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Die gewillkürte Renaissance der Ehe durch Corona

„Corona bewirkt eine Renaissance der Ehe“ radebrechte n-tv (1) dieser Tage. Ursprung der Meldung war offensichtlich eine Nachricht der „Deutschen Presse Agentur“, in der ein Zukunftsforscher (Horst W. Opaschowski) behauptet, Belege dafür zu haben.

Die Faktenlage ist mehr als dürftig

Erlebt die Ehe nun eine „Wiedergeburt“? Und ist sie auf die Pandemie zurückzuführen? Und falls dies so sein sollte, mit welchen Mitteln kann nun „auf die Zukunft“ geschlossen werden?

Zunächst einmal: Wieso eigentlich Renaissance? Das Wort bedeutet Wiedergeburt - also war die Ehe zuvor bereits tot?

Auf gar keinen Fall. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 400.115 Ehen geschlossen, 2019 waren es 416.324. Erheblich mehr waren es im 25-Jahre-Vergleich nur in den 1990er-Jahren. (2,3)

Die Zustimmung zur Ehe ist derzeit hoch

Die Zustimmung zur „Ehe mit Trauschein und Kindern“ liegt in der Bevölkerung laut dem zitierten Zukunftsforscher bei 64 Prozent. Andere als „repräsentativ“ bezeichnete Umfragen liegen noch höher. Auf die Frage „Ist es noch zeitgemäß, zu heiraten“ votierten demnach 74 Prozent der Befragten in Deutschland mit „Ja“ (4).

Die Trends wären aufgrund der Faktenlage auch ohne Befragungen festzustellen gewesen, und zwar sowohl bei der Befragung, die durch Horst W. Opaschowski (5) veranlasst wurde wie auch durch jene, die „Readers Digest“ (4) durchführen ließ.

Pandemie-"Erfolge" sind reine Spekulation

Ob die Pandemie, also „Corona“ Einfluss auf die Eheschließungen haben wird, kann zu diesem Zeitpunkt (September 2020) überhaupt noch nicht abgeschätzt werden, zumal noch keine Zahlen für 2020 vorliegen. Zudem müsste sich ein Teil der Paare, die im nächsten Jahr heiraten werden, ja erst kennenlernen. Bekanntlich ist dies wegen der reduzierten Kontaktmöglichkeiten nur eingeschränkt möglich.

Woher also wollen Zukunftsforscher wissen, wie sich die Pandemie auf die Eheschließungen auswirkt? Und wann diese Auswirkungen eintreten? Gab es nach den vorausgegangenen Wirtschaftskrisen (Bankenkrise) wirklich mehr Eheschließungen?

Nicht einmal, falls die Pandemie zur Wirtschaftskrise werden sollte, stimmt irgendetwas an der Zukunftsprognose. Und falls sie, wie wir alle hoffen, nicht zur Wirtschaftskrise führt, sondern nach zwei Jahren wieder abebbt? Was dann?

Etwas Zurückhaltung bei "Corona-Erfolgen" wäre angebracht

Ich finde, Forscher sollten den Mund nicht so voll nehmen. Und Zeitungen und Zeitschriften sollten sich hüten, Meldungen solcher Art zu verbreiten. Unkritisch gelesen, sagt eine Überschrift wie „Forscher: Corona bewirkt eine Renaissance der Ehe“ aus, dass sich Wissenschaftler einig darin sind, dass die Corona-Krise einen unmittelbaren Einfluss auf die Eheschließungen hat. Zwar sagt der Text uns etwas anderes - aber manche Menschen lesen eben nur die Überschriften und glauben das, was sie dort lesen.

(1) n-tv
(2) Destatis
(3) Statista.
(4) Readers-Digest-Umfrage.
(5) Ausführlich nachzulesen und ohne Schnörkel in der "Volksstimme"

Artig sein

Wer artig ist, lebt nach den Gewohnheiten seiner Art, also bezichtigt man den „Unartigen“, „böse, schlecht, lasterhaft, nichtswürdig und dergleichen“ zu sein. „Anders sein“ ist also verpönt.

Macher unterscheidet noch zwischen „artig sein“ und „wohlerzogen sein“, wie denn das Gegenteil „unartig sein“ und „ungezogen sein“ wäre. Demnach wäre artig, wer sich „zu betragen weiß“, und „unartig“ wer ein „schlechtes Betragen“ an den Tag legt. Wohlerzogen hingegen ist einer (oder eine, versteht sich) bei der die Zucht gewirkt hat, während „ungezogen“ jemand ist, der einen „Mangel an der gehörigen Zucht“ aufweist – weshalb er eben auch „ungehörig“ handelt.

Erobern sich die „Artigen“ auf leichte Art ihren Platz im Leben? Haben „wohlerzogene“ Knaben und Mägdelein die besseren Aussichten im Beruf? Sind die guten, würdigen und tugendhaften Menschen angesehener?

Vermutlich nicht.

Quelle der Zitate: Grimms Deutsches Wörterbuch.

Bayern und die Schnittstelle

Datenschnittstelle mit Humor
Wer ist nun eigentlich überfordert beim Corona-Viren-Test in Bayern? Die Beamtenschaft? Die Politik in Bayern? Die Datenleitungen in Bayern? Oder die IT-Schnittstellen in Bayern?

Auf ein „Schnittstellenproblem in der Datenverarbeitung" zu verweisen ist eine ziemlich billige Ausrede, oder nicht? Hatte man die Schnittstelle nicht ausreichend getestet? Hat die Zeit gefehlt, es zu tun, und warum? Wer war dafür verantwortlich?

Niemand will es gewesen sein

Viele Fragen - und Antworten werden wir wohl nie bekommen. Es gibt eben ein „Schnittstellenproblem.“

Menschen schaffen Datenverarbeitung und Menschen schaffen und installieren solche Schnittstellen. „Die Schnittstellen“ selbst führen kein Eigenleben - sie sind also auch nicht „verantwortlich“.

Es sei denn, dies wäre in Bayern anders.

Der eingeschlossen Uhrmacher und die eiserne Jungfrau

Zerfleischen der Verräter durch eine Maschine
Der eingeschlossen Uhrmacher und die eiserne Jungfrau ist im Grunde eine dunkel-romantische Geschichte. Doch viele Menschen sind der irrigen Meinung, die "Jungfrau" sei tatsächlich eine Folter- und/oder Tötungsmaschine des Mittelalters gewesen. Dieser Artikel fasst das Wissen um die Ursprünge der Jungfrau zusammen und berichtet vom Fragment einer Gruselgeschichte.

Was fürchtest du? Wisse, es handelt sich nur darum, die Arme der Gerechtigkeit zu beleben, denn diese Gestalt ist ein Werkzeug derselben und bestimmt, verräterische Herzen zu zerfleischen.

Die Legende von der eisernen Jungfrau und ihren Ursprüngen führt jeden, der danach sucht, unweigerlich zu einer etwas undeutlichen Illustration. Offensichtlich basiert sie auf der Legende des antiken Gelehrten Polybios. Jener behauptete, dass Nabis, König von Sparta, sich eine „Jungfrau aus Eisen“ anfertigen ließ, der seiner Frau Apega ähnlich sah. Sie soll unter ihrer Kleidung an Händen, Armen und Brüsten spitze Nägel besessen haben.

Die Legende vom Automaten, der Steuersünder bestrafte

Bürger, die sich weigerten, Steuern zu zahlen, mussten ihre Hand ergreifen, woraufhin ein Mechanismus ausgelöst wurde, mit dem die Figur den säumigen Zahler an sich zog und „zur Brust nahm“, bis er Tribut zahlte - oder durch die Messer zu Tode gebracht wurde.

Eine spätere Legende um den „Zerfleischungsautomaten“

Die Geschichte, die dazu erzählt wird, handelt von einem Uhrmacher, der an einem Hof in den Karpaten gerufen wird und der durch einen „hässlichen Zwerg“ angewiesen wird, das Räderwerk für die „Zerfleischung“ im Namen seiner Herrin zu konstruieren. Genau genommen soll er der bereits vorhandenen Gestalt ein mörderisches Leben einhauchen:

Ich sollte die Feder so richten, dass bei der leisten Berührung des Halsbandschlosses die stählerne Figur die Arme kreuzweise und fest fasste, dass aber zugleich aus der inneren Fläche der beiden Arme Hunderte von kleinen, scharfen und spitzigen Messern, wie aus der Brust und dem Bauche mehrere Dolche hervortreten würden und ich begriff, dass die Maschine dazu bestimmt sei, demjenigen, der das Schloss öffnen wollte, rettungslos durch und durch zu zerfleischen.

Die Geschichte ist allerdings eine reine Fantasie des österreichische Kunsthändlers und Autors Moritz Bermann aus dem 19. Jahrhundert.

Die Suche nach dem Ort, an dem dies alles geschehen sein soll, erwies sich als einfacher. Im Tal der Vaag gibt es zwar viele Burgen. In Verdacht steht aber sofort die Burg Schächtitz, ungarisch Csejte, in der auch die berühmte und andererseits berüchtigte Gräfin Elizabeth Báthory residierte, die auch in der Horrorgeschichte als Auftraggeberin auftaucht.. So schließt sich der Kreis der Legenden.

Bild: Wikimedia und anderen Quellen, die das Bild zeigen. Weitere Quellen: "Dunkle Geschichten aus Österreich", Wien 1868, angeblich von Moritz Bermann verfasst (oder gesammelt).