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Das eigene Erleben

„Ach, Sie schreiben über etwas? Dann können wir Sie nicht gebrauchen …“

Nun ja, ich dachte, ich wäre smart genug und journalistisch so weit gebildet, dass ich eines weiß: Ich selber halte mich heraus. Und doch versuchen diese „neuen Magazine“ ständig, Autoren zu finden, die eigene Erlebnisse veröffentlichen, und zwar nicht aus der Sicht des Journalisten, also im Rahmen von Recherchen, sondern aus dem „prallen Leben“, das man so führt. Peinlichkeiten und Anzüglichkeiten sind dabei – je nach Medium – durchaus erwünscht.

Ei der Daus.

Allerdings, und nun spitzt mal die Ohren, führt dies zu dreierlei:

1. Die Ereignisse werden inszeniert, nur dass man sich dabei nicht als Journalist (Autor, Blogger) ausgibt.
2. Tatsächlich hat irgendwann einmal ein ähnliches Ereignis stattgefunden, aber es war nicht so spektakulär.
3. Das Ereignis wurde frei erfunden odre irgendwo abgeschrieben oder umgeschrieben.

All dies gab es schon immer, und so etwas wird es immer wieder geben: bei Journalisten weniger, bei Autoren mehr. Es macht ja auch nichts, wenn man sinnliche oder schreckliche Geschichten erfindet, die wahr sein könnten. Nur dann – bitte schön – auch als solche veröffentlichen.

Und, ihr süßen, erfolgsgeilen Traum-Verleger(innen), Blogger(innen) oder wie ihr euch auch nennen mögt: Veranlasst die Menschen bitte nicht dazu, sich Lügengeschichten aus dem eigenen Leben auszudenken.

Vielen Dank.