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Die Protokollantin – nein, kein zweites Mal

Kriminalfilme mit Düsterereffekten und einem geradezu lüsternen, aber dennoch krampfhaften Gerechtigkeitssinn sind mir ebenso suspekt wie andere Formen des „Absoluten“.

Es mag ja sein, dass die neue Serie „Die Protokollantin“ die Herzen rührt – meines nicht. Und es mag ja auch wirklich sein, dass sich die Autoren bei der Serie „etwas gedacht“ haben. Aber mir sind die Farben zu düster, die Geheimnisse zu abwegig und die „traumatischen Erinnerungen“ zu sehr in den Vordergrund gespielt.

Ich will keinen zweiten Teil sehen. Muss ich ja auch nicht.

Menschen im Hotel – Menschen im Theater

Vicki Baum – da musste ich nachdenken. Ihr Buch „Menschen im Hotel“ stand in Vaters Bibliothek, was hauptsächlich darauf zurückzuführen war, dass er Mitglied im „Bertelsmann Lesering“ war. Ich hörte, dass Frau Baum selbst als Zimmermädchen tätig gewesen war, um sorgfältig zu recherchieren. Nehme ich all dies zusammen, so kann ich nur eines erwarten: ein Zeitzeugnis aus den 1920er Jahren.

Klingt alles ein bisschen dramatisch: Schicksale, Schicksale, Schicksale. Die Faszination einer Drehtür, der Hauch von Luxus. Und als Theaterstück ein bisschen Kasperletheater mit überzeichneten Figuren - sehr hübsch, aber mit merkwürdigen befremdlichen Dialogen, die teils etwas langatmig wirken. Ich bin im Theater - ja, wo sonst?

Was ich mitgenommen habe? Viel weniger, als ich dachte. Ein bisschen Lebensphilosophie, ein wenig Melancholie, hübsche Orchester-, Tanz- und Gesangseinlagen. Es war kein Schaden, das Stück gesehen zu haben, aber auch kaum eine Bereicherung. Menschen im Theater starren auf eine Bühne, auf der Menschen im Hotel vereinsamen. Was wohl sie bewegen mag? Die Aussicht auf die feinen Würstchen und das Glas Sekt in der Pause?

Ich sollte vielleicht nicht darüber nachdenken – schließlich habe ich mich auch ein wenig amüsiert.

Maria spricht zu dir – KI im Tatort

Die digitale Welt kann ausgesprochen verrückt sein. Und mit ihre kann man in der Tat Dinge tun, die sinnvoll, verrückt oder gar gefährlich sind.

Falls ihr zuhause noch über Kupferkabel oder lausige WLAN-Netze verbunden seid, die kaum zwei Stockwerke überwinden, habt ihr sicherlich über den neuen Tatort gestaunt. Da wird ein luxuriöses, von enormer Rechnerkapazität gestütztes Programm einfach mal so geklont – und kann dann per USB-Stick auf ein Notebook kopiert werden. Selbst wenn man bedenkt, dass der Client (das Notebook) die erfassten Daten nur „durchleitet“, und der Server dann die Arbeit tut, ist doch die Frage, wie so etwas funktionieren soll.

Die fragwürdige Definition von Gefühlen

Auch eine der ältesten Fragen an die Computerintelligenz kommt wieder auf: Können Computer eigentlich Gefühle? Nein, können sie nicht. Und doch glaubten viele Menschen noch vor 20 Jahren, dass ein Primitiv-KI-Programm wie „Eliza“ sie „verstehen“ würde. Manche glauben es noch heute. Beim Thema wäre noch nachzulegen: Auch in der menschlichen Kommunikation ist es ausgesprochen schwer, festzustellen, ob man „wirklich verstanden“ wurde. Und wenn es um Gefühle geht, liegt die Chance, vollständig verstanden zu werden, im einstelligen Prozentbereich.(1) Lediglich die Chance, ein nichtssagendes "ich versteh dich sehr gut" zu hören, liegt im oberen zweistelligen Prozentbereich. (2)

Ein riesiger Chatbot mit Datenbank - was sonst?

Weil im Tatort-Krimi „KI“ von einem „Chatbot“ die Rede war und dieser etwas abfällig betrachtet wurde, hier ein Hinweis: Was ist denn ein Programm wie „Maria“ mehr als ein Chatbot? Hinter „Eliza“ standen nur ein paar Dutzend vorgefertigter Sätze. Und hinter modernen KI-Programmen steht eine riesige Datenbank, die ein „Gedächtnis“ hat und sich die Gesichter der Menschen merken kann. Die Software mag sogar in der Lage sein, am Tonfall und am Gesichtsausdruck Stimmungen zu erkennen. Aber selbst dies macht sie nicht „menschlicher“ – im Grunde ist alles so, wie es damals bei Eliza war – nur wesentlich moderner und vielfältiger. Sozusagen ein Luxus-Chatbot für alle Fälle.

Der Krimi selbst? Ohne die „KI“ wäre er eine absolut dürftige Geschichte gewesen, kaum wert, erzählt zu werden.


Hinweise:

(1) Der Wert tendiert gegen null, weil Gefühle weder vollkommen beschreibbar noch (analog) „nachfühlbar“ sind. Sie sind einfach zu kompliziert, um übermittelt zu werden – von „Verstehen“ kann da noch keine Rede sein.
(2) Ein Wert aus der Praxis von Selbsthilfe- und Selbsterfahrungsgruppen. Dabei tendierend die Mitglieder dazu, „Mitgefühl“ zu zeigen oder „gleiche Gefühle“ festzustellen, um einander zu bestärken. Im Alltag ist „ich verstehe dich sehr gut“ eher eine Abschottung, die schnell gesagt wird, um nichts „wirklich“ an sich heranlassen zu müssen.

Kompetenz: Ich war jahrelang IT-Organisator und habe auch menschliche Kommunikation unterrichtet.

Der Spreewald – im Herbst eine ruhige Attraktion

Eigenartige Lichteffekte im Herbst - Spreewald
Solltet ihr jemals in den Spreewald kommen, dann könnt ihr erwarten, durch den Wald zu schippern, oder euch schippern zu lassen. Was zu Wasser geht, geht auch zu Fuß: Spazieren gehen und wandern sind ebenfalls angesagt, nicht nur im eher „wilden“ Spreewald, sondern auch durchaus entlang der schön anlegten Spreeufer in den Städten.

Hübsche, saubere Städte - aber ungeeignet für Städtetourismus

Falls euch jemand etwas von schönen Städtchen erzählt hat: Ja, sie sind sauber und hübsch – die Region hat dank des Tourismus mehr Geld als andere Städte im Osten. Aber das war es auch schon. Wegen der Städte sollte man wirklich nicht hierher reisen – das tut auch kaum jemand. Jetzt, in der Nachsaison, ist es ohnehin eher ruhig – und dennoch kann man sich vorstellen, was hier in der Hauptsaison geschieht. Dann nämlich, wenn der Rubel so richtig rollte und die Menschen bei den Kähnen anstehen, um geschippert zu werden.

Raddusch ist ein Kleinod

Ich war in einem sehr ruhigen Ort – im Ortsteil Raddusch des Örtchens Vetschau. Der Platz kann empfohlen werden, weil er nicht so überlaufen ist, wie beispielsweise Burg im Spreewald, wo ein Touristenlokal in das nächste übergeht. Das Hotel am Radduscher Hafen ist durchaus empfehlenswert, wenn man ländliche touristische Maßstäbe anlegt. Die Zimmer sind eher von einfacher Art, bieten aber alles, was der Gast braucht – inklusive kostenlosem WLAN. Das Frühstück kann empfohlen werden, vor allem, wenn ihr deftige, regionale Kost liebt – die gibt es reichhaltig und in vielen Variationen. Die Betten halte ich hingegen für eher gewöhnungsbedürftig – aber das schieben wir mal auf die moderaten Preise für die Übernachtung. Am Service war nichts auszusetzen – alle sind hier wirklich überaus freundlich und zuvorkommend.

Regionale Küche bevorzugen

Regionale Speisen bevorzugen
Die Spreewald-Küche ist keinesfalls eine Gourmetküche, wie auf manchen Touristik-Seiten behauptet wird, sondern basiert auf Speisen der Region, die man durchaus probieren sollte. Der Ausdruck „Gourmetregion“ mag ja auf einzelne Lokale zutreffen, ist aber eher eine touristisch aufgemachte Übertreibung.

Wenn ich etwas anraten darf: Bestellt die Speisen der Region und der Jahreszeit, und lasst die Finger von den Experimenten der Küchenchefs. Ich aß beispielsweise ein Radduscher Gurkengulasch, das wirklich ausgezeichnet schmeckte, und kostete manche Süßspeise (Spreewälder Hefeplins) wie auch eine Kürbissuppe.

Insgesamt: Hinfahren und den Mainstream-Tourismus meiden. Regionale Besonderheiten würdigen, aber ihnen nicht nachlaufen. Und möglichst das essen, was in der Region erzeugt wird. Dann kann nichts schiefgehen.