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Tatort – der Schwabe und der Stau

Der Blick ins Tal ist ziemlich schick – doch für die Autofahrer ist die Weinsteige in Stuttgart immer wieder eine Herausforderung, vor allem im Winter. Nun, diesmal war’s nicht Winter, und die Tatort-Kommissare suchen nach einem Täter, der kurz zuvor ein junges Mädchen so angefahren hat, dass sie auf einen Stein aufschlug und starb. Der tragische Tod soll nun schnell aufgeklärt werden: Täter oder Täterin müssen noch irgendwo im Stau stecken, denn es führt kein anderer Weg nach Stuttgart.

Im Grunde kommen nur wenige Menschen als Täter infrage, weil ja alle noch in ihren Autos sitzen . Doch die verrätersichen Stoßstangen waren offenbar schlecht zu sehen – zumal die Täterin zuvor einen weiteren minimalen Unfall verursachte.

Mit eben jener Täterin könnte man beinahe Mitleid haben, und den besten Satz fand ich dazu in der ZEIT:

Im finalen Zeitdruck ermittelt … Lannert (der Kommissar) die Täterin, eine junge, gestresste Mutter … durch investigatives Angucken.


Eigentlich war der Kommissar dabei eher als Gewissensflüsterer tätig, und das war wiederum einer der Höhepunkte des Films, der fast ohne konkrete Handlung auskam. Skurrile Situationen gaben dem Film von vornherein ein wenig Würze, und der Schwabe als solcher (insbesondere der Stuttgarter) wurde treffend charakterisiert und auch häufiger mal durch den Kakao gezogen.

Der Film zeigt: Es geht auch ohne Mord und Verbrecherjagd zu Fuß, aber mit viel Humor.

Bibi, Baba, Ebola

Irgendwie passte in diesem Tatort „Virus“ gar nichts: Der Humor passte nicht zu Ebola, der Anfang nicht zum Ende, und überhaupt war mal wieder Gähnen angesagt. Bibi ringt mit Eisner, bisweilen mit sich selbst und hört schließlich gefesselt die Beichte des Eigentlich-nicht-Mörders an. Derweil macht ein Herr Rottensteiner von der Gesundheitsbehörde ganz Österreich verrückt – mit Abstand das Lustigste, was der Film zu bieten hatte. Hätte in eine Komödie gepasst.

Handlung gab es auch – aber viel zu wenig. Und Spannung? Wer’s war, war eh egal. Oder interessierte dies zur Mitte des Films noch irgendjemanden? Mich nicht.

Männer sind alle kaputt …

Männer sind alle kaputt. Entweder ausgebrannt oder gefrustet oder gewalttätig. Resultat? Entweder Drogen oder Suff oder Mord. Wo ich das gelernt habe? Beim Kieler Tatort „Borowski und das Fest des Nordens“.

Darüber kann man philosophieren, wie etwa Verena Maria Dittrich. Sie glaubt in dem Film „die Entkopplung des Miteinanders“ gefunden zu haben, und sagt, dass dieser Umstand „im Laufe der Zeit auch die Gesellschaft zersetzt.“

Na denn – fehlt nur noch die Schuldzuweisung.

Babbeldasch – zu viel für die deutschen Fernsehkritiker?

Die Idee war gar nicht schlecht: Lasst Menschen mal reden, wie Menschen reden, wenn sie keine auswendig gelernten Texte abspulen müssen. Denn klar: Die „Vermenschlichung“ im Tatort war seit ihrem ersten Auftreten immer so verkünstelt, dass sie so wirkte, als würden Contentschreiber Belanglosigkeiten aneinanderreihen.

Ganz gelungen war’s dennoch nicht, dieser Tatort: Der Humor kam nicht recht durch, die Spannung auch nicht. Dabei war die Geschichte irgendwie anders und hätte durchaus etwas werden können: Zwei alte Männer buhlen seit Jahren irgendwie um eine ebenfalls nicht mehr ganz junge Frau- das mag Charme haben. Nur leider gibt’s da wieder ein Klischee, das sattsam bekannt ist, nämlich um eine Vaterschaft. Und die Frau, die jetzt den Theaterkarren wieder flottmachen sollte, wirkt viel zu blass, um glaubwürdig zu sein. Dafür kann sie aber offenbar so fest boxen, dass ihr Pseudo-Papa sogleich umfällt und klischeehaft auf eine Kante fällt, bevor er sein Leben aushaucht. Das hat man nun schon ein paar Dutzend Mal gesehen. Ne, das war kein Mord – das war Pipifax aus einem schlechten Konzept.

Die Kritiker waren jedenfalls ausreichend verwirrt. Was wieder einmal zeigt, dass sie immer noch das alte Puschenkino mit effektvollen Morden und Belehrungspotenzial wollen. Mit anderen Worten: Sie wollen keine Änderungen, sonst würde sich ja vielleicht herausstellen, dass sie Hampelmänner und keine Kritiker sind.

Der moderne Krimi: Was los ist immer

Falls Sie mich mal fragen sollten, warum ich kaum noch den „Tatort“ ansehe und auch andere Krimis überwiegend abgähne, dann antworte ich demnächst mit einem Zitat aus der ZEIT:

Es ist immer was los, aber eigentlich passiert nichts.


Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass Köpfe im Auto zu sehen sind, die Dummsprüche labern, und dass jeder Kommissar Probleme mit den Angehörigen hat, die im Drehbuch immer mehr Raum einnehmen. Eingestreute Familienschnulzen, gerne mit Kindern, meist einige Männerfreundschaften, dann und wann eins schräger Junggeselle. Da muss der Drehbuchschreiber dann aufpassen, dass dieser Kommissar nicht zu oft irgendwelche attraktiven tatverdächtigen Frauen vögelt – oder wenigsten andeuten, dass dies hätte passieren können.

Na schön – Mä, mä, Mä, Märchen. Kopf vollpflastern mit einer Mischung aus Kitsch, hingequasselten Dummheiten und natürlich ein paar Toten und vielen, vielen höchst verdächtigen Personen, die wie Kasperfiguren vorgeführt werden.

Und das gilt sicher nicht nur für den TATORT.

Ob ich es besser könnte? Um Himmels willen. Lassen Sie mich doch bitte um TV-Entertainment in Ruhe.