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Wieso sollten Sie sich (nicht) für Psychologie interessieren?

In unseren Genen ist keine Trennung von Körper, Geist und Psyche vorgesehen. Da alles aus der Natur entstanden ist, ist auch alles Natur. Allerdings hat sich unser Gehirn rasant entwickelt und kann etwas, das andere Lebewesen nicht können: Sich selbst zu erkennen.

Warum es kompliziert ist, sich selbst zu erkennen

Leider hat die Evolution dazu allerdings ein kompliziertes Gebilde zur Verarbeitung von Eindrücken entwickelt, das nicht in erster Linie auf Selbsterkenntnis ausgerichtet ist, sondern daraus, mit der Welt zu kommunizieren. Jeder Handgriff, den Sie als Handwerker tun, ist ein Ergebnis einer Rückkoppelung mit dem, was die Materialen ihnen „sagen“. Kommunikation geht also viel weiter als das, was wir als „miteinander reden“ kennen.

Die Denk-Maschine ist nicht auf Selbstbespiegelung programmiert

Nein, die uns mitgegebene Denk-Maschine ist nicht sonderlich dafür geeignet, uns selbst zu interpretieren. Wir haben eins Mythen, Volksglauben, Religion und dergleichen erfunden, um eine Art „kollektives Selbstverständnis“ vom Menschensein zu beschreiben.

So weit, so gut. Oder eben nicht. Denn die Religionen und Weltanschauungen funktionieren nicht für alles, was wir empfinden. Sie wirken aufgesetzt, unpersönlich und (zumindest in Teilen) weltfremd. Selbst im 20. Jahrhundert ist es keiner Wissenschaft gelungen, die dem Menschsein innewohnende Dynamik oder die Kybernetik des Seins mit einem festgelegten Weltbild in Einklang zu bringen.

Das Versagen der Psycho-Branche - und die Chancen, die sie bietet

Die Psychoanalyse hat es mehrfach versucht, aber sie erkennt die Dynamik des Wandels nicht an. Grob gesagt: Ist eine Persönlichkeit mal in dieser oder jener Weise geprägt, gesichert oder verkorkst, so handelt sie aus diesem Fundus heraus. Zwar behauptet die Psychotherapie, an der „Verkorksung“ etwas ändern zu können, sie behauptet aber standhaft, dass sich die „gestandene“, intakte Persönlichkeit kaum verändert. Wie man in der Schule wohl lernt, hat ein gewisser Sigmund Freud das ICH, sogar in drei Teile aufgeteilt: das ICH, das ES und das ÜBER-ICH. Aber Herr Freud kannte kein „Du“ und kein „Wir“. Er konnte und wollte sich nicht vorstellen, dass wir einen Teil der Welt so weit verinnerlichen müssen, um mit ihr zu kommunizieren. Man kann sogar sagen: Die wesentlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir heute als dynamische Prozesse kennen (und die ursprünglich aus der Kybernetik stammen), sind an der Psycho-Branche vorbeigerauscht.

Ja und nun? Sollten wir die Psychologie und die Erklärungen der Psychoanalytiker ignorieren?

Wie und warum ist Psychologie für uns dennoch wichtig?

Keinesfalls. Uns selbst zu ernennen, ist ein sinnliches und geistiges Abenteuer, vor allem dann, wenn wir Widersprüche aushalten. Und es ist eben auch ein Seiltanz – was wissen wir von uns? Was könnten wir über und wissen, was noch verborgen ist? Können andere uns dabei helfen, uns selbst zu erkennen? Können wir dem trauen, was andere über uns wissen wollen oder in uns „hineininterpretieren“?

Die Fragen sind berechtigt – allesamt. Viele Einrichtungen, unter andern auch ein paar ausgesprochen fragwürdige, wollen uns manipulieren, indem sie uns interpretieren. Sie sagen dazu Sätze, die sinngemäß wie dieser klingen:

Sie können mit Ihrem Laienverstand gar nicht wissen, wer sie sind – wir aber können es aufgrund unserer Weisheit.


Das sagen sie sogar, wenn Sie irgendeinen windigen Persönlichkeitstest ausgefüllt haben. In Wahrheit wissen diese Leute gar nichts – so wenig wie Sie selbst, wenn Sie sich nie mit Ihrer Persönlichkeit beschäftigt haben.

Nutzen: Sinnvolle, offene Gespräche mit uneigennützigen Menschen

Was wirklich sinnvoll ist: Häufig offen mit anderen Menschen zu sprechen, die von Ihnen in keiner Weise profitieren wollen. Das kann jeder sein, und es kann auch ein Psychotherapeut sein. Gute Psychotherapeuten haben nur ein Ziel: das aus Ihnen herauszulocken, was sie wirklich bewegt oder stört. Sie bemühen sich, ihre Selbsterkenntnis zu aktivieren oder zu fördern. Das kann ein relativ kurzer oder auch ein längerer Prozess sein.

Wenn Sie sich wirklich für Psychologie interessieren, dann beginnen Sie bei sich selbst. Untersuchen Sie ihre Kommunikation, klären Sie ihre Widersprüche. Stehen Sie zu Ihren Untiefen und Schwächen, aber besinnen Sie sich auch darauf, ihre starken und positiven Seiten hervorzuheben.

Dieser Artikel wird auch in anderen meiner Medien veröffentlicht.

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 4. Teil (und Ende)

Mächtige Thesen - nichts dahinter. Wissenschaftler, die kein Wissen schaffen, verdummen das Volk mit unhaltbaren Thesen über die Partnerwahl. Langsam näheren wir uns der Wahrheit, und die heißt: Wenn wenig vorhanden ist, stört der Mangel, und wenn viel vorhanden ist, stört der Überfluss. Eigentlich sollte dies jedes Kind wissen. Man nennt es "Marktgeschehen". Das Problem dabei: der moderne Partnermarkt ist schwer zu überblicken.

Das haben Wissenschaftler vergessen: Der Markt hat Priorität

Was nicht am Markt ist, kann nicht erwoben werden. Das gilt auch für den Heiratsmarkt. Diese einfache These wird nirgendwo in der sogenannten „Wissenschaft“ (1) berücksichtigt, aber sie ist die plausibelste These überhaupt, zumal sie logisch nicht zu widerlegen ist. Dennoch ergeben sich auch aus dieser Theorie Fragen, die allerdings erst in jüngster Zeit relevant wurden.

1. Der regionale Markt – klein und überschaubar, aber wenn er erschöpft ist, gibt es niemanden mehr.
2. Der Restemarkt (bis ins 20. Jahrhundert hinein): Die „Übrig gebliebenen“ oder Verwitweten mussten sich einen neuen Markt suchen und dabei Vermittler einschalten oder annoncieren. Der Markt war zwar vorhanden, aber sehr begrenzt.
3. Der globale Markt (ab 21. Jahrhundert). Der globale (oder wenigstens überregionale) Markt steht jedem offen. Er ist überreich bestückt.

Das Problem dabei: Jedes Bauermädchen und jede Bürgertochter kannte sich mit dem regionalen Markt aus, während der Restemarkt Gesetzen folgte, die von den meisten nicht beherrscht wurden. Das hat sich inzwischen verschärft: Der globale Markt erfordert Kenntnisse – sowohl im Käuferverhalten wie auch im Verkäuferverhalten. Es zeigt sich immer mehr, das mindestens die Hälfte der Partnersuchenden davon überfordert ist.

Fazit: Die Marktthese trifft zwar vollständig zu, aber der Markt wird umso unübersichtlicher, je größer und unspezifischer er ist. Heute sind bereits erhebliche Verwerfungen erkennbar. Und dennoch: Am Markt wird genommen, was unter ökonomischen Bedingungen (pekuniäre, soziale und emotionale Einkommen) vertretbar ist.

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.

Psychoanalytiker als Welterklärer?

Psychoanalytiker können in öffentlichen Stellungnahmen alles erklären. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie immer wieder die gleichen Sprüche ablassen, die sie einmal erlernt haben und von deren Glaubwürdigkeit sie überzeugt sind. Das hat mit Psychoanalyse zwar nichts zu tun, schmückt aber unheimlich – wer kann schon die ganze Welt erklären, und das noch so „klug“?

Vielleicht sollte man manchen Psychoanalytikern einmal sagen, was Analyse bedeutet. Man muss dazu den Gegenstand der Untersuchung erfassen und in so viele sinnvolle Elemente zerlegen, dass sich daraus Kriterien ergeben. Diese können dann geordnet, untersucht und am Ende bewertet werden, wobei man außerordentlich klug vorgehen muss, um das Ganze nicht im Detail untergehen zu lassen. Am Ende mag es unterschiedliche Bewertungen geben – das ist aber nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich alle relevanten Elemente benannt werden konnten.

Ansonsten gilt das alte Prinzip der Datenverarbeitung: Gibst du Scheiße ein, kommt Scheiße raus. Oder eben Beurteilungen, für die nicht genügend Material gesammelt wurde.