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Die positive Pandemie und anderer Unsinn

Macht euch nicht zum Affen - genießt es, den Lebensweg selbst festzulegen
Was kann an einer Pandemie „positiv“ sein? Die Konservativen sagen es noch hinter vorgehaltener Hand, aber dennoch ziemlich deutlich. Denn ihnen stinkt alles, was heute abgeht: Viel zu liberal, viel zu freizügig.

Das Kennenlernen für die Liebe ist gefährlich - und das soll positiv sein?

Der Konservative freut sich beispielsweise wie ein Schneekönig, wenn es gefährlich ist, einander kennenzulernen. Oha! Der Umgang mit Fremden war noch nie risikolos, der intime Umgang mit ihnen sogar sehr risikoreich. Man denke nur an die „sexuell übertragbaren Krankheiten“, auch an die vor HIV.

Kurz: Die alten Zeiten müssen wieder her - wie war das noch?

„Wir tanzen wieder Polka, wie früher Tante Olga?“

Ein hopsasa! Da war die Welt noch in Ordnung! Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als Frauen noch keusch und züchtig waren? Ja? Dann müsste ihr schon ziemlich alt sein, aber Alter ist ja keine Schande. Und fandet ihr das gut, Affentänzchen aufzuführen? Oder ab und an mit „der Tochter“ ausgehen zu dürfen, vorausgesetzt, ihr brachtet sie von 10 Uhr unbeschadet an Geist, Seele und Körper wieder zurück? Und dann der Moment, in der ihr um „ihre Hand angehalten“ habt?

Die neue Moralin-Keuschheit

Gut, ich übertreibe gerade. Aber es gibt eine große Anzahl von Menschen und Institutionen, die nun den Zeigefinger heben und sagen: „Seht, diese ziellosen Treffen, die müssen aufhören. Ihr müsst vorher überprüfen, ob euch ein Partner zusagt, und das bitte recht gründlich. Wenn nicht ... oh, oh, dann müsst ihre eines Tages zum Paartherapeuten. Erst Sex, dann richtig kennenlernen? Das ist aber höchst gefährlich für die zukünftige Ehe.“

Ob diese konservativen Typen nun darin „recht haben“ oder nicht - es ist Sache eines jeden, seinen Lebensweg so zu gestalten, wie es ihm gefällt.

Und gleich mal mehr konservative Forderungen stellen?

Ja, und es ist auch eine gute Gelegenheit, erneut über Prostitution zu diskutieren, und darüber, ob die Ehe nicht doch besser gegengeschlechtlichen Paaren vorbehalten sein sollte. Und überhaupt müssten wir eine „neue Wertediskussion“ beginnen.

Wer? Für wen? Warum? Weil wir von einer Pandemie überrascht wurden? Haben wir nicht genügend Probleme damit, sie zu überwinden? Muss sich nicht in jeder einschränken? Und reicht das immer noch nicht? Müssen die Moralhansel uns noch etwas vorplärren?

Den Lebensweg frei machen für das eigene Glück

Nein - auf keinen Fall solltet ihr euch auf Moralprediger einlassen. Ich schlage vor, den Lebensweg voller Freude und Zuversicht, wenngleich mit Vorsicht einzuschlagen. In Freiheit und Selbstbestimmung Erfolg zu haben und auch einmal zu versagen: Das ist Leben. Das andere ist die Diktatur der Pseudo-Eliten, der Besserwisser, der Nicht-Gönner.

Und was können wir wirklich tun?

Gönnt den Menschen einfach die Freiheiten, die ihnen verblieben sind - sie verdienen es. Und macht den Lebensweg. eines jeden frei, statt Hürden aufzustellen, die ihn zögern lassen.

Bild oben: Vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gedruckte Postkarte. Der Künstler konnte leider nicht ermittelt werden.

Alle sind besorgt um Singles – aber diese 10 Wahrheiten stimmen wirklich

Feier ein Fest mit dir - es lohnt sich
Es kann hart sein, „jetzt“ Single zu sein – aber es ist noch härter, ständig das Geschwätz darüber anzuhören. Deshalb kläre ich hier und in der Liebeszeitung jetzt darüber auf, was wirklich „Sache ist“.

1. Glaube niemals einer/einem Unbekannten, der jetzt „Anteilnahme an dir zeigt“.
2. Nahezu alle Tipps, „was du jetzt tun kannst“, sind aus dem Ärmel gezogen wie eine falsche Karte.
3. Das Einzige, was du jetzt wirklich tun kannst, ist dich für die „Zeit danach“ besser aufzustellen.
4. Ob du dich „jetzt“ bei einer der „üblichen“ Online-Plattformen anmeldest oder später ist nicht so wichtig. Klar, dass dich jeder als Kundin/Kunde wegfischen will.
5. Verlass dich als Ü-30 oder Ü-40 nicht drauf, dass nach der Krise „viele Ehen geschieden“ werden. Erfahrungsgemäß greifen „frisch Getrennte“ sehr schnell zu Strohhalmen - und das ist nicht sonderlich gesund für eine zukünftige Beziehung.
6. Wo ich gerade bei „geschieden“ bin: Meist werden getrennte Ehen erst nach längerer Zeit geschieden, und manche, die sich jetzt zoffen, werden nach der Krise auch wieder zusammenkommen.
7. Es trifft nicht zu, dass ihr euch „online“ besser oder intensiver kennenlernt als „offline“. Nach heutigen Standards sind persönliche Begegnungen unerlässlich.
8. Erst, wenn du weißt, wer du selbst bist und was du für andere bist, kannst du wirklich auf Partnersuche gehen.
9. Es hat nicht den geringsten Sinn, sich den Wunschpartner „auszumalen“. Viel wichtiger ist, dir auszumalen, was du alles aufgeben würdest, um ihn kennenzulernen.
10. Wenn du in einem „Partner“ überwiegend einen Sexpartner siehst, dann warte. Sexpartner gibt es bald wieder in Hülle und Fülle. Sie sind sofort wieder am Markt, sobald der „Shutdown“ endet.

Und: Nein, ich bin nicht besorgt um euch, sondern überzeugt, dass ihr es schafft.

Psycho-Tests haben keine Aussagekraft für das Eheglück

Psycho-Tests haben keine Aussagekraft über das zukünftige Eheglück - das ist seit langem bekannt, doch erst seit einigen Jahren gibt es eine Gewissheit, dass dies so ist.

Psycho-Tests, die feststellen sollen, ob ein Paar zusammenpasst, haben keinerlei Aussagekraft. Ebenso könnt ihr alle anderen Theorien in die Tonne kippen, die im Netz darüber verbreitet werden.

Dieser Auffassung ist jedenfalls der Züricher Professor Guy Bodenmann, der seine Überzeugung auf mit Forschungen des vergangenen 25 Jahre belegt (1)

Die Forschung der letzten 25 Jahre zeigt mit großer Übereinstimmung, dass es nicht Attraktivität, Persönlichkeitsmerkmale, Status und das Ausmaß der ursprünglichen Liebe zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft sind, welche eine glückliche Partnerschaft über Jahre gewährleisten. Eine zufriedenstellende Partnerschaft zu führen, braucht Kompetenzen.

Wenn „Persönlichkeitsmerkmal“ (früher Charaktereigenschaften genannt) keine tragende Rolle für eine glückliche Partnerschaft spielen, sind alle diesbezüglichen Tests Makulatur. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als das Partnervermittler sich nicht auf ihre angeblich „psychologisch begründeten“ Partnerübereinstimmungstests berufen können, aber noch mehr, dass die Entwicklung künstlicher Intelligenz für die Partnersuche, auf die vor allem die IT-Branche große Hoffnungen setzte, ebenfalls vom Tisch ist.

Augenwischerei mit C.G. Jung & Co

Schon seit langer Zeit war bekannt, dass es keine wirklich brauchbaren Kriterien für die psychologische Passung von Liebes- und Ehepaaren gab. Die in einschlägigen Papieren und Publikationen genannten Personen und Verfahren hatten kaum einen Bezug zum Thema: Weder Sigmund Freud noch Carl Gustav Jung, weder das Fünffaktorenmodell noch die Theorie von Myers und Briggs.

Als Ergänzung für psychologisch Interessierte wäre noch zu sagen, dass bereits der Grundsatz falsch sein könnte, Personen zunächst in „extravertiert“ oder „introvertiert“ einzuteilen und dann nachfolgend ihre übrigen Eigenschaften festzustellen.

Psychologische Auswahlkriterien schaffen keine glücklichen Ehen

Das alles heißt nicht, dass Attraktivität, Befindlichkeit, Persönlichkeit, Status und Liebe auf die Partnerwahl keine Auswirkungen haben. Die Aussage bedeutet nur: Niemand kann sichre voraussagen, dass eine unter diesen Voraussetzungen geschlossene Ehe „glücklich“ wird.

Das eigentlich neue an der Theorie von Professor Bodenmann ist vor allem, dass die „Wissenschaftlichkeit“ von Voraussagen über die Ehe angezweifelt wird. Bodenmann tut dabei etwas sehr segensreiches: Er gibt die Verantwortung an diejenigen zurück, die wirklich betroffen sind - in diesem Fall an das Paar selbst. Denn er wünscht sich, dass beide Partner über die Kompetenzen verfügen, eine glückliche Ehe zu führen - und falls sie diese noch nicht erworben hätten, so ließen sie sich erlernen.

(1) Guy Bodenmann, Psychologe, in: 'Stress und Partnerschaft', Zürich 2011

Absage an Gleichheitsgrundsätze und ähnliche Märchen bei der Partnerwahl

Gestern wurde ich ein reichlich unweihnachtliches Thema erinnert: die Partnerwahl.

Wer immer sich damit beschäftigt, wird von einem Heer von Psychologen, Soziologen, Eheberatern und ähnlich einseitig ausgerichteten Damen und Herrn damit überflutet, auf Gleichheit zu achten. Etwas abgeschwächt: „Auf Ähnlichkeiten“, und noch etwas abgeschwächt: „auf beziehungsrelevante Ähnlichkeiten“.

Jedes Mal haben die Damen und Herren einen „Gang zurückgeschaltet“ und ihre kühnen Behauptungen den Realitäten angepasst. Und doch hören wir ihnen weiterhin zu, lesen sie weiterhin und folgen weiterhin ihren Ratschlägen.

Partnersuche und Psychologie - eine sinnlose Verbindung?

Warum eigentlich? Nützen sie der Menschheit durch ihre Behauptungen? Was wäre, wenn diese Behauptungen nichts als Nebelkerzen wären, die verschleiern sollen, dass niemand wirklich über ein entsprechendes Wissen verfügt?

Und was wäre, wenn sie der Menschheit gar schaden würden, indem sie ihre Behauptungen in „Formeln zum Glück“ einbauen?

Die Forderung nach "Gleichheit" bringt Rückschritte und soziale Gefahren

In ganz simpler Logik bringt es der Menschheit keinen Fortschritt, wenn stets „ähnliche“ Menschen zusammenkommen. Geistig nicht, emotional nicht, gesellschaftlich nicht und integrativ schon gar nicht. Sagen wird doch mal klar: Die Inzucht wurde überwunden, indem Menschen aus unterschiedlichen Sippen geheiratet haben - nicht aus gleichen. Die sozialen Unterschiede wurden unter anderem, wenn auch nicht ausschließlich, dadurch überwunden, dass Arm und Reich geheiratet haben, der Fortschritt dadurch bewirkt, dass sich Menschen unterschiedlicher Fachrichtung zusammengetan haben. Und das Zusammenleben ist dadurch geglättet worden, dass unterschiedliche Ethnien einander geheiratet haben.
Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Zeit, in der es für einen Katholiken unmöglich war, eine Protestantin zu heiraten – beide galten als ein unvereinbares Paar. Heute kenne ich Männer, die eine Rumänin, Ungarin, Polin, Chinesin oder Japanerin geheiratet haben.

Fast alle angeblichen "Gegensätze" sind miteinander vereinbar - außer in der Psychologie

Alles ist inzwischen „vereinbar“- wenn man einander liebt und sich bemüht. Nur in der Psychologie – da gibt es noch „Übereinstimmungsmerkmale“, die man unbedingt berücksichtigen muss, wenn Ehen glücklich werden sollen.

Machen wir dem ein Ende, jedenfalls hier unten an den Graswurzeln der Menschheit, wo noch Vernunft und Einsicht herrschen. Bringen wir Arm und Reich zusammen, östliche und westliche Ethnien, Extravertierte und Introvertierte, Theoretiker und Praktiker. Sagen wir ihnen doch einfach, sie sollen lieben, wen sie wollen und heiraten, wen sie wollen. Seien wir ehrlich und sagen wir noch dazu:

Wir wissen nicht besser als ihr, ob ihr glücklich werdet, aber wir sind fest davon überzeugt, dass die Welt ein bisschen besser wird, wenn wir uns miteinander mischen.

Soziologie, Frau Illouz und der Markt für Partner

Eva Illouz weiß offenbar, was ein Markt ist. Und was einen Markt ausmacht. Und das sagt sie dann so (1):

(Die …) Möglichkeit, das ganze Angebot zu sehen, macht einen Markt zu einem Markt.


Heißt: Du gehst morgens rüber, sieht die das ganze junge Gemüse an und wählst dann aus, was dir gut munden wird.

Wer ansonsten kritisch analysiert, und das kann Frau Illouz durchaus, sollte sich nicht auf solche Plattitüden einlassen. Denn nirgendwo auf dem Partnermarkt ist „das ganze Angebot“ zu sehen, zu riechen, zu befühlen und was sonst noch auf Märkten möglich ist. Das lässt sich leicht beweisen, denn ein Großteil des „Angebots“ ist gar nicht verfügbar, und der Markt ist eben auch ein „Sehmannsmarkt“ – also ein Markt für Gucker, die nie etwas auswählen.

Vielleicht – nun ja – sollte sie mal diesen Satz lesen (2):

Auf Eselmärkten kann man keine Kamele kaufen.


Das bedeutet viel, und es lohnt sich, darüber nachzudenken. Auch für Partnersuchende. Und weil das Sprichwort aus dem Arabischen stammt, sei noch angemerkt: Kamele sind wertvoller als Esel.

Und dass Frau Illouz es genauer weiß, zeigt, dieser Satz (1):

… je mehr die Menschen suchen, desto unsicherer werden sie dann doch darüber, was sie sich von der anderen Person überhaupt wünschen.


Das spricht nun allerdings überhaupt nicht dagegen, sich einen Markt zu suchen, auf dem man einander finden kann. Nur ist „Markt“ etwas Normales und nichts, an dem es etwas zu bekritteln gibt. Und um den Marktjargon beizubehalten: Irgendwann will jeder halbwegs vernünftige Mensch auch mal ans „Eingemachte“. Da heißt, er wird beständig und sucht nicht dauernd nach frischen Früchtchen, die noch süßer sind als die, die er letzte Woche probiert hat.

Für alle anderen, die auf Dauersuche sind: Der Markt beweist ja auch, dass es die wundervollen exotischen und perfekten Super-Früchte eben nicht gibt – und dass sie gegebenenfalls nicht mal schmecken.

Es ist nicht der Markt, der manche Menschen verwirrt - diese Menschen waren schon vorher entsprechend völlig realitätsfremd.

Zitate:

(1) Süddeutsche Zeitung
(2) Zitiert nach Laing, Rondald D.