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Was ist ein Kink?

Habt ihr schon mal von einem „Kink“ gelesen? Nein, nicht von King George oder einen anderen, der auf „g“ endet. Dieser Kink endet auf „k“, und wenn ihr oberflächlich guckt, dann bezeichnet er einen „Knick“.

Um das Wort wirklich zu begreifen, brauchen wir eines dieser Lexika, die nicht im Internet vermodern. Denn damit ein Gegenstand oder eine Persönlichkeitseigenschaft einen „Knick“ bekommt, muss beides zunächst gerade sein. Und „gerade“ ist, was die Masse tut. Wer nun also einen „Kink“ hat, der weicht von dem ab, was Menschen „üblicherweise“ tun.

Zumeist wird das Wort heute in Zusammenhang mit den sexuellen Freuden und Praktiken genutzt. Wir lesen: Jemand der einen „Kink“ hat, also „kinky“ ist, geht „merkwürdige Wege …, um sexuell erregt zu werden.“

Die merkwürdigen Wege lassen sich noch verdeutlichen, zum Beispiel so:

Wenn ein erotischer oder sexueller Genuss nicht der allgemeinen Vorstellung entspricht, dann ist es ein „Kink“. Ob er akzeptiert, verachtet oder ignoriert wird, hängt von Zeit, Ort und anderen Umständen ab.

Falls ihr nun fragt: „Wer braucht denn so was?“, dann sage ich: Übersetzer, zum Beispiel. Es kling nicht sehr freundlich, „kinky“ so zu übersetzen: „Sie lebte in zwei Extremen – am Tage war sie extrem religiös, aber im Bett war sie extrem versaut.“

Nein – „kinky“ ist nicht „versaut“. Übersetzt es hübscher, wann immer ihr könnt.

Der Irrtum, zu wissen, worum es eigentlich geht

Eines der interessantesten Phänomene an öffentlichen Diskussionen besteht darin, dass viele Menschen glauben, sie wüssten worum es „eigentlich“ geht.

Sie sehen nicht, dass alles, was sie selbst wissen oder empfinden, auch an die Zeit und die Umstände gebunden ist, als sie es erfahren haben. Und wenn ihr älter seid, dann waren es andere Zeiten und andere Umstände, die euch geprägt haben.

Drei Sichtweisen - und wie du sie überwinden kannst

Aus diesem Grund will ich euch drei Sichtweisen präsentieren, die immer abhängig von eurer persönlichen Erfahrung ist:

Etwas geschieht und du erinnerst dich ...

- An die Zeit, in der du etwas Ähnliches erlebt hast, also wie du es dort und dann erlebt und beurteilt hast.

- An die Art, wie es geschah, als du zum ersten Mal davon hörtest oder damit konfrontiert wurdest.

- An die kulturelle oder weltanschauliche Umgebung, die du damit in Zusammenhang bringst.

Warum dir deine Sichtweisen von "Dort und Dann" kaum nützen

Das ist verständlich, aber es reicht nicht, um ein Urteil zu fällen. Wie viele Jahre sind vergangen, seit es geschah? Zehn Jahre? 25 Jahre? 50 Jahre? Meist du nicht, dass sich seither etwas verändert hat? Und musst du im „Dort und Dann“ leben? Wie wäre es mit dem Hier und Jetzt?

Die Art, in der etwas geschah, muss nicht die gleichen Ängste, Ablehnungen oder Empörungen auslösen, die es „bei dir damals“ auslöste. Menschen haben sehr unterschiedliche Gefühlswelten, und des einen Eule kann des anderen Nachtigall sein.

Die Kulturumgebung, die du kennst, weicht von der des Nachbarn ab - oft sogar in derselben Stadt. Und die Sichtweise eines Niedersachsen weicht oftmals von der eines Bayern ab, obgleich beide Deutsche sind. Was du irgendwann einmal als „richtig“ oder „ethisch korrekt“ kennengelernt hast, war eine Auffassung - es war keine ewige Wahrheit.

Wenn du zugleich offen für Neues bist und dennoch nach deinen Grundsätzen lebst, so weit sie dich persönlich betreffen, ist alles in Ordnung. Wenn du aber anderen deine Grundsätze aufzwingen willst, weil du glaubst, du hättest ein Recht dazu - dann pack ein. Oder - besser noch - ändere deine Sichtweise.