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Was uns seitens der Zeitungsverleger droht

Morgens bringt der MDR in den Acht-Uhr-Nachrichten, die „Funke Medien Gruppe“ „prüfe eine totale Umstellung auf digitale Zeitungen“, jedenfalls mittelfristig.

Am nächsten Tag ruderte deren Presssprecher, Tobias Korenke, dann zurück und versteckte sich hinter der Behauptung „Falsch verstanden worden zu sein.“

Unabhängig von der Funke-Gruppe versuchen immer mehr andere Tageszeitungen, mit reißerischen Titeln und fragwürdigen Inhalten Leser anzulocken, vor allem über News-Dienste. Ruft man dann die Seite auf, will man dem Interessenten ein Abo verkaufen – erst dann kommt der Leser in den zweifelhaften „Genuss“ der Artikel, sie sich meist als „minder wertvoll“ erweisen, um es mal höflich auszudrücken. Man nutzt also die Neugierde, um mit den Mitteln der Boulevard-Presse Nichtigkeiten zu vermarkten.

Fragt sich, ob sich das auszahlt. Das EU-Recht wird demnächst verschärft: Dienste, die bisher Kurz-Nachrichten verbreiteten, sollen nach Informationen aus der EU besonders betroffen sein (Zitat):

Ein weiterer Streitpunkt ist das Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Tritt es in Kraft, müssten Internetdienste wie Google News oder Twitter die Erlaubnis von Verlagen einholen, um Überschriften und kleine Ausschnitte aus Presseartikeln verbreiten zu dürfen. Eventuell müssten die Internetportale sogar für die Verwendung zahlen.


Fragt sich, wie die Verleger geschafft haben, dies bei der EU durchzudrücken. Und insbesondere, wie denn die Presse- und Informationsfreiheit gewahr werden soll, wenn Inhalte nur noch „Abonnenten“ zugänglich sein werden? Und darüber hinaus: Die Bösewichte, die jeden Tag bewusst Horror- und Falschmeldungen verbreiten, werden sich freuen, wenn die deutschen Verleger den freien Zugang zu ihren Medien unter Hinweis auf Abonnements, Urheberrecht und dergleichen verhindern.

Müssen wir in Zukunft auf Zitate verzichten?

Namhafte Lobbyisten, so erfahre ich im Spiegel Online, hätten im EU-Parlament dafür gesorgt, dass voraussichtlich ein neues „Leistungsschutzrecht“ etabliert wird.

Demnach soll es Online-Medien nicht mehr möglich sein, „Ausschnitte von Pressetexten“ zu veröffentlichen.

Schon jetzt haben die „üblichen Verdächtigen“, allesamt mächtige Medienkonzerne, einen Teil ihre Artikel mit Werbung verdeckt, unkenntlich gemacht oder das Lesen in anderer Weise verunmöglicht. Dadurch ist – zumindest nach meiner Auffassung – die Presse- und Informationsfreiheit in Europa nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet.

Die einzige Lösung: Nicht mehr aus den Medien zu zitieren und damit die ohnehin übermächtigen Meinungsmacher aus den bekannten Medienhäusern zu ignorieren. Es wäre doch dumm von den freien Journalisten und Blog-Betreibern, wenn sie auch noch Werbung für diejenigen machen würden, denen es nur noch ums Geld geht.

Und damit das ganz klar ist: Ich bin weder gegen das Urheberrecht noch dagegen, das geistige Eigentum zu schützen. Ich bin nur dagegen, dass die Mächtigen der Branche immer mächtiger werden und Meinungsmonopole aufbauen, die den „kleinen“ schaden und sie letztendlich von der Informationsfreiheit abhängen.

Zusätzlich noch ein Hinweis: Wenn ich lese, wie viele Presserzeugnisse Satz für Satz aus britischen Zeitungen abschreiben, um sie übersetzt und leicht umgeschrieben wieder in ihre eigenen Zeitungen zu übernehmen, dann frage ich mich, wie sie es selbst mit dem Urheberrecht halten.

Liberal wird immer wichtiger – demokratisch alleine reicht nicht

Selbstverständlich bin ich Demokrat, und doch plädiere ich im Zweifel für die liberale Einstellung.

Für die meisten Deutschen ist der liberale Staat identisch mit dem demokratischen Staat. Doch die Achillesferse des demokratischen Staates ist die fehlende politische Bildung, aber auch die Gleichgültigkeit gegenüber der Demokratie als solche.

Wenn die Demokratie nur noch so heißt, in Wahrheit aber ständig bürgerliche Freiheiten beschnitten werden, dann ist eine Reparatur schwer, wenn nicht gar unmöglich. Die Türen zur Pressefreiheit sind in vielen sogenannten „Demokratien“ schon verschlossen – und zwar auch in solchen, in denen sie zuvor offen standen. Sich in der Freiheit in die Unfreiheit wählen – das ist möglich, und es wird auch getan.

Und weil dies verhindert werden muss, ist Liberalismus heute wichtiger als jemals zuvor.

Springers Informationsfreiheit

Bild Screenshot - dann eben danke schön ...
Zitat auf einer Webseite der BILD-Zeitung:

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Und wenn ich's nicht tue? Dann werde ich von Informationen ausgeschlossen.

Nun, auf diese Informationen kann ich notfalls sch... dankend verzichten.

Die tägliche Zeitung

Der Tag beginnt mit der verspäteten Zustellung meiner abonnierten Zeitung. Verzeihbar, es ist Urlaubszeit. Und ich denke: anderwärts, sogar in einem Teil der EU, gibt es kaum noch eine freie Presse.

Und also lese ich täglich ein wenig in meiner Zeitung, auch wenn ihre Bedeutung marginal ist und ich allenthalben auf Sommerlöcher stoße.