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Sachsen-Anhalts CDU rebelliert gegen die ARD

Angesichts der Probleme, die dieses Land wirklich bewegen, kann man schon den heiligen Zorn bekommen, wenn sich irgendwelche CDU-Abgeordnete gegen die moderate Beitragserhöhung der Rundfunkbeiträge auflehnen. Irgendwie passt das ja: Im Vereinigten Königreich schießen die Konservativen sich auf die BBC ein, in Sachsen-Anhalt gefällt den CDU-Abgeordneten Detlef Gürth, Frank Scheurell und Markus Kurze die ganze Chose nicht. Die Begründung von Frank Scheurell ist besonders interessant - sie zeigt, das es gar nicht um die Gebühren geht, sondern um etwas anderes.

„Wann findet Sachsen-Anhalt mal in der ARD statt? Wenn irgendein Mob etwas anzündet. Ansonsten? Kannste vergessen! Da machen wir nicht mehr mit.“

Übrigens will die AfD auch nicht „mehr mitmachen“. Wollte sie noch nie.

Mehr dazu sollte man in der ZEIT nachlesen. Vor allem den letzten Absatz. Der spricht Bände.

30 Jahre Einheit und Spalter

Es ist die Zeit der „Manhättes“. Also derjenigen, die hinterher immer alles besser wissen. „Man hätte nicht 1:1 umstellen müssen“, „man hätte die industrielle Substanz erhalten müssen“.

Herr Kohl und seine Versprechungen

Was man hätte tun können, war sicherlich mehr, als man tat. Das hat einerseits damit zu tun, dass kaum jemand im Westen an die Wiedervereinigung geglaubt hätte. Wer nicht mehr daran glaubt, kann sich auch nicht vorbereiten. Und dann war da der Herr Kohl - der hätte wissen müssen, dass er viel zu viel versprochen hatte. Und er hoffte, wie nahezu alle Menschen seines Schlages - auf die Kraft der edlen Gesinnung, die schon alles richten würde.

Nicht zuhören im Westen, kein Überblick im Osten

All dies war ein folgenschwerer Irrtum. Hinzu kam, dass die Menschen aus dem Westen nicht gut zuhörten, wenn die Menschen aus dem Osten sprachen. Und die Menschen im Osten ahnten zum großen Teil nicht, dass ihr Staat pleite war und ihre Industrie zwar vorhanden, aber völlig unvorbereitet auf das 21. Jahrhundert war.

Wer die bessere Welt im Westen suchte

Zudem trat ein Phänomen ein, das viele überraschte: Die Bindungen an die ostdeutsche Scholle waren kleiner als gedacht. Insbesondere Frauen strömten nach Westdeutschland. Nicht nur wegen der höheren Löhne, sondern auch, um eine Welt einzutauchen, die ihnen in mehr Entfaltungsmöglichkeiten bot. Und - sie erwiesen sich als ausgesprochen anpassungsfähig.

Die 1990er - Veränderungen allenthalben

Überhaupt waren die 1990er-Jahre für alle eine Zeit, in der sich Veränderungen anbahnten. Auch im Westen änderte sich das Prinzip, auf die Welt zu kommen, irgendeinen Beruf zu haben, an ihm festzuhalten und ihn mit 65 Jahren für die Rente zu verlassen. Das Verhalten der Männer gegenüber Frauen und die Sichtweise der Frauen auf die Männer hatten sich im Westen schon vorher verändert - doch in den 1990ern zeigten sich die Früchte, die eine neue Generation daraus erntete. Auch die Wirtschaft, sowohl die Industrie wie auch der Handel, erlebten in der Folge Veränderungen. Das Informationszeitalter bot ganz neue Chancen - für diejenigen, die ihm nicht folgen wollte, aber auch zahllose Nachteile. Kurz: Alles wandelte sich. Jeder war damit beschäftigt, den Wandel für sich selbst zu vollziehen oder zu verarbeiten.

Im Osten - Scheinwelten erstellen statt Realitäten zulassen?

Man hätte - ökonomische „hätte“ man vielleicht etwas anders vorgehen können - aber das ist reine Spekulation. Was wäre wohl passiert, wenn man in den alten Fabriken mit dem bekannten Personalüberhang weiterproduziert hätte? Wie schnell hätte man damit Scheinwelten geschaffen? Und was wäre, wenn diese nach ein paar Jahren falscher Hoffnungen mit Krachen zusammengebrochen wären?

Der „Osten“, eigentlich also die neuen Bundesländer, entwickelte sich weder so schlecht, wie befürchtet noch so gut, wie von den Schönbetern um Helmut Kohl erwartet wurde. Der „große Ruck“ fehlte allenthalben, zumal die Jugend als Motor solcher Entwicklungen ausfiel - und er fehlt bis heute.

Nach 30 Jahren wir die Einheit schlechtgeredet

30 Jahre Einheit? Inzwischen glauben die Spalter, ihre große Stunde hätte geschlagen. Sie treiben Keile in die Bevölkerung, trennen wieder zwischen „guten“ Ostdeutschen“ und „bösen“ Westdeutschen. Sie versuchen, Kulturen und Identitäten zu reanimieren, die längst verfallen sind.

Sie sind es, auf die wir achten müssen, gleich, ob sie von „links“ oder von „rechts“ aus argumentieren. Und wir sollten uns wirklich mehr auf diejenigen konzentrieren, die unsere gemeinsame Kultur pflegen und entwickeln. „Deutsch“ sein heißt heute viel mehr, als einem exzentrischen Nationalkult anzugehören.

Was es heißt? Das wissen leider oft nur diejenigen, die ihr „Deutschsein“ kritisch ansehen und die wissen, aus wie vielen unterschiedlichen Kulturen es sich zusammensetzt. Und sie sehen in westeuropäischen Werten, unabhängig von „nationalen“ Überlegungen, die Ursprünge unseres Daseins. Und dabei habe ich noch nicht einmal berücksichtigt, dass ein großer Teil „unserer“ Kultur aus dem Orient stammt.

Wie wäre es also mit mehr Einheit und weniger Spaltung?

Mieten – objektiv

Die Wochenzeitung die ZEIT veröffentlichte gerade einen Artikel, in dem die Wohnsituation in Deutschland anhand der Mietpreise beleuchtet wird.

Die Erkenntnisse sind nicht neu – Großstädte, deren Speckgürtel sowie Anrainer an Grenzen zu ebenfalls wohlhabenden Ländern und beliebte Küstenregionen sind die Spitzenreiter.

Im Osten sind die Mieten wirklich niedrig

Obgleich es auch im „alten“ Westen noch günstige Regionen gibt, werden im Osten die niedrigsten Mieten gefordert und gezahlt. Zwischen knapp vier und sechs Euro pro Quadratmeter können dort in der Fläche erzielt werden. In meiner Region liegt die Kaltmiete bei ungefähr fünf Euro. Viele Altbauwohnungen werden aber nach wie vor zu wesentlich günstigeren Preisen angeboten.

Die nächste Großstadt ist 40 Km (Luftlinie) oder 53 km (Straße) entfernt. Ich denke, ein Bewohner des "Mittleren Neckarraums" würde über solche Konditionen Bauklötze staunen.

Im Osten Deutschlands sind die Mieten deutlich niedriger

Benachteiligter Osten? Setzt man die Mietkosten mit einem Drittel des in einer Familie verfügbaren Einkommens an, dann ist der Osten vergleichsweise ein paradiesisches Pflaster. In Leipzig beispielsweise liegt die durchschnittliche Vergleichsmiete noch unter 5,50 Euro pro qm – in Stuttgart hingegen bei 10,40. (1)

Inn Baden-Württemberg ist das Wohnen selbst in kleineren Städten im S-Bahn-Umfeld sehr teuer geworden: Die 24T-Einwochnersadt Ditzingen liegt auf Platz 10 im Mietspiegel.

Soweit zur Ost-West-Neiddiskussion und der Realität.

(1) Laut F+B Mietspiegelindex 2019, dem SPIEGEL entnommen. Der Mietspiegelindex betrifft Wohnung mit 65 Quadratmetern in mittlerer Ausstattung und Lage.

Wohlhabende Familien dürfen sich die Taschen füllen - aber andere dürfen sich auch freuen

Nun gibt's also doch keine Quadratmeterbeschränkung für das Baukindergeld. Also, wohlhabende Familien: Füllt euch die Taschen! Auch wenn's nur fünf oder zehn Prozent des Geldes ist, was ihr für euer Luxusappartement oder vielleicht gar für eine kleine Villa braucht, nehmt's mit. Die Regierung will es euch schenken.

Soweit der Sarkasmus. Er ist absolut berechtigt, weil der Staat einmal mehr Familien fördert, die keine Förderung benötigen. Und weil das so ist, kann man diese Behauptung getrost in die Tonne treten:

Mit dem geplanten Baukindergeld will die Koalition vor allem jungen Familien den Erwerb von Wohneigentum erleichtern.


Die gute Nachricht: Im Osten ist vieles möglich

Allerdings – und nun kommt der gute Teil der Nachricht: Tatsächlich können sich junge Familien im Osten – wenn die Stadt nicht zu groß ist – nun tatsächlich Wohneigentum leisten. Was überwiegend daran liegt, dass hier ohnehin keine Wohnungsnot herrscht und sich Spekulation daher nicht lohnt.

Wer also hat den echten Vorteil? Wahrscheinlich doch die Familie im Osten mit zwei Kindern, die der Staat mit den gleichen 24.000 Euro bezuschusst, wie die Familie in Köln, Hamburg oder München, die sich eine Immobilie für eine Mio. Euro leistet. Denn einmal können es 24 Prozent sein – und einmal 2,4 Prozent der Anschaffungskosten.

Sozial ist es trotzdem nicht – und Banken beleihen Immobilien in der Regel nicht zu 100 Prozent. Doch wenn die Eltern und Großeltern mitmachen, Sohn oder Tochter gegebenenfalls sogar Handwerker(in) ist, dann ist das Baukindergeld eine einmalige Chance für jede junge Familie, zu Eigentum zu kommen.