Skip to content

Systemrelevanz und Frauen in der Krise

Theater im ersten Weltkrieg - auch systemrelevant?
Aus allen Kanälen der Frauenbewegung höre ich derzeit ein dumpfes Grummeln - nun, so heißt es vielfach, könne man ja erkennen, dass die Emanzipation stecken geblieben sei.

Begründet wird dies mit der Systemrelevanz der Frauen einerseits und der Dreifachbelastung durch Homeoffice, Haushalt und Kinder. Die Krise würde zeigen, dass die Emanzipation sozusagen ein „Schönwetterphänomen“ sei – in der Krise aber würde sie versagen.

Ethische Mängel treten hervor.

Was daran wahr ist: In der Krise zeigt jedes System genau die Mängel auf, die wir in guten Zeiten tolerieren, weil wir einen Gewinn daraus ziehen können. In schlechten Zeiten aber wird uns bewusst, wo wir Schwachstellen genutzt haben, obgleich wir wussten, dass sie nicht gängigen ethischen Standards entsprechen. So weit, so schlecht mag es sein.

Und dennoch gewinnen die meisten von uns am Mangel

Wenn ich nun „dennoch“ sage, dann, weil der Spargelstecher aus Osteuropa einen Gewinn daraus zieht, hier Spargel stechen zu dürfen. Freilich gewinnen auch der Landwirt und das Budget für Nahrungsmittel. Kurz: Alle gewinnen, obgleich das Verhältnis „schräg“ ist.

Frauen wertschätzen - immer nur in Krisen?

Die größten Krisen des vergangenen Jahrhunderts waren die beiden Weltkriege und die Nachkriegszeiten. In beiden Kriegen und der Zeit danach mussten Frauen „tüchtig“ sein. Das heißt, sie mussten die Arbeiten durchführen, die ansonsten ausschließlich die Männer ausführen.

Nach beiden Weltkriegen wurde die Rolle der Frau, die während der Kriege „hochgehalten“ wurde, weil sie „systemrelevant“ waren, wieder zurückgefahren auf die Rolle der Hausfrau und Mutter. (1)

Sich frei entscheiden können - und dazu stehen

Der Unterschied zu heute kann gar nicht oft genug betont werden: Heute haben Frauen alle Freiheiten, sie sich selbst alleine, in flexiblen Beziehungen oder in festen Beziehungen zu verwirklichen, ohne dass irgendjemand Druck auf sie ausübt. Niemand hält sie dazu an, zu heiraten oder ledig zu bleiben, einen anspruchsvollen Beruf auszuüben oder eine „Tätigkeit auf Zeit“.

Klartext: Frauen müssen nicht Busfahrer werden, weil kein Mann da ist, der einen Bus fahren kann – ja nicht einmal Spargelstecherin, weil kein deutscher Mann jemals mehr Spargel stechen wird. Und ja, Frauen werden weiterhin Altenpflegrinnen und Altenheim-Besitzerinnen, Krankenschwester oder Chefärztin – und manche werden eben Friseurinnen und Putzfrauen. Sie alle wurden frei und gleich geboren und hatten die Möglichkeit der freien Berufswahl – und niemand zwang sie jemals, einen Partner zu haben.

Und nun bitte nochmal die ganze Diskussion auf null – wo bitte, ist das Problem?

(1) Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg eher in der BRD als in der DDR.
Bild: "Hick's Operettentheater.angeblich Ankündigung einer Show vor britischen Soldaten, WW 1.