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Machtlos

Ich las gerade: Diejenigen, die keine Macht haben, müssten sich aufs Interpretieren beschränken. Gemeint sind Frauen, die „anhand weniger Zeichen erkennen lernen ob Gefahr, Reichtum oder Irrationalität droht.“

Ob Reichtum für Frauen wirklich bedrohlich ist, weiß ich nicht – man frage den FAZ-Redakteur, der’s so geschrieben hat.

Online-Dating - die schnelle Entscheidung beim ersten Kontakt

Ich denke eher an zweierlei, wenn ich so etwas lese: einmal an das moderne Online-Dating. Dabei muss jeder (egal, ob Frau oder Mann) in wenigen Minuten entscheiden, ob es sich lohnt, den anderen wirklich näher kennenzulernen.

Der machtlose Blogger - er muss interpretieren

Und zum Zweiten fühle ich mich sehr an uns Blogger erinnert. Wir haben keine Macht – weder die der Pressekonzerne noch die der Wirtschaftsverbände und nicht einmal die der in- und ausländischen Beeinflussungsmaschinen, die schreibende Falschmünzer beschäftigen. Wir können bestenfalls noch interpretieren, was sie schreiben. Und dann und wann können wir eine Korrektur anbringen.

Die Lügenpresse der Extremisten

Es geht dabei überhaupt nicht um die „Lügenpresse“, also die normale, freie und unabhängige Presse, die ständig von den Rechtsextremisten diffamiert wird. Die wahre Lügenpresse steht immer extrem rechts oder extrem links und verdreht Nachrichten so, wie sie ihre Anhänger gerne lesen würden.

Die Liebe beginnt auf keinen Fall im Internet

Ein Liebespaar im Lustgarten
Wie kann ich, ein erklärter Befürworter des Online-Datings und jahrzehntelanger Beobachter der Kennenlern-Szenerie sagen, die „Liebe beginnt nicht im Internet?

Weil ein Teil von euch sich inzwischen einlullen ließ von Werbung oder von willfährigen Journalisten, die euch alles „schönreden“ wollen. Sie „verwechslen“ ganz bewusst alles mit allem und erschaffen eine Scheinwelt. Und ihr? Ihr fallt darauf herein, wenn ihr für Illusionen anfällig seid. Und wer wäre das nicht, wenn ihm die „Liebe“ versprochen wird?

Online-Dating ohne Illusionen ist positiv

Zunächst mal das Positive: Online-Dating bringt Menschen zusammen, die privat oder beruflich wenig Kontakte haben. Die Methode erlaubt Frauen und Männern, die in (immer noch) ziemlich „geschlechtsspezifischen“ Berufen arbeiten, in die Welt hinauszugehen, in der eine Vielfalt herrscht. Zudem gestattet Online-Dating den Schwierigen und Individuellen, einen passenden Partner zu finden. Und außerdem – fast das Beste – fördert diese Form der Partnersuche auch eine Durchmischung der Gesellschaft, selbst wenn dies manchmal bezweifelt wird.

Mit Illusionen ist Online-Dating nahezu unerträglich

Und warum gibt es dann keine „Liebe per Mausklick“ oder was die Werbefuzzis sonst noch erfunden haben?

Weil es sich nicht um Liebe handelt. Es geht darum, Menschen kennenzulernen, die frei und offen für eine Beziehung sind. Mit Liebe hat dies zunächst gar nichts zu tun – nicht einmal mit der Illusion von Liebe.

Die größten Probleme werden von Kunden erzeugt

Das Problem des Online-Datings, wie es heute von den sogenannten „seriösen“ Portalen praktiziert wird, liegt beim Kunden, auch „User“ genannt, also bei den partnersuchenden Frauen und Männern.

Ausnahmsweise will ich dazu mal Helen Fisher zitieren, die in der Vergangenheit etwas zwiespältig angesehen wurde, weil sie für ein Online-Dating-Unternehemen tätig ist. Nun sprach sie über Hoffnungen, Fantasien und Realitäten im Online-Dating. Und ich füge hinzu: Sie hätte auch von „Anspruchshaltung“ sprechen können. Ich zitiere Frau Fisher hier nach „The Dailey Targum“

Das Problem mit Online-Partnervermittlungsdiensten in der modernen Zeit ist jedoch, dass die Menschen zu lange auf den Webseiten (der Anbieter) bleiben.


Was bedeutet es also, lange Mitgliedschaften zu vereinbaren und sich „wirklich Zeit zu nehmen“, der richtigen Partner zu finden? Ist das nicht eher positiv?

Nein, sagt Frau Fisher, und weiter:

Je länger jemand bei einem Dating-Anbieter verbleibt, desto unwahrscheinlicher wird es, dass er einen potenziellen Partner persönlich trifft. Und wenn sich beide dann treffen, werden sie eher enttäuscht.


Und woher resultiert die Enttäuschung? Erneut Frau Fisher:

Wenn Sie sich zu lange auf einer Dating-Seite aufhalten, werden ihre Hoffnungen verstärkt und Ihre Fantasie erzeugt ein bestimmtes Bild von der Persönlichkeit (… hinter dem Profil). Der erste wirkliche Knackpunkt kommt dann beim Treffen in der Realität, wo sich herausstellt, dass die Person nicht ihren Erwartungen entspricht.


So, und nun stellt euch mal vor, wie so etwas aussieht, wenn es häufiger passiert – ein Frust ohne Ende. Immer wieder werden Erwartungshaltungen aufgebaut, und nach dem „persönlichen Begucken“ fallen Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen und „Ansprüche“ zusammen wie ein Kartenhaus.

So – und all dies muss nicht sein. Aber um dies darzustellen, ist mehr Text notwendig, als der, den ich hier unterbringen kann.

Alle Zitate: "The Daily Targum"

Foto: © 2019 beim Autor.

Blödsinn über Dating-Apps

Über Dating-Apps wird gegenwärtig der gleiche Unsinn verbreitet wie vor 10 oder 15 Jahren über Online-Dating: Diese Kennenlern-Methode würden nicht nur das gesamte Liebesleben verfälschen, sondern auch die soziale Komponente der Liebe aushebeln. Nun glauben ähnliche Kritiker darüber hinaus, die Dating-Apps würden zu ONS, sexuell übertragbaren Krankheiten, sozialen Verwerfungen, dem Konsum von Sex und – am Schlimmsten – zu unerwünschten gesellschaftlichen Veränderungen führen.

Dating-Apps - was bedeuten Sie wirklich?

Sicher – Dating-Apps sind nicht unbedingt etwas Glorioses, das die Menschheit weiterbringt. Sie dienen dazu, zu sagen: Ich bin hier, am Markt, zwar nur bedingt verfügbar, aber interessiert. Das ist eigentlich dasselbe, was junge Frauen und junge Männer seit jeher tun: Sich dorthin begeben, wo die Chance besteht, jemanden zu treffen, und ihn möglichst schnell an den Tisch und ins Bett zu bringen.

Die vorgetäuschte Vielfalt

Mit einem Unterschied, auf dem alle herumreiten: Da soll es angeblich eine „Vielfalt“ geben. Und wenn der eine genügend abgelutscht oder die eine genügend ausgelutscht, dann, so wird behauptet, würden die jungen Frauen und Männer nachsehen, ob es nicht noch jemandem gäbe, der attraktiver wäre. Die sogenannten Fachleute wissen natürlich längst, dass die Apps die Wurzeln des Übels in sich tragen: Sie verführen die jungen Menschen (vor allem junge Frauen) sich viel zu schnell jemandem hinzugeben, ohne vorher nachzudenken. Oder sich eine Weile an dem betreffenden Kerl (oder der Maid) zu bedienen und dann abzuservieren.

Luzifer, der Kapitalismus und alle anderen, die "Schuld" sind

Wen es nicht die Apps sind, ist es die ganze Gesellschaft – und dort sitzt Luzifer im Kapitalismus, wie eine einschlägige tätige Soziologin immer wieder predigt. Und auch die „Paarberater“ (warum eigentlich die?) stoßen Kassandrarufe aus: Wenn das so weitergeht mit diesen Apps, mit dem Kapitalismus, mit der Spaßgesellschaft oder der sexuellen Begierde, dann ist Deutschland bald verloren. Falls unser Land nicht, wie die Edelchristen vermuten, bald daran zugrunde geht, dass wir alle schwul werden – durch den neuen Sexualkundeunterricht.

Es liegt nie an uns selbst - wie schön für uns, nicht wahr?

Es muss eben immer an „etwas anderem“ oder „an den anderen“ liegen – es kann gar nicht sein, dass es an uns liegt, nicht wahr?

Der größte mentale Betrug, den auch Journalistinnen und Journalisten unterstützen, ist die Behauptung, es gebe online „unendliche viele Partner“. Die Behauptung zeugt von Unkenntnis, Praxisfremdheit und nicht zuletzt davon, niemals nachzudenken, bevor man in die Tasten greift.

Richtig ist, dass es rechnerisch sehr viele Singles gibt. Unrichtig ist, dass diese in einem vertretbaren Umfeld einer Kleinstadt wohnen oder im gewünschten Alter sind, die erwünschten Eigenschaften haben oder den entsprechenden sozialen Status. Außer für einen ONS, der leichter zu finden ist als früher, ist es für fast alle Männer und manche Frauen schwer, eine Partnerin oder einen Partner zu finden, vor allem für

- Frauen über 40.
- Männer unter 25.
- Schlecht ausgebildete Männer.
- Extrem gut ausgebildete Frauen.


Marktgegebenheiten werden unterschätzt

Wer etwas anders behauptet, möge es beweisen und nicht einfach in die blaue Luft hineinfaseln. Denn das Märchen von der Vielzahl passender Partner wird nur dort wahr, wo das Angebot größer ist als die Nachfrage. Und im Dating-Markt ist es so, dass die Nachfrage im Bereich der „besten Eigenschaften“ immer wesentlich größer ist als das Angebot. Und je weiter jemand von der Großstadt entfernt lebt, je mehr Wünsche er im Gepäck hat und je weniger er bereit ist, den Standort zu wechseln, umso schlechter wird es für ihn oder sie.

Ich bin Eric Hegmann dankbar, etwas Sinn in die Diskussion gebracht zu haben. Ander hatten entweder nicht den Mut oder die Erfahrung, die Wahrheit zu sagen. Denn: Nicht die App erzeugt die Bedürfnisse und Schwierigkeiten, sonder Menschen mit übertrieben Bedürfnissen nutzen Apps und kommen dadurch in Schwierigkeiten.

Hiwweis: ich habe heute einen ähnlichen Artikel für die "Liebe Pur" geschrieben.

Dummheiten und Dreistigkeiten über die Partnerwahl - 4. Teil (und Ende)

Mächtige Thesen - nichts dahinter. Wissenschaftler, die kein Wissen schaffen, verdummen das Volk mit unhaltbaren Thesen über die Partnerwahl. Langsam näheren wir uns der Wahrheit, und die heißt: Wenn wenig vorhanden ist, stört der Mangel, und wenn viel vorhanden ist, stört der Überfluss. Eigentlich sollte dies jedes Kind wissen. Man nennt es "Marktgeschehen". Das Problem dabei: der moderne Partnermarkt ist schwer zu überblicken.

Das haben Wissenschaftler vergessen: Der Markt hat Priorität

Was nicht am Markt ist, kann nicht erwoben werden. Das gilt auch für den Heiratsmarkt. Diese einfache These wird nirgendwo in der sogenannten „Wissenschaft“ (1) berücksichtigt, aber sie ist die plausibelste These überhaupt, zumal sie logisch nicht zu widerlegen ist. Dennoch ergeben sich auch aus dieser Theorie Fragen, die allerdings erst in jüngster Zeit relevant wurden.

1. Der regionale Markt – klein und überschaubar, aber wenn er erschöpft ist, gibt es niemanden mehr.
2. Der Restemarkt (bis ins 20. Jahrhundert hinein): Die „Übrig gebliebenen“ oder Verwitweten mussten sich einen neuen Markt suchen und dabei Vermittler einschalten oder annoncieren. Der Markt war zwar vorhanden, aber sehr begrenzt.
3. Der globale Markt (ab 21. Jahrhundert). Der globale (oder wenigstens überregionale) Markt steht jedem offen. Er ist überreich bestückt.

Das Problem dabei: Jedes Bauermädchen und jede Bürgertochter kannte sich mit dem regionalen Markt aus, während der Restemarkt Gesetzen folgte, die von den meisten nicht beherrscht wurden. Das hat sich inzwischen verschärft: Der globale Markt erfordert Kenntnisse – sowohl im Käuferverhalten wie auch im Verkäuferverhalten. Es zeigt sich immer mehr, das mindestens die Hälfte der Partnersuchenden davon überfordert ist.

Fazit: Die Marktthese trifft zwar vollständig zu, aber der Markt wird umso unübersichtlicher, je größer und unspezifischer er ist. Heute sind bereits erhebliche Verwerfungen erkennbar. Und dennoch: Am Markt wird genommen, was unter ökonomischen Bedingungen (pekuniäre, soziale und emotionale Einkommen) vertretbar ist.

(1) Ich spreche der traditionellen Wissenschaft ab, kompetent für die „richtige“ Partnerwahl und die Partnersuche unter Menschen zu sein.

Ökonomische Partnersuche

In der Partnersuche gibt es keinen "Warencharakter" - nur in der Prostitution
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich (noch manchmal) als Berater für Partnersuchende tätig, vor allem im Bereich des Online-Datings.

Vielfach wir unter angeblichen Intellektuellen behauptet, die heutige Partnersuche sei ein Auswuchs des Kapitalismus, da die Personen, die gesucht würden, wie Waren gehandelt und gegebenenfalls auch behandelt würden.

Das ist logischer Unsinn, denn jeder Suchende ist zugleich auch Gesuchter. Eine Ware kann eine andere Ware aber nicht als Ware behandeln. Hingegen ist es möglich, einen Menschen zumindest warenähnlich zu behandeln: wenn der Freier eine Hure sucht.

Selbst, wenn man die Partnersuche aus der Sichtweise eines einzelnen Suchenden sieht, ist es falsch, dass Alleinstehende ihre potenziellen Partner als „beliebig verfügbare Ressourcen“ ansehen.

Vielmehr ist der oder die Gesuchte eine Rarität, also jemand, den es zwar in mehreren ähnlichen „Ausführungen“ gibt, die aber äußerst seltene sind. Ich vergleiche dies gerne mit dem Kauf von Antiquitäten: Kein Stück ist wirklich perfekt. Und falls es annähernd perfekt ist, dann ist es unerschwinglich teuer. Wenn Sie also etwas Spezielles suchen, müssen Sie sich schnell entscheiden, und dies sogar dann, wenn das gute Stück einzelne Mängel hat. Natürlich kauft man nicht das erstbeste Angebot, sondern sucht nach einem Kompromiss zwischen Preis und Zustand des Objekts. Wenn der Suchende nicht kauft, dann weiß er dennoch, was ihm entgangen ist und er trägt bewusst das Risiko, dieses Angebot später nicht mehr vorzufinden und auch kein besseres zu bekommen.

Nehmen wir nun die Partnersuche, und ersetzten wir ein paar Worte: Das Wort „Preis“ mit dem Wort „Aufwand“, das Wort „Zustand“ mit dem Wort „Eigenschaften“ und das Wort „Objekt“ mit „Person“, dann haben wir die Formel gefunden.

Wir suchen nach einem Kompromiss zwischen dem Aufwand der Suche und den verfügbaren Eigenschaften der Personen, die wir treffen. Lehnen wir eine Person ab, so sollten wir wissen: Dieses Angebot wird später kaum noch verfügbar sein, und ob es ein anderes, besseres Angebot gibt, ist fragwürdig.

Man könnte dies auch als „ökonomisch sinnvolle Suche“ bezeichnen.