu erreichen, wenn nicht jeder Einzelne sein Verhalten überdenkt und gegebenenfalls ändert.

Woher werden solche Zahlen bezogen? Haben sie bestand? Und was bedeuten sie wirklich? Fasst euch mal bitte mal an die eigene Nase (ich weiß, das sollte man jetzt auch nicht tun) – aber wie reduzierst DU und DU und DU da drüben eigentlich deine Kontakte um 75 Prozent? Ich überlasse anderen darüber Glossen zu schreiben.

Fehlt da nicht etwas? Richtig – eine Regierung, die appelliert und irgendwie versucht, Aktionismus zu zeigen, um davon abzulenken, dass sie völlig unvorbereitet in die „zweite“ Welle hineingeschlittert ist – und noch heute fehlen zeitgerechte Konzepte für Gesundheitsämter. Und überhaupt – wäre man auch auf den „Worst Worst Case“ vorbereitet, falls die Maßnahmen nicht halten, was man sich davon verspricht? Stattdessen schreibt die Hauptstadtjournalistin (2),

„Würde die Politik dem Infektionsgeschehen tatenlos zuschauen, würde das deutsche Gesundheitssystem in 20 bis 30 Tagen kollabieren.“

Da läge doch nahe, mal nachzufragen: Und was wäre, wenn es dennoch zusammenbrechen würde vor lauter Appellen, Schwarze-Peter-Spielen und Planlosigkeit?

Als besonders infam empfinde ich allerdings, dass gleich zu Beginn des Artikels die Gutwilligen diskreditiert werden.

Und woran erinnert mich das alles? An bestimmte Herrscher und Feldherren, die vor der Schlacht zu ihren Soldaten sprechen, wohlwissend, dass es „Verluste“ gibt.

Apropos 75 Prozent - auch nicht sehr erhellend (4):

Die renommiertesten Expertinnen und Experten bestätigen, dass das Virus von Kontakten lebt und wir daher persönliche Kontakte um 75 Prozent reduzieren müssen.

Ach du liebes bisschen – klar leben Viren von Kontakten, bestreitet das etwa jemand?

(1) Mir ist bewusst, dass es ich um einen Meinungsbeitrag handelt, aber er steht an exponierter Stelle im Online-Auftritt der Deutschen Welle)
(2) Deutsche Welle - Kommentar der Journalistin.
(3) Kanzlerin, aus dem vorgenannten Artikel zitiert.
(4) Baden-Württemberg - Service.