Skip to content

Deutsche Bahn: nichts dazugelernt

Die Deutsche Bahn hat ein erschreckend miserables Gefühl für die Bedürfnisse "gestrandeter" Fahrgäste – und sie tut nichts dagegen. Offenbar nimmt sie hin, dass die Menschen wie die aufgescheuchten Hühner von Bahnsteig zu Bahnsteig rennen, bis sie feststellen: Da wartet gar kein Anschluss- oder Ersatzzug. Und genaue Auskünfte gibt es auch nicht.

Es ging so schön los: S-Bahn: pünktlich. ICE Leipzig-Manheim pünktlich. Jedenfalls fast, den seit Frankfurt hatte man Zeit verloren. Aber es gab eine frohe Botschaften, denn der Anschluss ICE würde warten – auf dem gegenüber liegenden Bahnsteig.

Nein, der wartete nicht. Weder auf dem gegenüberliegenden Bansteig noch sonst wo. Wie üblich, weiß kein Mensch irgendetwas Genaues. Ein Bahnbemützter wimmelt ab: Na klar, er fährt nur bis Karlsruhe, auf keinen Fall weiter. Der Mann ist entschuldigt, hat selber Verspätung mit seinem Zug. Die Deutsche Bahn? Ach, die fühlt sich gar nicht zuständig. Kommt doch täglich vor – was wollen denn diese gestrandeten Reisenden dauernd?

Nach ziemlich viel Webseiten-Gucken bei der Bahn fiel mir auf, dass ein um eine halbe Stunde verspäteter Zug ins schweizerische Chur genommen werden könnte. Glückliche Lösung, nur leider ist die erste Klasse so gut wie ausverkauft (die zweite Klasse sowieso, weiß der Deibel, warum). Na schön, da fand sich ein Platz in einem Sechser-Abteil, tatsächlich. Fünf IT-Leute verschiedener Nationalitäten, alle bei der Arbeit.

Doch zurück zur Bahn: Ungefähr auf der Höhe von Freiburg kam ein Zugbegleiter durch die Gänge, um zu sagen, dass dieser Zug voraussichtlich nur bis Basel fahren würde. (Was mir gleichgültig war – da wollte ich ja hin).

Zu den anderen Fahrgästen sagte er, was er wohl heimlich erhoffte: Ach, da würde sicher ein Ersatzzug in Basel gestellt und man solle auf weitere Informationen warten.

Der Zug wurde nicht gestellt. Irgendeine Frau erklärt kurz vor Basel kompliziert und sowohl auf deutsch wie auf englisch fast unverständlich, dass man irgendwelche Züge nehmen könne, die allerdings nicht auf der gleichen Strecke führen. Also kein Ersatzzug.

Ein beachtlicher Teil der Fahrgäste hatte auch in Basel-Bad (Badischer Bahnhof) noch nicht mitbekommen, dass der Zug nun verlassen werden musste. Der Bahn war es ganz offensichtlich scheißegal, dass die Fahrgäste nicht genau informiert wurden, wie es nun weitergehen könnte.

Es mag sein, dass einige von ihnen am Schalter der Deutschen Bahn eine bessere Auskunft bekamen. Aber, mal herhören, Bahn-Fuzzis: Eure Leute gehören in solchen Situationen auf den Bahnsteig! Und eure Informationspolitik ist einfach Müll.

Nein, das ist wirklich nicht neu. Es ist einfach beschämend für das Unternehmen „Deutsche Bahn“.

Micro-Cheating – wie dumm kann man als Leser sein?

Seit es soziale Netzwerke gibt, versuchen sich die Volks-Verdummer gegenseitig zu übertreffen. Das neuste Produkt einer angeblich auf Twitter begonnen Diskussion ist „Micro-Cheating“. Der Begriff ist schon vorn vornherein Bullshit, weil es keinen Makro-Betrug gibt. Wer seinen Partner „betrügt“, muss dabei schon physisch und heimlich zu Werk gehen, dann ist es „Fremdgehen“.

Über neue Medien an alte Medien - und dann geht alles wie von selbst

Die Wurzel des Wortes lässt sich nachverfolgen: Ein Online-Medium spricht am 15. August 2017 mit der australischen Erfolgstrainerin (1) Mel Schilling. Da das Medium von vielen Zeitungsredakteurinnen gelesen wird, kommt es bald in Kommentarblogs, und landet schließlich im März 2018 über „The Lily“ sogar in der „Washington Post“.

Ab diesem Zeitpunkt geht es dann um die ganze Welt. „Micro Cheating“ wurde geboren, verfestigt und über soziale Netzwerke weiterverbreitet. Dort einmal angekommen, haben es die Redakteurinnen und Redakteure von Frauen- und Männermagazinen zwischen den Fingern gedreht.

Belanglosigkeiten mit Hilfe der Presse aufblasen - offenbar kein Problem

Es ist – etwas völlig Belangloses. Wenn eine verheiratete Frau flirtet, beispielsweise. Oder ein verheirateter Blogger häufig mit einer ledigen Bloggerin kommuniziert, deren Stil er liebt. Natürlich hat Frau Schilling noch mehr gesagt, aber nichts davon geht über den Satz hinaus: „Pass auf, wenn er (sie?) einen Flirt hat, dann kann daraus auch mehr werden.“

Und das reicht heutzutage, um Botschaften in den hintersten Winkel der Welt zu senden und einen Namen populär zu machen? Arme Menschen, die darauf hereinfallen. Und armselige Medien, die es verbreiten.

(1) Ihre Webseite weist aus, dass sie eine Show auf Channel Nine hat, doch bezeichnet sie sich in erster Linie als Psychologin, Organisationsberaterin und Trainerin für Führungskräfte in der Wirtschaft.

Gebenedeite und Vermaledeite

In meiner Jugend hatte ich es nicht so mit dem Latein, weil mir Englisch viel näher stand. Und außerdem war ich der Meinung, dass es nicht unbedingt nötig sei, jeden Blödsinn zu verstehen, den die arroganten Fatzkes vor sich hin blubberten. Ja, wirklich, ich hielt manche Ausdrücke für blödsinnig, weil sie nicht zu meiner Kultur gehörten. Irgendwann (ich war wohl 27 oder so) benutzte jemand das Wort „Gebenedeit“ in einem Vortrag.

Wenn ich so ein Wort hörte, habe ich manchmal nachgefragt und ich bekam die etwas entrüstete Antwort: „Was, das weißt du nicht? Hast du nie vorn der „gebenedeiten unter den Frauen“ gehört? Nein, hatte ich nicht. Ich war nie Katholik und die Marienkultur ist für mich so eine Art Märchenbuch.

Gut, es war auch Luthers Sprache, wie ich las:
gott gebenedeiet dich zeitlich und ewiglich


Woraus ich unschwer ableiten konnte: „Ge“ wird dem (inzwischen erlernten) lateinischen „bene“ kombiniert und das „dicere“ wurde einfach eingedeutscht. Ursprünglich also eine Lobpreisung.

Male und Bene

Wo ein „Bene“ ist, ist auch ein „Male“, und das Wort „vermaledeit“ gilt ohnehin als Gegenteil. „Ge“ als Vorsilbe geht nicht, also muss „Ver“ her, das „Male“ kennt der Kaufmann vom Malus, und schon wird alles mit „dicere“ vermaledeit. Oder um an der Quelle zu bleiben:

so folgen wir dem alten und gewöhnlichen brauch und verbannen und vermaledeyen ... allerley ketzer.


Heutiger Gebrauch der Worte

Also: Gebenedeit auf Deutsch: Gesegnet (ursprünglich auch gelobt, gepriesen). Vermaledeit auf Deutsch: Verflucht.

Der heutige Gebrauch: Gebenedeit nur noch in der Kirchensprache, Vermaledeit nur noch selten in der Umgangssprache, wenn jemand den Fluch mit Humor verbindet.

Mir half: Wörterbuchnetz

SPD-Duo: Was wollen die da vorne eigentlich?

Das erste, was ich gestern Abend nach der Präsentation des „Spitzenduos“ der SPD dachte, war: Wer kennt die eigentlich? Gut, diejenigen, die sie gewählt haben, werden gekannt haben. Und dann habe ich sie mit genau angeguckt: So sieht also Deutschlands Zukunft aus … und dann dachte ich: ja, so sah Deutschlands Vergangenheit mal aus.

Die Menschen, die da auf der Bühne standen, als kämen sie aus Zeiten, an die selbst ich mich kaum noch erinnere, heißen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

Keine Ausstrahlung, keine Ideen, keine Pläne, keine Zukunft

Über ihnen beiden steht, wie man deutlich merken kann: keine Ausstrahlung. Die ZEIT merkte an, dass beide auch keine Ideen für die Zukunft hätten. Aber warum sollte man auch solche Idee haben? Menschen mit Zukunftsideen sind doch in der SPD gar nicht mehr gefragt, es sei denn, es handele sich um sozialistische Traumtänzer.

Keine Ideen, Planlosigkeit, Vergangenheitsorientiertheit: Das ist der typische „linke“ Flügel der SPD. HARZT IV war falsch? Mag ja sein. Aber wo liegen die Alternativen, und wer will sie womit finanzieren? Immer mehr Griffe in die Rentenkasse statt einer Rentenreform?

Personen ohne Mut aus der zweiten Reihe?

Das Hauptproblem sind freilich die Personen. Die Sozialdemokratie hat sich völlig verschätzt mit ihren angeblichen Stars, und dieser Tage entscheiden sich ihre Mitglieder abermals für die zweite (wirklich nur die zweite?) Wahl zur Wahl. Und genau die scheint für die Genossen offenbar die beste Wahl zu sein.

Die FAZ schreibt eine einem Kommentar:

Das langwierige und teure Verfahren, das die Partei damit nach dem Rücktritt von Andrea Nahles gewählt hat, hat den Sozialdemokraten allerdings überhaupt nichts gebracht. Weder haben sich bisher die Wahlergebnisse verbessert, noch ist ein Ruck durch die SPD gegangen.


Flickwerk für die Zukunft trotz der Erfolge in der Groko

Ich denke, der Ruck wird nicht mehr kommen. Die SPD ist als Volkspartei am Ende – und nicht nur wegen der Groko, sondern durchaus auch trotz der Groko. Sie verliert, weil sie kein personelles Profil zeigen will und auch keine Ideen und Pläne vorweisen kann, wohin Deutschlands Zukunft führen soll. Ein bisschen bei den Grünen mausen (Klima) ein bisschen bei der Linkspartei (Mindestlohn) – das ist kein Konzept, sondern Flickwerk.

Die SPD tritt immer noch so auf, als sie sie der Hort der Gerechtigkeit und des Fortschritts. Es wird Zeit, dass diese Wahnvorstellung durch erkennbare Pläne zur Gestaltung der Zukunft ersetzt werden, und von Personen vertreten wird, die diese auch durchsetzen können. Möglicherweise ist es dafür allerdings längst zu spät.

Mieten – objektiv

Die Wochenzeitung die ZEIT veröffentlichte gerade einen Artikel, in dem die Wohnsituation in Deutschland anhand der Mietpreise beleuchtet wird.

Die Erkenntnisse sind nicht neu – Großstädte, deren Speckgürtel sowie Anrainer an Grenzen zu ebenfalls wohlhabenden Ländern und beliebte Küstenregionen sind die Spitzenreiter.

Im Osten sind die Mieten wirklich niedrig

Obgleich es auch im „alten“ Westen noch günstige Regionen gibt, werden im Osten die niedrigsten Mieten gefordert und gezahlt. Zwischen knapp vier und sechs Euro pro Quadratmeter können dort in der Fläche erzielt werden. In meiner Region liegt die Kaltmiete bei ungefähr fünf Euro. Viele Altbauwohnungen werden aber nach wie vor zu wesentlich günstigeren Preisen angeboten.

Die nächste Großstadt ist 40 Km (Luftlinie) oder 53 km (Straße) entfernt. Ich denke, ein Bewohner des "Mittleren Neckarraums" würde über solche Konditionen Bauklötze staunen.