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Trump-Orakel überall

Im Moment haben die politischen Kartenschläger, Glaskugelgucker und Astrologen ihre Sternstunde: Jeder darf mal prognostizieren, was Mr. Trump will. Und da wird jedes Sandkörnchen an Mr. Trumps Schuhen zu einem Universum der Spekulationen.

Das wird auffällig, wie … und da sahen wir doch, dass … und er bedroht dies und er glaubt nicht an jenes. Und so weiter, und so weiter.

Liebe Journalisten, tut uns allen bitte einen Gefallen: Redet über etwas, wenn ihr etwas wisst, und haltet ansonsten euer selbstgefälliges Maul. Und hört auf, diesen unendlichen Bullshit zusammenzuschreiben und zusammenzustottern, wenn ihr nicht wisst. Ihr verängstigt mit eurem dümmlichen Geschrei die Menschheit. Trump wird Präsident der USA. Punkt. Und bevor er da nicht irgendetwas bewirkt hat: Gebt mal eure billigen Wahrsagekarten dahin zurück, wo ihr sie hergenommen habt.

Warum eigentlich Frauen?

Warum wollen Sie eigentlich Frauen in der Politik?

Niemand verwehrt einer Frau, sich für ein Amt, ein Mandat oder eine Aufgabe in der Wirtschaft zu bewerben. Langfristig betrachtet – und dafür gibt es genügend Beispiele – sind Frauen in Führungspositionen so umstritten wie Männer.

Warum also sollte Hillary Clinton die bessere Präsidentin gewesen sein? Mir geht die Frage nicht aus dem Kopf, warum so viele Menschen glauben, Frauen seien in Führungspositionen so viel bessere Kanidaten als Männer. Haben sie es jemals bewiesen? Nein. Aber es gibt auch keinen Gegenbeweis. In Deutschland versucht Angela Merkel weiterhin, eine Variante von Kohls „Aussitzpolitik“ zu verkaufen, was ihr immer mehr zum Verhängnis wird. Gibt es überhaupt ein „feminines Verhältnis zur Macht“, das sich vom allgemeinen Umgang mit der Macht unterscheidet?

Ach, Gutmenschen, Quotenfrauen, Feministinnen und Möchtegern-Machthaberinnen: Verschont uns doch bitte mit der Behauptung, Frauen seien die besseren Präsidenten, Kanzler, Ministerpräsidenten, Minister oder Manager.

Ich wäre euch dankbar, wirklich.

Die deutsche Kanzlerin und Mr. Trump

Da wundern sich Journalisten doch tatsächlich, wenn die deutsche Kanzlerin dem US-amerikanischen Präsidenten Bedingungen für die Zusammenarbeit nennt. Selbstverständliche Bedingungen, wie ich beifügen muss. Zitat:

Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.


Ja, wer denn sonst? Europa verkennt oft, wie wichtig der „alte Kontinent“ für alle ist – in Ost und West. Und Deutschland eignet sich hervorragend als Vermittler – zumal, falls die Briten eines Tages wirklich „hart aussteigen“ und daher zu einem vernachlässigbaren Faktor in Europa werden.

Und abgesehen davon – die Werte „Demokratie, Respekt vor dem Recht sowie der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“ sind eigentlich selbstverständlich – sogar für Trump.

Ich habe dieser Tage zahlreiche Stellungnahmen gelesen, die aus anderen Teilen der Welt kommen. Was wird beispielsweise aus dem Dauerkrisenherd Nahost? Was wird aus den Ländern Afrikas? Selbst China ist extrem verunsichert, und die Sicherheit Putins ist nur gespielt, denn auch er weiß nicht, was der neue Präsident für seine Nation und für die Welt erbringen wird.

Trump findet eine gespaltene Nation und eine geschwätzige Welt vor. Er wird bald erfahren, was Fakten in der Politik bedeuten. Und auch er wird an der Globalisierung nicht vorbeikommen. Die Vision, in den USA Produkte herzustellen, die jetzt noch aus China kommen, scheitert an dem berühmten „kleinen Mann“, dem amerikanischen Arbeiter. Er wird keine teuren und lohnintensiven US-Produkte kaufen, wenn er preiswerte Chinaprodukte kaufen kann.

Donald Trump ist eine „Blackbox“, meint die Kanzlerin. Wer weiß, was das ist, weiß auch, wie man einer solchen Box „beikommt“: Man beobachtet das, was rauskommt. Und da sind wir ja alle mal gespannt.

Sex, Politik, Feminismus und Objektivität

Nein ist nicht nur nein und ja ist keine Freikarte - Dialoge sind nötig, wenn es um Sex geht
Immer ganz ausgezeichnet und lobenswert für objektive Berichterstattung und differenzierte Meinungsbilder: die NZZ, die „Neue Zürcher Zeitung“.

Hier wird in einem sehr langen, ausführlichen Artikel gesagt, wie sich die Geschlechterrollen verändert haben – und warum es dadurch schwieriger geworden ist, das Verhalten anderer richtig zu deuten.

Ja, Sex hat etwas mit Politik zu tun – aber was wirklich „sozial korrekt ist“, muss neu definiert werden – da hilft weder Frau Knigge noch Frau Schwarzer weiter. Das Einzige, was hilft, sind gesellschaftliche Dialoge – möglichst außerhalb von Facebook und Twitter, wo die Hyänen und Geier schon darauf warten, jede objektive Diskussion zu vereinnahmen.

Postfaktisch – die Eliten predigen den Dummen Unsinn

fakt oder gefühl?
Postfaktisch“, erklärt uns Wikipedia, bezeichne eine „Epoche“, „in der sich die Menschen angeblich nicht allein mit Fakten beeindrucken lassen wollen.“

Beeindruckend, nicht wahr? Und was wollen sie? Sie wollen ihre eigenen Gefühle sprechen lassen. Das „Nachtatsächliche Zeitalter“ setzt stattdessen angeblich auf Gefühle, und zwar auf keine guten Gefühle. Und natürlich ist es kein Zeitalter, sondern eine relativ dreiste Behauptung über eine Tendenz, die möglicherweise gar nicht existiert.

Gab es ein „faktisches“ Zeitalter?

Haben sich „die Menschen“ jemals auf Tatsachen berufen, wenn sie geliebt haben oder gehasst haben, geknechtet wurden oder die Herrschaft gewannen? Und um mal auf das Restvolk des „Real Existierenden Sozialismus“ zu kommen: Wies ist denn dieses DDR-Volk mit Tatsachen umgegangen? Will da wirklich jemand heute ernsthaft von „postfaktisch“ sprechen? Nein, das ist kein Vorwurf an die Menschen der Ex-DDR, sondern an alle, die den Ausdruck verwenden.

Und die "Wissensgesellschaft"?

Da wäre noch die angebliche „Wissensgesellschaft“ – auch so ein Dummwort. In Wahrheit verfügten damals (sagen wir mal um 1960 bis 1990) sehr wenige Menschen über ein wirklich fundiertes, zutreffendes Wissen, und sie haben sich dann zu Eliten erhoben, die das (wenige und meist veraltete) Wissen zu Standards aufmotzten.

Neidische Eliten?

Irgendwie, so scheint mir, sind die alten Eliten ein bisschen neidisch auf all jene, die nun Google haben und sich das einst elitäre Wissen mit ein paar Mausklicks aneignen können. Dazu benötigt man natürlich ein bisschen mehr als Suchmaschinenkenntnisse, aber es ist dennoch deutlich einfacher und jedermann zugänglich.


Und wie war das nun mit „Postfaktisch“? Nein, kein Postpacktisch, wie er in jetzt in der Filiale eines Lebensmittelhändlers steht. Das Wort heißt „postfaktisch“ – wirklich. Und es wird von den alten Eliten benutzt, um dem Bildungsbürger (und dem Dummen) die Welt zu erklären.

Na ja, ich zitiere mal die NZZ und ihren Kolumnisten Eduard Kaeser. Dabei kommt der Frust der Eliten über das verloren gegangene Wissensprivileg bestens heraus (Zitat):

Bewirtschaftung von Launen: Das ist die politische Verlockung des postfaktischen Zeitalters. Ihr kommt die Internetgesellschaft als «Nichtwissenwollengesellschaft» entgegen. Wir fragen nicht, wie man objektives Wissen gewinnt und wie es begründet ist. Wir googeln. Wir haben die Suchmaschine bereits dermassen internalisiert, dass wir Wissen und Googeln gleichsetzen.


Die Suche nach der „reinen Wahrheit“, also nach dem „überprüfbar Faktischen“ ist so schwierig, dass sie nicht nur das Volk gelegentlich überfordert, sondern leider auch die Wissenschaftler. Das mag einen Physiker nicht sonderlich tangieren, einen Soziologen oder Psychologen aber schon. Diese Leute arbeiten immer mit waghalsigen Hypothesen, und leider wird bis heute jeder Schrott veröffentlicht. Und weil das Volk „die Wissenschaft“ als Ganzes ansieht, misstraut sie dem, was von Journalisten darüber verbreitet wird. Und sie Misstrauen (mit Fug und Recht) auch der „Bullshit-Geselslchaft“, die lachhafte Mantras ins Volk schleudert.

Da kann man beklagen, dass dieses Volk so empfänglich für negative Emotionen, dummdreiste Behauptungen oder den Blödsinn ist, den uns Ideologen von rechts (und natürlich auch von links) ständig vermitteln wollen.

Sicher – und man sollte es auch beklagen. Aber nicht mit neuer Verblödung beginnen, wenn man es tut. Und „postfaktisch“ ist Volksverblödung.