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Ostdeutschland – verlorenes Land für die aufgeklärte Demokratie?

Ein Großteil der Wähler im Osten Deutschlands hat der Demokratie eine Ohrfeige verpasst. Anders kann man es nicht nennen, wenn man überzeugter Demokrat und Liberaler ist und zudem geschichtsbewusster Bundesbürger. Auf der Suche nach der Verantwortung hörte man zwar oft den Namen „Angela Merkel“, dann wieder „die Asylanten“, aber oftmals auch einen völligen Unsinn über Politik und Demokratie. Ich habe jüngst in der „Berliner Zeitung“ gelesen, dass die Ostdeutschen Frust-Männer, die allein geblieben und abgehängten, die Ursache waren. Das mögen Zahlen von irgendwoher belegen, aber es ist nicht die Wahrheit: Die AfD steckt hier im Osten in den Familien, die die kürzlich stattgefundene „Kinderwahl“ eindeutig belegt.

Von Demoskopen erhobene Daten sind geduldig, aber nicht aussagefähig. Mit einer „inneren“ Trennung von Ost und West lässt sich viel beweisen und widerlegen. Doch ein wichtiger Aspekt wird selten genannt. Der Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf weißt darauf hin, dass

Viele Politiker in den alten Bundesländern (…) bis heute nicht verstanden … haben …, welche immense Leistung es ist, was hier nach 1990 geschaffen wurde. Und sie anerkennen auch nicht die Herausforderung der Politiker nach der Wende, für das neue politische System und um das Vertrauen der Menschen zu werben.


Und da liegt der Hase im Pfeffer: Viele Menschen im Osten haben das demokratische System von vornherein nicht begriffen, ja nicht einmal die Grundlagen des Wirtschaftssystems oder den Sozialstaat. Insofern muss selbst Biedenkopf widersprochen werden: Es gab keine Bürgerkurse für Ostdeutsche, um dererlei zu verstehen, womit ich nicht behaupte, dass Westdeutsche darin klüger sind. Aber: Sie haben jetzt seit 70 Jahren erfahren, dass sich dieses System bewährt hat. Das ist etwas anders als bei den Ostdeutschen, die nichts vom demokratischen System wissen und die freie Marktwirtschaft niemals begriffen haben. Stattdessen schreien sie bei jeder Gelegenheit nach dem Staat, ohne ihn jemals zu unterstützen. Wobei zu erwähnen bleibt, dass es im Osten keine politische Gesprächskultur gibt – nach wie vor werden Gespräche über Politik im Keim erstickt, indem blitzschnell andere Themen, meist nostalgischer Art, hervorgeholt werden.

Man könnte einen oft gehörten Satz verstehen, der da lautet: „Wir haben nun in 27 Jahren so viel aufgebaut, und nun wollen wir nicht, dass es jemand zunichtemacht.“ Davon kann allerdings nicht die Rede sein, denn die Menschen in den Neuen Bundesländern leben in einem neuen Luxus. Der zeigt sich vor allem darin, dass sich kaum noch jemand „die Hände schmutzig machen“ will – was konkret heißt: Handwerks-Azubis werden zur Seltenheit.

Ich bezweifle, dass die Menschen, die in den 27 Jahren seit der Wiedervereinigung wirklich sehr viel aufgebaut haben, den Staat und seine Regierung hassen. Sie hätten nämlich keinen Grund. Wer hasst also Staat und Regierung, und wer steht hinter den Scharfmachern? Ich weiß es nicht – es können nicht ausschließlich diejenigen sein, die „abgehängt“ wurden, denn wirklich „abgehängt“ wurde kaum jemand. Es muss diese grummelnde graue Masse an den Würstchenbuden sein, von der die Miesmacherei ausgeht.

Frau Merkel und die Pfiffe im Osten

Wie es scheint, reisen Anti-Merkel-Touristen in der Verkleidung der Biedermänner der Kanzlerin nach, um Veranstaltungen zu stören. Das ist nicht nur unfein, sondern schadet auch der Demokratie. Wie ergeht es den Menschen, die hören wollen, was Frau Merkel zu sagen hat? Lesen Sie dazu einen Bericht in der ZEIT.

Jammern, wenn Einwohnerzahl sinkt, Jammern, wenn sie steigt

Beste Nachrichten aus Leipzig: Die Einwohnerzahl nimmt zu. Die gloriose Halbmillionenstadt hat geschafft, wovon andere ostdeutsche Städte nur träumen können: Sie hat einen enormen Zuwachs an Einwohnern. Spätestens 2018 will man 600.000 Einwohner haben.

Glückliches Leipzig?

Nein, die Regionalzeitung nörgelt. Denn wenn hier im Osten etwas gut ist, dann findet sofort jemand ein Haar in der Suppe. Und dann heißt es erst einmal: Öffentlich jammern, oder "die Kehrseite des Booms" in den Vordergrund zu schieben.

Also, mal Tacheles: 1998 hattet ihr in Leipzig gerade mal 437.101 Einwohner. Da wurde noch über die Abwanderung der Menschen in den Westen gejammert. Und jetzt? Wieder nichts als jammern?

Jetzt heißt es, es stünden nicht genug Wohnungen zur Verfügung … und voreinigen Jahren? Da hatte man noch über Leerstand geklagt.

Und – nicht ganz zuletzt – ist Leipzig durch die regionale S-Bahn mit einer großen Anzahl von Orten verbunden, in denen es noch genügend Leerstand gibt. Abgesehen davon, dass auch in der Stadt Leipzig noch genügend Bausubstanz besteht, die saniert werden könnte. Das weiß natürlich auch die örtliche Zeitung:

Denn aktuell liege die Zahl der ungenutzten, aber bezugsfertigen Wohnungen im Stadtgebiet nur noch bei etwa 10.000. Weitere 9.000 müssten erst saniert werden, bevor jemand einziehen kann.


Heißt: Es gibt sowohl noch Leerstand wie auch Potenzial. Und falls man in Leipzig mal die Hände aus den Hosentaschen nehmen würde, statt herumzulamentieren, könnten es ja auch noch mehr werden, oder? Und weildie Regionalzeitung gerade beim Jammern ist, bringt sie auch noch dies an:

Im Vergleich zu den anderen sächsischen Großstädten sind die Leipziger immer noch die ärmsten.


Mir kommen die Tränen, liebe Volkszeitung. wirklich.