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Das Ende der Unfreiheit und Willkürherrschaft vor 30 Jahren

So unsinnig oder sinnvoll die Kommentare über den Mauerfall heute sein mögen: Viele Menschen in der Ex-DDR haben den Wunsch nach Freiheit mit dem Tod oder jahrelanger Haft bezahlt. Im Rechtsstaat wäre das unmöglich – soweit also zur Berechtigung, die Ex-DDR einen Unrechtsstaat zu nennen. Der Mauerfall war das Ende der Unfreiheit und der Willkürherrschaft, der Todesstreifen und der Haft, die denjenigen drohte, die nichts als ihre Freiheit wollten und dabei von den eigenen Landsleuten verraten wurden.

Die Freiheit ist da - die "blühenden Landschaften" waren Kohls Wunschdenken

Nun haben alle die Freiheit, die sie sich gewünscht hatten. Und das ist fürwahr ausgezeichnet. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind sicher noch, da – aber sie schwinden, jedenfalls im Alltag. Dogmatiker und Gerechtigkeitsfanatiker mögen das anders sehen. Und nunmehr wir auch klar, dass Helmut Kohl und die damalige CDU-Führungsriege die Lage völlig falsch eingeschätzt hat: „Blühende Landschaften?“ Damit war doch gar nicht zu rechnen – denn woher sollten sie kommen? Landschaften werden nicht von außen zum Blühen gebracht – ihre Blüte, aber auch ihre Früchte, kurz: Die Impulse müssen eben auch von innen kommen.

Daran wird hart gearbeitet, und das erlebe ich jeden Tag. Dabei stellt sich oft auch heraus, dass gar nicht alles möglich ist. Man kann eine Stadt, der die Industrie weggebrochen ist und die an Einwohnerschwund leidet, kaum mehr sanieren, und wenn, dann dauert es sehr, sehr lange.

Klugscheißer nützen weder West noch Ost

Klugscheißer, also Besserwessis und Besserossis, gibt es jeden Tag, Paare mit West-Ost-Wurzeln oder Auslandserfahrungen (in Ost oder West) wenige. Die Kenntnisse im Westen über den Osten sind minimal, die Kenntnisse der Ostdeutschen über den Westen allerdings ebenfalls. Ich hörte ja neulich, dass die USA „uns“ (also dem Westen) ein blühendes Wirtschaftssystem geschenkt hätten. Ich kommentiere solchen Unsinn nicht einmal mehr.

Wer weiß, wie es in der Welt zugeht, und was alles möglich (oder eben äußert schwer zu erreichen) ist, wird kaum jemals mit anderen hadern. Und das wünsche ich mir von Deutschland heute: Nicht hadern, nicht erwarten, keine Ansprüche stellen – sondern das Leben bei den Hörnern packen.